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September 2021 - coolibri

THEATER DerPolitthriller

THEATER DerPolitthriller „Reich desTodes“inDüsseldorf. Bühnen auf Neustart! Nurkurz warendie Zeitfenster für dieTheater in derletztenSaison, um ihreNeuproduktionenunter das Publikum zu bringen. Einige Stücke erlebten eineOnline-Premiere, abernichtimmerüberzeugtedas digitaleFormatauf dem Bildschirm.ArianeSchön blickt aufden Neustart. Manche Bühnen entwickelten neue Formen,wie dasTheater Oberhausen u.a. mitseiner„Pest-Verfilmung“. DieDortmunderBühneprofitierte vom Know-How der„Akademie fürTheater undDigitalität“,aberdie „Theaterpreise desBundes2021“ für innovativeFormateund kreativenUmgangin Zeiten derPandemiebekamen andere:Ausgezeichnet wurdendas Theater an derRuhr in Mülheimsowie dasSchlosstheaterMoers.Dochnun setzen alleTheatermacherdarauf, wieder mithalbwegs besetztenZuschauersälendurchzustarten. In Dortmund wagtedie neue Schauspielleiterin JuliaWissert im letzten Herbstinder Open-Air-Aktion„2170 –Was wirddie Stadtgewesensein, in derwir lebenwerden?“ einenPerspektivwechsel.Schauspielertauchten vordem Hauptbahnhof auf, führtenweiterzur Bibliothek ausgestattetmit philosophisch-utopischenTexten, dieBekanntesineinem neuenLicht erschienen ließen.Dann kamder Lockdown. Doch bereitsEndeAugustwerdendie theatralen RundgängeimStadtraum wiederbelebt.AbSeptember starteteineSerie mitUraufführungen,zunächstdas Theater-Requiem„Happy, we livedonaplanet“ im Schauspiel, dann „Tosca“imOpernhaus und„In theStill of theNight“imBallett. Vormerken sollte mansichschon maldie Wiederaufnahme desTanzabends „Ein Mittsommernachtstraum“von AlexanderEkman im Frühjahr,ein bildgewaltiges Spektakelingroßer Besetzungmit einerSängerin (Musik: Mikael Karlsson). EinExperimentwagtdas GelsenkirchenerMusiktheater mit„Curlew River“ vonBenjamin Britten.Das Musikstück wurdespeziellfür Kirchenräume komponiert undRegisseur CarstenKirchmeierverlegt dieAufführungen daherindie Georgskirche. „Eshat etwaszeremonielles,rituelles“, so derTheatermacher, derauch für dasunterhaltsame Off-Broadway-Musical „AvenueQ“verantwortlich ist. Darin geht es um dieKehrseite des„American Dreams“ miteinem Blick aufdie Sorgen undNötenormalerNew Yorker im täglichen Ringen ums Überleben–in einerMixturaus Schauspiel,Musiktheater undPuppentheater. Neuanfangist dasThema fürChristopherRüping, deramBochumer Schauspielhaus Dantes Liebeswelt der„Göttlichen Komödie“mit derPopkultur vonMeatLoafund BritneySpears mixt. „Das neue Leben“ heißtdie EröffnungspremiereimgroßenHaus,gefolgt vonder deutschsprachigen Erstaufführung „Das Gespenst derNormalität“ vonSaara Turuneninden Kammerspielen.Die finnischeAutorin dekliniertinEpisodenverschiedene sozialeNormendurch undübernimmt in Bochum auch dieRegie.Vorsichtigäußertsichder EssenerSchauspielchef ChristianTombeil zur Lage seinesTheaters: „Alles bleibt anders,soviellässt sich wohl gerade sagenangesichts derpandemiebedingten Unwägbarkeiten, dieuns in derkommenden Theatersaison einenSpielplan aus bereitsgeplanten,teilweise kurz geprobtenodergar vorstellungsreifinder Warteschleifeauf ihre Premierehoffenden Inszenierungen,aberauch neue Produktionenbescherenwerden“.Und so gibt es am Grillo-TheatergleichzweiInszenierungen vonHermann Schmidt-Rahmer zu sehen(Bertolt Brechts „Die Rundköpfe unddie Spitzköpfe“ undJohnSteinbecks „Früchtedes Zorns“). 38

THEATER Foto: Thomas Rabsch Einentiefen Blickindie regionaleGeschichtewirft diegeplanteUraufführung von„AufRuhr“, diesichmit demArbeiteraufstand um 1920 auseinandersetzt,der vonder Reichswehr niedergeschlagenwordenist.Die Brücke in dieJetztzeitschlägt dasSolo„DerReichsbürger“,das in einen70-minütigenFilm umgearbeitetwordenist.Interessiertekönnen sich am Essener TheatereineVirtual-Reality-Brilleausleihen undzuhausedie Aufführung in einem360˚-Format erleben. Das Aalto-Theaterbeginntmit einemMozartwerk („La finta giardiniera“), dasder Komponistmit 18 Jahren als Auftragfür denMünchner Karneval entworfen hat. Außerdem stehen noch Werkevon Donizetti, Purcellund Puccini aufdem Spielplan. EinbesonderesEvent locktam30./31.10.andie Ruhrbühnen: Unterdem Titel„Zehn XFreiheit“ gibt’s an einemWochenende zehn Inszenierungen an ebenso vielen Ortenrundumdas Freiheitsthema.Mit einemKombiticket lässtsichamRinglokschuppen Mülheimdie Produktion„Standard“ derCompany CocoonDance oder aufPactZollvereindie interaktiveLecture Performance„vorher/nachher“miterleben. Miteinem packendenSüdstaatendrama vonTennesseWilliams bespielt derregieführende David Böschdie BühneinDüsseldorfzuSaisonbeginn. Es folgtDürrenmattmit „Die Physiker“, anschließend arbeitetRainaldGoetzinseinemneuesten Werk „Reich desTodes“die Nachwirkungender Terroranschlägevom 11.September auf. Zwischen Machtfantasien undfolgenschwerenpolitischen Verwicklungen bewegt sich derradikaleTextdes Autors.Einereale Katastrophe,nämlich dasHochwasser, hatinWuppertal gewütet, dieKellerräumeund dieUnterbühnedes Opernhauses wurdengeflutet.Aufführungen sind derzeitundenkbar, auch dasWuppertaler Tanztheaterist betroffen. Das Schauspiel im TheateramEngelsgarteneröffnet jedoch planmäßig mitdem Beziehungskrimi „Waisen“von DennisKelly. Um krummeFinanzamt-Geschäftegeht’sin„DerFiskus“ nach FelicitasFellerabOktober. Das Dortmunder Ballet tanzt„EinMittsommernachtstraum“. Foto: Dortmunder Ballet 39

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