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September 2021 - coolibri

MUSIK V ON HIER Einmal

MUSIK V ON HIER Einmal durch das Jahr 16 Songs, 4EPs,4Jahreszeiten: Straffes Programm fürGuido „Opa“Scholz(Mitte) undseine Jungs. Foto: Marcel Strecker Die BandKapellePetraaus Hamm hatdieses Jahr 25-jähriges Bestehen.Wegen Corona siehtdas Jubiläumsprogramm etwasanders aus als gewohnt. Doch um demGanzendas gewisseEtwas zu verpassen, veröffentlichtdie Gruppe rund um Gitarrist undSänger Guido„Opa“ Scholz jeweils zum Beginn der vier Jahreszeitenvier EPsmit je vier Songszur anstehenden Saison. Ende September folgt konsequenterweise „Der Herbst“. Wieesdazukam,hat Christopher Filipecki den Frontmann gefragt. Wiegeht’seuch? Jetztgehtgerademal wieder etwasund dann istim Sommer ‘21somiesesWetter… ...wobei wir gerade totalGlückhaben.Wir haben schoneinige Konzerte gespieltund bisher warenalletrocken,bis aufein Konzert, beidem es beim letztenSonggeregnethat,was aber auch perfektzur Stimmung passte. Undehrlich gesagt:Ich binganzfroh, dass in meiner Dachgeschosswohnung keine 40 Grad sind. Wiekommtihr denn aufdie Idee,ein Konzeptalbum zu den„Vier Jahreszeiten“zumachen? Seid ihrVivaldi-Fans? Da gabesmehrere Punkte. In erster Liniewarenwir etwastraurig, dass derAnlass, einAlbum zu machen, immer mehr im Kontextverloren geht. Es geht eigentlich nurumein biszweiSingles undwir gebenuns beijedemSongimmer sehr viel Mühe schon beim Schreiben.Umjedem Song einbisschenAufmerksamkeitzuschenken,fandenwir dieIdee super, 16 Lieder übersJahrverteiltzuveröffentlichen,umamEndeein Album zu haben.Schließlich magich aber dieJahreszeitensehrgerne,und so warenwir dann beider Idee mitden vier EPs. WarumausgerechnetJahreszeiten? Ichliebe wirklichallevier. Ichfreue mich immer,wenndie eine endetund eine andere anfängt,dajede eineneigenen Charakter hat. Beim Frühling z.B.gehtauf einmal alles los, im Sommer wollen dieLeute nach draußen undauf Festivals,imHerbstist es melancholisch undman sitztmit einer Kerze am Fenster, ebenso im Winter. Ichwar malauf Lanzarote. DasKlima da istzwar totalgeil, aber diehaben keine Jahreszeiten,was ichwiederum voll vermisst habe. DieLiedersindauch alleinden jeweiligenJahreszeiten geschriebenund aufgenommen, alsoangefangenWinter2019und übersganze 2020.Wennman in derJahreszeitsteckt, macht dasmit einemauch wasbeimSongwriting. Das Konzeptzum Schreiben stand schonvorab, auch wenn es einigesanÜberzeugungsarbeitgekostet hat, weil ichesvollgeilfand, dieanderen aber erst nichtso. 2019 gabesmit „Nackt“ euer bisher kommerziellerfolgreichstes Album. Warumjetzt dann alsNachfolger eine komplett andere Herangehensweise? Wirsindimmer noch Indie. Wirlegenhaltnicht denWertauf denKommerz.Man verdient an diesem Konzeptwie „Die vier Jahreszeiten“ wirklich wenig, aber derFokus lagdarauf, Qualitätzuhaben.Inunseren 25 Jahren Bandgeschichte haben wir auch immer gemerkt,dasssichsowas früher oder später auszahlt. In zehn Jahrenkann manauf dasProdukt schauenund es geil finden,auch wenn mannicht viel Geld damitverdient. Wieliefdas SongwritingimCorona-Jahr? Ichschreibeimmer mitTobiasRöger.Normalerweise haben wir allepaar Wochen Songwriter-Treffen,wozuich dann auch mehrereHundert Kilometerfahre.Und da war Zoom echt einVorteil,weilwir gemerkt haben,dass es nach demGewöhnenauch superfunktioniert, mansichaber–wenn es maleinen Tagnicht gutlief –einfachverabschiedet hatund locker am nächstenTag weitergemachthat undnicht stundenlangimAutosaß. Wasist für dichandem Albumaußerhalb desKonzeptsbesonders? Es gibtimmer Songs, dieman selbst am meistenmag unddie einenbesonderenBezug haben.Ich habeübrigensbei demAlbum herausgefunden, dass ichamliebstenimHerbstschreibe, weil derHerbstfür mich eine besondereMelancholie hat, dieich sehr schätze,und alles herunter- 30

MUSIK V ON HIER fährt.Auf derkommenden „Winter“-EPgibteseinen Song,der mich ein wenigbeschreibtund denich immerwiederhöre, weil er mir ansHerz geht. Aber auch „Ameland“auf „Sommer“ist meineGeschichteund dieBilder, dieich dazu im Kopf habe. Bei„Frühling“ist es wohl „Meine Zeit“, weil ichsospießig binund es nichthaben kann,Leute wartenzulassen. Auf„Wirtschaftsflüchtling“ schlagtihr sehr sozialkritische Töne an. Das istdie Wut, dieich unteranderem aufAlice Weidel undihre Partei verspüre.Ich finde,esgibtkeinenhässlicherenMenschenals dieseFrau, und dasist nicht aufihr Aussehen bezogen.Sie erwecktimmer hasserfüllte Emotionenbei mir, undwie siedas schafft, wollte ichinkleinen Bildernauf denPunkt bringen. Eigentlich wollte ichnie politische Songsschreiben, weil sieoft zu banaloderzuverkopftwurden, aber hier fand ich’ssehrgelungen, weil durch solche Umstände derFokus nurauf denbösen Wirtschaftsflüchtlingund seinen Sprengstoffgürtelliegt,statt sich aufden Frühling zu freuen. Waspassiertdennnochauf denbeidenkommendenEPs? Der„Herbst“ istein bisschen Melancholie.Die Tage werden kürzer,eswird allesgrauer, mankann es sich aber auch gemütlichmachen. Beimanchen Songsgehtesumscheiß Laune, aber trotzdem daraus auch etwasGutes ziehen zu können. Bei„Winter“dachteich,erwirdeineFortsetzungvom „Herbst“, istabergar nichtso. Stattdessengehtesums Eskalieren nach demSchrottwichteln undanSilvester.EineMischungaus Feiern,Zelebrieren, Party, Schnee undWinterschlaf. Mehrwill ichnochnicht verraten. BisEndeSeptember stehen noch einige Shows an.Wie istfür dich das Gefühl,wiederaufzutreten?Wie nimmstduFansund euchals Band wahr? Wir haben im letzten Jahr ja schon Buskonzertegemacht,sindalsodurch dieNationgefahrenund haben fürFans60kleine15-Minuten-Showsgespielt. Auch da warendie Leutesehrdankbar. Aber jederkennt dasaktuell, ob da 20 oder 1000 Leutestehen, machteinen Unterschied. Aber gerade deswegenfunktioniertesgut,weildie Leutedanachgelechzthaben,endlich wieder Livemusik zu hören, BässeimBauch zu spüren undCorona kurz zu vergessen. Publikumskontakt istuns aber wichtig, weswegenAutokinokonzerteeher keineOptionwaren.Die neuenKonzertesindeinetolle undemotionaleAlternative, aber auch anstrengend, weil mankeingutes Routinghat.Man spieltnicht in einerWoche an Orten, diesichinder Nähe befinden, hintereinander,sondern fährtvielhin undher,wennman halt keinenNightliner hat. Du machst das seit 10 Jahren hauptberuflich. Gabesden Moment während Corona,indem du wirklich darübernachdachtest,eventuell wasanderesmachenzumüssen? Stillstandwar beiuns nie, wir hatten immermit den„VierJahreszeiten“ zu tun, sodass es unsnicht so stark getroffenhat wiemanchandere. Aber natürlichdenkt mandarüber nach,wie es weitergeht, weil wir dieletzten sein werden,die wiederarbeitendürfen.Wir lebenvon denKonzerten.Ich kann mir nichtvorstellen, etwasanderes zu machen. ZumGlück war das Angstgefühlauch relativ kurz.Wir hatten denSong„An irgendeinem Tag wird dieWeltuntergehen“, warendann immer im Flow undwussten,dass es später wiederfunktionieren wird. Waswürdetihr denn gernmachen, wenn ihrdas 25-jährigeJubiläumso feiernkönntet,wie ihrwollt? Wir feiern eh immerüberschwänglich Jubiläen,hattenauch schon „100 JahreKapelle Petra“ als Ausstellung, vondaher würde unsdas keiner mehr abnehmen.Wir feiern dann ein261/2,macheneineOperaus den „Jahreszeiten“ oder so.Aktuell sind wir eher im Hier undJetzt,weildas Projektgeradegefühlt erst anfängt. EES –Game Changer EESwurde in Namibia geboren, lebt aber seit 2004 in Deutschlandund gegenwärtiginKöln.Gleichmehrere Musikpreisedurfteergewinnen,u.a. mitseinerBandYes-JA! dieletzteStaffel derCastingshow „X-Factor“.SeinenMix ausReggae, Hip-Hop, Afro-Pop undDancehall bezeichnet er selbst als „NAMFlava Music“ („namibisch beeinflusste Musik“). Wersichnoch nichtausmalenkann,wie dasklingt,solltein„Game Changer“ reinhören, beidem 13 SongsplusdreiIntroslangordentlich aufgedreht wird. Was Sean Paul für Jamaikaist,könnteEES fürNamibia sein.Die LP geht powervoll nachvorne,kombiniertafrikanische Chöremit Bläsersounds,Rap- Einlagen,charttauglichen Melodien undBeats,die denBooty in Schwung bringen. MachtSpaß, stecktanund ist sowohl im Club als auch aufeiner der spätsommerlichen Grillpartysbei Sonnenuntergang einAnheizer. VÖ: 17.9. Fabian Saller –Turn Heads In Wipperfürth geboren.Mag als Kindnettsein, aber als Mittzwanziger suchtman doch nach anderenMöglichkeiten, weswegenFabianSaller nuninDüsseldorflebt. Der24-Jährigemacht schoneinige Zeit Musik, veröffentlichtabernun seineDebüt-EP „TurnHeads“. Unddie istziemlichgut. MitvierSongs plus Intround Outromag derOutputzwar vorerstnur ein Häppchensein, dafür istdie Hitdichteaberenorm.Der mitreißende,groovige,seichte Gute-Laune-Pop mitFunk-Elementenist chart- undradiotauglich undsorgt dank Bläsereinsätzen („Turn Heads“)für Ohrwurmhooks. „Avalanche“ist verträumter Singer/Songwritermit großer GesteohneKitsch, „Crawling“ hingegenmelancholischeSchwere, dieauf denHerbsteinstimmt.Ach ja, „Knocked OutFor Good“ istirgendwozwischenJustinTimberlake,Bruno Mars und Alex Vargas.Dakann manamEndeauch malRepeatdrücken. VÖ: 27.8. Hot‘n‘Nasty –Burn 2020 war trotzCoronaein Erfolgsjahrfür Hot’n’Nasty. DieBlues-Rockband,deren Gitarrist undSongschreiber MalteTriebschweiterhin in Dortmund wohnt, durfte sich im vergangenenJahr über dieAuszeichnungals besteBandbei den„German BluesAwards“freuen. Damitwirddie seit fast drei Dekadenexistierende Gruppe gebührend geehrt.DiesenSeptemberfolgt mit„Burn“das vierte Studioalbum unddie zweite Platte mitRobert CollinsamMikro.13old-schoolige undmusikalisch stetsanspruchsvolleTracks, dieBlues-Fansmehrals zufriedenstimmen sollten. Wersich vonden Livequalitätender Band überzeugen möchte, hatdazu bisDezember mehrfach in NRWdie Chance. Hoffentlich sind dann auch so gute Songswie dastreibende „LikeAHammer“,die emotionale Ballade„It Ain’t Easy“oderdas aggressive„Stacy Lee“ aufder Setlist. VÖ: 3.9. cf 31

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