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März 2018 - coolibri Düsseldorf und Wuppertal

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KUNST K U N S T I M T U

KUNST K U N S T I M T U N N E L Jen Liu, Pink Slime Caesar Shift, 2018, Single channel 4K video Foto: Courtesy of the Artist and Upstream Gallery, Amsterdam Stand der Dinge Kaum vorstellbar, dass der Mensch nicht das Zentrum des Geschehens sein soll. Im Essay „Meeting The Universe Halfway“ (dt. „Dem Universum auf halbem Weg begegnen“) von Karen Barad geht es genau darum. Die Physikerin für Teilchenphysik und Quantenfeldtheorie stellt Objekte in den Fokus, verbindet Naturwissenschaften mit philosophischen Grundfragen und Feminismus. Anfang März eröffnet eine Ausstellung, die sich, basierend auf der Schrift von 2007, mit immer neu kombinierten Verbindungen auseinandersetzt. 60 Agentieller Realismus? Agentische Schnitte? Interaktionen? – Was erst einmal hochkompliziert klingt, ist vor allem eine Möglichkeit, Beziehungen und Strukturen neu zu denken. Karen Barad geht in ihrer Theorie nicht vom Menschen als Krone der Schöpfung aus. Das ist einerseits sympathisch und – lässt man sich auf das Gedankenspiel ein – spannend: Die strikte wissenschaftliche Trennung von Sein und Wissen löst die Physikerin ebenso auf wie den Status der Objekte als Statisten im Leben der Menschen. Statt Dinge als Anhängsel zu denken, geht sie von einem Eigenleben aus. Als sogenannte Agenten, die die Subjekte überdauern. Während wir davon ausgehen, dass Objekte mit uns verschmelzen, sie gar nur unseretwegen existieren, kommt es aus der Sicht der Dinge nur zu einer vorübergehenden „Okkupierung“. Ob Schmuckstücke, Häuser oder das Heft in euren Händen – alles nur zeitweise geliehen. Oder, um es mit Barad zu sagen: „Es gibt keine separat determinierten, individuellen Entitäten, die miteinander interagieren; vielmehr resultiert die Ko-Konstitution von determiniert gebundenen und mit Eigenschaften versehenen Entitäten aus spezifischen Intraaktionen.“ Sprich: Die Verbindungen oder Verschränkungen der Teilchen können sich mit der Zeit verändern und neu zusammensetzen. Selbstverständlich auch im übertragenen Sinne. So halten die Objekte auch Einzug in die Bildende Kunst. Akademieprofessorin Yesim Akdeniz beschäftigt sich in ihren Bildern und Installationen mit dem Ansatz der „Object Oriented Ontology“. Die New Yorker Künstlerin Jen Liu visualisiert in ihren plakativen, übertriebenen Bildern ihre feministisch-sozialen Ansichten und findet so einen Weg, komplexe Sachverhalte greifbar zu machen. Außerdem dabei bei der Werkschau: François Dey, Kubilay Mert Ural, Ceel Mogami de Haas, Christoph Westermeier und Müge Yılmaz. Nadine Beneke Meeting the Universe Halfway: 3.3.-3.6. (Di- So + Feiertage 11-18 Uhr) KIT, Düsseldorf kunst-im-tunnel.de

KUNST G O E T H E - M U S E U M E S S E N Wahlverwandtschaften Was verbindet den Maler und Bildhauer Heinz Mack mit dem Dichter und Naturforscher Johann Wolfgang von Goethe? In beider Werk ist das Phänomen der Interaktion von Licht und Farbe ein zentrales Element. Eine Ausstellung im Goethe-Museum stellt die Künstler gegenüber. Da ist Heinz Mack (*1931), der Avantgardist: Maler und Bildhauer, Mitbegründer der ZERO-Gruppe, mehrfacher documenta-Teilnehmer und Lichtkünstler. Da ist Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832), der Klassiker: berühmtester deutscher Dichter, Gelehrter, Politiker, Zeichner und Naturwissenschaftler. Auf den ersten Blick zwei völlig konträre Persönlichkeiten. Doch bei genauerem Hinsehen offenbart sich eine überraschende Schnittmenge – die beständige Faszination beider Protagonisten für Licht und Farbe sowie deren Wechselwirkungen. „Die Farben sind Taten des Lichts“, befand Goethe in seiner Schrift „Zur Farbenlehre“. Sie stellt seine umfangreichste Arbeit dar, die er selbst bedeutender einschätzte als seine Dichtung. Besagtem Zitat ist der Titel einer repräsentativen Sonderschau entlehnt, die vom 4. März bis 27. Mai in den frisch renovierten Sälen des Goethe-Museums zu sehen ist: „Taten des Lichts – Mack & Goethe“. Die gattungsübergreifende Ausstellung setzt erstmals das Œuvre Heinz Macks in Bezug zur Ideen- und Gedankenwelt Goethes. Mit ihm und seinen Schriften hat sich der Künstler stets intensiv auseinandergesetzt. Präsentiert werden zahlreiche selten oder noch nie gezeigte Werke Macks in Kontrast zu den optischen Experimenten Goethes. Des Weiteren zeigt die Ausstellung diverse Exponate aus dem Fundus des Museums, das mit rund 50.000 Objekten die größte Goethe-Privatsammlung der Welt beherbergt. Rare Leihgaben aus Weimar, Dresden und Wien ergänzen die Schau. Die Passion für Farbe und Licht ist nicht die einzige Parallele zwischen Mack und Goethe. Ein beiderseitiges Interesse an Morphologie ist erkennbar sowie an der Kunst des Orients. „Orient und Okzident sind nicht mehr zu trennen.“ Zu Goethes „West-östlicher Divan“, aus dem diese Sentenz stammt, schuf Heinz Mack übrigens ein „Buch der Bilder“. Gewiss wird man am Ende beide Künstler mit ganz anderen Augen sehen. bk Taten des Lichts – Mack & Goethe: 4.3.–27.5, Goethe-Museum, Düsseldorf; goethe-museum.com Heinz Mack, ohne Titel, 2016, Acryl auf Leinwand, 210 x 223 cm; Copyright: VG Bild-Kunst, Bonn 2017 An Munchs Steg Vom 16. Februar bis zum 22. April hat das Museum Folkwang in Essen ein Meisterwerk zu Gast: gezeigt wird das Gemälde „Die Mädchen auf der Brücke“ von 1927, eine Leihgabe aus dem Munch Museum in Oslo. Präsentiert wird das Werk zusammen mit drei Gemälden Munchs und 28 Arbeiten auf Papier aus dem Bestand des Museum Folkwang. Edvard Munch (1863–1944) gehört zu den bekanntesten norwegischen Malern der Moderne. Seine Lebensfries-Werke, darunter auch „Der Schrei“, sind Publikumsmagneten und weit über die Grenzen der Museen hinaus Teil eines globalen kulturellen Gedächtnisses. Mit „Die Mädchen auf der Brücke“ rückt das Museum Folkwang ein Motiv des Malers in den Mittelpunkt, das zwischen 1901 und 1940 in insgesamt zwölf Ölgemälden und fünf Grafiken verarbeitet wurde. Das präsentierte Werk wurde im Jahr 1927 angefertigt und gehört somit zu einer jüngeren Version dieses Themas. Gezeigt wird eine Gruppe von Mädchen oder Frauen, die sich auf einem Steg der Gemeinde Åsgårdstrand versammelt haben. In Åsgårdstrand ist Ende des 19. Jahrhunderts eine Künstlerkolonie entstanden, in der auch Munch lebte und arbeitete. Munchs Arbeiten sind dafür bekannt, dass sie eine Stimmung unbestimmter Sehnsucht vermitteln, wobei es dem Betrachter überlassen bleibt, eine Geschichte hinzuzudenken. Das gilt auch für „Die Mädchen auf der Brücke“, das den Betrachter durch den auf einen Fluchtpunkt zustrebenden Steg in den Bann zieht. Die Farben des Bildes lassen zugleich eine heitere und düstere Stimmung entstehen: Die leuchtenden Kleider stehen dem dunklen Baumschatten im Wasser gegenüber. Zudem kann sich der Betrachter fragen, warum sich die Mädchen dort versammelt haben, warum eine Figur nach unten zu schauen scheint, während der Blick der anderen in die Ferne schweift? Verweilen sie dort nur kurz oder warten sie auf die Ankunft eines Schiffs? Neben „Die Mädchen auf der Brücke“ zeigt die Ausstellung drei weitere Gemälde und 28 Arbeiten auf Papier. Darunter befinden sich die Farbholzschnitte „Mondschein“ von 1896 oder „Frauen am Meeresufer“ von 1898. Deutlich wird, dass Munch bestimmte Motive nicht nur in Bildgruppen über Jahre hinweg verarbeitet hat, sondern diese auch mit unterschiedlichen Methoden aufnimmt – wie Malerei und Druckgrafik. Stefanie Roenneke; Meisterwerke zu Gast: Edvard Munch – Sehnsucht und Erwartung: Bis 22.4., Museum Folkwang, Essen; museum-folkwang.de. Eintritt frei. 61 Foto: Munch Museum

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