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November 2016 - coolibri Ruhrgebiet

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U M F R A G E D e r U m

U M F R A G E D e r U m w e l t Aufgeblasenes Trendthema oder relevanteste Frage unserer Zeit? Wenn es um „Nachhaltigkeit“ geht, scheiden sich die Geister. Nele Posthausen hat nachgefragt und viele reservierte Antworten erhalten. Was tust du, um die Umwelt zu erhalten? „Interessiert mich nicht!“ „Soll die Politik regeln!“ Und der Weg zur Arbeit ist eben zu weit, um mit dem Rad zu fahren. Vor die Kamera wollten eher die, die meinen: „Klar, Nachhaltigkeit fängt bei mir selbst an!“ z u l i e b e Sita (32) und Tanja (43) Wir sind die absoluten Nachhaltigkeits-Girls! Tanja ist die leidenschaftlichste Radfahrerin, die du finden konntest. Momentan ist sie ganz traurig, weil sie für die Arbeit Auto fahren muss. Beim Wechsel zwischen verschiedenen Arbeitsstätten und Terminen geht es einfach nicht anders. Aber dafür hat sie eine Karre, die sie fährt, bis sie auseinanderfällt. Wenn man Kinder hat, dann weiß man eben, dass es einen guten Grund gibt, warum diese Welt noch lange, lange, lange existieren soll. Und Sita war selbst mal bei Greenpeace. Nicht erst seitdem beschäftigt sie sich mit Fragen der Nachhaltigkeit. Sita lebt vegan, sie isst nur regional und saisonal – alles für die Umwelt. Das ist mit Sicherheit auch durch die Eltern geprägt, irgendwie war es schon immer ein Thema, dass die Ressourcen auf dieser Welt einfach nicht unerschöpflich sind. Und es war auch schon immer klar, dass jeder etwas tun kann, damit wir so lange mit ihnen leben können, wie möglich! Tolga (28) Ich denke schon sehr oft über das Thema Nachhaltigkeit nach und was ich tun könnte, aber leider komme ich immer zu dem Schluss, dass ich das nicht in der Hand habe. Zum Beispiel würde ich super gerne ein Elektroauto nutzen. Ich habe schon viel darüber gelesen und halte das wirklich für eine gute Sache. Allerdings finde ich Elektroautos einfach unverhältnismäßig teuer. Also fahre ich weiterhin mit meinem eigenen Auto zur Arbeit, einem alten Benziner. Mit dem Rad ist es mir von Lütgendortmund bis an das andere Ende von Bochum eindeutig zu weit. Und auch die Möglichkeit, Bahn zu fahren, habe ich schon ausgecheckt. Das Problem auch hier: Ich würde ein Drittel mehr zahlen, als wenn ich mein Auto nutze. Habe ich schon ausgerechnet. Deswegen finde ich, dass da eher die Politik was tun muss und zum Beispiel Bahnfahren und E-Autos subventionieren muss. 10 Franka (29) Da hast du ja die Richtige erwischt! Ich studiere „Nachhaltige Entwicklung“ an der HS Bochum. Eigentlich weiß ich gar nicht so richtig, wie ich darauf gekommen bin. Auf jeden Fall habe ich schon von meinen Eltern gelernt, dass es wichtig ist, im Leben auf die Umwelt Acht zu geben. Dann wollte ich irgendwas mit Ingenieurs-Wissenschaften studieren und da habe ich jetzt das Passende gefunden. Es geht im Studium natürlich eher um die großen Fragen: Klimawandel, Ressourcenknappheit, Verlust der Artenvielfalt… solche Sachen. In meinem Alltag versuche ich aber auch nachhaltige Konzepte im Kleinen umzusetzen. Da kaufe ich zum Beispiel nur selten neue Kleidung, versuche einfach genügsam zu sein, mit Freunden Dinge zu tauschen und ich repariere auch viel. Mein Schlagwort ist auf jeden Fall: „Do it yourself“. Natürlich gibt es auch Momente, wo ich mal schwach werde und billig shoppen gehe. Aber dann mach ich das zumindest ganz bewusst!

U M F R A G E Konstantin (20) Weil ich noch bei meiner Familie wohne, kann ich viele Sachen nicht selbst bestimmen: Wie viel heizen wir? Welchen Stromvertrag nutzen wir? Und so weiter. Aber ich diskutiere viel mit meinen Eltern über solche Themen. Was ich jetzt schon mache, ist Rad fahren, statt ein Auto zu nehmen. Ich wohne in Brackel und muss nach Holzwickede, das sind acht Kilometer mit dem Rad. Aber ich fahre jeden Tag und das hält mich fit. Weil ich Fußballer bin, ist das dann doppelt gut: für mich und für die Umwelt. Das werde ich auch beibehalten. Ich glaube nämlich, dass es einen Generationenwechsel gibt und Leute, die so jung sind wie wir, später auch viel nachhaltiger leben können. Das ändert sich mit der Zeit. Am besten wäre es deswegen, wenn Nachhaltigkeit schon ganz fett auf dem Lehrplan in der Schule stünde. Lotte (20) Zu Hause recyceln wir . Wir trennen den Müll, sammeln Pfandflaschen und versuchen so wenig wie möglich wegzuschmeißen. Manche Dinge, die ich selbst nicht mehr will, kann ich an andere weitergeben, die sich noch darüber freuen. Das habe ich von meinen Eltern gelernt. Was ich schade finde ist, dass meine Arbeit zu weit weg ist, um mit dem Rad dorthin zu fahren. Da nehme ich das Auto. Ich habe überlegt, eine Fahrgemeinschaft zu gründen, hat leider noch nicht geklappt. Aber in meiner Freizeit mache ich dafür alle Strecken mit dem Rad. Da habe ich das Gefühl: „Ja, ich kann was ändern.“ Es muss nicht alles von der Politik kommen, sondern gerade beim Thema Nachhaltigkeit sind es die kleinen Dinge, die eine so große Wirkung haben! Vanessa (30) und Martin (41) Wir bauen gerade ein „KFW 55“-Haus, das ist ein besonders nachhaltiges Haus. Unser Strom wird über eine Solaranlage gewonnen, unser Wasser ebenfalls durch Solarthermie geheizt und der Kamin im Haus unterstützt die gesamte Heizanlage. Aber wir wollten einfach ein schönes Haus haben, das gleichzeitig gut für die Umwelt ist. Grundsätzlich ist das unsere Einstellung: „Wenn wir nicht daran glauben, dass wir was ändern können, dann tut es am Ende keiner!“. Deswegen leben wir vegan und versuchen damit Einfluss auf die Lebensmittelindustrie zu nehmen. Schritt für Schritt ändert sich was. 11

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