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April 2021 - coolibri

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KULTUR Kultur goes black

KULTUR Kultur goes black Die Zeit istreif. Nichterstseitaus Amerikadie Aktivitäten der Black LivesMatter-Bewegung nach Deutschland übergeschwappt sind, ist derRuf nach Gleichberechtigungvon People of Colorlautergeworden. Ariane Schön hatgenau hingehört–und in der regionalen Kultur-Szenezugehört. EinweitererAnlassfür diespartenübergreifende Veranstaltungsreihe „Dortmundgoesblack“ist der1929inden USAinitiierte„BlackHistory Month“,der jeweils im Februarauf dieGeschichteder afroamerikanischen Bevölkerungverweistund Rassismuserfahrungenthematisiert. Julia Wissert, dieIntendantin desSchauspielhauses Dortmund,will sich aber nichtauf einenMonat beschränken.Musiker MohKanim stellt klar: „Ich binallerdingsjedenTag schwarz, nicht nurimFebruar“.Mit ihm bestreiten Joel Juao Nguele,Jutice Luvuvamo, KaleoSansaa, DoniaTouglo, RichardOpoku-Agyemang im Spätsommer eine Konzertreihe.Nebendem Schauspielhaus stehen im Dortmunder Dietrich-Keuning-Haus beim Internationalen Frauenfilmfestival Dortmund/Köln undbeim Dortmunder Kunstvereinein Jahr lang Künstler:innen mitafrikanischen Wurzeln im Fokus. Tanz,Schauspiel,Ausstellungen, Musik, Filme, Performances:Zielist der Aufbau eineslangfristigenNetzwerks,denn es brauchteinen Perspektivwechselauch in derKunst. Diegroße Resonanz aufdie Ausschreibungbeweistdie NotwendigkeiteinerstärkerenSichtbarmachung,dennauch in derKultursindPeople of Color nach wievor unterrepräsentiert. 17 Kreativemachenden Anfang, vielevon ihnenengagierensichbereits in Vereinen,internationalen Organisationen oder lokalenNetzwerken. Das Gesamtprogramm istnochinBewegung,auch da spielendie Corona- Auflagen eine wesentlicheRolle.Feststeht jedoch schondie Zusammenarbeitdes Dietrich-Keuning-Hauses mitder autodidaktischen Künstlerin Sheila Elethy Kipling, derenKunstsammlungimApril präsentiertwird. GeboreninDortmund, verweist sieinihrenWerken stolzauf ihre kongolesischenWurzeln:„Das Malenwar eingroßerBestandteil meiner Identitätsentwicklung.Jemehrich vonmeinerHerkunft erfahren habe, umso mehr Collage: Dortmund goes Black #dortmundgoesblack theaterdo.de frauenfilmfestival.eu dortmunder-kunstverein.de dkh.dortmund.de wuchsmeinStolz eine Deutsche mitafrikanischen Wurzelnzusein“, erklärt die25-jährige in einemEssay zu ihrerbevorstehendenAusstellung. „THE MISEDUCATION OF MELANIN“bestehtaus Zeichnungenund Malereien mitPorträtsgroßerPersönlichkeitender schwarzenGeschichte. Eine dieserPersönlichkeitenwar auch FasiaJansen, dieals Liedermacherin und Friedensaktivistin zwar in Hamburg aufgewachsen ist, derenWurzeln aber in Liberiazufinden sind.Nicht viele wissen,dasssie in den70ern für Arbeiter- undFrauenrechte aufdie Straße gegangenist, mitJoanBeazauf derBühnegestandenhat undim Ruhrgebiet für die Schwarze Bewegung gekämpft hat. Die1997inOberhausen verstorbene Trägerin desBundesverdienstkreuzeswirdmit ihrem Lebenund Wirken zumfilmischen Recherchegegenstand derKünstlerinnenPrincelaBi- ya und MarnyGarcia Mommertz. SiesindTeileinesResidenzprogrammsvon InterkulturRuhr mitdem Internationalen Frauenfilmfestival Dortmund/Köln.ImRahmen desFilmfestivals werden sieimJunierste Ergebnisse präsentieren.Postkolonialismus undkoloniale Raubkunst istein wesentliches ThemainderMuseumslandschaft.Somanches lieb gewonneneMuseumsstückentpuppte sich in der Vergangenheitals unrechtmäßige Aneignung.Clarisse Akoualaaus Essen widmet sich im OktoberdiesemAspektimDortmunderKunstverein.Weiterhin sind Videoprojektionen vonAdeola Olagunus,ein Fotografieworkshop mitChinaHopson, Ausstellungsgespräche undDiskussionengeplant. EinInstagram-Accountbündelt dieAktivitätenbis Februar2022. 38

KULTUR Rocken gegen Pandemiemüdigkeit Fotos: JAKOB STUDNAR Der eine beruhigt seine Nerven in derNatur,der andere fordertsich beimRadrennen aufdem Heimtrainer: Am SchlosstheaterMoers gibt es beides, dort spieltsichdas Ensemble in „21 Lovesongs“ dengesamtenCorona-Frustvon der Seele. Wütend,verzweifelt, verträumt, erotisiert oder resigniert–in dergestreamtenLive-Aufführung geht es auf dem Gefühlsbarometer rauf undrunter. Ariane Schön gibt Einblicke. Als Ventil fürSorgen, Ängste undEinschränkungender vergangenenMonate,man merkt denSchauspieler:innen an:Esmussteeinfachraus! BirgitAngelehat eindurchsichtigesZeltinden Theaterraumgebaut. Vereinzelt undjeweils vomanderen abgeschirmt,sitzt jederDarsteller in seiner individuelldekoriertenParzelle. RomanMuchakniet aufeinem Stapel Brockhaus-Ausgabenund versuchtsich dieWeltmithilfe desDudenszuerklären („Es bleibt nichts als Lesen“)und wieist dieDefinition fürden Tod? PatrickDollashackt in eine Schreibmaschine, derSoundtrackder Tasten fließt in dieMusik ein, sein Wahn treibt ihnin denSelbstmorddurch Erschießen. Unterbrochenvon kurzen Texten undAphorismenrundumFreiheit, Sehnsuchtund Zuversicht brilliert jederder Schauspieler:innen mitseinenpersönlichen gesanglichen Stärken. Ob nunein gefährlich röhrender Matthias Heße („Shut Up“von Savages) oder ElisaReining miteiner emotionalenDeutung von„Home istwhere it hurts“,die Titelsindinhaltlich stimmigausgewählt. Alte deutschsprachige Mut-mach-Songswie „Frieden im Land“imOriginal vonKonstantinWecker oder „Der Turm stürzt ein“ (Ton Steine Scherben)klingensonderbar prophetisch. Gesanglich am stärkstenist EmilyKlinge,die aufKonzertniveau agiert.Aberdiesalles wäre nichts,ohnedie beiden Multi-InstrumentalistenJan undJensLammert, dieneben denTastenauch mitGrooves,Gitarrensowie Beatboxing alle Genreszwischen Metall undJazz souverän zum Klingenbringen. Und dann istdanoch dieBildregie:Die Schauspieler filmen sich selbst miteiner Handkamera,geben intime Einblickeinihr Innerstes,immer in Sichtkontakt mitdem Betrachter.MartinGemsheimerist zusätzlich miteiner Beobachterkamera unterwegs. AlleBildernebeneinandermontiert, wirkt dieInszenierungwie eindurchkomponierter90-minütigerVideoclip.Überraschenderweise gelingtesUlrich Greb (Regie)die Dynamik undIntensitätdes Abends mühelos bisindas heimische Wohnzimmer zu transportieren.Bis zum (liveleider fehlenden) Endapplaus eine in sich stimmige Online-Aufführung,die dann vielleicht in Zukunftauch mitPublikum als hybridesFormat begeistern wird. Gernemehrdavon. TermineimApril unter schlosstheater-moers.de 39

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