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April 2022 - coolibri

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26 |ImGespräch

26 |ImGespräch „FLEXIBEL ZU SEIN IST SCHWIERIG,SOBALD MAN EIN TEAM HAT, DASMAN AUCH BEZAHLENWILL.“ EndlichkannMineihr bereitsimApril 2021 veröffentlichtesAlbum „Hinüber“livepräsentieren. Foto: Simon Hegenberg „FÜR MICH ISTSCHREIBEN IMMER EINWENIG WIETHERAPIE“ Seit 2013 machtdie Wahl-Berlinerin MINE Musik und hat sich seitdem einegroße Fanbase erarbeitet.Christopher Filipeckisprachmit ihr überdas Komponierenund mehr. Vergangenes Jahr veröffentlichst du deinAlbum„Hinüber“ während einerbundesweiten Ausgangssperre, dieses Jahr gehstduzuden politisch unsichersten Zeitenauf Tour.Wie fühlstdudich damit? Es ist irgendwie ein total seltsames, zwiegespaltenes Gefühl. Meine Band und ich sind mega hyped und freuen uns krank auf die Bühne, weil es so lange her ist und wir noch nie so wenig Gigs gespielt haben wie inden letzten zwei Jahren – gleichzeitig hat man aber das absurde Gefühl, es wäre nicht der richtige Zeitpunkt auf Tour zu gehen, weil eswirklich Wichtigeres gäbe. Andererseits denke ich mir aber auch: „Was soll man sonst machen?“. Es ist unser Job und wir sind kulturelle, emotionale Wesen, die das brauchen. Die Welt hält trotz des Gefühls nicht an. Wie istesgenerell, wennman bis zur letzten Minute nichtweiß, ob irgendetwasstattfindet? Bistdudaschon so eingegroovt,dassnötige FlexibilitätkeinThema mehr ist? Flexibel zu sein ist schwierig, sobald man ein Team hat, das man auch bezahlen will. Spontane Absagen sind nicht immer möglich, da braucht man einen Plan B. Woran ich mich traurigerweise gewöhnt habe, ist an Dinge, auf die man sich freut und die dann nicht stattfinden. Deswegen gehe ich mit meiner Vorfreude etwas vorsichtig um. Dieses Mal können wir aber zum ersten Mal sehr sicher sein. Esist wirklich unwahrscheinlich, dass die Tour nicht stattfinden darf, deswegen explodieren wir innerlich vor Freude. Mit„Hinüber“ hastduden bisher höchsten Platz in denChartsgeschafft und tolle Kritiken erhalten. Konntest du das währenddes Lockdownsimletzten Frühjahr überhauptfeiern? Auf Charts lege ich gar nicht so viel Wert. Ich bin zwar jedes Mal aufs Neue überrascht, dass es Menschen gibt, die dafür Geld und Zeit investieren und es geil finden, aber das kommt eher on top. Für mich bereitet das Abschließen des Albums ammeisten Freude, lang bevor es veröffentlicht wird und dann der Moment des Herausbringens. Der Erfolg ist nicht sowichtig. Aber es ist schön zu sehen, dass ich dadurch immer mehr Möglichkeiten habe, Ideen umzusetzen und das Projekt auszubauen. Ich habe bei der Tour das erste Mal ein Bühnenbild und das Beste: Ich kann die Gang, die schon seit Ewigkeiten mit am Start ist, besser bezahlen. Manche von denen haben amAnfang für 'nen Fuffi gespielt. Das macht mich nach zehn Jahren nun sehr stolz, damehr machen zukönnen. Heißt,dasseslangsam mehrwurde,kommt dir auch eher entgegen, als wenn es von Null auf Hundertsofortdurch dieDecke gegangen wäre? Sagen wir: Esist durch Handwerk langsam gewachsen. Das ist auch ein Wachstum, das sich für mich gesünder anfühlt, weil es dadurch nicht soeine Fallhöhe hat. Projekte, die schnell groß werden, können auch schnell wieder im Nichts versinken. Ich glaube aber, dass ich zumindest die nächsten fünf Jahre erstmal nichts anderes machen brauche neben der Musik. Das ist ein schönes Gefühl. …und alles andereals selbstverständlich in der jetzigen Zeit. Voll. Es ist sokrass, dass gerade die Künstlerinnen und Künstler, die nicht so erfolgreich sind, jetzt am meisten hustlen. Die oberen Paar kommen safe durch. Ich bin zwar nicht eine von den Oberen, aber zumindest solange am Start, dass ich nicht mega Angst haben muss. Aber 90Prozent der Kulturlandschaft und somit die, die unsere Kulturlandschaft ausmachen, strugglen am meisten. Es gabschon vieleschöne Features.Schlägt man dir da Leute vor–oder wie läuft das? Mir wird nie jemand vorgeschlagen. Es ist meistens so, dass man sich persönlich kennt und man mal was zusammen machen will, oder ich die Leute musikalisch feiere. Der Großteil kam auch, weil ich angefragt habe und nicht ich angefragt worden bin. Ich bin so ein euphorischer Mensch. Wenn ich was geil finde, habe ich sofort das Handy inder Hand und gucke, obich da irgendwie einen Kontakt aufbauen kann, um zusammen was zu schreiben, weil mich das auch oft total weiterbringt. Du hastals eine derwenigen im Pop-Bereich auch Komposition, Produktion und Gesang studiert. Danger Dan zumBeispielist einriesiger Fandeines Könnens.Setztdich das unter Druck oder siehstduesals Kompliment? Ich habe immer das Gefühl, die Leute überschätzen mich total. Gerade die Künstlerinnen und Künstler, die Kunst machen, aber es nicht im

Anzeige ImGespräch|27 Studium gelernt haben, denken dann immer „Wow, krass! Die kann Noten lesen!“. Aber für mich ist da kein Unterschied. Es ist einfach nur, dass ich das eben in der Uni kurz gelernt habe, aber das macht mich zu keiner besseren Musikerin. Danger Dan ist daein super Beispiel –krassester Pianist, der keine Noten lesen kann. Das finde ich dann beeindruckend, weil ich gar nicht weiß, wie das geht und es somit nur zurückgeben möchte. Die Leute denken manchmal, dass ich das voll gut kann, aber eigentlich ist das nicht so. Ich mache es einfach. Wenn ein Arrangeur, der das hauptberuflich fürs Orchester macht, sich meine Arrangements anguckt, würde der das als dilettantisch bezeichnen. Ich habe nur keine Angst davor, dass es nicht perfekt ist. Raubtdir dein Theoriewissen denn manchmal deine Leichtigkeitodersiehstdunur Vorteile? Wichtig ist, dass wenn man ein theoretisches Wissen hat, man esauch ablegen kann und die Musik dadurch nicht komplexer sein muss. Ich gehe total emotional ans Songwriting. Wenn ein Song vier Akkorde hat, dann hat der halt vier Akkorde. Für mich braucht es, nur weil ich Jazz studiert habe, keinen Fünfklang. In einfachen Dingen etwas Komplexes reinzuballern, würde es total verhunzen. Man sollte sein Wissen nutzen, umschneller ans Ziel zu kommen, aber nicht damit schreiben. AmEnde eines Schreibprozesses setze ich mich hin, gucke, was herausgekommen ist und schreibe dann manchmal noch ein paar Streicher dazu. Ich nutze es also mehr für andere Dinge. Ein Zitat aus deinem Song „Unfall“:„DieWelt istein Unfall.Wosollich anfangen?Die Welt brennt!“. Daskommt ein Jahr nach derVeröffentlichung nochmal heftiger, oder? Ich fühle es mindestens genauso, wenn nicht noch mehr, ja. Ich dachte eigentlich schon vor Corona „Oh Gott!“, wegen der Klimakrise zum Beispiel. Dann kam Corona und ich dachte „Das jetzt noch ontop? Wow!“. Durch den Krieg in der Ukraine nun habe ich das Gefühl, ich bin in einer Starre, als ob einen schon nichts mehr schocken könnte. Ich weiß gar nicht, wo das noch hinführen soll. Gefühlt ging esdie letzten zehn Jahre dauerhaft bergab. DeinSong„Mein Herz“ ist eine sehr feinfühlige Beschreibungfür Liebeskummer.Findestdu, dass Liebe hilflos macht? Wie rettestdudich in schweren Phasen? Liebe macht hilflos, aber Liebe macht auch, dass man viel, viel mehr überwinden kann. Ich habe den Song für eine Freundin geschrieben. Dabei ging es also gar nicht um eine Liebesbeziehung, auch wenn Freundschaft eine Form von Liebe ist. Ich war mega heartbroken, traurig und sauer. Alles gleichzeitig wie beim klassischen Liebeskummer. Wir haben aber wieder zueinander gefunden. Ich bin ein Mensch, der, wenn er Liebeskummer hat, dann richtig. Dann bin ich auch der Typ, der sich mit sehr viel Eiscreme auf dem Sofa einrichtet und extrem leidet. Ich bin sowieso ein sehr fühlender Mensch und habe das manchmal gar nicht unter Kontrolle. Wenn ich drin bin, möchte ich, dass es aufhört, weil es ein unaushaltbarer Schmerz ist. Für mich ist genau dann oft der einzige Ausweg, zu schreiben. Ich setze mich hin und schreibe Songs, von denen ich indem Moment denke, dass ich sie niemals veröffentliche, weil es viel zu privat ist und es niemanden was angeht. AmEnde bringe ich sie dann aber doch raus. Schaut mansich mal deine Musikvideos an oder hörtdeinAlbum aufmerksam, bemerkt man schnell große Detailverliebtheit undeinen hohen künstlerischen Aufwand.Untypisch in Zeiten, in denen es eigentlich nurumKlicks bei Spotifygeht... Ehrlich gesagt, ist mir das wirklich völlig egal. Der Erfolg spielt für mich keine so große Rolle. Als ich mit dem Projekt angefangen habe, habe ich gedacht, dass ich das eh niemals beruflich mache. Ich wollte eine Gesangsschule aufmachen und mir damit meine eigenen Aufnahmen finanzieren, genau so, wie ich sie mag und sie dann einfach herausbringen. Ich hätte niemals gedacht, dass ich damit meine Miete bezahlen kann. Ich mag diese künstlerische Freiheit aber und brauche sie auch. Sonst würde es mich nicht mehr glücklich machen. Wenn ich darüber nachdenken müsste, wie ich den Leuten gefallen oder einen gewissen Erfolg halten könnte, wäre ich viel zu unfrei und der Spaß wäre weg. Für mich ist Schreiben immer ein wenig wie Therapie und Loswerden von zu viel Energie. Wäre also ein Anspruch da, etwas zu erfüllen, wäre die Freiheit nicht mehr da und eswäre nur noch ein Job. Genau das will ich nicht. Dann würde ich sogar eher aufhören. Wenn ich mit anderen Kolleg:innen spreche, merke ich, dass die unter einem enormen Druck stehen –den fühle ich aber ganz selten zum Glück. Nächster geplanterTermin in NRW: 29.4., Münster,SkatersPalace DaskompletteInterview gibt es auf coolibri.de BocholtimMünsterland Sterntouren rundumBocholt Fahrrad-, Grenz- und Einkaufsstadt sten Radfahrer, wohin man schaut! Zu Recht wurde Bocholt bereits fünfmal zu einer der fahrradfreundlichsten Städte Deutschlands gewählt. Und dank des neuen, herrlich einfachen Knotenpunktsystems erwarten den Radler eine Vielzahl, an ausgeschilderten abwechslungsreichen Routen — ob entlang von Kornfeldern und durch Wälder in den wunderschönen niederländischen Achterhoek, zwischen weiten grünen Wiesen Richtung Rhein oder auf dem idyllischen Flussradweg „Bocholter Aa“ und der 100-Schlösser-Route zu den Herrenhäuser und Schlössern des Münsterlandes. Die „Sterntouren mit Genzgenuss“ führen Sie genau in diese herrlichen Regionen. Auf ruhigen, komfortablen Radwegen und verschlungenen Schmugglerpfaden geht eszuweitläufigen Naturschutzgebieten, klappernden Wassermühlen, versteckten Bauernhofcafés und holländischen Käsereien. Beim netten Abendesssen in einem der gemütlichen Bocholter Restaurants lassen Sie den Tag ausklingen. Genug geradelt? In den Einkaufsstraßen und Fußgängerzongen rund um das Historische Rathaus gibt es neben vielen bekannten Stores und den Shoppingcentern auch zahlreiche inhabergeführte Geschäfte. Und für ein ganz besonderes Flair sorgen der quirlige bunte Wochenmarkt und die gemütlichen Cafés. Tipp Nehmen Sie sich Zeit für einen Besuche der beeindruckenden Weberei und Spinnerei des LWL-Industriemuseums dirket am Bocholter Aasee. Angebot „Sterntouren mit Grenzgenuss“ Leistungen: • 2Übernachtungen inklusive Frühstück im ***Hotel • Begrüßungsgetränk • zwei Gutscheine für ein Abendessen á15Euro • Eintritt ins LWLIndustriemuseum TextilWerkBocholt • Radwanderkarten • Tourenmappe mit 5Routen rund um Bocholt • optional mit Picknick (Preis auf Anfrage) Preis (proPerson): 167,- Euro im Doppelzimmer Kontakt Tourist-InfoBocholt Nordstraße 14, 46399 Bocholt Telefon: 02871 5044 info@tourist-info-bocholt.de www.bocholt.de

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