Events, Trends und Reportagen für die Rhein-Ruhr-Region
Aufrufe
vor 3 Monaten

Oktober 2021 - coolibri

  • Text
  • Musik
  • Festivals
  • Restaurants
  • Kultur
  • Kunst
  • Spiele
  • Theater
  • Musical
  • Streaming
  • Film
  • Kino
  • Wuppertal
  • Duesseldorf
  • Duisburg
  • Essen
  • Konzerte
  • Kontaktanzeigen
  • Wwwcoolibride
  • Bochum
  • Schauspielhaus

K U N S T

K U N S T YoanaTuzharova,Ilsuk Lee, Irina Martyshkova, Sujin Baeund ValentinoMagnolo zeigen noch bisMitte November ihre Arbeiten. Foto: Ivo Faber Mehr Fragen als Antworten Alle zwei Jahre unterstützt dieKunststiftung DZ Bankeine Ausstellung im KIT–KunstimTunnel. In diesem Herbstwurden junge Künstler:innen ausdem Umfeld der Kunstakademie Münster eingeladen. DieSchau „destoweißich doom zu sein“zeigt Arbeiten, die sich experimentell mitdem MediumFotografie beschäftigen. Manstolpertsofortüberden schrägen Titel: „desto weiß ichdoomzu sein“.PositiveAssoziationen wecktdas englischeWortdoomnicht,es stehtfür Untergang,Verhängnis,Schicksal,Verderben undverweistauf dasunguteGefühl, dassichangesichtseiner aus denFugen geratenen Welt einstellt. DasBestreben,die Umstände zu ergründen, schafftjedoch keineKlarheit. Stattdessentauchen immer weitereFragenauf.„Je mehr ichdie Naturwissenschaftenweiß, destoweißich doom zu sein“, schrieb IlsukLee im ersten gemeinsamenZoom-Chatder Künstler:innen.Der Titel wardamitgesetzt. 2019 förderte dieKunststiftung DZ Bank erstmals eine SchauimKIT,sie tutdiesseitdem im zweijährigenTurnus.Seinerzeitwar jungeFotografie aus Düsseldorfdas Thema, diesmalist es jungeKunst aus Münster. FotografischeAusdrucksformenvon 1945 biszur Gegenwartbildeneinen Schwerpunkt desStiftungsprojekts,wobei Fotografie als künstlerisches Medium miteiner enormenund vielfältigenBandbreiteaufgefasst wird. Dieses Verständnisliegt auch deraktuellen Ausstellungzugrunde.Wer sie mitkonkreten Vorstellungenvon Fotografie besucht, dürfte seineErwartungen schnellgesprengtsehen. DerallgegenwärtigenBilderflut in dermodernenWeltsetzen diefünf Künstler:innen ihre eigeneSicht derDinge entgegen. Dasweitgefächerte Spektrum derArbeitenspiegelt dieDiversität wider, mitder heutzutage dasMedium Fotografie reflektiertwird. Noch biszum 14.Novemberläuft dieSchau,inderen Rahmen im unterirdischenMuseumsraum insgesamt rund 70 Exponatezusehen sind.Teils handelt es sich um ältere Werkeder Kunstschaffenden, teils wurdensie 40 eigensfür dieAusstellung konzipiert.ZuLetzteren gehörtbeispielsweise diePlastik „aresfrodita“von ValentinoMagnolo,der vielfach analogeund digitale Arbeitsprozessefusioniert. Fürseine Skulpturhat Magnolo mithilfe lizenzfreier Dateienaus demInternetdie Körper dergriechischen Gottheiten Ares undAphrodite verknüpftund mitdem 3D-Drucker zu einerFigur gegossen: Verletzliche Nacktheitversusübersteigerte Männlichkeit – antike Mythen im Cyberzeitalter. MitPerformance, Film undRauminstallationenbeschäftigtsichdie in SeoulgeboreneKünstlerin SuJin Bae. Ausdem Jahr 2019 datiertihreVideoarbeit„Widow“, für diesie FotografieninLeuchtkästen arrangierthat.Der Poesie desAlltäglichen undachtlos Weggeworfenen widmet sich Irina Martyshkovaaus Russland,die kunsthistorisch aufdie altenMeister Bezugnimmt.Ihr Fokusliegt aufder bewusstenWahrnehmung derWeltim Kleinenwie im Großen.ImKIT zeigtsie Arbeiten,die während einesResidenzstipendiumsinParis entstanden sind.Yoana Tuzharovaerforscht die Spurendes digitalenDaseins.„touch“heißt ihre Seriegroßformatiger Stoffbanner,auf denensie dieWischabdrücke undFettschlieren vonHandyoberflächen maximiert hat. „Die Beziehungvon Absolutheit undRelativität“, dargestelltimKontrastvon Lichtund Dunkel,ist dasThema vonIlsuk Lee. Er fragtnachdem Ursprung undder Entwicklungder Welt, indemer naturwissenschaftlicheund philosophischeTheorien in bewegliche Lichtskulpturenübersetzt. bk destoweißich doomzusein. JungeKunst ausMünster,KIT Düsseldorf, bis14.11., kunst-im-tunnel.de

K U N S T DerBlick in dieAusstellung „Das zerbrechlicheParadies“ zeigteinen Stenosaurusbollensis, einkrokodilartiges Reptil,das vorrund180 MillionenJahren in Europa lebte. Blick aufs Ganze Blick aufs Ganze Foto: Dirk Böttger Ab dem 1.10.öffnetdas GasometerOberhausen wieder seineTüren.Mit derAusstellung „Das zerbrechliche Paradies“ wird der Widerspruch zwischennaturbelassener Schönheit und menschlichem Eingreifen unterhaltsamund informativausgelotet. Im November 1967 wurdeeines dererstenFotos der‚gesamten Erde‘ durch denNASA-Satelliten ATS-3gemacht.Als dieses veröffentlichtwurde, waresdas ersteMal in derGeschichteder Menschheit, dass diese‚ihren‘ PlanteninGänze betrachten konnte –inFarbeund in guter Auflösungohne Störelemente. Dieses Bild derErdewurde zu einembedeutendenSymbolfür dieSchicksalsgemeinschaft derMenschheit–eserlangteinden USAauch einige Bekanntheit, weil es 1968 aufdem Coverdes WholeEarth Catalogs verwendetwurde,ein berühmtesGegenkulturmagazin,das auch spätereAnsätze derUmweltbewegungmitprägte. Miteinem Foto derErdeist heute wohl niemandmehrzubeeindrucken, um aufdie Besonderheit unddie Fragilitätunseres Lebensraumszuverweisen.Daher bietet dieAusstellung„Das zerbrechlicheParadies“ ihren Besucher:innen eine ganz besonderePerspektive aufdie Erde.Unter der Kuppel derhöchstenAusstellungshalleEuropas öffnet sich derBlick auf eine monumentaleSkulpturder Erde,die im 100Meter hohenLuftraum desGasometersfreizuschwebenscheint.Dank 58 Millionen Pixeln Auflösung,etwadas Siebenfacheeines digitalenKinos,wirddie Erde virtuell zumLeben erweckt. Mandarfsichdortwie einAstronautfühlen–und vielleicht regt dieser Blickzum weiteren Nachdenken an. DieseHighlight-Installationmarkiertdas Finale derAusstellung „Das zerbrechlicheParadies“,die nach derfastzweijährigenSanierungspausedes Gasometers Oberhausen dieBesucher:innenindie bewegteKlimageschichte derErdeeintauchen lässt.Diese Ausstellungsensibilisiert fürdie Kontinuität derklimatischen Veränderung,für dieRolle desMenschenund dieAnpassungsfähigkeitaller Lebewesen undder Natur. Das aktuell auch spürbare Themawirddurch preisgekrönte Fotografien, ausgewählte Filme undExponatevermittelt. Neben interessantenFossilien aus derSammlungdes Ruhr Museumswie dasSkelett einesrund180 Millionen Jahre altenKrokodils istgleichimEingangsbereich einlebensechterAbgusseines etwa 3bis 4Jahre altenKindeszusehen,das „Bambino“ aus Pompeji, jene antike Stadt, diebeimAusbruch desVesuvsimJahr 79 n. Chr. vollkommenunter Ascheund Lavabrocken verschwand.Eswar eine derdramatischstenEreignisse derWeltgeschichte, welchedie zerstörerischeKraft derNatur für denMenschendeutlich aufzeigthat. DieAusstellung präsentiertweitereinebildgewaltige Reisedurch Eis- und Wüstenwelten, hinaufauf Bergeund hinabinOzeanesowie eine virtuelle Tour in dasRegenwaldgebietTumucumaque im NordostenBrasiliens. Außerdem erscheinen lebensechteHologrammevon Expert:innen, dieüber dieVerbindungvon Globalisierung,Klima undPolitik aufklären. DerzerstörerischeEinfluss desMenschenauf seineUmweltwirddarüber hinaus durchschmerzhafteBilderzuFlutkatastrophenoderElfenbeinhandeldokumentiert. Außerdem präsentiertdas Deutsche Zentrumfür Luft-und Raumfahrtauf zwanzigbeleuchteten Globen Satellitendaten zur geologischen Veränderung derErde. Nach so viel –durchaus dramatischen –Input,der erst mal verarbeitetwerdenmuss, bietet derfinaleBlick aufdie ‚ganze Erde‘dann dieGelegenheit dazu. sr DerzerbrechlicheParadies,Gasometer Oberhausen, ab 1.10., gasometer.de 41

coolibri Magazine 2020/21

coolibri Magazine 2019

coolibri Magazine 2018

coolibri Magazine 2017