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März 2016 - coolibri Düsseldorf

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T H E M A Wuppertal

T H E M A Wuppertal macht mobil gegen Rechts. Foto: Benny Trapp W U P P E R T A L Initiativ Nach rechtsextremen Übergriffen in Wuppertal verabschiedete der Rat der Stadt vor über 15 Jahren ein Aktionsprogramm. Im Rahmen dieses Programms wurde die Wuppertaler Initiative für Demokratie und Toleranz e.V. ins Leben gerufen. Lange schon bundesweit etabliert, steht diese aktuell vor ganz neuen Herausforderungen. gegen rechts Seit Monaten werden die Nachrichten von einem Thema dominiert: Flüchtende Menschen, die aus Krisen- und Kriegsgebieten nach Europa strömen. Parallel dazu zeigt sich in der Politik, vor allem aber in der Bevölkerung ein Rechtsruck, der neben vermeintlich harmlosen Demonstrationen auch brennende Unterkünfte, Hassparolen und rechtsextreme Übergriffe mit sich bringt. Rechte Gesinnung und Gewalt haben längst eine ganze neue Qualität erreicht. „In der Form gab’s das noch nicht“, meint auch Sebastian Goecke, Geschäftsführer der Wuppertaler Initiative für Demokratie und Toleranz. Während er die Situation in Wuppertal als „relativ harmlos“ bewertet, blickt er wachsam auf die bundesweite und vor allem die NRW- Situation, ist die Initiative als „Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus im Regierungsbezirk Düsseldorf“ doch gerade hier sehr aktiv. Besseres Demokratieverständnis Beratungsgespräche, Projektarbeit, Seminarleitung – seit 2001 werden jährlich etwa 70 Einzelprojekte gegen Gewalt, Rechtsextremismus und Rassismus durchgeführt. Dabei werden lokale und bundesweite Projekte umgesetzt. Zudem werden Institutionen bei der Planung und Durchführung von Projekten beraten und Fortbildungen für Fachkräfte und Interessierte angeboten. In der Satzung ist ganz wesentlich verankert: „Zweck des Vereines ist die Förderung von Maßnahmen zur Verbesserung des Demokratieverständnisses und der Toleranz zwischen Kulturen (in Wuppertal), mit dem Ziel der Verbesserung des Zusammenlebens. Besonderen 22 Raum nehmen dabei Projekte im Bereich der Jugendhilfe und Jugendförderung ein. Der Verein fördert Maßnahmen gegen rechtsextremistische Tendenzen und Erscheinungsformen, gewaltpräventive Freizeit- und Erlebnisangebote, Maßnahmen zur Förderung der Sozialraumentwicklung, interkulturelle Projekte und Veranstaltungen und Maßnahmen zur Förderung der Partizipation aller Bewohnergruppen. Darüber hinaus unterstützt er das Zusammenleben der Generationen im Stadtgebiet durch Angebote an alle Altersgruppen.“ Und genau dieser agierende Charakter ist derzeit geschwächt, so Sebastian Goecke: „Momentan können wir wenig vorantreiben, sondern nur reagieren.“ Auf Anfragen rund um die Flüchtlingshilfe zum Beispiel. Auf die Tatsache, dass es an Schulen sogenannte besorgte Eltern und auch Schüler gibt. Auf konkrete Fragen danach, wie die Bedrohungslage einzuschätzen ist. „Wichtig ist, dass wir von der Reaktion wieder in die Aktion kommen!“ Gefährliche Entwicklung Zwar ist Sebastian Goecke der Ansicht, dass Wuppertal gute Flüchtlingsarbeit leistet, aber Wuppertal ist eben auch nur eine von vielen nordrheinwestfälischen Kommunen, eine mittelgroße Stadt in Deutschland. Über den Tellerrand geblickt, registriert er „eine ganz gefährliche Entwicklung“. Und es kommt ja auch tatsächlich eines zum anderen: „Die Hooligan-Szene, die sich in jüngerer Vergangenheit eigentlich in die Bürgerlichkeit zurückgezogen hatte, bekommt neuen Aufwind. Bürgerwehren formieren

T H E M A sich und provozieren letztlich Straßenschlachten. Dann sind da natürlich noch aktive und gewaltbereite Rechtsextreme und – mit wachsendem Anteil – die stumme Zustimmung in der Bevölkerung.“ Der Staat müsse dringend handlungsfähiger werden, er präsentiere lediglich Scheinlösungen. „Die Volksparteien sind da leider nicht visionär, sondern verwalten nur Missstände anstatt Entwicklungsstrategien zu entwerfen.“ Der Geschäftsführer der Wuppertaler Initiative für Demokratie und Toleranz ist sich sicher: Die Versorgung von Flüchtlingen und die Sicherheit für Flüchtlinge muss gewährleistet werden – und zwar europaweit. Anfeindung im Alltag Im aktuellen Aktionsprogramm der Initiative ist zu finden: „Deutschland wird von einer erschreckenden Welle von rechtsradikaler Gewalt erschüttert: Gewalt gegen ausländische Mitbürgerinnen und Mitbürger, Gewalt gegen jüdische Einrichtungen, Gewalt gegen Obdachlose, Gewalt gegen diejenigen, die anders sind. Diese Welle ist besorgniserregend, fordert uns jedoch auch heraus.“ Spiegelt sich das eigentlich auch in der alltäglichen Arbeit wieder? „Wenn man unsere Arbeit macht, muss man wissen, dass man in die Schusslinie gerät“, berichtet Sebastian Goecke, der weiß wie es ist, beispielsweise bei Demos oder auch großen Straßenfesten angefeindet zu werden. Beschimpfungen und Verunglimpfungen gehören mehr oder weniger zur Tagesordnung. Und seit man sich in der digitalen Anonymität verstecken kann, ist es natürlich auch mehr geworden: „Anonyme Mails, in denen man beleidigt oder bedroht wird. Das muss man aushalten.“ Wie z. B. auch die Tatsache, dass, wenn rechtsextreme Parteien erst einmal den Einzug in den Rat geschafft haben, man ihnen beispielsweise keine städtischen Räume für Veranstaltungen verwehren darf. Recherche und Aufklärung „Jedenfalls spiegeln die momentanen Anfragen genau die Gesellschaft wider“, meint Sebastian Goecke mit Blick sowohl auf die oben erwähnten „besorgten Bürger“ als auch die vielen engagierten Helfer und Mitstreiter. Dass dabei aktuelle Geschehnisse, die vor allem durch die sozialen Netzwerke rasend schnell verbreitet und nicht selten verfälscht dargestellt werden, gründlich recherchiert und kritisch hinterfragt werden müssen, ist ebenfalls Teil der Arbeit. Zu Beginn des Jahres waren deshalb auf der Website folgende Infos zu finden: „Nach den gewalttätigen Vorfällen in der Silvesternacht 2015/2016 sind bundesweit Forderungen laut geworden, Frauen und Kinder endlich besser vor sexuellen Übergriffen durch Flüchtlinge zu schützen. Doch sind diese Forderungen überhaupt berechtigt? Die Amadeus Antonio Stiftung fordert einen sachlich und nicht emotional oder populistisch aufgeheizten Diskurs und hat sich in der hier angebotenen Broschüre selber daran versucht. Auf den 16 Seiten werden die Medienberichterstattung, Statistiken, juristische Definitionen und Fallbeispiele unter die Lupe genommen. Außerdem werden Handlungsempfehlungen für den Umgang mit dem Thema gegeben.“ Darunter ein Download-Link – Aufklärung statt Meinungsmache. Werteerhalt Abschließend noch ein weiterer Auszug aus dem Programm der Initiative: „Die Werte von Demokratie, Toleranz, Freiheit und Gerechtigkeit sind nicht selbstverständlich. Sie müssen von den Bürgerinnen und Bürgern immer wieder neu gestiftet und mit Leben gefüllt werden. Es reicht kein Aktionismus. Es bedarf eines ständigen Prozesses, um eine nachhaltige Wirkung zu erzielen. Daher sollen mit diesem Entwurf eines Aktionsprogramms kurzfristige Maßnahmen gebündelt, mittel- und langfristige Ziele definiert sowie einzelne Instrumente zur Zielerreichung beschrieben werden.“ Die Wuppertaler Initiative für Demokratie und Toleranz wird aus Bundesund Ländermitteln finanziert. Die Finanzierung ist für die nächsten vier Jahre gesichert. Die Politik sollte so klug sein und diese Institution noch so lange unterstützen wie es nötig ist. Jörg Degenkolb-Degerli Wir haben Geburtstag... ...und freuen uns über 30 Jahre frisuren in Wuppertal. Deshalb bekommt jeder Kunde mit Termin bei uns bis Ende April eine Wella-Pflege-Anwendung oder ein Wella-Produkt für Zuhause geschenkt. Calvinstraße 21 42103 Wuppertal frisuren-roentgen@web.de wellness für´s haar mit: ghd Sassoon Sebastian Wella Knospe, Spaten und Feines 12. + 13.März 2016 Schloss Lüntenbeck Textilmarkt Öffnungszeiten: 11–18 Uhr Eintritt: 5 €, Kinder bis 12 Jahre frei Anfahrt und Parken: www.schloss-luentenbeck.de Schloss Lüntenbeck, 42327 Wuppertal Schloss Lüntenbeck Kunst- und Museumsverein Wuppertal VON DER HEYDT KUNSTHALLE WUPPERTAL-BARMEN NORBERT THOMAS KEIN ZUFALL 28.2. - 24.4.2016 von-der-heydt-kunsthalle.de iStock, Lili Graph 23

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