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April 2020 - coolibri Essen

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KINO Monos|Start: 2.4.

KINO Monos|Start: 2.4. Fotos (2)): DCM Kids im Krieg Hoch in denBergen, dieWolkengrenze immer aufAugenhöhe,das Klima kalt undgnadenlos, derDreck schon wiemit derHautverwachsen. So lebendie acht Jugendlichen derTruppe Monos, zusammen miteiner Kriegsgefangenenund derMilchkuhShakira. Bisder Krieg,den siebishernur üben undspielen,bis an ihre Bunkertür klopft –und sieinden schweißforderndenDschungelfliehen müssen.Inder Isolation erschaffen sieihreeigeneArt zu leben, mit Gruppenritualen, rohenUmgangsformen und harten Bestrafungen, bisdie InnigkeitinSpannungen umschlägtund dasGefügezerfällt. Irgendwo in Lateinamerika. Achtsoentwurzelte wieentfesselte Teenager üben sich alsAußenstelle einer paramilitärischen Guerillagruppe im Kriegsspiel. Filmemacher AlejandroLandes erzählt ihre Geschichte in spektakulärenBildernund rigoroser Konventionsverweigerung. Einaufregendes Stück Kino. „Monos“ist einvisuelles Spektakel. Atemberaubende Naturkulissenwechselnsichmit frischen undungewöhnlichen Inszenierungstechniken ab.Sokreiert derkolumbianisch-ecuadorianische Regisseurund Drehbuchschreiber AlejandroLandeseinen so wunderschönen wiebrutalenTaumelvon Bildernund Sounds.Zwischen Gewalt undZärtlichkeitspielt er dabeieineraue „Herrder Fliegen“-artige Geschichte aus,der aber viel mehr Realität innewohnt, als derbekanntenInsel-Story.Schließlich sind TeileLateinamerikas nachwie vorgebeutelt vonRebellenkriegenund Gang-Kriminalität. Neben seziermesserscharfen Betrachtungenvon Gruppendynamiken wohnt„Monos“ alsoauch eine unweigerlich harschepolitische Ader inne. Doch einWortder Warnung: Landes lässt in „Monos“Erzählkonventionen gernelinks liegen, wagt Sprünge undVerwirrungstaktiken,flirtet mitder Ambiguitätund Uneindeutigkeit. Das Ergebnis mag nichtfür jedenfunktionieren. „Monos“ist einWahnsinnsstreifen, dessen Bilderbetören underschrecken,genau wieseine Protagonisten. DerFilm istrau,offensiv, wagemutigund anders.Wer dieGelegenheithat,und werweißdas in Zeiten vonCoronaschon,der sollte „Monos“unbedingt aufder größtenLeinwandschauen,die sich finden lässt. Und wenn’s einBeamerauf dieHauswandvom Nachbarn ist. LukasVering R: AlejandroLandes; D: Julianne Nicholson, Moisés Arias,Sofía Buenaventura,Karen Quintero 29

KINO Pelikanblut |Start:23.4. Stärke einer Mutter Als erfolgreiche Pferdetrainerin kann Wiebke dasaggressiveund unkontrollierbare Verhaltenihrer neuenAdoptivtochter aus Osteuropanicht akzeptieren.Und so steigtihreBereitschaft, sämtlicheGrenzen zu überschreiten, um dembindungsgestörtenMädchenzuhelfen.Hauptdarstellerin Nina Hoss,die zuletztals obsessiveMutterin„Das Vorspiel“brillierte, lieferthiererneuteineüberwältigendeLeistungab. Sieverkörpertmit ruhiger, aber brodelnderKraft dieMutter, diebereitist alles (!)zutun.Denn Liebeist schwierigund eine Entscheidung, fürdie manMut undKraft braucht. DerFilm um Hoss herumüberzeugt durch eine Mischung aus einfühlsamer undunheimlicher Erzählung, starkenBildern,fantastischen Jungdarstellerinnen undgalantparallel verlaufendenthematischen Strängen, die„Pelikanblut“viele gelungeneBedeutungsebenenverleihen. R: Katrin Gebbe; D: Nina Hoss,Murathan Muslu,KaterinaLipovska Berlin Alexanderplatz |Start:21.5. (verschoben von16.4.) Gierig nach Visionen „Berlin Alexanderplatz“ heißtAlfredDöblinsLiteraturklassiker, derdie Exzesseund Vergehen der20erillustriert.FilmemacherBurhan Qurbani bringt dieseGeschichtemit fantastischerBildgewaltund großen Ambitionenins Heute. Hier istesder aus Afrika nachBerlin geflohene Francis,der aufder SuchenachErfüllungindie Unterwelt derMetropole taumelt. Er will gutsein, in einerWelt, dieböseist –seinfatales Scheiternist vorprogrammiert.Qurbani wirft eine Menge Fragen über denZustand derwestlichen Welt auf, dieErzählungist aber immer an dieSchicksale derkomplex gezeichneten Protagonistengeknüpft.InseinerdreistündigenLaufzeit verstrickt dieser „Berlin Alexanderplatz“ sich vielleicht etwaszuhäufig, will einfachzuviel, es bleibt aber dennochein herausragendes Stück deutsches Kino–cineastisch, mutig, visionär undgierignachmehr. R: Burhan Qurbani; D: WelketBungué, AlbrechtSchuch, JellaHaase 30 Foto: DCM Foto: 2019 Sommerhaus/eOne Germany (Foto: Stephanie Kulbach) Königin|Start: 9.4. Liebes eines Sohnes Annaist erfolgreiche Rechtsanwältin,lebtineiner Prachtvillairgendwoim dänischenLandidyll undschwebt sorglosinihrerWohlstandsblasedurchs Leben. Bisder 16jährige Sohn ihresMannes aus erster EheimKleinod auftauchtund eine Kurveindie gerade Linieihres Lebens schlägt.Denn es dauert nichtlange,bis dieStiefmutter mehr alsnur elterlicheGefühle für denJungenentwickeltund aus zaghaftenBerührungensexuelleBegegnungen werden.„Königin“ istder zweite Spielfilmder dänischen FilmemacherinMay el-Toukhyund präsentierteindrucksvollderen Blick für starkeBildervon eindringlicher Schönheitund fein gestrickte Geschichten ohne Zügelfalscher Scham. AufFilmfestivals sorgte derStreifenfür Jubel undZuspruch,unter denverliehenen Preisensteht auch eine Auszeichnung fürdie nuancierteArbeitder HauptdarstellerinTrineDyrholm. R: Mayel-Toukhy;D:Trine Dyrholm, Gustav Lindh,MagnusKrepper VergifteteWahrheit|Start: 16.4. Gift für die Welt Kühesterben,Zähne werden schwarz, Kinderdeformiertgeboren.Keine Vorzeichen derApokalypse, sondernResultate derMachenschaftendes ChemiekonzernDuPont. „VergifteteWahrheit“ basiertauf dertatsächlichen Geschichte desAnwalts Robert Bilott,der einenfünfzehnjährigen Kampfgegendiese skrupelloseFirmaaufnahm –und damitseineigenes Lebenaus denFugen brachte. Es isteineechte Horrorgeschichte,die dank sauberen Drehbuchs, zurückgenommener Inszenierung undgrandioser Darsteller unterdie Haut geht.Ist dieRelevanzvor allem in denUSA enorm hoch,woDuPontfür obig beschriebeneEffekte verantworlich ist, sollte auch derRestder Welt hinsehen.DennDuPonts Hauptprodukt Perfluoroctansäure,mit demetwaTeflonpfannen beschichtet werden,sollin kleinstenMengenin99% aller Menschenzufindensein. R: Todd Haynes ;D:MarkRuffalo, Anne Hathaway,Tim Robbins Foto: TOBIS Film GmbH. Foto: Rolf Konow ©SquareOne Entertainment

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