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Rund ums Bermudadreieck

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„ M e i n M o u l i n

„ M e i n M o u l i n R o u g e “ Als Wolfgang Krenz vor acht Jahren von der Stadt Bochum beauftragt wurde, das Parkhaus P8 am Anfang der Kortumstraße neu zu gestalten, hatte er eine Vision. Die „alte, abgerockte Rostlaube“, so sagt Krenz, sollte nicht nur in neuem Glanz erstrahlen –sondern zum Wahrzeichen des Bermudadreiecks und damit von ganz Bochum werden. „Es handelt sich immerhin um ein Gebäude mitten im Szenequartier, das noch dazu eines der Szenequartiere in Deutschland schlechthin ist“, begründet der Architekt und Wahl-Bochumer. Mit seinem Neuentwurf wollte er das Bermuda3Eck mitgestalten und verbessern. Die Chance, dass ein solcher Plan aufgeht, ist allerdings klein, meint Krenz. Denn spannende Häuser zu bauen, ist nur die halbe Miete – der Rest hängt von den Menschen ab. Sie müssen ein Gebäude annehmen. Krenz und sein Team vom Bochumer Architekturbüro Archwerk steckten deshalb viel Herzblut in das Projekt, erweiterten das reine Parkhaus um einen Rundbau und setzten ihm mit dem charakteristischen „Bermuda3Eck“-Schriftzug die Krone auf. Und tatsächlich – es klappte. Innerhalb weniger Jahre wurden die orangeroten Buchstaben auf dem riesigen Stahlkorb, der heute die einzige innenstädtische Skateanlage in ganz Europa beherbergt, zum Symbol der Stadt Bochum. Wenn abends die LED-Birnen in den gut zwei Meter hohen Buchstaben zu leuchten beginnen, gerät Krenz ins Schwärmen: „Das ist mein Moulin Rouge.“ Ein Ensemble aus Stahl und Stein Spätestens mit der Einweihung des neu gestalteten Komplexes im Jahr 2012 wurde der schlichte Name P8, der ursprünglich nichts weiter bezeichnete als das städtische Parkhaus Nummer acht, zu einem besonderen Begriff. „Für viele ist ein Parkhaus „Wir haben aus dem Parkhaus ein städtebauliches Möbel gemacht.“ zunächst banal“, kommentiert Krenz. „Doch wir haben ein städtebauliches Möbel daraus gemacht.“ Er spricht auch gerne von einem „Ensemble“, das das Parkhaus, in dem auf vier Etagen 575 Autos Platz finden, gemeinsam mit den Kneipen im Erdgeschoss, dem angrenzenden Skatedeck und dem leuchtenden Schriftzug bildet. Als multifunktionales Bauwerk war das Parkhaus schon in seiner Ursprungsversion angelegt – früher lag neben den vier Kneipen im Erdgeschoss jedoch eine Tankstelle. „Ein typisches gemischtes Gewerbeprojekt der Sechzigerjah- 18

Das Parkhaus P8 mit seinem leuchtend orangeroten „Bermuda3Eck“- Schriftzug wurde innerhalb weniger Jahre zum Wahrzeichen der Stadt. Entworfen hat das Ensemble der Architekt und Wahl-Bochumer Wolfgang Krenz. Die Geschichte eines Plans, der aufging. re“, erklärt Krenz. Er hat noch Fotos davon – fünf Etagen abgenutzte Tristesse. Die bunte Folie, die heute die Außenwand ziert, könnte keinen größeren Kontrast bilden. Sie stammt aus dem Hause Tesa, Krenz hat sie an einem Finanzamtsgebäude in Holland entdeckt. „So wirkt die Fassade bunt und fröhlich, ist ein Stückchen Kunst für sich und damit ein Beitrag zur Kultur in der Stadt.“ Ein weiterer Anspruch des Neubaus ist Nachhaltigkeit: Durch die Schuppenstruktur der Fassade belüftet das Parkhaus sich selbst und braucht keine Klimaanlage. Diesen Aspekt miteinzubeziehen, ist für Krenz selbstverständlich: „Als Architekt muss man verantwortlich denken. Der Mensch steht immer im Mittelpunkt.“ Von Bochumern für Bochumer Für die Menschen gedacht ist auch der „Bermuda3Eck“-Schriftzug, der für so manche Kneipentour als Kulisse dient. Idee und Erstentwurf stammen von Archwerk, die typografische Gestaltung der Buchstaben übernahm das Bochumer Designstudio Steinert. Auch für die Produktion der Schrift sorgten Bochumer: Die Firma Reklame Wilden, die schon vor rund 60 Jahren die Leuchtschrift „Treffpunkt Bochum“ gegenüber am Handelshof installierte. „Architekten dienen der Gesellschaft.“ Ebenfalls vom Lokalkolorit geprägt ist der Stahlkorb, der die Buchstaben trägt; er ist „eine Hommage ans Ruhrgebiet“. Als Vorbild dienten Konstruktionen auf Zeche Zollverein und Co. Dabei kommt Architekt Krenz gar nicht aus der Region, sondern aus Königswinter. 1993 wurde er Professor für Architektur an der Hochschule Bochum, knapp 20 Jahre später wechselte er an die EBZ Business School. Dass man ihn Professor nennt, daran konnte er sich nie ganz gewöhnen. Lieber verweist er auf seine Lehre, die dem Architekturstudium voranging: „Ich bin ein akademisierter Maurer.“ Dass der Plan, Bochum ein neues Wahrzeichen zu geben, tatsächlich aufging, nennt Krenz ein „großes Glück“. Er betrachtet das Werk seines kleinen Büros mit der „Demut eines Architekten“. Denn Architekten, das sagt er immer wieder, dienen der Gesellschaft. Der Konrad-Adenauer-Platz wurde mit dem Projekt P8 zu einem seiner Lieblingsorte: „Ich bin im Freibeuter zu finden und esse gegenüber beim Belgier.“ An der Stadt mag er „die typische ruhrgebietlerische Einfachheit, das Ordinäre, die Currywurst“. Aber auch die Begeisterungsfähigkeit der Menschen. Und die kann, wenn man es richtig anstellt – wie im Fall P8 – auch durch eine „Sinnlichkeit des Raumes“ entfacht werden. Inga Pöting Foto: Archwerk Generalplaner KG 19

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