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Mai 2017 - coolibri Düsseldorf und Wuppertal

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THEMA

THEMA VoreinemJahrstartete Lena Klatte dieerste Trans*beratungsstelle in Düsseldorf.Wie siedazu kam, was es mitdem SonderzeichenimNamen aufsichhat und wiedie Anlaufstelle angenommenwird, hatsie Nadine Benekeverraten. Lena Klatte an ihremArbeitsplatz Foto: Oliver Erdmann „ Wir s ind a lle Sternchen“ „WennesumTransthemen geht,haben dieLeute ofteinen Mann im Kleid im Kopf“, sagt Lena Klatte. DieGeschichten ihrer Klientengestalten sich jedoch weitaus komplexer.Klatte geht es in ihrer Beratungsstelledarum, einenSchutzraum für transgeschlechtlicheMenschenzubieten. Entstandenist dieser Raum in derJohannes-Weyer-Straße, weil eine bereitsvor Jahrengegründete Selbsthilfegruppe aus allen Nähten platzte. DieBeratung befindetsichnun,wie auch dieehrenamtlich betreute Selbsthilfegruppe zuvor, in denRäumen derAidshilfe. DieNachfrage istgroß:Seitder EröffnungimMai desvergangenen Jahreshat die47-Jährige über 190Beratungen geführt.Mit Menschen,die mitdem beider Geburt „zugewiesenen“ Geschlecht, wiesie es nennt, keinnormalesLeben führenkönnen. MitCrossdressern,DragQueens undKings oder transsexuellen Personen. Sieerzählt: „Ich habeauch schonKlientengehabt, beidenen mansofort sieht: Diejenigehat sich als Mann angemeldet undläuftgesellschaftlich als Mann,aberesist eigentlich eineherweiblicherKörper. UnglücklicherweiseproduziertdieserTestosteron,aberwennman demKörperÖstrogene gibt, wirdeinerunde Sachedraus.“ Aber auch Genderfluide oder Nicht- Binäre,alsoMenschen, diesichkeinemder beiden Geschlechter zugehörigfühlen, kommen zu Klatte. 8 „Der Schirm für alles“ Waskompliziert klingt,ist –zumindestinder Beratung –einfach: „Menschenverändern sich ihr ganzes Lebenlang. Einige Menschen verändern sich einbisschenanders. Im Grunde geht es darum, dass Menschen ihr Lebenleben können.“ DerAnteilanMännernund Frauen istinder Beratung ungefährgleich. Viele Jugendlichemelden sich beiihr,auch über die sozialen Medien.Die jüngste Klientinvon Klatte war sieben,der älteste Klient75. Aufdas SternchenimNamen derTrans*Beratung angesprochen, lacht dieSozialwissenschaftlerin undsagt: „Wir sind natürlich alleSternchen –nein, dasZeichen kommt tatsächlich aus derAnfangsphaseder Computerei.Vor Google gabesarchaischeSuchmaschinen.Wennman Begriffe wieTransgender oder transsexuell suchen wollte,reichte es,indie KommandozeileTrans*einzugeben. Das istder Schirm füralles.“ Anhand einerVergleichsstudie ausden USAgehtKlatte vonrund3500Personenin Düsseldorfaus,die „unterdem Trans-Schirm“ verortet sind. Grundtraurigkeit und Isolation Eine Verhaltensweisevon Betroffenen istbeispielsweisedie selbstgewählteIsolation, wiedie Beraterin erzählt: „Geradebei jüngerenKlienten isteineGrundtraurigkeitda. Siesindoft in sich gekehrt.Die Menschen spüren, dass dieGesellschaftsie anders behandelt, als siesichfühlen. Unddasssie nursie selbst sein können,wennsie alleine sind.“ In einer zweitenPhase steuern dieKlientendem eigenen Anderssein entgegen: „Die Leuteversuchen,sichgewaltsam mitdem zugewiesenen Geschlecht zu arrangieren. Da gibtessoGeschichten,dassMädchen sich wieder lange Haare wachsenlassen, es als Mädchenversuchen unddaran scheitern.OderJungs oder Männer,die mitdem Bodybuilding anfangen.“Mechanismen, dieLenaKlatte aus eigener Erfahrungbekanntsind: Eine Beratung verhalf ihr 2011 zu ihrem Outing als Transfrau. Sieerzählt: „Eswar so,dassich es im Grunde genommen schonsehrlange wusste. Eigentlich

THEMA aber niewollte, dass es mein Lebenbestimmt.Abeinem bestimmten Zeitpunkt gingesmir auch gesundheitlich nichtmehrgut.Dawussteich, dass ichmichmit dieser Thematik auseinandersetzen muss.“Neben der Beratung half ihr eine Hormontherapie.Klatte sagt:„Es war eine Offenbarung für mich,michwohlzufühlen im eigenen Körper.“ „Selbst wennder Willezur Unterstützung da ist, sind die Angehörigen immer mitbetroffen.“ „Menscheninihrer Geschlechtlichkeit ernst nehmen“ DieseMöglichkeitwill sieauch ihren Klientengeben.Mit einerklientenzentriertenaffirmativen Beratung:„Affirmativ heißtimGrundegenommen, dass wir Menschen in ihrer Geschlechtlichkeiternst nehmen“, erklärt Klatte. Das seiananderer Stelle oftmalsnicht gegeben. Generell seien in dergesellschaftlichen AkzeptanzMustererkennbar:„Grundsätzlich kann mansagen,dassTransmänner,alsoMenschen, dieals vermeintliche Mädchengeboren wurden, sich tendenziellfrüher outen. Das scheintwenigermit einemStigmabelastetzusein. Teilweise profitierensie sogardavon, als Mann wahrgenommenzuwerden. Auch im Beruf. Siewerdenernstergenommen. BeiTransfrauen istesanders. Dieerfahrendann einen transspezifischen Sexismus“, so dieGründerin derBeratungsstelle. Oftmals findensichBrüche in denBiografien.EineAufgabevon Klatte istes auch,mit ihren KlientenBewerbungenzuschreiben undimJob unterstützend zurSeite zu stehen.Während Mitarbeitervor allem in kleinenBetriebenSchikanen ausgesetztseinkönnen,freut siesichauch über positive Entwicklungen: „Ein Klientwollteoffen mitseinemTrans-Seinumgehen undhat es direkt in dieBewerbungreingeschrieben.Was soll ichsagen? Es war überhauptkeinThema unddie Person hatden Jobbekommen.“ Freundeund Angehörige vonTransmenschen reagierenoft positivauf das Outing,weilsie meistens schoneineAhnunghatten. DennochmussKlatte zwischendurchSchlafplätzefür Jugendlicheorganisieren, dieaufgrund ihresAndersseins nichtmehrnachHausekommenkönnen.Zueinem besseren Verständnis undfür einenregenAustausch hatdie Beraterin in diesem Jahr eine Angehörigengruppeins Lebengerufen,denn: „Selbst wenn derWillezur Unterstützungdaist,sinddie Angehörigenimmer mitbetroffen.“ Istder ersteSchritt nachaußen einmal gemacht,gehtesdarum,mit dem Trans-Sein offen umzugehen. Diskriminierungbis hin zu körperlicher Gewalt istein präsentesThema in derBeratung:„Betroffen istvor allem dieGruppe, diesichinder Transition befindet. DerPhase derAngleichung. Wenn mannochneu in derHormontherapieund nachaußen als transerkennbar ist.“Ein Problemsei außerdem,dassdie Betroffenen dazu neigen würden, dieses Verhaltenzuakzeptieren: „Essinddann so Gedankengänge da wie: ‚Das habeich mir ja selber eingebrockt.‘Oder: ‚Das istebender Preisdafür.‘ Obwohl es dafür keine Rechtfertigunggibt“,so Klatte. Durch Gruppenangebote, Aufklärung unddie Einbeziehung vonAngehörigenversuchtsie,ein Verständnis undein „Empowerment“ herzustellen. Und, ganz wichtig, einStückchenNormalität fürihre Klienten. Grundsätzlich istsichKlatte sicher:„Trans-Sein istnicht dasEndeder Welt.“Selbstakzeptanz istindiesemZusammenhang genausowichtig wie dieAkzeptanz desUmfelds. Unddas Weiterdenken vonNormenund Geschlechterrollen: „Ich wünsche mir,dasswir dasein Stückweitaufbrechen können.GeschlechtlicheVarianzgab undgibtesinallen Kulturen derWelt. Es wirdvielgeforscht undman lerntnachund nach, dass es in vielen vorwestlichen Kulturenimmer Raum für Zwischenstufen gab. Das haben wir ein bisschen verlernt.“ Achtsamkeits-Workshop: 6.5. Trans*Beratung,Johannes-Weyer-Str.1,Düsseldorf; transberatung-duesseldorf.de; ChristopherStreetDay:26.–28.5. verschiedene Locations, Düsseldorf csd-d.de Alexandra Bircken, Ducati Diana, 2014, Motorrad, zersägt, Privatsammlung, Foto: Achim Kukulies museum abteiberg ALEXANDRA BIRCKEN. STRETCH Die Sparda-Nacht am Freitag, dem 19. Mai 2017, von 19.00 – 24.00 Uhr mit exklusivem Künstlergespräch. Die Stiftung der Sparda-Bank West lädt ein: 19.00 Uhr Führung durch die Ausstellung 19.30 Uhr Künstlergespräch mit Alexandra Bircken, Kathleen Rahn und Susanne Titz 20.30 Uhr Vortrag Dr. med. Christoph Scholl Verletzungsmuster und -schutz bei motorisierten Zweiradfahrern 21.00 Uhr Führung durch die Ausstellung 22.00 Uhr Führung durch die Ausstellung 22.00 Uhr Konzert Melissa E. Logan (Chicks on Speed) with Nelly Ellinor 23.00 Uhr Führung durch die Ausstellung Hot Dogs und mehr von MOKKA (Restaurant & Catering) Städtisches Museum Abteiberg, Abteistraße 27, 41061 Mönchengladbach Programmänderungen vorbehalten. Wir drucken auf Papier aus verantwortungsvollen Quellen. www.stiftung-sparda-west.de | www.facebook.com/stiftung.sparda.west 9

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