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März 2016 - coolibri Düsseldorf

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K Ö L N Martin Walser

K Ö L N Martin Walser Foto: Karin Rocholl F E S T I V A L Literatur-Hauptstadt in Teilzeit 186 Veranstaltungen an zwölf Tagen, in exklusivem Rahmen ebenso wie vor zehntausenden Literaturjüngern: Bereits zum 16. Mal inszeniert die lit.COLOGNE krause Dichtkünstler als schillernde Popstars. Auch zum 16. Mal wird das Konzept des womöglich glamourösesten deutschen Literaturfestivals grandios aufgehen. Denn um die Granden des Gewerbes – die Donna Leons, Martin Walsers, Orhan Pamuks und Alexander Kluges, um nur ein paar wenige zu nennen – einmal live zu sehen, stellen sich die Kölner vor den Ticket-Stellen gerne in Schlangen und buchen auf den Online-Portalen blind Eintrittskarten. Hauptsache man ist dabei, wenn Köln für ein paar Tage das ist, was es auch für den Rest des Jahres so gerne wäre: eine Kulturmetropole von Weltrang. Rainer Osnowski, einer von drei Geschäftsführern, fällt es schwer, aus dem klangvollen Angebot einen Programmpunkt herauszuheben. Na gut, den einen vielleicht, schließlich haben die Organisatoren damit einen Riecher für Themen bewiesen und tun nebenbei etwas Gutes: „Auch Ihr seid jetzt Deutschland! Die Flüchtlinge und die Kraft der Sprache“ lautet der Titel der Benefizveranstaltung in der Lanxess-Arena, in der Prominente wie Til Schweiger, Frank Schätzing und Wladimir Kaminer lesen und über Themen wie Flucht, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit diskutieren, musikalisch unterstützt von Herbert Grönemeyer, Cro und Thomas D. Obwohl bei den großen Veranstaltungen wie in der Lanxess-Arena oder im Rheinenergie-Stadion naturgemäß am meisten Platz ist, sind diese oftmals schneller ausverkauft als die kleinen, feinen. Eingefleischte Fans wissen das längst und haben sich, so Osnowski, damit arrangiert: „Viele denken sich: Für die großen Namen krieg’ ich sowieso keine Karten, dann 20 Köln als Kulturmetropole von Weltrang geh’ ich eben zu einem unbekannten Autor.“ Die Programmrunde der lit.COLOGNE, ein erlauchtes Gremium aus je drei Damen und Herren, diskutiert deshalb über die vermeintlichen Randveranstaltungen besonders intensiv. Wenn’s der Sache dienlich ist, laden die Kölner sogar Düsseldorfer ein. Campino von den Toten Hosen darf die Reihe „Lyrics“ fortsetzen, in der Musiker ihre Texte mal nicht singen, sondern einfach nur vorlesen. Die Idee habe sich anfangs schwer durchgesetzt, räumt Osnowski ein. „Aber seit Max Herre mitgemacht hat, läuft’s.“ Heinrich Heine wird ebenfalls zugegen sein, wenn auch freilich nicht persönlich. Den 1856 verstorbenen Nationalpoeten entdecken live und vor Publikum die Schauspieler Cordula Stratmann und Ulrich Noethen. Titel: „Jener ist verliebt und närrisch – und noch obendrein ein Dichter.“ Dass die 16. lit.COLOGNE närrisch gut wird, daran hegt Osnowski keinen Zweifel. Eine funktionierende Organisation ist Pflicht, eine stimmige Gesamtaussage die Kür. „Wir wollen uns nicht unter Druck setzen, was Schwerpunkte angeht. Aber uns als Institution politisch positionieren – das müssen wir schon.“ Dem knorrigen Heine wäre dazu bestimmt ein spöttischer Schlusskommentar eingefallen. Der coolibri-Autor hört einfach so auf. Sebastian Züger 8.–19.3. lit.COLOGNE, diverse Veranstaltungsorte, Köln; lit-cologne.de

K Ö L N M U S I C A L D O M E S C H A U S P I E L H A U S Die Queen of the Night: Patricia Meeden angelt sich den Bodyguard Foto: Hardy Müller Nuran David Calis Foto: Schauspiel Köln Ein Lied für den Leibwächter „And Aaaaaaaiiiiaaaiiai will always love youuuuuuuuu“. Ist er nicht toll, der Schmachtfetzen von 1992? Kevin Costner rettet Leben und Whitney Houston schmettert eine Ballade nach der anderen. Herrlich! Das hat sich auch der Musical Dome in Köln gedacht und Bodyguard –Das Musical direkt mal in die Stadt geholt. Noch bis Ende August verspricht Patricia Meeden als Superstar Rachel Marron zum feuerwerkgeladenen Beginn jeder Show „I’ve got the stuff that you want“ – da kann Rachels Stalker wohl nur zustimmend im Takt nicken. Die größte Angst, die man so als Bodyguard- oder Whitney-Houston-Fan haben kann, ist: Kommt eine Musical-Darstellerin mit den Songs einer der größten Sängerinnen unserer Zeit klar? Immerhin ist der Soundtrack zu Bodyguard die erfolgreichste Filmmusik aller Zeiten. Im Fall von Patricia Meeden kann man das aber durchaus bejahen – und zur Freude vermutlich vieler: Die Musical-Varianten der Lieder bleiben originalgetreu englisch. Die zweite Angst ist: Muss sich der kühl distanzierte, schnittige Vollprofi- Bodyguard Frank Farmer (Jürgen Fischer) auf der Musical-Bühne irgendwann theatralisch das Hemd aufreißen, auf die Knie fallen und voller Inbrunst „I have nothing if I don’t have you“ anstimmen? Nein, muss er nicht. Die natürliche Liebesfilmordnung bleibt also gewahrt: Die Diva genauso wie ihre talentierte Schwester Nicky (Teria Botha) singen ganz vorzüglich und voller Elan, während Frank cool in der Ecke rumsteht und sie skeptisch beäugt. Und alle, die Bodyguard nicht rückwärts mitsprechen können, finden vielleicht einen anderen Grund, sich auf den Weg in den Musical Dome zu machen: Denn die Show ist gleichzeitig eine Hommage an Whitney Houstons größte Hits, gehüllt in eine Liebesstory, mit vielen funkelnden Kostümen und einer beeindruckenden Kulisse. Abgesehen vom riesigen Trainingssaal im Haus der Soul-Diva, gibt es eine komplette, drehbare Blockhütte im Wald – ein durchaus spektakuläres Teil. Etwa sechs Millionen Zuschauer haben wohl damals im Kino mitgefiebert, als Rachels Stalker in die Hütte einbricht und seine Angebetete mit ihrer Schwester verwechselt. So: Und zu guter Letzt für Musical-Fans, die keinen Plan haben, worum es hier überhaupt geht: Es ist eine Liebesgeschichte voller Verrat und Spannung und mit viel emotionalem Gesang. Schmacht… Irmine Estermann bodyguard-musical.de Gelegenheitsbeter und Radikale Einen Clash of Cultures inszeniert Regisseur Nuran David Calis mit seinem neuen Stück „Glaubenskämpfer“ im Depot 1 des Kölner Schauspiels. Das Setting liest sich ein wenig akademisch: „Schauspieler treffen auf Gläubige aus den drei Glaubensgemeinschaften.“ Dass Autor und Regisseur Nuran David Calis aus solchen inszenierten Begegnungen echte Funken schlagen kann, hat er vor zwei Spielzeiten mit seinem Köln-Debüt „Die Lücke“ bewiesen. Darin arbeitete er das NSU-Attentat auf, das zehn Jahre zuvor heute nicht verheilte Wunden riss. Anwohner und Geschäftsleute, Moschee-Vorsitzende und Restaurantbetreiber standen gemeinsam mit Schauspiel-Profis auf der Bühne und versuchten, den unübersehbaren Graben inmitten der Gesellschaft, die „Lücke“ zwischen Deutschen und Türken, Gläubigen und Ungläubigen zu überwinden. Dass sie an dieser Aufgabe letztlich scheiterten, machte das Stück umso eindrucksvoller. Aufbauend auf diesem Erfolg wagt sich Calis nun ins nächste Level intellektueller und interkultureller Auseinandersetzung. „Glaubenskämpfer“ heißt sein neues Werk, das Ende Februar im Depot 1 des Kölner Schauspiels Premiere feierte. Im Ensemble finden sich neben professionellen Schauspielern Vertreter der drei großen vor Ort präsenten Glaubensgemeinschaften: Judentum, Islam und Christentum. Eine im vermeintlich so weltlich orientierten, partygläubigen Köln nicht unbedingt ungewöhnliche Mixtur, schließlich führen der Dom, die umstrittene Ehrenfelder Groß-Moschee und die alte Synagoge in der Stadt eine weitgehend friedliche Koexistenz. Calis, 1976 in Bielefeld geboren und mit einem wahrhaft komplexen türkisch-armenisch-jüdischen Migrationshintergrund ausgestattet, bringt Gelegenheitsbeter und Dogmatiker, pragmatische Gläubige und Radikale ins Gespräch. Gemeinsam erörtern sie die Fragen, warum es mit den Religionen so kompliziert ist, wie Radikalisierung entsteht, welche Rolle der Glaube im Alltag spielt und worin – womöglich – seine Schönheit liegt, die auf so viele Menschen attraktiv wirkt. Ob Calis in „Glaubenskämpfer“ endgültige Antworten anbietet? Wohl kaum. Das ist auch nicht seine Aufgabe. Was er verlässlich liefert, ist relevantes zeitgenössisches Theater. Und das ist auch schon eine ganze Menge. Sebastian Züger 11. & 23.3., jeweils 19:30 Uhr, Depot 1, Schanzenstr. 6-20, Köln; schauspielkoeln.de 21

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