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März 2018 - coolibri Düsseldorf und Wuppertal

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THEATER N E U S S Lars

THEATER N E U S S Lars Evers, Daniel Marré und Stefanie Otten Foto: Dennis Prang Glücksspiel „Und bitte!“ - Die Worte von Marika Rockstroh gaben Mitte Februar den Startschuss für die zweite Hauptprobe zu „Glück im 21. Jahrhundert“. Das Team des Theater am Schlachthof Neuss ist sich sicher: Die Satire von Kai Hensel trifft den Nerv der Zeit. Denn er fragt nach dem, was die Menschen unserer Gesellschaft glücklich macht. Der ausverkauften Premiere im vergangenen Monat folgen im März nun weitere Termine. Nadine Beneke durfte schon einmal zuschauen. Lars Evers in der Rolle des Erzählers ist der personifizierte Denker. Brauner Rollpulli, karierte Hose, Brille. Ein bisschen wie der Tiger im Käfig läuft er auf der hell erleuchteten Bühne umher, flüstert: „Der Mensch auf dem Weg zum Glück.“ - Und genau darum dreht sich der Stoff. Doch was ist es, das Glück? Wie und wo können wir es suchen? Und finden? Das Stück von Kai Hensel 58 feierte 2007 seine Uraufführung, doch könnte es, wie Marika Rockstroh zu Protokoll gibt, „gestern geschrieben worden sein“. Das große Ganze sucht Hensel im Kleinen: in der perfekten Familie aus der bürgerlichen Mitte, bestehend aus Johann und Anna. Er lenkt große Geldgeschäfte von der 18. Etage eines Hochhauses aus, sie ist Fußmodel. Vom Kennenlernen über die Hochzeit bis hin zum Leben mit der gemeinsamen Tochter Felicitas-Jasmin zeichnen die Schauspieler eindrucksvoll ein Bild vom immerwährenden Streben nach mehr - mehr Geld, mehr Liebe, mehr Zufriedenheit. Die Flüchtlingskrise, Versagens- und Verlustängste stellt Rockstroh mit ihrer minimalistischen, treffsicheren Inszenierung groß und klar in den Raum. Für zum Teil sphärische Projektionen und reduzierte, treibende Sounds sorgt Fabian Schulz. Die Handlung bringt die Regisseurin mit einem Satz auf den Punkt: „Es geht um reines Existieren.“ Und das gestaltet sich schwierig genug. Genau wie die Bühnenelemente drehen sich auch die Protagonisten immer wieder um sich selbst, Ängste und Wünsche verschwinden und tauchen wieder auf. Begriffe wie Neid, Überholspur, Gaspedal setzen sich im Ohr fest. Komische Momente kommen im Stück durchaus vor, jedoch stets garniert mit einem Hauch Bitterkeit. Antworten möchte Rockstroh mit ihrer Inszenierung nicht liefern. Vielmehr dürften weitere Fragen bei den Zuschauern aufpoppen. Pressesprecher Dennis Prang betont: „Das Stück ist kein Glücksratgeber.“ Dennoch schärft es die Sensibilität. Denn geht man nach Hensel, ist das Glück eigentlich zum Greifen nah: „Näher am Paradies kann man auf diesem Planeten kaum leben. Warum sind wir nicht glücklich?“ „Glück im 21. Jahrhundert“: 25.2., 2.+3.3., 27.+28.4. (jew. 20 Uhr) Theater am Schlachthof, Neuss; tas-neuss.de

THEATER W U P P E R T A L Antikörper Männer machen nichts als Ärger. Wäre das Leben als Frau mit einer Sexpuppe als Partner nicht viel leichter und selbstbestimmter? Ganz so einfach ist die Sache leider nicht. Das Wuppertaler Theater am Engelsgarten zeigt Anne Leppers preisgekröntes Stück „Mädchen in Not“. Die Sehnsucht nach dem privaten Glück treibt oft seltsame Blüten. Baby (Julia Reznik) ist attraktiv, wohlhabend, hat einen Mann und einen Liebhaber, aber das genügt ihr nicht. Sie hat die Schnauze voll vom Patriarchat und sozialen Normen, nach denen Gatte, Haus und Kinder das einzig wahre Lebensmodell darstellen. Was also tun? Statt eines Kerls aus Fleisch und Blut muss eine Sexpuppe her, die fügsam ist und keine Widerworte gibt, und, ach was, warum nicht gleich zwei, mit denen man so schön nach Italien reisen könnte. Dummerweise lassen sich die beiden echten Männer nur ungern ersetzen und schleichen sich als Puppen verkleidet zurück in Babys Leben. Zu allem Überfluss möchte auch Babys Freundin Dolly (Lena Vogt), Typ hässliches Entlein und von der Männerwelt ignoriert, ein Stück vom Kuchen abhaben und bändelt mit den Puppen an. Logische Folge: ein typischer Zickenkrieg. Und dann ist da noch die ominöse „Gesellschaft der Freunde des Verbrechens“, der jegliche Aufmüpfigkeit ein Dorn im Auge ist und die unangepasstes Verhalten krass sanktioniert: „Vergewaltigen, erschießen, ausweisen!“, lautet ihre Parole. Urkomisch und bitterböse Für „Mädchen in Not“ erhielt Anne Lepper im letzten Jahr den mit 15 000 „Mädchen in Not“ in Wuppertal Euro dotierten Mülheimer Dramatikerpreis, eine der begehrtesten Auszeichnungen in der deutschsprachigen Theaterszene. 2016 wurde das Stück am Nationaltheater Mannheim uraufgeführt. Am 29. März feiert es im Theater am Engelsgarten in Wuppertal Premiere; Regie führt Peter Wallgramm. „Mädchen in Not“ ist ein urkomisches und zugleich bitterböses Schauspiel. Wie in allen Stücken Leppers geht es auch hier um die Suche nach dem richtigen Leben im falschen, um die Auflehnung des Einzelnen gegen äußere Zwänge, um Wünsche, deren Verwirklichung beharrlich scheitert: an einer Gesellschaft, die Selbstoptimierung und Individualität zum Maß aller Dinge erhebt und doch kein Anderssein toleriert. bk Mädchen in Not: 29.3., 7.+8., 12.+13., 28.+29.4, 25.5., Theater am Engelsgarten, Wuppertal;schauspiel-wuppertal.de Foto: Uwe Schinkel 13 x TANZ & PERFORMANCE SANAA-GEBÄUDE / FO LKWANG UNIVERSITAT DER KÜNSTE PACT ZOLLVEREIN 14.—18. 03. 2018 MUSIKTHEATER IM REVIER GELSENKIRCHEN TICKETS: 0201.812 22 00 WWW.TANZPLATTFORM2018.DE AALTO-THEATER ESSEN WELT ERBE ZOLLVEREIN Förderer: Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Ministerium für Kultur und Wissens chaft des Landes Nord rhein-Westfalen, Stadt Essen, Regional verband Ruhr, Kunststiftung NRW, Kulturstiftung Essen, Gut für Essen — Stiftung der Sparkasse Essen Kooperationspartner: Stiftung Zollverein, Theater und Philharmonie Essen, Musikt heater im Revier Gelsenkirchen, Folkwang Universität der Künste, Kultur Ruhr GmbH Medien- und Kulturpartner: coolibri, K.West — Magazin für Kunst, Kultur, Gesellschaft, tanz — Zeitschrift für Ballett, Tanz und Performance, WDR 3 Partner: Goethe-Institut, Internationales Theaterinstitut — Zentrum Deutschland (ITI) 59 Photo ©: MIF, 2017

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