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April 2017 - coolibri Oberhausen, Duisburg, Mülheim

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D U I S B URG, MÜLHEIM,

D U I S B URG, MÜLHEIM, OBERHAUSEN TypischPott: Drehtagander Trinkhalle. Alexander Waldhelmhat seinen eigenen Film gedreht. Ganz ohne Budget gelang es dem Mülheimer, fürseine Hommage an das Ruhrgebiet zahlreiche Kabarett-Größenzubegeistern und die Essener Lichtburg für die Premiere zu gewinnen. Fotos: FFFR e.V./Joachim Gies THEATER AN DER RUHR M Ü L H E I M Pottkinder THEATERLANDSCHAFT MITTELMEER ITALIEN|IRAK|SPANIEN|SYRIEN|TUNESIEN 21.–29. APRIL 2017 UNTERSTÜTZT DURCH WWW.THEATER-AN-DER-RUHR.DE DieBilderhatte er schon langevor Augen. DieTypen seiner Stammkneipe aus Studienzeiten solltendie Hauptrolle spielenund Einblickeindie Ruhrpott-Seele gewähren. „Das Drehbuch zu schreiben,war nicht schwierig.Ich wusste beijeder Szenegenau,wie sie aussehensoll“,sagtAlexander Waldhelm.ImZug auf demWeg zurArbeittippteerein halbes Jahr lang Dialoge undRegieanweisungen. „Dabei binich so insDetail gegangen, dass derKameramann fast verzweifeltist.“ Seinen eigenen Film zu machen, hatder Mülheimer nichtgeplant unddochumgesetzt. „Eigentlich wollte ichdas Buch verkaufen.Dochdann botmir einFreund an,den Drehzuübernehmen, einandererwolltesichumdie Musik kümmern.“ Stückfür Stückentstandaus derIdee einProjekt,das immer konkretere Formen gewann.Überdie Lokalzeitung suchte derAutor undProduzent Pförtner TorstenSträter Freiwillige,die in ihrerFreizeitbereitwaren, einenanderenCharakter anzunehmen. „Zum ersten Treffen kamen40Leuteund zumzweiten noch einmal so viele. DieRollenwarensomit schnell verteilt“, berichtetder 41-Jährige.Ihm warjedochbewusst,dasser noch einige prominente Namenfür diePlakate brauchen würde,umirgendwann einbreites Publikum ins Kinozulocken.Das Geldfür dieGagefehlteallerdings. „ChristianHirdeskannte ich noch vonfrüherund wusste,dassRené Steinbergaus Mülheim kommt. Ihm habeich einfachmal eine Mail geschickt.Ermeldetesichnach45 Minutenzurückund sagtemir,ich könne ihn einplanen.“WilfriedSchmickler, Manni Breuckmann, Torsten Sträter undHennesBenderübernahmenanschließendebenfalls bereitwilligeineGastrolle in demHeimatstreifen.„Als ichPeter Neururervom Parkplatz abgeholt habe, 18

D U I S B URG, MÜLHEIM, OBERHAUSEN war er immer noch felsenfestdavon überzeugt, beider verstecktenKamera zu sein.Inzwischen rechnetermit einemOskar“,berichtet Alexander Waldhelm grinsend.ErüberzeugteauchGerburg Jahnke, dienicht nureinenAuftritt zusagte, sondern gleichzeitig denKontakt zurGeschäftsführerinder EssenerLichtburg knüpfte. „In derKathedrale desdeutschen Filmsmit 1200 Plätzen diePremierezufeiern, war fürmichein absoluter Traum.“Entsprechendehrfürchtigbegab sich derFilmemacheraus Leidenschaftzum ersten Gesprächstermin.„Normalerweiseredeich gerne, doch daswar eine Kulisse,die mir ordentlich Respekteingeflößt hat. In dem50er-Jahre-Sessel desBüros hatteschon GregoryPeck gesessen, aufdem Sofa danebenRomySchneider.“ DiePremiereist bereitsausverkauft,der Film aber noch garnicht ganz fertig. Während im Studiodie Musikentsteht, istinMumbai einExperte mit derFarbkorrektur beschäftigt. „Diesessogenannte Colourgrading hatein Viertel desGesamtetatsverschlungen“, berichtetAlexanderWaldhelm. Er hatte200 000 Euro über eine Crowdfounding-Kampagnegesammelt, sein Freund Tobias Göpelhatte einengroßenTeildes restlichen Budgetsbeigesteuert.Für dasCateringamSet hätte dasallerdingsnicht gereicht.Doch auch dafür fandensichGastronomen,Hoteliers undFleischereien,die ganze Buffetsspendeten. „Wenndie Leuteschon ihrenUrlaub opferten, um in meinem Film mitzuspielen,sollten sieauch verpflegtwerden“,betontAlexanderWaldhelm. Er istimmer noch erstaunt,wie vieleTürensichihm bereitwilligöffneten. Nach einemRadio-Interview meldetesichein Ehepaar, dasseinHaus in Speldorfals Kulisse anbot undauch noch dieVersicherungfür mögliche Schäden übernahm.„In 42 Drehtagenist genau einGlas kaputt gegangen. Es istwirklich alles glattgelaufen“, erzähltder Mülheimer.Erhatte sich selbst sieben WochenUrlaub genommen undden gesamten Drehindie Sommerferienverlegt.Nachder letztenKlappe waren1000 MinutenMaterial im Kasten,nachdem Rohschnitt noch immer 133Minuten.„Das war viel zu viel,wennman nichtgeradeHerrder Ringemacht.“ Doch dasGesamtwerk aufeineLänge von105 Minutenzu bringen, erwies sich als schwierigeAufgabe. „Wir haben Material herausgeschnitten,andem wir tagelang gearbeitethaben. Doch mir war besonders wichtig, dass keine Szenen rausfallen, in denenLeute nureinmalzusehen sind und dasist auch gelungen.“ Acht Stunden hatAlexanderWaldhelmallein HauptdarstellerMichael Mölders undAlexanderWaldhelm. am Abspann geschrieben,umdie Namenaller 142Personenund drei Hunde aufzuführen. „EineDameist mitihremTiersogar extraaus Dresdenangereist,damitder VierbeinerimFilm zu sehenist.“ Angstvor einem Scheiternhatte derVater derPottkindernicht, da es für ihnnichtszuverlieren gab. Doch dieDimensionen,die sein Projektschließlich angenommenhat,haben denFilm- undFernsehwissenschaftler doch überrascht. „Mancheskann ichimmer noch nichtfassen.“Dabei wollte er nureinen Heimatfilmmachen, derauthentisch istund zumPottpasst.„Mein Anspruch war,ein Bild vonden Menschen im Revier zu zeichnen,das frei von Klischeesist undden rauenUmgangund dieoffenherzigeWillkommenskultur zeigt.“Ganzso, wieinseinerStammkneipe,woder Unternehmer beim Bier neben dem Arbeiter sitzt und jeder seine Chance bekommt. Dominique Schroller pottkinder.com 19

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