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September 2017 - coolibri Düsseldorf und Wuppertal

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THEMA Gute Beate

THEMA Gute Beate Düsterbergs Leidenschaft gilt der Kunst. Die Goldschmiedin zeigt seit über sieben Jahren zusammen mit ihrem Mann auf Schloss Reuschenberg, was der Nachwuchs zu bieten hat. Im Oktober ist ein Ball ihrer Kunstinitiative Wurzeln und Flügel e.V. geplant, bei dem drei Künstler ausgezeichnet und ein Jahr gefördert werden. Mit Nadine Beneke sprach Düsterberg über ihre aktuelle Ausstellung, Lebenskonzepte und das Wohnen auf dem Schloss. Eine Bedienstete öffnet das Tor zu Schloss Reuschenberg. Im grünen Neusser Stadtteil Selikum, unmittelbar hinter einem Streichelzoo für Kinder, zeigt sich das pompöse Gebäude bei strahlendem Sonnenwetter. In unmittelbarer Nähe wohnt auch Michael Kortländer, Künstler und Veranstalter der Ausstellung „Die Große“ im Museum Kunstpalast. Wir gehen weiter. Auf der Terrasse des Nebengebäudes wartet die Gastgeberin, Beate Düsterberg. Schlossherrin möchte sie ausdrücklich nicht genannt werden. „Wir haben das hier ja nur geliehen. Bis die nächste Generation kommt.“ Die Angestellte serviert Kaffee auf dem weißen, geschwungenen Gartentisch. 2009 begann Düsterberg, zusammen mit ihrem Mann, das zuvor sechs Jahre leerstehende Anwesen wieder mit Leben zu füllen. Wildwuchs wurde entfernt. Die ehemaligen Büroräume in Wohnund Arbeitsräume umfunktioniert. Wieso sie ihren Wohnsitz aufs Schloss verlegte, ist schnell beantwortet: „Ich fand es für unsere Bedürfnisse sehr, sehr gut.“ Die Goldschmiede-Meisterin und ihr Mann, der im Baugewerbe tätig ist, verstehen sich beide als Handwerker. Das Schloss haben sie innerhalb eines Jahres wieder hergerichtet. Düsterberg sagt: „Es gibt natürlich auch Nachteile. Aber ich halte mich nicht mit Nachteilen auf.“ Sie erzählt, dass ihr Vater stets davon überzeugt war, dass im Leben immer noch etwas Besseres käme. Diesem Credo folgt die Kunstliebhaberin und -förderin bis heute. Der Kunst verschrieben Der Umzug vom Münsterland nach Neuss jedenfalls trug zum Wohlbefinden der Düsterbergs bei. „Das Klima hier ist in jeder Beziehung besser“, sagt die Gastgeberin. Die Bedürfnisse, denen das Schloss gerecht wird, sind aber nicht nur privater Natur. Wenn es um das geht, was der Frau mit den roten Lippen am wichtigsten ist, gerät sie ins Schwärmen. „Ich habe mich der Kunst verschrieben“, sagt sie. Schon seit 2004 betreibt sie zusammen mit ihrem Mann die Kunstinitiative Wurzeln und Flügel e.V. Im Nebengebäude des Anwesens, in dem sich früher eine hauswirtschaftliche Schule befand und ausschließlich weibliche Ökotrophologinnen ausgebildet wurden, kuratiert sie seit 2009 Ausstellungen, in denen sie Werke bekannter und unbekannter Künstler versammelt. So stellten Anfang des Jahres 52 ehemalige Studenten von Bildhauer, Objektkünstler und Akademieprofessor Christian Megert aus, die inzwischen auf der ganze Welt verstreut leben. Bis Ende September ist die aktuelle Ausstellung „MateriAL- Lismus“ zu sehen. Metallskulpturen, Zeichnungen und Biotope von Günther Thorn, Julia Lohmann, Marcel Hardung und Marcus Kaiser verteilen 6 „Wir haben das hier nur geliehen. Bis die nächste Generation kommt.“ sich auf zwei Etagen. Kaiser, der neben dem Kunststudium auch Violoncello an der Robert-Schumann-Musikhochschule studierte, hängte kurzerhand die Lampen im Gebäude ab und befüllte sie mit Biotopen. „Ein richtiger Öko“, lacht Düsterberg, „und ein bewundernswerter Mensch.“ Viele derjenigen, die hier auf dem Schloss zu sehen sind, begleitet die Goldschmiedin schon seit Jahren. Fan ist sie von allen. Den Eingang der Ausstellungsräume zieren mannsgroße Buchstaben: Mut. Etwas kleiner, auf dem M, ist zu lesen: „... kann nur haben, wer die Furcht kennt.“ Kein Leben nach DIN-Norm Die Gastgeberin nickt wissend. Auch ihr neuestes Projekt ist ein mutiges. Am 7. Oktober veranstaltet sie einen Ball im Swissôtel Neuss, bei dem drei Nachwuchskünstler ausgezeichnet und gefördert werden, mit jeweils 500 Euro im Monat für ein ganzes Jahr. Das hat ganz pragmatische Gründe: „Manche Künstler brauchen auch einfach ein Atelier“, sagt die Förderin. Zusammen mit Eventmanagerin Natalie Hoenig stellt sie die Veranstaltung auf die Beine, bei der auch Prominente wie Sven Ottke mit von der Partie sein werden. 150 Euro kostet eine Karte, rund 600 Leute werden erwartet. Nur eines von vielen Projekten, das die umtriebige Wahl-Neusserin im Kopf hat. Die nächste Werkschau auf Schloss Reuschenberg ist ebenfalls in Planung: „Es soll um das Thema Essen gehen“, so Düsterberg. In der Tradition von Daniel Spörrie, der in den 60er- und 70er-Jahren mit der Eat Art die Grenzen zwischen Lebensmitteln und Kunst aufweichte, möchte sie den Respekt vor dem Essen in den Vordergrund rücken. Mit bekannten und unbekannten Künstlern. Die Liebe für die schönen Künste hat die quirlige Frau übrigens von Haus aus mitbekommen: Ihr Vater malte Ölbilder. Ihre Mutter nähte sich ihre Kleider selbst. Mit 21 Jahren ging Düsterberg in die Goldschmiede-Lehre, an der staatlichen Zeichenakademie in Hanau und „schnitt direkt gut ab“. Später machte sie ihren Meisterbrief. Geprägt hat sie besonders das Jahr 1969, das sie in Kanada verbrachte. Inmitten von Konzerten und Hippies. Heute herrsche dagegen überall die „DIN-Norm“. Die Goldschmiedin mit dem positiven Gemüt konstatiert: „Ich möchte privat so nicht leben.“ Ihre eigene Arbeit stellt sie deshalb auch bewusst in den Hintergrund. Im Fokus sollen die Künstler stehen. Wieder auf der Terrasse angekommen, schlendern auch ihr Mann und „Bodo“ herbei, eine riesige Bordeaux-Dogge. Düsterberg beschließt das Gespräch daraufhin mit einem Loblied auf ihr Umfeld, Mann und Hund, Kinder und die Angestellten: „Man braucht die guten Geister. Und muss die positiven Schwingungen erhalten, damit man etwas schaffen kann.“ Kunstball: 7.10. Swissôtel, Neuss; kunstball.de wurzelnundfluegel.org

THEMA Geister Foto: Christof Wolff 7

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