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November 2020 - coolibri

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THEATER •SunghoKim

THEATER •SunghoKim singtdas Blondcheninder Dortmunder„Entführung“. Aufder Videowandsieht mandazuihren Puppenkopf. Foto: [2] Björn Hickmann/ stage picture DORTMUND Entführung aus dem Kinderzimmer-Serail Dortmund.Die OperDortmund hatals eines der ersten Opernhäuser in Deutschland wieder eine Premiereherausgebracht.Und diebegeistertauch Kinder. Eine Piratengeschichte. Mitetwas Liebe. Und eine Entführung.DreiWünsche aufeinmalhat der kleine Junge, derinseinemHimmelbett aufder Bühnedes Dortmunder Opernhauses liegtund nichtschlafenkann.Mozarts Singspiel „Die Entführung aus demSerail“ erfülltsie alle. DieOperDortmundhat ausder Corona-Not das Bestegemacht undMozarts Singspielineiner 80-minütigen,pausenlosenKammermusikfassung herausgebracht.Gespieltwirddie Geschichte vonPuppen; diesechs Solistenleihen ihnen im Hintergrund–mitAbstand –ihre Stimmen.Esist einKompromiss–sicher. Aber so kann es gehenwährendder Pandemie.Und im Dortmunder Opernhaus,das nurmit knapp 300 Zuschauern besetztist,fühltman sich wirklichsehrsicher. Melancholische Gesichter Regisseur istNikolaus Habjan, derneue Hausregisseur der Oper Dortmund,der eigentlich um dieseZeitinDortmund „Carmen“inszenieren sollte. Er istauch Puppenspielerund führt dieFigurenaus dem Himmelbett heraus. Derkleine 40 Regisseurund Puppenspieler Nikolaus Habjan Jungeist eine großeHandpuppe,die anderen Figuren sind kleine Püppchen, dieauf derDrehbühneineinem Kinderzimmer-Serail um das Bett herumstehenund mitden Fingernbewegt werden.Damitjeder dasauch ganz hintenim Parkettsehen kann,gibtesVideos(Jakob Brossmann), in denendie Puppen überlebensgroß aufder Leinwand auftauchen.Das istso wirkungsvoll wieraffiniert.Die melancholischen Gesichterder Puppen irritieren einwenig;sie machendie Figuren älter, als siesind. So wirkt dieseInszenierungwie aus einernostalgischen Puppenkiste–etwa,wie mansie in Tschechien findet–gegriffen.Und derkleineJunge führt einwenig neunmalklug durch dieGeschichte. So altklug sind Kinderheute selten. Genaugenommen istdas eine Kinderoper,die Nikolaus Habjan aufdie Bühnebringt.Abereine, dieauch ErwachsenenSpaßmacht.Die meisten Hits desSingspielssindgeblieben, derstellvertretende Generalmusikdirektor Motonori Kobayashiund Satomi NishihabeneinedichteFassung zusammengekürzt,die auch mit demMiniorchester passabel klingt.Nur zehn Dortmunder Philharmoniker sitzen im höher gefahrenen Graben; aber in derJanitscharen-Musikklingen sie nachsehrvielmehr. Und fürdie Sänger, dieoft weit hintenstehen, istdie Kammermusikfassung dankbar undbietetmehrMöglichkeiten zu einerfeinenGestaltung. So kann derneue Dortmunder TenorSunghoKim als Belmonte seine Arien wirklich lyrisch unddifferenziertgestalten. Wieauch dieebenfalls neue Sopranistin Sooyeon Lee, diemit glasklarenSpitzentönen das„WelcheWonne,welcheLust“ desBlondchensnicht nurden Theaterleuten, auch dem Publikum aus derSeele singt. Diekoloratursichere IrinaSimmes bekommt für eine glänzendeMartern-Arieder KonstanzeSzenenapplaus.Besonders fürdie beiden spielfreudigenSängerFritz Steinbacherals Pedrillound DenisVelev (ein ganz hervorragender Osmin) istesschade, dass dieSängernur wieineiner konzertanten Aufführung agierendürfen. Werdie Oper vermissthat,bekommt mitdieser Entführung das, wasderzeit möglich ist. Kreativ umgesetzt, toll gesungen undgespielt. JuliaGaß Entführungaus demSerail: 1.,21. 11.; Oper Dortmund; aktuelleÄnderungendes Programmsauf theaterdo.de

THEATER M O E R S EUROPA ODER DIE TRÄUME DES DRITTEN REICHS Lars von Trier // Charlotte Beradt P20.11.20 „Der Process“ in Moers: v.l.:Roman Mucha, Matthias Heße undPatrick Dollas Von einem der auszog… Beim Betretendes leer stehendenLadenlokals im sogenanntenMoerser Wallzentrum taucht derZuschauer in eine andere Welt ein: In denSpiegelflächenanden Wänden multiplizieren sich weiße Papierkügelchenins endlose, an einerSeite türmtsichgar einganzerPapierberg auf. MitAbstandsitzt das Publikum aufBänken,die natürlich auch in Papier eingepacktsind(Rauminstallation,Kostüme: Birgit Angele). Zunächst istnichtszusehen,dann Stimmen,ein Rascheln hier,eineBewegungdort, nacheinander ploppen fünf Darsteller desEnsembles aus demZettelmeer: „JemandmussteJosef K. verleumdet haben, denn ohne dass er etwasBöses getanhätte,wurde er einesMorgens verhaftet.“ Doch werist JosefK.? Alleund keiner–dasSpiel beginnt, „Der Process“, FranzKafkasperfidesWerk, entfaltetseine Poesie in klinischer Reinheit. RegisseurUlrichGrebschafft zunächst einenvergnüglichenZugangund hältseine Zuhörerauf Trab, denn dieSpieler wechseln ständigihreRollen, sind Gerichtsdiener,Advokaten, RichteroderverkörpernJosefK., dessen Vergehen undVerhaftungsgründe so rätselhaftwie unheimlich bleiben.Mit schweißtreibendemKörpereinsatz (unterden weißen Papieranzügen tragen dieSchauspieler teilsausladende historischeKostüme) wälzen undstapfen sieinwechselndenChoreografien durch dieSchnipsel, siewühlen sich hinein oder werden darunter verscharrt. Diegewählte Form lässtvielschichtigeDeutungen zu,sie istaber vorallem einbeeindruckendesSinnbildfür eine aus demRudergelaufene Bürokratie, dienur noch sich selbst genügt, dieaus OrdnungsliebeChaos produziert,deren Willkür aus jedem„unbeschriebenen Blatt“ einenFall machenkann.Die unbekannte (staatliche) Gewalt bringt ihre eigenen Monsterhervor; hier isteseinedeckenhohe Papierfigur,die sich JosefK. entgegenstreckt (Puppenvon Joostvan denBranden).Immer bedrohlicher wirddie Atmosphäreund Kafkas Text entfaltetseine volleKraft: Schuld undUnschuld, Machtund Ohnmacht –Gegensätze verschwimmen undlassenJosef K. keinenAuswegaus diesem Albtraum.Mit einermysteriösen Versiondes Cream-Songs„WhiteRoom“ beendetGrebden sprichwörtlich aufwühlendenAbend. Ariane Schön DerProcess:7., 8.,14.,21.11., Wallzentrum am Schlosstheater Moers Fotos:JAKOB STUDNAR THEATER AN DER RUHR WE YOU www.coolibri.de VieL MEhr SIBYLLE KLEFINGHAUS •CHRISTIAN BERKEL UTA ROTERMUND •D.SCHULZE-MARMELING BEN REDELINGS •FRITZ ECKENGA FRIEDRICH KÜPPERSBUSCH •DANNY DZIUK HARTMUT EL KURDI •RAYK WIELAND LÜTFIYE GÜZEL •MAX CZOLLEK WLADIMIR KAMINER •JUDITH KUCKART RICHARD DAVID PRECHT •U.V.A. LITERATURFESTIVAL DORTMUND VOM05.BIS15.NOVEMBER2020 WWW.LESART.RUHR Veranstalter: Kultur und Projektee.V. Dortmund •KulturbüroStadt Dortmund •Stadt- und Landesbibliothek Dortmund 41

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