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Juni 2017 - coolibri Hamm, Unna, Hagen

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AM 3. JUNI IST TAG DER

AM 3. JUNI IST TAG DER ORGANSPENDE D a s v o l l k o m m e n e G l ü c k IsabelleSchlürscheid ist 28 Jahre alt und vorachtMonaten Mutter einerkleinen Tochtergeworden. Soweiteigentlichnicht ungewöhnlich.Wer allerdingsdie Krankengeschichteder Velberterinkennt, stauntschon etwas mehr:Vor acht Jahrenhat sie eine neue Niereerhalten.Sie hattedas atypische hämolytisch-urämische Syndrom –kurz „ahus“. Beider Erkrankung bilden sich Blutgerinnsel in denfeinen Blutgefäßen. BeiIsabelle Schlürscheideben in ihren Nieren. MitIrmineEstermann sprach sie über das Leben mit einem Fremdorgan und das große Glück, trotzdem Mutter geworden zu sein. Wiewar das fürSie,als Siedie Niereerhaltenhaben? Ichglaube, damitgehtjeder anders um.Ich habedamals eine Lebendspende vonmeinerMuttererhalten, wofür ichihr unendlichdankbarbin. Das war vermutlich auch derGrund dafür,dassich zu keinemZeitpunkt Annahmeschwierigkeitenhatte. Es hatmeine Mutter undmicheinander noch viel näher gebracht.Wir haben mittlerweile sogardas gleicheTattoo in der Beckenregion und es geht uns beiden sehr gut. Wiesehrhat derEingriffihren Alltag verändert? Dank derneuenNiere kann ichmeinenAlltagnun viel flexiblergestalten. Ichwar vorher einJahr lang an derHeimdialyse.Die Maschinelief jede Nacht, ichmusstealsojeden Abendpünktlich zu Hausesein. Heuteerhalte ichallezweiWocheneineInfusion,dabei werden auch direkt meine Wertekontrolliert. Alles in allem bedeutet dasfür mich mehr Lebensqualität.Ich kann sogarkurze Urlaubemachen. Die „MeineTochterist ein ersten drei Jahre warenallerdingsschwer, ich ansolutes Wunschkind“ hattemit Infektenzukämpfen undsogar eine Abstoßungsreaktion. Aber dann gingesbergauf. IchtreibemittlerweileSport,schreibemomentanBewerbungenund möchteabnächstesJahr Psychologiestudieren. Momentan gehe icheinmaldie Wochezum Babyschwimmen undtreffemichmit anderenMamas. Zweifelnzukämpfen.Zum einen, weil manAngst hat, in einerEllenbogengesellschaftnicht mithaltenzukönnen.Zum anderen, weil mananseinemKörperzweifelt. DieTatsache, dass ichLeben geschaffen habe, hat mich und mein Selbstvertrauen sehr gepuscht. WielautetIhr Appell an Menschen,die über das ThemaOrganspendeausweis nachdenken? Ichkann verstehen, dass es für vieleein heikles Themaist.Wer setztsich gernemit seinem Todauseinander.Gleichzeitighörtman immer wieder vonOrganhandel. Aber ichglaube, dass DeutschlanddaeineVorreiterrolle hat, wenn es darumgehtdas zu verhindern.Man sollte versuchen, seine ÄngsteüberBordwerfen undeherdarübernachdenken,dassman dadurchhilft Lebenzuretten. Undnicht nurdas LebenErwachsener.Esgibt so vieleKinder, dieschon in frühen JahrensovielLeid erfahrenmüssen. Die Eltern sind ja nicht immer die passenden Spender. Siesindvor acht MonatenMuttergeworden. Wardie Schwangerschaft geplant? MeineTochter istein absolutes Wunschkind, auch wenn siezum demZeitpunkt nichtgeplant war.Vielleichtwar es auch gut so.Wennwir es geplantund unsvorabzuvielinformierthätten, hätte ichmichvielleichtvon möglichen Komplikationeneinschüchtern lassen. Wirhaben unsere TochterZoeygenannt, dasheißt aufGriechisch „Leben“. Das fanden wir ganz passend. Wie haben Sie die Schwangerschaft erlebt? Mein Freund undich hatten unsentschieden dieNaturentscheiden zu lassen, doch durchdie Ängstekonnteich dieSchwangerschaftnicht leicht genießen.Meine Mutter hatdreiKinderbekommen,wir hatten da dieHoffnung,dassdie Nierediese Veränderungen desKörpers beider Schwangerschaftschon kennt.ImGegensatzzuanderen werdendenMüttern hatte ichvon AnfanganArbeitsverbot undmusstevielRuhehalten. Wieist es jetztfür Sie, Mutter zu sein? So stelle ichmir dasvollkommene Glückvor undich platze vorSelbstbewusstsein. Wenn mansoeineKrankheitdurchlebt,hat manmit vielen 10 Isabelle Schlürscheid mitTöchterchenZoey Foto: Privat

Was bedeutet Hirntod? Nurnacheinem einwandfreidiagnostiziertemHirntod,könnenbei einem PatientenOrganeentnommen werden.Das istinDeutschland gesetzlich vorgeschrieben.Dr. TimHagenacker,Leitender Oberarzt an derKlinikfür Neurologie am Universitätsklinikum Essen,erklärt, wieder Irreversible Hirnfunktionsausfall festgestellt wird. AM 3. JUNI IST TAG DER ORGANSPENDE Wasist einirreversiblerHirnfunktionsausfall? Unterdem irreversiblenHirnfunktionsausfall versteht maneinederart ausgeprägteHirnschädigung, diezum völligen undunumkehrlichen Erlöschender gesamten Hirnaktivität geführt hat, vormals wurde dies Hirntod genannt. Wenn dieser Zustandvon zwei unabhängigen Ärzten, diebeide mehrjährigeErfahrungimBereich derIntensivmedizin haben (mindestens einermussFacharztfür Neurologie, Neurochirurgiesein), diagnostiziertwird, istder Toddes Patientenfestgestellt. Wiewirddiesdiagnostiziert? Das Verfahrenzur Feststellungder Unumkehrbarkeitdes Hirnfunktionsausfalls istmehrschrittig.Somusszunächst geprüft werden,oballeFaktoren, diedie Hirnfunktionstören können,ausgeschlossensind, wiedie Gabe vonNarkosemitteln oder eine zu tiefeKörpertemperatur. Wenn alle Faktoren ausgeschlossensind, werden verschiedene Reflexe desPatientenund derAtemantrieb vonbeiden Ärztenunabhängiguntersucht. In Abhängigkeitvon derUrsache derHirnschädigungwirddie Untersuchung dann nach12bis 72 Stunden wiederholt und/oder bestimmtetechnische Untersuchungen durchgeführt,die zumBeispieldie fehlendeDurchblutung oder elektrischeAktivität desGehirns beweisen. Priv.-Doz. Dr.med.Tim Hagenacker Waspassiert, wenn es beider Diagnose Unklarheiten gibt? Solltendie Untersuchungsergebnisse nichteindeutig sein,kann eine weitere Untersuchung zu einemspäterenZeitpunkt durchgeführt werden, wobeidann dergesamtediagnostische Prozessvon vornebegonnenwird. ErstwennalleUntersuchungenzweifelsfreieindeutig sind,ist dieUnumkehrbarkeitdes Hirnfunktionsausfalls bewiesen unddamitauch derTod desPatienten.Einezeitlichebegrenzte Fortführung derTherapieist dann nurnochzur Organentnahmevertreten. Foto: Universitätsklinikum Duisburg/Essen Organspende im Faktencheck Organe und/oder Gewebe können nur entnommen werden,wennder irreversible Hirnfunktionsausfall,früher Hirntodgenannt, zweifelsfreinachRichtlinien derBundesärztekammerfestgestelltwurde undgleichzeitigeineEinwilligungzur Entnahme vorliegt. Das Einverständnis zu einer Organund/oder Gewebespende können Jugendliche ab 16 Jahrenerklären, einerEntnahmewidersprechen kann mansogar schonabdem 14.Lebensjahr. Organe werden erst untersucht und nur entnommen,wennihr Zustanddas zulässt. Vorder Einverständniserklärung mussman sich also nichtärztlich untersuchenlassen. Gespendet werden können Herz, Lunge, Nieren, Bauchspeicheldrüseund Darm. Grundsätzlich ausgeschlossen ist eine Spende beieiner HIV-Infektion sowiebei einigen wenigenTumorerkrankungen. Eine Einwilligung muss durch eine eigene schriftlicheEinverständniserklärung desSpenders oder durcheinevon diesem bestimmte Person erfolgen.Andernfalls können Angehörige im Sinnedes Verstorbenen entscheiden. Der Organspendeausweis ist ein offizielles undrechtlich gültigesDokument, dasdie Entscheidungfür oder gegeneineOrgan-und Gewebespende dokumentiert.Der Ausweiswird nichtregistriert.Wer seineMeinung zurSpende ändert,kann seinen altenAusweis einfachvernichtenund einenneuenausfüllen. Gerade, weil Spender in Deutschland nicht registriert werden,ist es wichtig, seineEntscheidungauf einemOrganspendeausweis festzuhalten. Es ist falsch, dass bei Organspendern Geräte schnellerausgeschaltet werden undder Tod somitherbeigeführt wird. DieIntensivmediziner, Notärzteund Rettungsteams, diesichumdas Lebendes Patientenbemühen,haben nichts mitder Organentnahmeund Transplantationzu tun. Erstwennder irreversible Hirnfunktionsausfall eingetreten ist, wirdübereinemögliche Spende entschieden. Der irreversible Hirnfunktionsausfall muss durchmehrere klinischeund ggf.apparativeUntersuchungen,nachden Richtlinien derBundesärztekammer vonzweiMedizinernunabhängig voneinanderfestgestelltwerden. Nurwennder irreversible Hirnfunktionsausfall festgestellt wurde,aberdas Herz-Kreislauf-System künstlich aufrechterhalten werden kann,kommt eine Organentnahmeinfrage. Für die Vergabe von Spendeorganen ist die StiftungEurotransplantmit Sitz im niederländischemLeiden zuständig. Angeschlossendaran sind außerDeutschland Belgien, dieNiederlande,Luxemburg,Kroatien, Österreich, Slowenien undUngarn. Dank dieser Kooperationkönnen in dringenden Fällen möglichst schnelllebensrettendeOrganegefundenwerden. Welche Patienten auf die Warteliste für neue Organe aufgenommenwerden, entscheidet seit 2012 in allen Transplantationszentrenein Gremium, in demauch eine Person sitzen muss, diefachlich nichts mitTransplantationen zu tun hatund direkt dem Ärztlichen Direktor unterstellt ist. 11

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