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März 2019 - coolibri Bochum

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INTERVIEW Streiken fürs

INTERVIEW Streiken fürs Klima LukasMielczarek Fotos (2): Armin Seng Greta Thunbergs Engagementwirkt auch in NRW: Im Dezember versammelten sich gerade maleineHandvoll Demonstrantenzur ersten Fridaysfor Future-Demo in Düsseldorf. Anfang Februarwaren es 550, am 15.Märzfindet nunein internationalerBildungsstreik statt. Mittendrin istLukas Mielczarek (19), Delegiertervon Fridaysfor Future Düsseldorf,Mitglied desJugendratsund Student der Computerlinguistik. Im Interviewmit Nadine Benekeerzählt er,wiesoeshöchsteZeitist zu handeln und weshalb er Kritik an derJugendbewegungseitens der Politik nichtnachvollziehen kann. Wofürsteht Fridaysfor Future? Wirmüssenendlich handeln. Deswegengehen Schüler undStudentenauf dieStraße. Diejenigen,die am längstendarunterleiden werden,wennwir nichts unternehmen. Wirgehen nichtindie Schule oder in Uni, weil dasdie größteWirkunghat.KlarmeinenErwachsene, wir wären gegenBildung. Aber dasist garnicht dasZiel, dasLernenwirdnachgeholt. GretaThunberg,nachderen Vorbilddas Ganzefunktioniert, istauch mitihrenSchulsachen zumRathaus gegangenund hatgesagt, ichlerne dann dort.Das istdie Sache: nichtAnti-Bildung, sondernAnti-Ihr-Macht-Nix. Wasfordert ihrkonkret und vonwem? Eine wichtige Forderungist derKohleausstieg. Undzwarsoschnell wie möglich undnicht erst 2038.Das istein klarer Appell an dieBundesregierung.Deshalb sind wir auch schonnachBerlin gefahren. Aber es gibtauch Sachen,die dasLandmachenkann.Oderdie Stadt. Oder dieKommune. DiederzeitigeLandesregierung zeigtsichsehrsolidarisch mitden Arbeitern vonRWE.Abereigentlich istesnur eine Solidaritätmit denKonzernen. Wir fordern, endlichdie Wahrheit zu sagenund Perspektiven zu schaffen für dieLeute. Keine heileWeltzuversprechen,sondern jetztumzuschulen. DieLandesregierung hatverschiedeneDinge in Sachen Umweltschutz verschlafen.Die StabsstelleUmweltkriminalität in NRW wurde abgeschafft. Fördermaßnahmen fürdie Umwelt wurden zurückgesetzt. Das sind natürlich kleinteilige Sachen undnicht jederSchüler hatdadas Wissen.Aberwir wollen,dassgehandelt wird. Wirwollenaußerdemden 6 Klimanotstandausrufen. Es muss viel mehr Geld in Klimamaßnahmen fließen.Und manbraucht Personal.Was bestimmt im Moment diepolitischenThemeninDeutschland?Migration –und dann vielleicht noch die Rentenpolitik. Istjaauch dieZukunft. Aber wenn derPlanetflötengeht, ist Migrationegal–undRente auch. WelcheÄngstehabt ihr, wenn ihrandie Zukunftdenkt? Dasswir aufdiesemPlanetennicht mehr vernünftig lebenkönnen. Vegetieren geht vielleicht immer. Aber es betrifft jedenMenschen. Wenn derAltersdurchschnitt in derKohlekommission bei57Jahrenliegt,werdendiejenigennicht wirklichmit denKonsequenzen lebenmüssen. Vielleichtin dennächstenzehnJahrennoch. Aber diegroßenVeränderungen passierenin20, 30 oder 40 Jahren.Wir haben Angst, dass es unumkehrbar in dieRichtunggeht, dass wir in Deutschlandnichtsmehranbauen können, weil es zu warmist.Dassdie Polarkappen schmelzen, dass derMeeresspiegelsteigt. Es istbanal,weilesjeder weiß,aberniemand handelt. Wir haben Angst, dass dieganze Welt darunter leiden wird. WirinDeutschland, aber auch dieganzenInselstaaten, diegar nichtmehrdortleben können. Das istauch eine Sachevon internationalerSolidarität. Du bist Mitglied im DüsseldorferJugendrat.WelcheZiele verfolgt ihrdain Sachen Klimaschutz? DerDüsseldorfer Jugendratist dieoffizielleInteressensvertretung. Wir wollen Klimaschutz auch in derKommune voranbringen. DieVerkehrs-

INTERVIEW wende istein großes Ziel.Wir wollen mehr Fahrradspurenund denAusbau desÖPNVs. DieStadt istnicht allmächtig.Aberesgehtauch um dieschulische Ebene: DieMülltrennung istsoein Beispiel,die wederinder Schule noch in denÄmterndurchgesetztwird. Seit Jahrzehntentrennen alle den Müll, aber beiden Ämtern fällt „Wenn der Planet flöten geht,ist Migration egal – und Renteauch.“ alles in einenTopfund wird dann verbrannt. Außerdem habenwir einenNachhaltigkeitsleitfadeninden Schulenbeantragt. Einfach, damitdie Schüler sich einsetzenkönnen. An derLustmangelt es meistens nicht, sondern an Informationen. Wiesieht es,eurer Meinungnach, im Rhein- und Ruhrgebiet mitdem Klimaschutz aus? In Düsseldorfsindwir zumindest finanziellgut dabei. Im Ruhrgebiet istes immer einbisschenweniger,deswegenverständlich, dass nichtauf jedemHaus eine Solarpaneleist.Trotzdemdenke ich, dass da vonoben mehr Unterstützungkommenmuss. Gerade durch denWegfall derSteinkohle, dasist ja dieerste Verstromungsart, dieweggefallen ist. Da wurde vieles falsch gemacht. Da wurde denLeutenversprochen,ihr habteineZukunft unddann warEnde Gelände.Ich denke, dass da noch vieles verbessert werden kann,was dieBraunkohle angeht. Undwir verbreiten ja auch keineVerschwörungstheorien, sondernesist alleswissenschaftlich von Klimaforschern belegt. IstesZeit, in Panik zu verfallen? Ja. Natürlich keinedestruktivePanik.Dadenkt mangleichanMenschen, dieinLäden rennen undhamstern. Aber es istangebracht zu denken: Kacke, wir haben so viel verschlafenund ändern jetztwas.Die Forscher sagen, dasZiel, dieErderwärmungunter 2Gradzuhalten, istnocherreichbar. Aber dafür müssen wir jetzt wastun. Ministerpräsident Laschethat die Bewegung kürzlich kritisiert, weil es seiner Meinungnacheinfacher sei, Schule zu schwänzenals in seiner Freizeit aktiv zu werden.Was haltet ihrdavon? Wirsehen es alsunsereAufgabe an,auf dieStraßezugehen.Wir machen dasnicht ausJux, oder um nichtzur Schule zu gehenund wir hauenuns auch keinen Alkohol rein.Sondern wir handeln. Wirerinnerndie Politikan ihre Aufgabe. Es isttotal cool, dass dieJugendsichnicht nurfür ihre Zukunft,sondern für dieder ganzen Menschheit einsetzt.Eswirdimmer kritisiert, dass dieJugendsichnicht für Politikinteressiert. Das Gegenteilist derFall.Wenneinem daspolitischeEngagementnicht passt, redetman es natürlichklein. Wäre es denn auch eine Option,samstagszudemonstrieren? Es gibtauch beiuns Stimmen,die sagen, samstags wärenmehrLeute dabei. Aber freitags hatesdie größte Wirkung. Wenn GretaamSamstag angefangen hätte,wäre dieBewegung nichtsogroßgeworden.Das istjadas Krasse,dasssichsoviele Erwachsene daranstören. Dassdie Bewegung so richtiggroßgeworden ist, siehtman zum Beispiel daran, dass dieflämische Umweltministerin jetztzurückgetreten ist. Siehatte Fridays forFuture kritisiertund behauptet, es seieineVerschwörunggegensie persönlich.Esist gewaltigzusehen,welcheWirkungdie Bewegunghat. Hatdas Schuleschwänzeneigentlich irgendwelche Konsequenzen? Ichbin schonStudi, deshalb habeich leicht reden. Wobeiich natürlich auch zu tunhabe. Es heißtjaauch Bildungsstreik. Aber es hatKonsequenzen. Je nachdem, wieliberal diejeweilige Schule dassieht,werdenunentschuldigte Fehlstundenaufgeschrieben.Esliegt auch im Ermessensspielraum desSchulgesetzes.Ich habemit demBildungsministerium telefoniertund diehaben es mir bestätigt, auch wenn Laschetetwas anderes sagt.NatürlichgibtesSchüler,die wegender Aufsichtspflichtnicht dabei sind.Abereskommt immer aufElternoderLehreran. Sindauch Lehrer beiden Demosdabei? Thematisch aufjeden Fall.Physischauch.Manche Klassenmachensogar Exkursionen zur Demo.Das istganzfaszinierend, wieunterschiedlich das aufgenommenwird. Wiesinddie FFF-Initiativenvernetzt? In jedemOrt gibteseineWhatsapp-Gruppe.Mittlerweilesogar mehrere, weil dasGruppenlimit(Anm.d.Red.: 256Personen) erreicht wurde.In Düsseldorfsindesinzwischen zwei.Aberdasindauch nichtalleLeute, diemitmachen, drin,sondern Ansprechpartnerund sehr Aktive. Bundeslandweit gibtesGruppen.InNRW sindesdreimit Deligiertendrin undeinzelnen Engagierten. Bundesweit findetjeden SonntageineTelefonkonferenz statt. Alsoauchinder Freizeit? Natürlich, dasEngagementlimitiert sich ja nichtauf freitags.Man muss Lautsprecher organisierenund Grafikmaterial. Organisationsfähigkeiten werden ausgebaut,Leute haben gelernt, Photoshopzunutzen.Jetzt gibt es noch eine Arbeitsgruppe, dieversucht, dasGanze zu strukturieren. Dazu gehörenDeligierteinjedem Ort, drei beispielsweise aus Düsseldorf. Die wurdengewählt, als noch einZehntel derMitgliederinder Gruppe waren. In Düsseldorffindetjetzt nachder Demo immereineVollversammlungim DemonstranteninDüsseldorf Niemandsland statt.Dakönnen allehinkommen,die mitmachen, auch aus umliegendenGebieten, ohne Altersbeschränkung. Da besprechen wir dann,wie es weitergeht undesgibteineTagesordnung. Whatsapp-Gruppensindcool, aber es istgut,Dinge vonPersonzuPersonzubesprechen. Wieist das denn international? Es gibteinigeEngagierteauf Bundesebene, dieauch dengroßenStreikin Berlin organisiert haben.Am15. März soll eininternationalerSchulstreik stattfinden. Das heißt, aufder ganzen Welt gehendie Leuteauf dieStraße. Wirversuchen dasinDüsseldorfein bisschen größerzumachen, so dass dieLeute ausganzNRW vorden Landtagkommen. Waswollt ihrbewirken? Dasssichwirklich wasändert, wir ernstgenommenwerdenund dasProblemnicht belächelt wird. Gegendie Einstellung,dassdie Welt ja davon nichtuntergehenwird. Wirwollenein ganz klaresZeichen setzen gegen Leugnerdes Klimawandels,aberauch gegensolche,die denKlimawandel zwar anerkennen, aber nichts dagegenmachen. Dassinddie größten Klimaproteste, diewir in Deutschlandjehatten. In Berlin warenwir 10 000. Es musssichjetzt wasändern. Internationaler Bildungsstreik: 15.3. 7

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