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April 2016 - coolibri Ruhrgebiet

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M U S I K V O N H I E R

M U S I K V O N H I E R Längst nicht zufrieden Rhôme Foto: Band Wer den Fluchtwagen fährt, dem ist man zwar auf den Fersen, aber er hat auch alles irgendwie im Griff. Die so betitelte EP von Hannes Weyland und Band aus Dortmund ist trotz des rasanten Titels ein eher ruhiger Geselle. Behutsam instrumentiert, nachdenklich auf Deutsch getextet und stimmungsvoll arrangiert, entsteht ein runder Soundtrack für die nächste geglückte Flucht im alten VW-Bus. Oder einfach für sonntagnachmittags auf dem Sofa. Live: 15.4., Wohnzimmer, Gelsenkirchen (mit Band); hannesweyland.de Rhôme aus Essen haben mit „Paradise“ erst einen Song veröffentlicht. Doch der schaffte es spontan auf den Sampler des Rolling Stone Magazins – zusammen mit Faith No More und weiteren Großen der internationalen Rock- und Popszene. Auf einem Festival begegnete die Band ihrer heutigen Managerin, die ihren ersten Auftritt kurzerhand nach Berlin verlegte. Zu den geladenen Gästen dort gehörte David Beckham.. Wohin der Höhenflug noch führt, erfuhr Inga Pöting von Sänger Michael Alexis. Die Zeichen stehen schon jetzt sehr gut für euch – Zufall oder das Ergebnis harter Arbeit? Wie das alles passiert ist, können wir nicht im Detail erklären. Hinter den Kulissen haben wir viel Arbeit in unsere Musik gesteckt und uns an die Kanäle gewendet, in denen wir uns richtig platziert sehen. Wir haben ein Ziel, das wir erreichen möchten und das bisher Geschehene war erst eine Etappe von vielen. Natürlich sind wir sehr stolz darauf, was wir bisher erreichen konnten, doch wir sind alles sehr zielstrebige Typen, die auch wissen, dass man durch noch mehr Arbeit noch mehr erreichen kann! Kurz gesagt: Wir geben uns längst nicht zufrieden. Ein gewisser 80s-Sound, der auch „Paradise“ prägt, ist aktuell wieder sehr angesagt. Was reizt euch daran? Was unseren 80s-Sound angeht, haben wir das alles nicht geplant. Uns selbst ist es erst durch unsere Freunde aufgefallen, dass wir einen sogenannten 80s-Touch haben. Der lässt sich aber ganz leicht erklären. Wir sind alle mit Interpreten wie Michael Jackson, Earth Wind & Fire und NWA aufgewachsen – alles Künstler, die diese Zeit geprägt haben. Was wünscht ihr euch für den Rest des Jahres? Wir bringen unsere erste EP heraus und planen weitere Projekte. Wir wollen uns dieses Jahr vor allem mit möglichst vielen Leuten konfrontieren, indem wir mit ihnen eine gute Zeit verbringen und ihnen unsere Musik präsentieren, die wir über das ganze letzte Jahr geschrieben haben. soundcloud.com/wearerhome Das Album „Into Earth“ von Parfum Royal aus Dortmund und Köln erzählt vom „Wachsen, Herunterfallen, zu Erde werden und neu entstehen“. Was Esoterik-Skeptiker zunächst abschreckt, wird mit soviel grundsolidem Alternative Pop angereichert, dass man nach dem letzten Song gerne wieder auf Play drückt. Irgendwo zwischen Daughter, Boy, Patti Smith und Krautrock-Einschlägen pendeln sich die eingängigen Melodien ein. parfumbrutal.com Auf leisen Sohlen entwickelt sich die Dortmunder Band Long Distance Calling zum Aushängeschild. Sie sitzen nicht zwischen allen Stühlen, sie schweben einfach darüber. Label, Schubladen und Etiketten passen hier nicht, weil diese Musiker sehr intelligent eine Vielzahl an Stilen miteinander zu einem großen Ganzen verweben. Auf ihrem neuen Album „Trips“ trifft Pink Floyd auf Epic-Metal, Indie Rock auf Steven Wilson und flächige Filmmusik auf Rush. Ein Traum fürs Kopfkino! longdistancecalling.de Die Vorrunden des Best of Unsigned Bandcontests sind ausgetragen, jetzt geht’s ins Finale. Präsentiert von coolibri kämpfen am 23.4. im Zentrum Altenberg in Oberhausen coolibri präsentiert Chikasaw und Isaac Vacuum aus Essen, Decent Paint Box aus Oberhausen, Kochraft durch KMA (Foto) aus Duisburg, Ankerkette aus Oberhausen und Meine Zeit aus Wesel um den ersten Platz. Auf die Gewinner warten Festivalgigs, Studioaufnahmen und ein Musikvideo. best-of-unsigned.de 34

A L B E N O K K I D T E H O T E A R D O & B L I X A B A R G E L D D E F T O N E S Zwei Die Welt ist komplex und die Feinbilder sind nicht mehr schwarz und weiß, sondern 50 Shades of komplex. Ok Kid schaffen wichtige Grundlagen für die Generation Z wie Zweifel. In „Wisch & Weg“ singen sie ganz elegant, dass nur Idioten das Herz auf der Zunge tragen. Zwischen Indietronics, ernster Songwriter-Attitüde und dem Besten aus dem Hip-Hop-Gemischtwarenladen hängt auch bei „Zwei“ wieder der Himmel voller Gesten, Geigen und Gefühlen. Mit unglaublicher Nachsicht gegenüber der Gefahr operieren die drei aus Gießen mit beeindruckender Stärke. Nie konservativ, immer ohne Zeigefinger und das Hirn wird auch gefüttert. Four Music/Sony Nerissimo In seiner frühen Findungsphase war Blixa das Vorzeige-Strichmännchen mit der atonalen No- Future-Attitüde. Seit er von Alfred Biolek zum Tintenfisch-Risotto-Kochen eingeladen wurde, zeigt sich Bargeld in seiner zweiten Lebenshälfte meist als Connaisseur-Blaupause für das Feuilleton. Dazu ist er noch immer schlecht gelaunt und schwierig, aber so muss er auch sein. Wie kein Zweiter schafft der Berliner Dandy noch immer absolut hinreißende Alben zu veröffentlichen. Zwischen Filmmusik, Dadaismus und Blues-Avantgarde ist „Nerissimo“‚ angelegt. Manchmal schwermütig, aber immer faszinierend. Specula Records/Rough Trade Gore Die Richtigen können nichts falsch machen und die Falschen nichts richtig. Diese Binsenweisheit trifft auch auf die Deftones zu: ein nur mäßiges Album liefern die fünf Rocker niemals ab. Alles richtig also! Die letzten Monate hat das Quintett wie ein soziales Jahr begangen: sie suchten Themen mit einem allgemeingültigen Nenner. Mit viel Raum haben sie es geschafft (trotz aller Weltuntergangsstimmungen) an den richtigen Stellen Konfetti zu streuen. Zwischen Progrock, Pink Floyd und radiotauglichen Limp-Bizkit-Spitzen rollt „Gore“ wie ein seifiger Gummiball auf einer Kugelbahn mit vielen Serpentinen herunter. Warner M A N T A R P E T S H O P B O Y S D R A W I N G C I R C L E S Ode to the Flame Das Privileg, relativ sicher und beschaulich im Staate Metal zu leben, ist ein Trugbild. Kaum ein Genre hat solche Überraschungen parat und erfindet ständig schwermetallisch Neues. Mantar wirbeln kräftig. Sie sind ein Hamburger Duo (!), das einen derart dichten und dicken Soundwall auftürmt, als wären hier gleich 22 Metalmonster mit Gitarren, Gier und Spielfreude am Start. So wie sich die Menschen an die ewige Wiederkehr von Distortion-Riffs und Sludge-Parts gewöhnt haben, so gibt es bei diesem Album rein gar nichts, was für Kompositionen spricht, die auf gewohnten Trampelpfaden wandeln. Hier ist alles wild, geifernd und gefährlich. Nuclear Blast/Warner Super Der Song „Sad Robot World“ zeigt die Pet-Shop- Klangessenz, die in formaler Malen-nach-Zahlen-Ordnung angelegt ist, am besten. Hier treffen eine klare Plastikpop-Ästhetik und fließende Synthesizer-Flächen auf diese sehnsuchtsvolle Kopfstimme, die immer noch den hohen Schmelz aus alten „West End Girls“-Tagen in sich trägt. Die Songtitel lauten „The Pop Kids“ oder „Twenty-Something“ – doch wer die aktuellen Bandfotos von diesem Duo betrachtet, weiß genau: aus den einstigen Boys sind Pet Shop Opas geworden. Der Zahn der Zeit hat Ihnen graues Haar und viele Falten geschenkt. Die Musik ist allerdings fresh wie früher. X2 Recordings/Rough Trade Sinister Shoes Diese dreiköpfige Band aus Bonn funktioniert fast wie ein Fußballteam. Sänger Vincent Alex hat den Popstar-Appeal von einem David Beckham, er knödelt so geschickt und larmoyant die Tonleitern in der Nickelback-Liga rauf und runter – wie ein millionenschweres Ausnahmetalent. Die Songs liegen zwischen Muse-Ballade und düsterem Songwriter-Blues. Sie sind gespickt mit Tempo, Technik oder dem richtigen Glücksmoment, der zum Sieg führt. Mit viel offensiver Kompaktheit und defensiver Stabilität sind die Drawing Circles eine Mannschaft auf dem direkten Weg von der Regionalliga zu den Wettkämpfen, wo die goldene Ananas ganz oben hängt. Eat The Beat/Rough Trade 35

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