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Oktober 2017 - coolibri Essen

ESSEN Stadtbaum für

ESSEN Stadtbaum für frische Brise Anfang des Jahres stellte die Deutsche Bahn am Essener Hauptbahnhof zwei mit Moos und Deckpflanzen bewachsene Wände auf. Die CityTrees sollen die Luft von schädlichem Feinstaub, Stickoxiden und Co2 reinigen. Ihre tatsächliche Wirkung ist umstritten und bisweilen noch nicht eindeutig bewiesen. Dennoch steht seit September in Castrop-Rauxel solch eine Moos-Stele und auch Lünen möchte in die grünen Wände investieren. E S S E N, C A S T R O P - R A U X E L, L Ü N E N Um Essen als Grüne Hauptstadt Europas zu unterstützen, finanzierte die Deutsche Bahn zwei CityTrees für je 25 000 Euro. Einer fand seinen Platz direkt in der Bahnhofshalle, der andere wurde auf dem Vorplatz des Hauptbahnhofs aufgestellt. Die Idee der grünen Wände stammt von dem Startup Green City Solutions aus Berlin. Das Moos auf den Wänden soll geschützt von Deckpflanzen Feinstaub und Stickoxide binden, Sauerstoff produzieren und gleichzeitig die Luft kühlen. Dabei soll eine einzige Wand so viel Luft filtern wie bis zu 275 Bäume. Die Bewässerung und Nährstoffversorgung wird automatisch von Solarpaneelen gesteuert. Die integrierte loT- Technologie (Internet of Things) analysiert die Umweltleistung des CityTrees. Wie genau diese Umweltleistungen ausfallen, wie stark die Filter der CityTrees tatsächlich sind, konnten bisher noch keine Messungen eindeutig belegen. Wie sehr die Luft in Städten verschmutzt ist, zeigen hingegen die Jahresberichte des Umweltministeriums und des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV). Luft gilt dann als verschmutzt, wenn bestimmte Grenzwerte überschritten werden. „Alles was in der Luft ist und nicht reingehört“, erklärt Birgit Kaiser de Garcia, Pressesprecherin des LANUV. Das Hauptproblem sei das Stickstoffoxid aus den Dieselautos. 2016 gab es in Essen mehrere Überschreitungen des Stickstoffoxid -Grenzwertes von 40 μg/m³. Die höchste Überschreitung trat mit 52 μg/m³ an der Essener Alfredstraße auf. „Dort, wo viel Verkehr ist, haben wir auch hohe Belastungen“, so die Sprecherin. Zweifel an der Wirkung An der Wirkung der CityTrees hegt sie große Zweifel: „Die Filterwirkung wird überschätzt.“ Tatsächlich gab es in Essen Probleme mit dem CityTree im Inneren des Hauptbahnhofs. Im Juni mussten viele der Deckpflanzen ausgetauscht werden, da sie gelb und braun geworden waren. Das liege an den speziellen Indoor-Bedingungen, sagt Hans Georg Zimmermann, Ansprechpartner für 20 v.l.: Henning Deters (Vorstandsvorsitzende der GEL- SENWASSER AG), Bürgermeister Rajko Kravanja, Stadtwerke-Geschäftsführer Jens Langensiepen Umwelt der Deutschen Bahn. Zum ersten Mal habe ein CityTree über solch einen langen Zeitraum in einem Bahnhof gestanden. Der Bereich in der Eingangshalle sei sehr niedrig, die Beleuchtung nicht gut und zudem sei ein Standort im Innenbereich nicht ideal für die Pflanzen. Green City Solutions reagierte auf die Probleme in Essen. Die Pflanzen wurden ausgetauscht, das Beleuchtungskonzept geändert – mit Erfolg. Mit der Moos-Stele auf dem Vorplatz soll es keine Probleme gegeben haben. Bis Oktober werden die CityTrees noch am Essener Hauptbahnhof stehen, bevor sie an einem anderen Bahnhof aufgestellt werden. Dann werde eine Bilanz gezogen, wie effektiv die Bäume letztendlich gefiltert haben. Birgit Kaiser de Garcia bleibt dennoch skeptisch. Das neue Licht und die neue Bepflanzung im Essener Bahnhof könnten den CityTree bestimmt verbessern, effektiv sei er trotzdem nicht: „Auch wenn sie planmäßig funktionieren, können Sie das Problem nicht lösen.“ Labortests entsprächen nie den realen Situationen. Dort könnten Bedingungen so geschaffen werden, dass Werte wie gewünscht ausfallen. Das Problem bei den CityTrees sei, dass ihr Wirkungsradius zu klein sei. Die verschmutzte Luft müsse erstmal zu ihnen hinkommen. Trotz der Kritik hält Hans Georg Zimmermann an den grünen Wänden fest: „Die Idee ist prinzipiell richtig und gut.“ Die CityTrees stünden am Anfang und seien deshalb noch nicht ganz ausgereift. Marketinginstrument im Klimaschutz Wie die Deutsche Bahn haben auch die Stadtwerke Castrop-Rauxel in die CityTrees investiert und einen vor dem Hauptbahnhof am Berliner Platz aufstellen lassen. Die Schwierigkeiten in Essen habe die Stadt zur Kenntnis genommen, so Maresa Hilleringmann, Sprecherin der Stadt. Am Berliner Platz steht die Moos-Stele im Freien. Auch wenn die Filterwirkung überschätzt werde, sei der CityTree in Castrop-Rauxel ein Zeichen für das Engagement der Stadtwerke zum Klimaschutz. Zudem sorge die Wand mit zwei Sitzbänken für eine Aufwertung des Platzes. Einen ähnlichen Blick auf die CityTrees teilt Astrid Linn, Referentin der Stadtentwicklung Lünen. Die Stadt möchte das Stadtgartenquartier mit den grünen Wänden aufwerten. Allerdings wartet Lünen noch auf Landesfördermittel und die Testergebnisse aus Essen. Frühestens in einem Jahr soll es in Lünen CityTrees geben. Für einen großen Effekt müssten viele von ihnen aufgestellt werden, vermutet Astrid Linn, dennoch seien sie innovativ. Die Stadt wolle die Moos-Stele auch als Marketinginstrument nutzen. Im Lünener Stadtteil Niederaden lagen die Werte der Stickoxid-Messungen mit 25 μg/m³ im vergangenen Jahr unter dem angesetzten Grenzwert. In Castrop-Rauxel gibt es nur Messungen zu Benzolwerten. „Das überhaupt erst etwas freigesetzt wird, muss verhindert werden“, erklärt Birgit Kaiser de Garcia und plädiert dabei für emissionsarme Mobilität. Es bringe nichts, etwas gegen die Luftverschmutzung zu tun, während gleichzeitig immer mehr Schadstoffe freigesetzt würden. Mara Hess Foto: Stadtwerke Castrop-Rauxel

www.essengreen.capital S ÄEN, ERNTEN, ESSEN Tag der offenen Gärten und Höfe Essener Bauernhöfe, Klein- und Gemeinschaftsgärten kennenlernen, mit dem Rad die grünen Wege der Stadt erkunden, geführte Radtouren und Mitmach-Aktionen zum Gärtnern, Ernten und Weiterverarbeiten – alles kostenlos! Radkarten und Infos zum Programm auf www.deingrüneswunder.de Foto: Jochen Tack | Mike Henning SONNTAG, 1. Oktober 12 bis 18 Uhr Erlebe Dein grünes Wunder EINE INITIATIVE DER EUROPÄISCHEN KOMMISSION ÖFFENTLICHE FÖRDERER HAUPTSPONSOREN PREMIUMSPONSOREN PROJEKTTRÄGER

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