Events, Trends und Reportagen für die Rhein-Ruhr-Region
Aufrufe
vor 4 Jahren

September 2016 - coolibri Ruhrgebiet

  • Text
  • Dortmund
  • Bochum
  • Duisburg
  • Oberhausen
  • Ruhrtriennale
  • Musik
  • Ruhr
  • Lesung
  • Zeche
  • Vortrag
  • Www.coolibri.de

U M F R A G E K u n s t

U M F R A G E K u n s t a u f Sie spielen, sie tanzen, sie performen – und die wenigsten beachten sie. Wer als Straßenkünstler arbeitet, der muss im Ruhrpott manchmal ein dickes Fell haben. Trotzdem gibt es viele, die standhaft sind und immer wieder unsere Einkaufsstraßen mit Musik und Kunst verschönern. Über ihre Leidenschaft und Motivation haben sie mit coolibri-Reporterin Nele Posthausen gesprochen. o f f e n e r S t r a ß e Morten (24), Leipzig Du erwischst mich an meinem ersten Tag als Straßenkünstler im Ruhrpott! Ursprünglich komme ich aus Dänemark, jetzt gerade lebe ich in Leipzig und reise durch Deutschland. Das Ticket für meinen Zug habe ich auch schon in meiner Tasche, aber ich brauchte gerade Geld, um vorher noch aufs Klo gehen zu können. Da habe ich mir gedacht: Ich pack die Kontaktbälle aus und spiele ein bisschen für die Leute. Gelernt habe ich das von Freunden auf Festivals und ich wollte ohnehin gern anfangen, damit auch hier in Nordrhein-Westfalen auf die Straße zu gehen. Nur bislang gab es die Gelegenheit einfach nicht. Jetzt merke ich sofort, dass es in Leipzig viel schwieriger ist, Geld auf der Straße zu verdienen. Die Konkurrenz dort ist sehr groß. Deshalb macht es mir hier viel Spaß. Vasim (23), Weißrussland Ich spiele fünf Tage die Woche Musik auf der Straße – wie bei einem richtigen Vollzeitjob. Das mache ich dann aber nicht jeden Tag in der gleichen Stadt, sondern ich bin in verschiedenen Städten im Ruhrgebiet und auch im Raum Düsseldorf, Bonn und Köln unterwegs. Mal spiele ich dann russische oder weißrussische Volksmusik, mal spiele ich lieber klassisches. Zum Beispiel Rachmaninov gefällt den Leuten gut, das kennen einfach auch viele. Ich merke, dass dann mehr Leute stehen bleiben und sich für die Musik interessieren. Manchmal kommt meine Freundin mit, sie spielt Zimbel, das ist ein weißrussisches Volksinstrument. Dann läuft es besonders gut, die Leute bleiben stehen und tanzen und geben mehr Geld. 10 Erisch (36), El Salvador So mit 16 habe ich angefangen, Gitarre zu spielen. Momentan studiere ich in Dortmund, um Musiklehrer zu werden. Da brauche ich natürlich ein wenig Taschengeld und die Gelegenheit, hier in der Straße Musik zu machen, ist super für mich. Mein Stundenlohn beträgt immerhin so acht bis zwölf Euro. Das kommt sehr darauf an, denn die Reaktionen sind sehr gemischt, wenn auch meistens überwiegend positiv. Mein Repertoire ist breit, viele Sachen sind auch eher unbekannt. Ich spiele viel klassische Gitarre und lateinamerikanische Musik, das kennen die Leute dann nicht so. Aber wenn etwas Bekanntes vorkommt, dann sehe ich, dass die Leute sich freuen und vielleicht sogar stehen bleiben und die Musik genießen.

U M F R A G E Johannes (24), Essen Ich habe auch schon in Köln und München gespielt, aber in Essen läuft es am besten. Die Konkurrenz ist nicht so groß und man kennt sich. Gerade erst kam einer, der auf der Straße lebt und mir eine Hälfte von seinem ergatterten Burger abgeben wollte. Viele hier sind auch wirklich lieb, da geht der Daumen ständig hoch und ich bekomme viele lächelnde Gesichter zu sehen. Es haben aber auch schon Leute gegen meine Gitarrentasche getreten und sie als Mülleimer genutzt. Die meisten sind die, die mich einfach nicht beachten. So etwa 98 Prozent laufen vorbei. Die, die aber stehen bleiben, nehmen auch mal eine Karte von mir mit und nehmen sich Zeit, später auch mal auf meinen YouTube-Kanal zu gehen. Das ist für mich dann super, um meine Musik hier zu promoten. Sabrina (18), Dortmund Ich spiele regelmäßig in Dortmund. Als ich angefangen habe, habe ich mir angeschaut, was es so für Regeln gibt und losgelegt. Bisher kam niemand vom Ordnungsamt und hat sich beschwert. Wenn ich gute Laune habe, spiele ich schon mal zwei, drei Stunden am Stück. Das hängt ein wenig davon ab, wie die Resonanz ist. Die Dortmunder reagieren sehr unterschiedlich auf meine Musik. Manche lächeln mich an, viele ignorieren es einfach, aber es gab auch schon echte Pöbeleien. Aber die meisten sind eher positiv, einige geben mir Geld, andere fragen, ob ich ein bestimmtes Lied spielen kann. Momentan kommt vor allem „Love Yourself“ von Justin Bieber gut an. Und wenn es dann gut läuft, verdiene ich schon mal 15 Euro die Stunde. Fritz (51), Enschede Als Jugendlicher im holländischen Uitrecht hatte ich Freunde, die auf der Straße spielen wollten und ich hatte das noch nie gemacht. Sie haben aber darauf bestanden und mich einfach mitgenommen. Es hat mir sofort super viel Spaß gemacht! Seitdem war ich schon in England, Belgien, Thailand, Gambia, Indonesien, Deutschland... Fast überall habe ich Straßenmusik gemacht. Hier in Deutschland sind die Menschen sehr gut zu uns Musikern, aber sie sind etwas gehemmt. Sie bleiben schon stehen, aber sie sind nicht so ausgelassen wie in Holland. Da tanzen sie und schreien und tun verrückte Sachen. Deswegen versuche ich sie manchmal ein bisschen einzubeziehen und den Leuten zu sagen, dass sie tanzen können, sodass sie sich wohler fühlen. Die Musik, die ich mache, ist meine eigene. more Doris Uhlich than naked Spielzeiteröffnung Do 08.09. 20:00 + Fr 09.09. 21:00 tanzhaus nrw Erkrather Str. 30 40233 Düsseldorf www.tanzhaus-nrw.de ensemble n:un Franco Maigue Thomas Hanz Essener Barock-Solisten Falk Zenker Sönke Meinen Pavel Kukhta Judicaël Perroy Niehusmann Gitarrenduo 11

coolibri Magazine 2020

coolibri Magazine 2019

coolibri Magazine 2018

coolibri Magazine 2017

edition coolibri

Ruhrgebeef No. 8 - Leseprobe
Ruhrgebeef No7 - Leseprobe
Ruhrgebeef No6 - Leseprobe
Backmagazin
Ruhrgebeef No5 - Leseprobe
Ruhrgebeef No4 - Leseprobe
Leseprobe: Ruhrgebeef - Vol 2
Landtagswahl NRW 2017
coolibri Campus NO 02