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März 2017 - coolibri Düsseldorf und Wuppertal

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D Ü S S E L D O R F T H

D Ü S S E L D O R F T H E M A Kraftwerk und Ratinger Hof. So lauten die häufigsten Assoziationen in Sachen Düsseldorf und Musik. Aber ist das noch aktuell? Tut sich nicht längst so viel in der Düsseldorfer Musikszene, dass es Zeit wäre, aus dem übergroßen Krautrock- und Punk-Schatten zu treten? Tossia Corman hat mit vier Künstlern über genau dieses Thema, über die Proberaumsituation, Förderung und die Stimmung in der Szene gesprochen. Foto: Ludovic Schuld „ W i r m a c h e n a u s Foto: Tim Ilskens Ugur Kepenek aka Busy Beast, Rapper Luise Weidehaas, Singer/Songwriterin Wo steht Düsseldorf musikalisch? Auf Deutschland bezogen ist Düsseldorf schon ne Nummer. Wir machen aus Scheiße Gold, nicht erst seit gestern. Wie ist das Standing der Szene in der Stadt? Es gibt ein Netzwerk, Austausch findet statt. Wer es aber schafft, ein bisschen mehr Erfolg zu ergattern, den siehst du so schnell nicht wieder. Wird die Musik in Düsseldorf genug gefördert? Es gibt relativ viele Anlaufstellen hierfür. Geschenkt kriegst du aber nichts. Nirgendwo. Im Grunde sehe ich keine Probleme, die der Stadt zugeschrieben werden könnten. Wie ist die Live- / Proberaumsituation? Locations, in denen man spielen möchte, gibt es nicht besonders viele. Ein paar Clubs oder Läden, aber ohne bestimmtes Genre. Zumindest was Rap und HipHop angeht, sehe ich da gerade keine erste Adresse. Trotzdem passiert viel. Wenn man Bock hat, selber was auf die Beine zu stellen, kann man das meist auch umsetzen. Proberäume sind, glaub ich, nach wie vor eher mau. Was könnte besser sein? Ich fühle mich wohl hier, arbeite mit guten Leuten zusammen. Düsseldorf ist nicht die schlechteste Stadt, was das Musikmachen angeht. Zumal es sowieso relativ ist, wo du dich befindest. Mein Tipp: Tauscht euch aus und schließt euch weiter und noch mehr zusammen. Ich habe manchmal das Gefühl, dass die Szene sich selber einen Zaun geschaffen hat. Man schaut zwar rüber, aber bleibt doch irgendwie in seinem eigenen Vorgarten kleben. Man braucht keine Stadt, um Musik zu machen. 10 Wo steht Düsseldorf musikalisch? Puh, kann ich das beurteilen … Wie ist das Standing der Szene in der Stadt? In jüngster Zeit geht es ein wenig voran. Es werden Räume für Konzerte genutzt, die dafür geeignet sind, an die aber früher einfach nicht gedacht wurde. Ich spreche da von der Christuskirche, dem WP8 oder dem ehemaligen Bordell auf der Rethelstraße – die Locations könnten gegensätzlicher nicht sein. Es gibt auch wahnsinnig viele unterschiedliche Szenen, elektronische Musik hat seit Kraftwerk seine feste Verortung in der Stadt. So eine Art Subkultur, die man auch in anderen größeren Städten sucht, ist generell zurückgegangen. Wird die Musik in Düsseldorf genug gefördert? Es gibt den Förderpreis für Musik, das ist auf jeden Fall toll. Es kann ja immer mehr gefördert werden, generell in Deutschland wird es Musikern jetzt nicht so wahnsinnig leicht gemacht. Ich glaube, da sind Holland und Belgien ein Stückchen weiter. Wie ist die Live- / Proberaumsituation? Viele Bands sind noch auf der Suche nach einem bezahlbaren Proberaum, somit kann die Situation nicht so gut sein. Ich selbst habe das riesige Glück, über Freunde einen Raum mitnutzen zu können. Was könnte besser sein? Die Proberaumsituation zu verbessern würde schon vielen Bands helfen. Und ich finde es immer wichtig, dass man offen und mutig bleibt und nicht nur im eigenen Saft schmort, sich nicht von allgemeinen Hypes verleiten lässt, sondern selbst schaut, was gut und innovativ ist.

T H E M A Foto: Arkadiusz Goniwiecha Foto: Sebastian Lehner S c h e i ß e G o l d “ Nico Feelisch, Mitglied der Band Rogers Simon Ebener aka Moglii, Produzent Wo steht Düsseldorf musikalisch? Die hiesige Musikszene wächst seit Jahren. Es kommen immer wieder junge Künstler aus Düsseldorf und Umgebung hoch. Wie ist das Standing der Szene in der Stadt? Wir haben gemerkt, dass sich in der Szene so gut es geht unterstützt wird, und auch von außen gibt es viele Leute, die es gut meinen. Zum Beispiel gibt es seit einigen Jahren vermehrt kleinere Festivals, die von Privatleuten mit viel Herzblut betrieben werden und die Szene zusätzlich fördern. Wird die Musik in Düsseldorf genug gefördert? Es gibt schon Fördermöglichkeiten, jedoch greifen die meisten hauptsächlich bei Klassischer Musik. Eine große Ausnahme ist das „City Beats“ - ein Förderprogramm in Contest-Form, das den Hauptgewinnern finanziell unter die Arme greift und sie unterstützt. Wie ist die Live- / Proberaumsituation? Es gibt viele unterschiedlich große Locations, die sich alle bemühen, Musiker jeglichen Alters und jeglicher Musikrichtung zu unterstützen. Die Probenraumsituation ist allerdings katastrophal. Die brauchbaren Räume sind meist unbezahlbar oder liegen so weit außerhalb, dass sie nur schlecht zu erreichen sind. Die Alternativen sind absolut unbrauchbar – feuchte, teils schimmelnde Keller oder Bunker. Das ist kein Zustand für eine Metropole, die sich mit dem Prädikat „Kulturhauptstadt“ schmückt. Was könnte besser sein? Wir fordern mehr städtische Förderprogramme für junge Bands und bezahlbare oberirdische Probemöglichkeiten! Wo steht Düsseldorf musikalisch? Es wird immer noch als Stadt von Kraftwerk, Toten Hosen und Krautrock dargestellt, die allesamt ihren Zenith längst überschritten haben. Durch die Abwesenheit von kulturellen Reibungen bleibt auch die Entstehung einer Subkultur aus. Es gibt kaum öffentliche Räume, die man sich zurückerobern kann. Wie ist das Standing der Szene in der Stadt? Ich nehme eine kleine, aber feine HipHop-Szene in Düsseldorf wahr, die mit der Antilopen Gang ein deutschlandweit bekanntes Gesicht erhalten hat. Generell sind die Leute untereinander gut vernetzt. Sie planen Projekte zusammen und kennen sich über Ecken. Wird die Musik in Düsseldorf genug gefördert? Ja. Besonders hervorzuheben ist in diesem Kontext das zakk, da es stets auch mit einem Auge auf die Nachwuchstalente der Stadt schaut. Das Kulturamt der Stadt bemüht sich mit Fördergeldern und Bandcontests, Dinge anzustoßen. Ich glaube aber, dass ein organisches Wachsen der Szene wenig mit offiziellen Förderprogrammen zu tun hat. Wie ist die Live- / Proberaumsituation? Die Proberaumsituation ist schwierig. Hier könnte die Stadt noch mehr tun, um mit moderaten Mietpreisen in besseren Lagen eine höhere Attraktivität für Bands zu erzeugen, sich in Düsseldorf niederzulassen. Was könnte besser sein? Es dürfte gern noch zwei oder drei neue Locations geben, die es mit einem modernen Konzept oder einem außergewöhnlichen Booking schaffen, die Kreativszene in Düsseldorf neu zu beflügeln. 11

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