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März 2018 - coolibri Düsseldorf und Wuppertal

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SZENE W U P P E R T A L

SZENE W U P P E R T A L Ein Haus, das Wissen schafft Oda Berit und Sonja (v.l.) sind bereits erfahrene Junior-Uni-Forscherinnen. Foto: Irmine Estermann Die Junior Uni in Wuppertal ist europaweit wohl einzigartig. Während andere Kinderunis direkt von Universitäten organisiert werden, finanziert sich diese Einrichtung komplett privat durch Spenden. Unter anderem viele heimische Unternehmen unterstützen die Arbeit mit Geld und Dozenten. Ein Konzept, das seit zehn Jahren Erfolg hat. 22 Die kleine Rakete will einfach nicht starten. „Es ist wahrscheinlich zu windig“, vermutet die Dozentin, während sie versucht, das mit Alufolie eingewickelte Streichholz anzuzünden. So sei das eben manchmal in der Wissenschaft. Die Kindergartenkinder um sie herum nicken wissend. Frustriert, dass das kleine Experiment nicht funktioniert hat, ist keiner. Erstmal geht es wieder zurück vom Vorplatz in den Schulungsraum der Junior Uni, damit alle aus einem Streichholz und Alufolie ihre eigene kleine Rakete basteln können. „Wir wollen Kindern vermitteln, dass es okay ist, wenn mal etwas nicht funktioniert“, sagt Karin Röhrich, die Sprecherin der Junior Uni. Wichtig sei es nur, danach gemeinsam herauszufinden, warum ein Fehler passiert ist. Das gilt nicht nur für die vielen naturwissenschaftlichen Kurse, die die Junior Uni seit 2008 in Wuppertal anbietet, sondern auch für die handwerklich und wirtschaftlich geprägten sowie für die geisteswissenschaftlichen. Ein Konzept, das überzeugt: Rund 3500 Plätze hat die Einrichtung allein im letzten Wintersemester vergeben. Die Warteliste war nochmal rund 2000 Namen lang. Angebote gibt es für Kinder ab vier Jahren bis hin zu Jugendlichen vor dem Abitur. „Voraussetzung für eine Kursteilnahme ist, dass man Schüler ist“, sagt Röhrich. Und obwohl die Kurse regelmäßig ausgelastet sind, gehen die Mitarbeiter immer wieder in Schulen im Bergischen, um das Konzept vorzustellen. Die Dozenten, bis auf drei Koordinatoren Honorarkräfte, haben einen ganz unterschiedlichen Background. Zum einen kommen sie aus Unternehmen, die die Junior Uni unterstützen, zum anderen von der Bergischen Universität, die auch die Daten für die Junior Uni evaluiert. Mit dabei sind aber auch Lehrer und Künstler und Oberstufenschüler, die hier selbst schon an Kursen teilgenommen haben. „Gegründet wurde die Junior Uni mit dem Gedanken, der Region etwas zurückzugeben“, so Röhrich. Vor allem den Erfindergeist wollte der Ideengeber, Prof. Dr. hc. Ernst-Andreas Ziegler, ins Bergische zurückholen. In dem bunten Bau direkt an der Wupper, den die Junior Uni 2013 bezogen hat, sollen die Kinder die Möglichkeit haben, außerschulisch zu forschen und zu lernen. Für Ältere gibt es gezielt Berufsvorbereitungskurse. Die 14- jährige Oda Berit hat bereits an den meisten naturwissenschaftlichen Kursen teilgenommen, will später in diesem Bereich arbeiten und merkt, dass sich die Kurse auch auf ihren Schulalltag auswirken. „Als die ersten naturwissenschaftlichen Fächer in der Schule dazu kamen, wusste ich einfach schon viele Sachen“, erinnert sie sich. Bereits als Kindergartenkind hatte sie hier Kurse besucht und fühlt sich der Junior Uni so verbunden, dass sie nicht nur gerne ihre Freizeit beim Forschen verbringt, sondern auch ihr Schulpraktikum hier absolviert. Das macht sie gemeinsam mit Sonja, die es zu allem außerhalb der Naturwissenschaften zieht: vor allem zum Fotokurs. Ihre große Schwester habe sie für die Kurse begeistert. „Sie hat irgendwann zu Hause ein Experiment vorgeführt und das fand ich toll“, erinnert sich die 15-Jährige. Während ihres Praktikums unterstützen beide die Dozenten. Während für Sonja nun „Macht bunt, die Welt der Farben“ auf dem Programm steht, hilft Oda Berit den kleinen Raketenforschern. Die sind mittlerweile wieder draußen mit ihren selbstgebastelten Streichholzraketen. Und diesmal klappt’s: Mit einem leisen „pffff“ starten einige kleine Flugkörper durch. Die Kindergartenkinder sind begeistert und stellen noch etliche Fragen. So soll‘s sein in der Wissenschaft. Irmine Estermann junioruni-wuppertal.de Foto: Junior Uni Wuppertal

SZENE W U P P E R T A L V E R S C H I E D E N E O R T E coolibri präsentiert Markus Wels und Ursula Weißenborn malen live zum Hörspiel. Die Stühle für das Publikum haben Wuppertaler Bürger gespendet. Ein Kommentar zum Krieg Müllers Marionettentheater: Vor 35 Jahren in Bremen gegründet, vor 30 Jahren nach Wuppertal gezogen und seit 25 Jahren in den Räumen am Neuenteich. Das Team rund um Ursula und Günther Weißenborn feiert 2018 gleich drei wichtige Geburtstage. Und die begehen die Puppenspieler mit einem Experiment. Lysistrata steht auf dem Spielplan. Ein szenisches Hörspiel aus sehr altem Stoff mit einem hochaktuellem Thema, das ohne Marionetten daherkommt. „Die Idee von Aristophanes ist schlicht genial. Aber mit Puppen wird es da lustig, wo es nicht lustig werden sollte“, sagt Ursula Weißenborn. Es gehe um die Verweigerung von Sexualität. Das Publikum solle dieser Idee folgen. Die Geschichte thematisiert einen Aufstand der Frauen Spartas und Athens gegen die Männer als Verursacher des Krieges und des Leidens. Die Titelheldin Lysistrata besetzt mit ihren Anhängerinnen die Akropolis und damit die Schatzkammer. Die Frauen verweigern ihren Ehemännern den Beischlaf, um den Krieg zu beenden. „Der Stoff gibt schon was her, er macht Spaß“, sagt Günther Weißenborn. Zwei Jahre lang haben er und seine Frau sich mit der Geschichte beschäftigt, vor allem mit der Übersetzung von Niklas Holzberg. „Bei der kriegen Sie rote Ohren“, sagt Günther Weißenborn. Die endgültige Fassung erzählt eine Geschichte rund um den ursprünglichen Plot von Aristophanes. Die Szenen entwickeln sich um Lysistrata als zentrale Figur. Die Komödie von 411 v. Ch. hat einen großen Bezug zur heutigen Zeit. Viel des Leides, das Aristophanes beschreibt, gebe es auch heute in Syrien. „Man kann ja nicht als Künstler dasitzen und sagen, da wäre nichts“, so Günther Weißenborn. Ihre Fassung von Lysistrata sei ihr Kommentar dazu, wie wir mit Kriegsgedanken in der heutigen Zeit umgehen. „Das Visuelle entsteht vor den Augen der Zuschauer.“ Für Lysistrata werden die üblichen 90 Stühle aus dem Raum geräumt und durch etwa 40 von Wuppertalern gespendete Holzstühle ersetzt, die sich im Raum verteilen. Während des etwa 75-minütigen Hörspiels malen Ursula Weißenborn und Markus Wels, die beide als Künstler aktiv sind, auf weiße Leinwände. Zum Ende jeder Vorstellung entstehen so einzigartige Kunstwerke, deren Teile die Besucher mitnehmen können. Irmine Estermann Lysistrata: 23.2.+24.2., 22+23.3., 27.+28.4., Müllers Marionettentheater Wuppertal, muellersmarionettentheater.de Foto: Irmine Estermann 1000 Gesten von Boris Charmatz Tanz bis zur Erschöpfung Auf Spitze oder barfuß, im großen Ensemble oder zu zweit, streng durchchoreographiert oder performativ – im März ist die Welt des aktuellen Tanzes aus dem deutschsprachigen Raum in Essen zu Gast. Das Festival „Tanzplattform Deutschland“ findet alle zwei Jahre in einer anderen deutschen Stadt statt. 2018 wird es ausgerichtet von PACT Zollverein, Spielstätten sind neben der ehemaligen Kaue weitere Hallen auf dem Welterbe, das Aalto Theater und das Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen. Zu sehen gibt es 13 Produktionen an nur fünf Tagen. Das ist für Interessierte durchaus eine Herausforderung. Tatsächlich ist es bei guter Planung möglich, alle gezeigten Produktionen zu sehen und sich so in kürzerster Zeit einen in mehrfacher Hinsicht erschöpfenden Überblick über die Tanzlandschaft zu verschaffen. Vermutlich werden sich das aber nur Spezialisten antun. Wer einfach nur mal herausragende Produktionen sehen will, ohne dafür durch die ganze Republik zu reisen, muss eine Auswahl treffen und das ist gar nicht so einfach. Da sind auf der einen Seite die großen freien Compagnien von Star-Choreographen wie das Ballet Of Difference von Richard Siegal aus München / Köln, die Sasha Waltz Compagnie aus Berlin, oder Boris Charmatz‘ Musée de la danse. Der Altmeister des zeitgenössischen Balletts, William Forsythe, ist ebenfalls vertreten. Er entwickelte für die Gruppe Dance On Ensemble die Choreographie „Catalogue (First Edition)“, in der es um die besondere Erfahrung, Schönheit und Bühnenpräsenz zweier älterer Tänzer geht. Eine Generation jünger, aber ebenfalls längst eine feste Größe in der internationalen Tanzszene ist Xavier Le Roy, der in einem der spektakulärsten Aufführungsorte des Festivals, dem SANAA-Gebäude, seine Arbeit „Temorary Titel“ zeigt, die der Besucher je nach Lust betreten und verlassen kann. Einen Ausflug in die Geschichte des modernen Tanzes unternimmt Eszter Salamon in „Monument 0.5“. Gemeinsam mit Boglàrka Börcsök nähert sie sich einer der schillerndsten Persönlichkeiten des Genres: Valeska Gert. Die exzentrische Tänzerin, Sängerin und Vokalartistin war ein Star im Berlin der 20er, entdeckte nach dem Zweiten Weltkrieg Klaus Kinski und spielte selbst in Filmen von Federico Fellini, Rainer Werner Fassbinder und Volker Schlöndorff.Wer von Tanz und Performance eher die Auseinandersetzung mit aktuellen gesellschaftlichen Themen erwartet, wird bei Julian Warner / Oliver Zahn / Hauptaktion und ihrer Produktion „Situation mit Doppelgänger“, die sich mit kultureller Aneignung auseinandersetzt, Clair Cunnighams und Jessy Curtis „The Way You Look (At Me) Tonight“ oder „Princess“ von Eisa Jocson über Disneys Schneewittchen fündig. HR Tanzplattform2018, 14.-18.3., Essen und Gelsenkirchen, tanzplattform2018.de 23 Foto: Boris Charmatz / Ursula Kaufmann

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