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November 2017 - coolibri Oberhausen, Duisburg, Mülheim

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I N T E R V I E W „ W

I N T E R V I E W „ W i r w a r e n n i e e i n e p o l i t i s c h e B a n d “ Mando Diao sind zurück. Die fünf Schweden kommen mit ihrem neuen Album Good Times auch auf Tour in die Republik. Sänger Björn Dixgård sprach mit Tossia Corman über die Arbeit am neuen Werk, Künstler, die ihn inspirieren und lustige Momente auf der Bühne. Seit Hurricane Bar, Bring ’Em In und Give Me Fire, euren größten Erfolgen, ist einige Zeit ins Land gegangen – ist es euch wichtig, mit dem neuen Album Good Time daran anzuknüpfen? Ich denke, es ist gefährlich zu versuchen, „Hits“ zu schreiben. Das wichtigste ist, sich inspirieren zu lassen, offen zu sein und das zu machen, was sich natürlich anfühlt. Das aktuelle Album war in erster Linie dazu da, wieder als Band zusammenzukommen. Zum ersten Mal waren alle involviert, das hat die Prioritäten ein bisschen verschoben. Dieser Prozess war aufregend und kreativ. 15 Jahre Mando Diao – ihr seid älter geworden, und auch eure Musik hat sich entwickelt. Hat sich die Art, wie ihr Musik schreibt und im Studio arbeitet, sehr verändert? Bei dieser Produktion waren alle Band-Mitglieder beteiligt, beim Song-Writing, Produzieren, Komponieren. Wir haben so viel Talent in der Gruppe, es war wunderbar zu sehen. Jeder hat so viel mit reingebracht, Aufwand, Ideen, viel Unterstützung füreinander. Alle ziehen am selben Strang. Diese Energie zeigt sich dann auch auf der Bühne. Wir inspirieren uns gegenseitig. Patso und Jens haben beide auch viel Erfahrung als Produzenten und Ton-Techniker, Daniel ist ein musikalisches Genie und Carl-Johan ist der beste Bassist im Rock ’n’ Roll heutzutage (lacht). Qualitativ sind wir also versorgt in der Band. Wir sind in verschiedene Studios gegangen, um aufzunehmen, um die Vibes der Orte einzufangen. Das ist wichtig für den Sound einer Platte. Und wir haben live aufgenommen, das heißt alle zusammen, zur selben Zeit, nicht hintereinander, wie in der Popmusik oft üblich. Das war bei den Vorgängeralben nicht so. Euer früherer Sänger und Gründungsmitglied Gustaf hat die Band 2015 nach über zehn Jahren verlassen – wie seid ihr damit umgegangen? Das war eine sehr schwere Phase, und wir mussten uns wirklich überlegen, ob wir weiter zusammenbleiben. Wir haben uns Zeit genommen, uns alle noch mal neu kennenzulernen, haben viel live gespielt und dann schließlich Jens in die Band geholt. Ich denke, diese ganze Sache hat uns am Ende noch weiter zusammengebracht, weil wir uns wirklich intensiv mit uns als Band auseinandersetzen mussten, aber auch jeder für sich überlegen musste, was er will. War es leicht, einen Ersatz zu finden? Keinen Ersatz. Das ist das falsche Wort! Wir kannten Jens schon durch einige andere Gelegenheiten, und er war sofort dabei, als wir ihn fragten. Und er brachte so viel positive Energie und neue Ideen zu Mando Diao. Das war großartig. War diese Umbesetzung auch der Grund, warum ihr das neue Album so anders angegangen seid als die Vorgänger? Diese Veränderung machte eine neue Denk- und Herangehensweise nötig und möglich. Wir haben noch mal von vorne angefangen, haben uns von alten Routinen gelöst. Das war und ist ein sehr gesunder Prozess. Ist das Tourleben jetzt anders? Ein wenig schon. Wir sind seit 2009 zum ersten Mal wieder so richtig „Back on the Road“: sehr viele Shows, viele Länder und Städte. Die letzten Jahre waren ein bisschen ruhiger, was das angeht. Das ist sehr aufregend, und wir lieben es, unterwegs zu sein. Wir haben Anfang des Jahres schon eine kleine Club-Tour gemacht, zum Aufwärmen sozusagen. Das war auch genial. Es ist schön, die Möglichkeit zu haben, so viele verschiedene Sachen zu machen und einfach spielen zu können. Was habt ihr gelernt in all dieser Zeit als Band? Und als Menschen? Wow. Wer kann das sagen? Vielleicht sind wir reifer geworden. Wir nehmen nichts mehr als selbstverständlich hin. Wir lieben was wir tun, und sich darauf zu konzentrieren ist eine gute Lektion gewesen. Sich zu besinnen, was wirklich zählt für einen als Mensch, aber auch in der Gruppe. Welche Themen sind in eurer Musik heute präsenter als zu Beginn eurer Karriere? Wir waren nie eine politische Band. Der aktuelle Albumtitel scheint ein bisschen ironisch, Good Times, wenn man sich die Welt da draußen anschaut. Aber es geht auch um gute Zeiten, um Energie und Fröhlichkeit, die wir zum Publikum bringen wollen. In Zeiten wie diesen, wo alles drunter und drüber geht, wie macht ihr euch „Good Times“? Wir versuchen, positiv zu bleiben und gute Energie abzugeben. Auf unseren Konzerten zum Beispiel wollen wir immer eine Party feiern mit dem Publikum. Es soll Spaß machen, Emotionen freisetzen und alle sollen schwitzen. So gehen wir mit allem um. 6

I N T E R V I E W Mando Diao sind zurück – mit neuem Sänger und frischem Album. Wie lange braucht ihr, um Songs zu schreiben? Haben sie immer einen zeitgenössischen Bezug? Oder sind sie zeitlos? Wir schreiben eigentlich die ganze Zeit. Manche Lieder auf dem Album sind schon ein Jahr alt, manche sind ganz schnell und spontan entstanden. Das ist unterschiedlich. Manche Songs tragen wir auch schon gefühlte Ewigkeiten mit uns rum, die warten dann auf den richtigen Moment, um veröffentlicht zu werden. Der Bezug ist immer, was uns gerade im Kopf herumschwirrt, aber generell behandeln sie alle eher zeitlose Themen: Liebe, Betrug, Freundschaft, Hoffnungen. Solche Dinge. Was macht ihr neben der Musik? In eurer Freizeit? Oh, das ist ganz verschieden. Patso lebt auf dem Land, im Norden, und ist ein richtiger Naturbursche (lacht). Daniel arbeitet als Feuerwehrmann und unterrichtet Musikstudenten, und Jens und CJ produzieren und schreiben sehr viel. Jeder hat sein eigenes Ding. Welche Musik oder welchen Künstler kannst Du immer hören? Egal wann, egal wo? Was begleitet dich? Puh. Das ändert sich auch immer wieder, aber manche Künstler begleiten mich schon sehr lange: Janis Joplin, Michael Jackson, The Beatles, Neil Young… Ihre Musik hat in mir den Wunsch geweckt, auf der Bühne zu stehen, selber die Gitarre in der Hand zu halten. Was gerade aktuell aus meinen Kopfhörern kommt, ändert sich. Klassik, moderne Musik, alles Mögliche. Das kommt immer drauf an, in welcher Stimmung ich bin. Habt ihr auch den Nachwuchs im Auge? Versucht ihr, Newcomerbands im Blick zu behalten und zu fördern? Wir suchen unsere Supportacts immer selber aus, die wir mit auf Tour nehmen. Da sind immer sehr gute Leute dabei, die wir dann auch danach noch im Blick haben. Wir hören alle unglaublich viel Musik, und wir tun, was wir können, um anderen Musikern Unterstützung zu geben. Es ist wirklich nicht leicht im Business heutzutage, darum wird es immer wichtiger, sich gegenseitig zu helfen. Gibt es große Unterschiede zwischen einer Tour in Schweden oder in einem anderen Land der Welt? Nicht so wirklich. Wir sind gern in unserer Heimat unterwegs, aber auch überall sonst. Sei es Japan oder Deutschland, Spanien oder Kroatien: Überall gibt es etwas Besonderes. Das ist eins der schönsten Dinge an diesem Beruf. Das Reisen, neue Leute zu treffen, wunderschöne Orte zu entdecken, neue Sachen auszuprobieren. Was war das Lustigste oder Aufregendste, was euch passiert ist in den 15 Jahren als Band? Wir waren mal in Austin in den USA, als bei einem Auftritt ein Balkon mit Leuten drauf runterkrachte. Zum Glück nicht sehr hoch, und es wurde auch keiner verletzt, darum war das nach dem ersten Schock ziemlich witzig. Das Konzert in Dalhalla letztes Jahr war auf jeden Fall ein Highlight. Nach der Show waren wir alle so glücklich, wir sind uns in dieser Zeit viel näher gekommen und noch einmal zusammengewachsen als Band. Der Ort, all unsere Freunde und Familien waren da – das war magisch. Denkt ihr manchmal ans Aufhören? Habt ihr alle einen Plan B? Musik ist unser Leben. Wir haben alle unsere Studios, arbeiten auch mit anderen Musikern zusammen. Niemand hat einen Plan B! Mando Diao: 21.11. Phoenixhalle, Dortmund 24.11. Palladium Köln Foto: Charli Ljung 7

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