Events, Trends und Reportagen für die Rhein-Ruhr-Region
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Mai 2019 - coolibri Bochum

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TITEL Am 4.

TITEL Am 4. Maistartetdie erste Ausgabe desAusstellungsprojekts„Ruhr Ding“ zum Thema Territorien. 22 Kunstprojektekönnen in denStädten Bochum, Dortmund, Essenund Oberhausen entdeckt werden. Durch Touren zu Fuß oder perRad in deneinzelnen Städten sowie durch städteübergreifendeTourenmit Radund ÖPNV istdie Bewegungzuden OrtenbereitsTeil der Kunsterfahrung.Stefanie Roenneke sprach vorabmit Britta Peters,KünstlerischeLeiterin vonUrbaneKünste Ruhr. Kokerei HansainDortmund Foto: Heinrich Holtgreve Wahrnehmen, was uns umgibt ZurGenesedes aktuellen Themas „Territorien“haben siemal gesagt, dass das Brexit-Votum und derwachsende Nationalismusunter anderem Auslöser waren. KönnenSie darauf noch nähereingehen? Mirist es wichtig, Themen zu nehmen,die mitder Region verbundensind. Gleichzeitig sollen siedas Potenzialhaben,globale Entwicklungenanzusprechen.Das istbei Territorien derFall.Esgehtmir aber nichtdarum, Thesen zumThema zu illustrieren.Jedes Projektist alssolchesinteressant –möchteich behaupten–underneutreizvoll, wenn manesnach seinem BezugzuIdentität undTerritoriumbefragt. Waswar Ihnen darüber hinaus beider Auswahl wichtig? Mein Interessegiltden Ideender Künstlerinnenund Künstler, –Gruppen undder Zusammenarbeitvor Ort. Insbesondere beiArbeitenimöffentlichen Raum finde icheswichtig,dassesfür einheterogenes undbreites Publikum unterschiedliche Anknüpfungspunktegibt. DieArbeitensindalso nichtzuabstrakt undselbstbezüglich, sondernehersinnlich attraktiv undmachenneugierig.Mir gefälltes, wenn es einenspontanen Zugang gebenkann undgleichzeitigdie Möglichkeit, immer weiter zu forschen undjenachInteressetiefer einzusteigen. Welche Wirkungerhoffen Siesich? DieProjektefungieren als Wahrnehmungsverstärker, weil wir keineneutralen,institutionellenRäume bespielen,sondern dieProjekteuntrennbar mitden Ortenverknüpft sind.Der Ortwirddurch dieProjektegeprägt undumgekehrt werden dieArbeitenauch durch denOrt geprägt.Das erhöhtdie Aufmerksamkeitfür das, waseinen umgibt. Warumist es wichtig, dassdie (Irrlichter-)Touren, die 8 „Inder Region bildet sich sehrvieles gleichzeitig ab.“ Britta Peters dazu einladen sich auch mitden Wegenzwischenden Kunstprojekten zu beschäftigen, alsTeildes Erlebnissesverstandenwerden? Wenn dieWahrnehmungdurch dasgemeinsameBeobachten undGesprächegeschärft ist, schaut manvielleichterstmal richtighin,wie es um einenherum aussieht. Dasbedeutetauch eine stärkereAufmerksamkeit für politische oder stadtplanerischeEntscheidungenund eingrößeresBewusstseindafür,dassdas alles gemachteEntscheidungensind, dieauch verändert werden können. Wiekann so einBewusstsein im Alltag ankommen? Eine Offenheit gegenüber derUmgebungkann zumBeispielein entspannteresVerhältnis zur Zeit bedeuten. Dass mannicht immer so gestresst, in kürzesterZeitvon AnachBkommen muss,sondern auch wahrnimmt, wasamWegesrandpassiert. DieseEinladungzum „Irrlichtern“ist gedanklicheBasis unsererTouren, diewährend desgesamten Ruhr Dings angebotenwerden. Wasist IhnenseitIhrem Antrittaufgefallen? In derRegionbildetsichsehrvielesgleichzeitigab. Diehistorischen Spurensindtotal präsent, gleichzeitig wirdvielüberbaut. Manchmal,wie zum Beispiel hier am Gerard-Mortier-Platz in Bochum, scheintdabei kein großer Masterplan vorhandenzu sein.Aberdas führtauch dazu,dassesviele,sehr merkwürdige Stadtansichten gibt.Das fasziniertund schockiert mich gleichzeitig,nochkannich mich aber darankaumsattsehen. Foto: Henning Rogge Ruhr Ding –Territorien:4.5.-30.6., mehrereOrte, Ruhrgebiet;Informationen zu denTourenauf urbanekuensteruhr.de

THEMA Lutz Jäkel zeigtSyrienvor demKrieg. Fotos (2): ©Lutz Jäkel /laif Der Toleranz-Aktivist Syrien ohne Krieg–heuteschwer vorstellbar.Dochgenau davonberichtetder Reisejournalist Lutz Jäkel in seinen Live-Vorträgen. Bis2011war er regelmäßig vorOrt. Wieerzum Reisen gekommenist und wasihn antreibt,hat er Nadine Sole erzählt. EndeMärzverkündeteDonaldTrump,die letzte Bastion derIS-MilizimsyrischenBaghussei eingenommen.Wie beurteilstdudie Lage in Syrien? Zunächst sind Zweifel angesagt,obDonaldTrump Recht hat. Es scheintso zu sein,dassdie TerrormilizISweitgehendvertriebenwerdenkonnte. Der IS istdamitzwar militärisch besiegt, aber ideologisch noch langenicht. DerKrieg in Syrien istnicht durchden Kampfgegendie Islamistenund Dschihadistenangefacht worden,sondern durchdie zunächstfriedlichen Proteste derSyrer fürpolitischeFreiheitenund gegen Unterdrückung.Diese Proteste wurdenseitens desRegimes brutal unterdrückt,wodurch sich auch dieProtesteradikalisierten.Erstspäterwurde daraus auch ein KampfgegenIslamisten. Inzwischen istdie Situationunüberschaubar geworden.Daher sprecheich bewusstvom syrischenKrieg,nicht vomBürgerkrieg. Vordem Ausbruchdes Krieges2011hastduregelmäßig Reisen nach Syrien unternommen.Vom „LandohneKrieg“schilderstduinLive-Vorträgen. WiehastduSyrienerlebt? Syrien istfür mich dasspannendste,vielfältigste Land in derarabischen Welt.Ein historisch,kulturell undvor allem menschlich reichesLand. Das betone ichauch in meiner Live-Reportage undzeige es anhandvon Fotos undErzählungen. DieMenscheninSyrienbegegneneinem in derRegel mitNeugier undOffenherzigkeit. Das habeich kaum in einemanderen Land so intensiv erlebt,und es stehtinKontrastzur Außenwirkungdes Landes,das manfastnur noch als Land desKriegeswahrnimmt.Selbst vordem Krieg haben nichtwenigedas Land als einesder Länder „der Achse desBösen“verortet. Das isttragisch,eigentlich ist–jenseits despolitischenSystems –Syrien dasGegenteil. Wann und wiehastdubemerkt,dassdichdie Fernereizt? Ichglaube,behauptenzukönnen,dassmir dasfastindie Wiege gelegt wurde.Durch denBeruf meines Vaters haben wir einige Jahre in Istanbul gelebt.Dawar ichnochein Kind, unddiese Zeit war fürmichsehrprägend. Ichhabemichsehrwohlgefühlt in derTürkei undtue es noch. Somitwar orientalisches Auslandschon immerTeilmeinerKindheit, damitTeilmeinesLebens, dasmir vertraut erscheint. Schonals Kindhabeich mich gerneauf Flughäfen aufgehalten. Menschenaus aller Welt,das wollte icherleben. Genaudas tueich als Fotojournalistund Autor, derberuflich viel durch dieWeltreisendarf. Ich habeeinen Traumjob,das istmir bewusst. Wiekamst du dazu, vondeinenErfahrungenzuberichten? Eher durchdie Hintertür.Ich binwährenddes Studiumsvielgereist,meist mitdem Rucksack.Ich habefotografiert, Freundenvon denReisenerzählt, angefangen,darüber zu schreiben. Bisirgendwann Freundegesagt haben,dassich daswohlziemlich gut kann.Und da mirdas ja selbst eine großePassion ist, habeich daszum Berufgemacht.Und nichteinen Tag bereut. WelcheErfahrungen hast du mitVorurteilengemacht? Ichbin studierter Islamwissenschaftler undhabemichauf denarabischen Raum spezialisiert,auch wenn ichinvielenanderen Teilen derWeltunterwegs bin. Wenn manmit denThemenIslam,Muslime, Migrationund Geflüchtetezutun hat, wirdman ständigmit Vorurteilenkonfrontiert. Gerade in diesen Zeiten.Das istnicht immer einfach. Aber darinseheich meinen Anspornund meineAufgabe,diesenVorurteilen entgegenzutreten.Hardy Fiebig,einer derGründervon Grenzgang, nannte mich kürzlich einen„Toleranz-Aktivisten“. Das gefälltmir,das trifft es sehr gut. „Reisenveredeltwunderbar denGeist und räumtmit allunseren Vorurteilenauf“: Dieses Wilde-Zitatziert deineHomepage.Was gibstduReisemuffelnund Fremdelnden mitauf denWeg? GenaudiesenSatzzubeherzigen. Wenn mannicht reisen kann oder möchte, sollte manzumindest gut zuhören.Meist istdas Verbindendemit demvermeintlich Fremden größerals dasTrennende.Man mussnur genauhinschauen, so können sich auch Vorurteile abbauen. Lutz Jäkellive: 5.5.,Volksbühne, Köln (ausverkauft);7.5.,Bahnhof Langendreer, Bochum,10.5.,Kulturfabrik, Krefeld; 12.5., SavoyTheater,Düsseldorf; grenzgang.de Lutz Jäkel 9

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