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August 2021 - coolibri

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THEMA Eröffnungsfeier

THEMA Eröffnungsfeier an derMarkhalle Rottstraße Foto: Michael Alisch Neue Orte für die Stadt Wasmachteinelebenswerte Stadt aus? UralteFrage, vieleAntworten.Gleichzwei bürgerschaftliche Projektehaben kürzlich die StadtEssen immens bereichert. DieMarkthalleRottstraße istsehrbunt, diePermakultur Ruhr Bonnekamphöhe sehr grün. In Essen-Katernberg in Sichterbeeines Weltkulturerbes gibteseinen Zaubergarten. Oder eine grüne Oaseund Lunge. Vielleichtauch Dschungel oder Park? FürHubertus Ahlers,den Entdeckerund Mentor desOrtes,ist PermakulturRuhr mehr.Diesesnachhaltiglandwirtschaftende Projektist „Kultur, Natur, Architektur“.Schon Mitteder 70er Jahre entwickelten die Australier Bill Mollison undDavid Holmgrendas Konzeptzum Aufbau langfristigertragreicherlandwirtschaftlicher Systemeals nachhaltigemGegenentwurf zumvorherrschenden industriellenAgrarsystem. Gemeintist damitmehrals „Bio“. Seit derEntdeckung unddem Kauf der drei Hektar„Lichtung“wurdenHunderteheimischeTierund Pflanzenartenangesiedelt,Humusaufbau,organischeDüngung, Biodiversitätsind hier nichtdas Gegenteilvon Ertrag.GroßartigesObstund Gemüse, essbare Pflanzen werden produziert,ein Habichtkommt zu seinem Rechtund derEnteauf demkleinen Teichscheint es auch gut zu gehen. 2011 entdeckteund kaufteAhlersdas Grundstück, eine Stiftungbesitzt es,abJuni 2024 ginge es juristischunangreifbarinStiftungsbesitz über.„Wirsitzen hier inzwischen aufeinem 10-Millionen-Grundstück, es gibtInstitutionen 8 PermakulturRuhr Bonnekamp. Es wächstund gedeihtdie Kultur. dieverstehen nicht, waswir hier tun“,sagtAhlers. „Aberich binmir sicher, wirhaltendas bisdahin noch durch“. Tatsächlich eignet sich dasGelände zu viel mehr als zum sonnigenLustwandeln (das tatsächlich aber auch). Zu lernen underleben istein Verständnis für ökologischeSysteme und auch füreinegrundandere Form derNahrungsproduktion. KeinWunder, dass auch dieUni EssenhierregelmäßigProjektebetreibt. Das neuesteProjekt istnun eine gastronomischeNutzung. Schonmal einenSalat gegessen aus Mitzuna(japanischemStielmus), aus asiatischenBraunsenfsorten, Brunnenkresse, Borretschblüten, KapuzinerkresseBlüten und-Blättern,mariniertemMangold, Mauretanischer Malve, Ringelblume, Möhren„Purple Haze“inlila-gelber Farbvariationund Blattsalaten wieSalanova, Multigreen,Lollobiando undLollorosso?Das wächst hier alles undSvenjaKronauervon „Bunte Beete“ hatihn gemacht.Sie istjüngsterNeuzuganghierund wollte hauptsächlich ihren Food-Anhänger„BunteBeete“hierabstellen.Nun wirdsie jedenSamstag undSonntag,wennhierPublikum kommen kann,überwiegend vegane Snacks anbieten, diequasi unmittelbarvor Ortwachsen. Fotos (2): Tom Thelen

THEMA Szenenwechsel,rüber insUrbane: DasViertel,indem dieRottstraßeist, nenntReinhardWiesemann dasKreuzberg vonEssen.Der Mann,der auf seiner Visitenkarte denTitel „Erfinder“ trägt,lebthierund dasmit großer Zufriedenheit. AufseinKonto geht etwa dieherrlicheIdee desUnperfekthauses,das hier schonseitlangemdas kulturelleund sozialeLeben prägt.Bei einemUrlaub in Miami sahereineMarkthalleund fand diese großartig. DieIdee,soeinen Ortin Essenzuinstallieren,ließihn nicht losund er gingandie Umsetzung. DieMarkthallen-Idee wirdderzeit ja durchausflächendeckend verfolgt, (Lokal)Politiker:innen wieauch Bürger:innen scheinen so etwaszuwollen. Diemeisten Gemeinden(etwa Bochum)orientieren sich dabeiallerdingsinihrenPläneneheranden Modellen aus Kopenhagen undBerlin,woMarkthallen auch undvor allemOrtedes Tourismus sind,gepaart natürlich auch mitlokalen Szenen. WiesemannsMarkthalleist da anders.Sie istals Ortfür dielokalen Händler:innenkonzipiert,als quasiLeistungsschau undBündelung fürden Einzelhandel desKiezes. Daserinnert dann auch eher an einenorientalischen Basar, denn an eine Ansammlung vonFood-Trucksfür hippeWeißwein-Trinker:innen,die regionaleBio-Milch undAntipasti shoppenund dabeiFreunde treffen. Im ehemaligen Tedi-Gebäudeist dieMarkthallejetzt mitrunddreißigStändenentstanden. Diese praktischenBoxen eignensichdazu jedenKrimskramszuverkaufen . Händler:innen offerierenLebensmittel, wieObstund Gemüseoderauch SvenjaKronauerinihrem Verkaufswagen „Bunte Beete“ Cocktails.Werkzeuge,StoffeBlumen,Frischwaren, Non-Food-Artikeln, Kleidung, Pflegeartikeln undSchmuck sind im Angebot, sogarein Heilpraktiker undein Friseurversuchen ihr Glück. Dabeikönnen sievon der rechtgeringenMiete profitieren, denn eineigener Ladenwäre signifikant teurer.Die meistenhaben Montag bisDonnerstagjeweilsvon 10-19Uhr offen, am Wochenende sogarbis 22 Uhr. Kulinarisch versorgt einvegetarischesCafémit einergroßenKüche dieBesucher:innen. ZurEröffnungkam auch OB Thomas Kufen,der denMarkt verortete: „MärktesindseitJahrhunderten TreffpunkteimZentrum derStädte. Meistens liegtder Marktplatzneben einerKircheodereiner Moschee. Und dasgiltauch fürEssen: DieMarkthalle Rottstraße liegtsehrzentral undin direkter Nachbarschaftzur Kreuzeskirche. Passenderweise auch direkt nebendem VielRespektZentrum, denn dieMarkthallewirddie Buntheit dieses Quartierswiderspiegeln.Toleranz wirdhiergroßgeschrieben“, sagteKufen.Zwei„neue“Ortealso, die ihre Existenz in erster LinieihrenvisionärenIdeengebernverdanken.Dennoch sind beidevielleichtinetwadas,was derfranzösischePhilosoph Michel Foucault einstals „Heterotopie“definierte:„WirklicheOrte, wirksame Orte,die in dieEinrichtung derGesellschafthineingezeichnetsind, sozusagenGegenplatzierungenoderWiderlager, tatsächlich realisierteUtopien,indenen diewirklichen Plätzeinnerhalb derKulturgleichzeitigrepräsentiert,bestrittenund gewendetsind“. Möge es mehr davongeben. TT IM RAHMEN VON CLUB, KUNST &KULTUR IN KOOPERATION MIT: GEFÖRDERT DURCH: Bild:Constantin Grolig

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