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November 2017 - coolibri Essen

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T I T E L D Ü S S E L D

T I T E L D Ü S S E L D O R F / D O R T M U N D Keine Alternative Die Broilers haben es geschafft: Nummer Eins in den Charts, ausverkaufte Stadien. Natürlich kommen sie auf ihrer aktuellen Tour auch zurück in die Heimat: Tossia Corman sprach mit Sänger Sammy Amara über Düsseldorf, Flagge zeigen und 20 Jahre Bandgeschichte. 20 Jahre sind seit dem ersten Album vergangen – merkt ihr die Jahre? Wer probt, läuft Gefahr sich zu verbessern. Das ist uns hier und da auch zugestoßen. Vor allem aber haben wir über die Jahre neue Einflüsse kennengelernt, an denen wir uns probiert haben und auch weiter probieren möchten. Und wie mit den Instrumenten, so ist es auch mit der Sprache. Es muss nicht immer direkt der Dampfhammer sein, es ist auch mal schön, wenn Dir vorher jemand zart auf die Schulter tippt und ihn dann rausholt. Seid ihr ruhiger geworden? Auch und manchmal überhaupt nicht. So wie ich zu Hause Tage habe, wo es nichts anderes als „Sick of it all“ oder „Blood for Blood“ sein darf, möchte ich manchmal Songs schreiben, die direkt auf die Zwölf sind. Und dann gibt es Songs, die ruhig sein müssen. Wir haben uns freigeschwommen, um genau das zu tun, was wir für richtig halten. Ein Vorteil, wenn man das so lange macht. Und auf Tour? Seid ihr noch so fit wie früher? Der Kater dauert länger, die Augenringe sind tiefer und ja, wir müssen Sport machen, sonst geht das halt nicht lange gut, jeden Abend zwei Stunden auf der Bühne zu stehen. Aber machen wir uns nichts vor. Auf Tour ist auf Tour, da gibst du es dir. 16 Sind eure Fans und Begleiter mit euch älter geworden? Vor allem sind sie mehr geworden. Zwei Sachen freuen mich immer besonders: Junge Eltern, die langsam ihre Kids ranführen an den Krach und alte Glatzen, die sagen: “Hey, das ist zwar nicht mehr zwingend meine Musik, aber ich respektiere die Band und den Weg, den sie gegangen sind, weil sie dabei ehrlich geblieben sind.„ Gibt es auf dem Album einen roten Faden? Am ehesten vielleicht das Bedürfnis, zu diesen Zeiten nicht teilnahmslos am Rand zu stehen und sich wegzudrehen. Das könnten wir uns in ein paar Jahren, wenn wir zurückblicken, nicht verzeihen. Denkt ihr, dass es in Zeiten wie diesen besonders wichtig ist, Stellung zu beziehen? Gerade als öffentliche Personen? Wie schon erwähnt, für uns gibt es keine Alternative dazu. Wenn ein Künstler das nicht tun möchte, um potenzielle Hörer nicht zu verschrecken, fair enough. Wir handhaben das anders und müssen dann gegebenenfalls mit weniger verkauften Alben klarkommen. Jeder sollte seine Meinung vertreten. Wir leben in einem Land, in dem das möglich ist, das ist unfassbar viel wert. Es ist alles möglich, solange es nicht menschenverachtend ist, solange es die Würde eines Menschen nicht verletzt. Legt ihr, vielleicht auch deshalb, den Fokus jetzt mehr auf andere Themen? Themen, die bereits besungen wurden, bekommen einen „erledigt“ Haken. Es sei denn, es ist dazu noch nicht alles gesagt. Es gibt aber so viel, über das es sich zu singen und sprechen lohnt. Wie viel Düsseldorf steckt in euch? Die Stadt hat ja durchaus zwei Gesichter, das Kö-Ding und den Underground – tragt ihr vielleicht ein bisschen von beidem in euch? Das ist genau das, was ich an Düsseldorf mag. Aus diesen Gegensätzen entsteht Spannung, im wahrsten Sinne des Wortes. Und auf der Kö hat mein Hund, davon ab, einige Lieblingsplätze für sein „Geschäft“. Wollen wir beide nicht missen. Habt ihr einen heißen Tipp für Leute, die neu hier sind? Kommt im Sommer. Trinkt ein Bier am Rhein, geht dann zum Uerige, dann ins Engelchen oder ins Tube und endet im Pitcher. Dazwischen Kaffee bei Woyton und nen Burger bei Stier Royal. Denkt ihr ans Aufhören? Tragt uns auf die Bühne und püriert unser Essen, wir machen heute eine Sause. [SIC!]Tour 2017: 1.& 2.12, ISS Dome, Düsseldorf 16.12., Westfalenhalle, Dortmund broilers.de

T H E M A Hilf anderen und du hilfst dir selbst Nach der Finanzkrise zieht der Italiener Daniele Nubile nach Bochum und krempelt dort sein Leben um. Er wechselt von der lukrativen Informatik in die internationale Jugendarbeit. Dort findet er Sinn in seiner Arbeit und sich selbst. Daniele Nubile: „Europa kann vom Ruhrgebiet lernen, offener zu sein.“ Foto: Chantal Stauder Daniele Nubile ist in Rom aufgewachsen, hat Technische Informatik studiert und arbeitet als Programmierer. Eigentlich ein sicherer Job. Doch sein Leben in Italien reicht ihm nicht. Als Teilnehmer des Europäischen Freiwilligendienstes (EWS) geht der Römer ein Jahr auf den Balkan und organisiert dort Jugendbegegnungen. Im Ausland empfindet er mehr Freiheit, sieht mehr Möglichkeiten und beginnt, sich zu einer politischen Person zu entwickeln. Die internationale Arbeit ist Daniele wichtig. Sie stiftet Sinn und hilft ihm, Sinn zu sehen. „In Italien habe ich mich ganz anders verhalten. Im Ausland war es selbstverständlicher, mich mitzuteilen – persönlich und beruflich. Früher war mein Englisch noch nicht so gut, trotzdem habe ich bei den Jugendbegegnungen mehr über Leute herausgefunden als in all den Jahren in Italien“, sagt Daniele. Die internationale Jugendarbeit habe ihn sehr verändert: „Ich bin eine bessere Person geworden. Toleranter, offener, verständnisvoller und näher an den Menschen. Ohne die EU wäre ich vielleicht immer noch in Italien, würde nicht so viel reisen und hätte keinen internationalen Freundeskreis.“ Als Tutor und Mentor kümmert er sich, nach seiner Zeit auf dem Balkan, in Rom für drei Jahre um europäische Freiwillige. „Einmal hatte ich während meiner Ausbildung einen Auslandsaufenthalt im polnischen Breslau. Dort besuchte ich ein Restaurant mit einer Rumänin und wir aßen Sushi. Wir saßen als Ausländer in einem dritten Land und haben etwas Asiatisches gegessen. Das Gefühl des Abends war: Es gibt keine Grenzen.“ Junge Menschen haben die Antworten Im Jahr 2014 zieht Nubile nach Bochum und beginnt für das Internationale Bildungs- und Begegnungswerk in Dortmund zu arbeiten. Dort setzt er sich dafür ein, dass Jugendliche mit Behinderung und finanziell benachteiligte junge Menschen aus dem Ruhrgebiet reisen können. Daniele sagt: „Junge Leute haben die Antworten, aber sie sind noch nicht so klar für sie selbst.“ Bei Projekten, an denen er arbeitet, kann das ganz konkret so aussehen, dass beteiligte Organisationen eine Gruppe von Jugendlichen und Politikern abstellen, die sich zusammensetzen, um das gesellschaftliche Leben bei sich zu Hause zu verbessern. Jugendliche recherchieren auf lokaler Ebene, was ist das größte Problem unserer Gesellschaft? Etwa: Wir haben kein sauberes Wasser. Das Problem wird im Anschluss auf eine internationale Ebene gehoben und mit Jugendlichen aus anderen Ländern diskutiert, um eine Lösung zu erarbeiten. Die entwickelte Strategie können die Jugendlichen dann zu Hause anwenden, um das ursprüngliche Problem zu lösen. Fehlende Solidarität Bei diesen Projekten werden ganz bewusst auch Länder wie Weißrussland beteiligt, die nicht oder noch nicht in der Europäischen Union sind, um das Verständnis füreinander zu fördern. Daniele erklärt: „Ein Problem Europas ist, dass die Qualität der Lebensbedingungen von Menschen in verschiedenen Ländern immer noch so unterschiedlich ist.“ Manchmal hat er das Gefühl, es gebe in Europa zwei Unionen: Griechenland, Spanien, Italien einerseits und das „gute Europa“ andererseits. Der 35-Jährige fragt sich, warum es zum Beispiel während der Finanzkrise keine Solidarität zwischen den Ländern oder Institutionen gegeben hat. „Es wurde zu viel über Geld und zu wenig über Menschen geredet. Ich verstehe das nicht, auch weil Leute da gestorben sind, weil sie zum Beispiel kein Geld für Medizin hatten. Das steht der Grundidee von Europa entgegen.“ Eine europäische Verfassung könne ein Anfang sein, um die Probleme auszugleichen, die durch verschiedene Lebensrealitäten entstehen. Aus seiner Sicht blockieren nationale Interessen diesen Schritt. „Europa kann vom Ruhrgebiet lernen, offener zu sein. Ich fand die große Solidarität der Bochumer, die ich beim Refugee-Strike (Anm. d. Redaktion: eine Bochumer Flüchtlingsgruppe, die sich selbstorganisiert für ihre Rechte als Geflüchtete einsetzt) gesehen habe, sehr beeindruckend.“ Chantal Stauder Was denkt der Pott über Europa? Die Europakolumne erscheint monatlich und ist ein einjähriges Projekt des Internationalen Bildungsund Begegnungswerkes e.V. (IBB), der Auslandsgesellschaft NRW e.V. sowie der Stadt Dortmund und dem Jugendring Dortmund. 17

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