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November 2020 - coolibri

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KULTUR AM RHEIN D Ü S S

KULTUR AM RHEIN D Ü S S E L D O R F AnneFrank hatteeinen großen Wunsch:Schriftstellerin zu werden und nach dem Kriegein Buchüberdie Zeit im Hinterhausversteckzuveröffentlichen. 75 JahrenachihremTod wurde ihrRomanfragmenterstmals alseigenständige Ausgabe publiziert. Das JungeSchauspiel zeigt die Bühnenfassungdes Werks in derUraufführung. Deine Anne 44 LiebeKitty:Eva MariaSchindele,Natalie Hanslik „LiebeKitty!“ Mitdieseraneinefiktive Freundin gerichtetenAnrede beginnenzahlreiche Einträgeim Tagebuch derAnneFrank. „Stell Dir malvor,wie interessanteswäre, wenn icheinen Romanüberdas Hinterhaus herausbringen würde. Alleinvom Titelher würden dieLeute denken,essei einDetektivroman“, schreibt Anne am 29.März 1944.Einige Tage später notiert sie: „Das istdie großeFrage,werde ichjemals etwasGroßesschreiben können,werde ichjemals Journalistinund Schriftstellerin werden? Ichhoffe es,ich hoffeessosehr!“ AufBasis ihrerTagbucheinträgebeginntdie damals 15-Jährigeden Entwurfeines Briefromans,der unvollendetbleibt–wenige Monate später wirddie FamilieFrank von denNazis verhaftetund nach Auschwitzdeportiert. 2019,75Jahre nachihrem Tod, erschien Anne Franks Romanfragment unterdem Titel„LiebeKitty“ als Buch:Ein historisches Dokument undzugleichdas Vermächtniseiner angehenden Literatin, die eine ebenso kritischewie virtuose Lektorin ihrereigenen Textewar. DerRegisseur JanGehlerhat den Stofffür dieBühneadaptiert;am 12.Novemberwird„LiebeKitty“im Jungen Schauspiel uraufgeführt.ImMittelpunkt derInszenierung, diefür Zuschauerabzehn Jahren konzipiert ist, stehtdie jungeAnnemit ihrenTräumen,Hoffnungenund ihrerEntwicklungals Künstlerin. Fünf Schauspielerinnen und Schauspielerbeleuchten jeweils verschiedene Aspektevon AnnesPersönlichkeit. Parallel schlägtdas Stückeinen Bogenindie Gegenwart underforscht,was manRassismus,Antisemitismus undDiskriminierungentgegensetzen kann. Flankiertwirddie Aufführung voneiner Wanderausstellung desAnneFrank Hauses Amsterdam, dievom 8. bis17. November im Foyerdes Jungen Schauspielszusehen ist. „Lasst mich ichselbstsein“ richtetsichanKinderund Jugendlichebehandelt Fragen zu Identität,Gruppenidentifikationund Ungleichbehandlung.Initiativen gegenRechtsextremismus, Rassismus undAntisemitismus sind vorOrt.Für denBesuch derAusstellungist eine Anmeldungper E- Mail beithiemo.hackel@dhaus.deerforderlich. BeritKriegs LiebeKitty:12.11.(Uraufführung), 14., 16.–18., 27., 28. +30.11., Junges Schauspiel, Düsseldorf; dhaus.de Foto: Thomas Rabsch

KULTUR AM RHEIN D Ü S S E L D O R F Imperial Valley (cultivatedrun-off), 2018,Film still Lukas Marxt, Imperial Valley (cultivated run-off), 2018, Film still, Courtesy the artist Wer hat an der Uhr gedreht? Sekunden,Minuten,Stunden –beim Blick aufdie Uhrverstreicht dieZeitingleichmäßigem Takt.Dem gegenüber stehtunser subjektivesZeitempfinden: Mal rast dieZeit, malscheintsie stillzustehen.EineAusstellung im Kai10 erforscht, welche Einflüsseder gegenwärtigen Auffassung vonZeitzugrunde liegen. „Keine Zeit!“, lautetdie Formel desmodernen Erfolgsmenschen. Permanentstehenwir unter Zeitdruck,nicht nurimArbeitsleben: Jede freie Minute stopfenwir mitAktivitäten voll.Versprach technischerFortschritt einstdie Ersparnis vonZeit, stiehlteruns heuteselbige.Die Digitalisierung hatnahezualleLebensbereicheerfasstund beschleunigt unserenAlltagineinem immer rasanteren Tempo. Tagund Nachtkönnenwir arbeiten, kommunizieren, kommentieren, konsumierenund haben dasGefühl, dass 24 Stundennicht ausreichen. DieKlimakrise hat außerdem dasBewusstsein für diesogenannte geologische Zeit geschärft:Gemessen an der Existenzder Erde istdie Zeitspannemenschlichen Daseins nurein Wimpernschlag. Im Kai10Arthena Foundation hinterfragtdie internationale Gruppenausstellung „A Long Time Short“ denZeitbegriffunserer Gegenwart. Zu sehensindüberwiegend videobasierte Werkevon Trisha Baga,HichamBerrada,David Claerbout, David Horvitz, LukasMarxt,Bahar Noorizadeh, Su Yu Hsin undAgustinaWoodgate. DieSchau deckt dieWidersprücheunseres linearenZeitverständnissesauf: Zeit verläuftnicht synchronmit demUhrzeiger,sondern isteinesubjektiveWahrnehmung,die geprägt wirdvon sozialen,technischenund ökonomischen Gegebenheiten. Welche zeitlichen Folgen menschliches Eingreifen in dieNatur hat, dokumentierteindringlich dieArbeit„Imperial Valley (cultivatedrun-off)“ desösterreichischenKünstlers LukasMarxt.Eine Drohne überfliegtein riesiges,künstlich angelegtes Bewässerungssystem, dessen Abfluss in einemSee mündet,der aufeineökologische Katastrophe zusteuert.Dem Moment undseinemDavor undDanachwidmetsichDavid Horvitz mitseinerInstallation„allthe time that came before this moment“und „all thetimethat willcomeafter this moment“. Zeitkontrolle, zentrales Elementdes Kapitalismus,ist dasThema vonAugustina WoodgatesArbeit„Workout(National Times)“. DerEintrittzur Ausstellungist frei;öffentliche Führungenam8.und 22. November sowie am 6. Dezember,jeweils um 15 Uhr. BeritKriegs ALongTimeShort:bis 13.12.,Kai10Arthena Foundation,Düsseldorf; kaistrasse10.de 45

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