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Juli 2020 - coolibri

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STREAMING:RASSISMUS

STREAMING:RASSISMUS lässt sich „Blindspotting“ nichtauf einThema festnageln,dreht sich doch einigesumdie sehr spezifischeFreundschaftder Protagonistenoderum Gentrifizierung im kalifornischenOakland. DengrößtenPlatz nimmtaber unausweichlichdas ThemaRassismus ein–vorallem,als Collin beobachtenmuss, wieein weißer Polizisteinen unbewaffneten Schwarzenerschießt. Doch schon davorist derimSystemder USAtiefverzahnte Unterschied zwischen Menschenmit heller unddunklerHautfarbe prominentes Thema, wirbeltimmer wieder in dengeistreichverfasstenund genial gespieltenKonversationender Hauptfigurenumher. BesteFreunde mitUnterschieden: Collin (links)und Miles Unbequeme Schuhe Weltweitgrassierenseitder Tötungdes Afro-AmerikanersGeorgeFloyd durcheinen weißenPolizistenProtestegegenRassismus. Einwichtiges Argument: Wernicht selbst Opferder systematischen Benachteiligung ist, kann sienur schwer nachvollziehen. Dabei helfen können Filme, dieuns in die Rolleanderer Menschen katapultieren. „Blindspotting“ istein gutesBeispiel,einige weiterefolgenunter diesem Artikel. DerFilmerzählt vonden beiden FreundenMiles undCollin,von denenletztererversucht, dieletzten Tage seiner Bewährungsstrafe glimpflich rumzukriegen, um sein Lebenwiederauf Kurs zu bringen. Thematisch Foto: Ariel Nava DerFilm versetzt Zuschauermit viel Empathiearbeitindie Schuhe seiner Protagonisten. Keine bequemenSchuhe, wiesichschnell im Laufeder Spielzeitherausstellt.Vielleichtwirdsogreifbarer, wassystemverankerter Rassismus mitMenschenmacht,wie er dieKontrolle entreißt undihr Lebenlenkt,wie er Psyche undKörperbeeinflusst. Gleichzeitig mussder Zuschauersichauch mitMiles Position auseinandersetzen,der seineweißenPrivilegienerkennenmuss. Auch stilistischbietet„Blindspotting“ viel Futter.FilmemacherCarlos LópezEstrada tobt sich in seinem Debütmit visuellenEinfällen aus,die aber immer demErzählendienen, niebloßerSelbstzweck sind.Man darf gespanntsein, wasder Regisseurals nächstesfabriziert: Eine „Robin Hood“-Adaption undein Vertragmit Disney liegenauf mTisch.Darsteller Daveed Diggsführt übrigens aktuell dieNetflix-Serie „Snowpiercer“an, die etwasabstrakter,aberebenfalls eindringlich vonRassismus und Klassenunterschieden erzählt. Lukas Vering Blindspotting (2018): 95 Minuten, Amazon Prime Foto: Tatum Mangus Annapurna Pictures DCM Foto: Atsushi Nishijima/Netflix Foto: Magnolia Pictures Beale Street Im Harlem der70erwirddie jungeBeziehung vonTishund Fonnyzur Zerreißprobe,als Fonny ohne wirklicheBeweisewegeneiner Vergewaltigungsanklageinden Knastwandert.Regisseur BarryJenkins(Oscar-Gewinner mit„Moonlight“) hälthiernicht zurück,wennesumdas unfaire Rechtssystem derUSA geht,indem derRassismus (immer noch)tief verwurzelt ist. Gleichzeitigverweigertersich, in VerzweiflungoderWut zu verfallen. Vielmehrpflastert er seine„Beale Street“mit derHoffnungund derLiebe,die er in derEinheitFamiliefindet. Einästhetischhinreißenderweilsinnlicher Film,indem Romantik undPolitik aufeinandertreffen. lv 119Minuten,Amazonab2,99€ 22 WhenThey See Us MitdieserMini-Serie arbeitetRegisseurinAva DuVernayeinewahre Geschichte auf. In 1989 wird eine Frau im CentralPark vergewaltigt,anschließend werden fünf (offensichtlich unschuldige undnicht-weiße) Jugendlicheverhaftet undverurteilt. Schmerzvollist es anzusehen, wiedie Polizeimit denKidsumgehtund wiewenigihre Lebenund ihre Rechte gewürdigtwerden. DuVernay setztinihrerInszenierungvoll aufEmotion,fokussiertdie persönlichen Schicksale mehr als Gerichtsverhandlungen undRechtsfragenund sensibilisiertsofür die Folgen einesrassistischen Systems. Anstrengend,aberlohnenswert. lv 4Folgen, je ca.70Minuten,Netflix Whose Streets? DieWurzeln derBlack-Lives-Matter-Bewegung erforscht dieseDokumentation aus demJahr 2017.Die Filmemacherdokumentierten, im wahrstenSinnedes Formates,die Ereignisse, Proteste undAufstände in Ferguson,Missouri nachdemein weißer Polizistden Afro-AmerikanerMichael Brownerschoss. „Whose Streets?“ funktioniertals generelles Porträt vonAktivismus, wirkt aber noch effektivierimHinblick auf systematischen Rassismus undPolizeigewalt. Zudemwirddie zentrale Rollevon Frauen und queerenMenscheninder Formierungder Bewegungunterstrichen.Wer Kontextund Hintergründe sucht,findethierreichlich. lv 101Minuten,whosestreetsfilm.com;YouTube

STREAMING: M INIMALISM bevorsie sich dazu entschlossen,aus ihremermüdendenHamsterradmit 16-Stunden-Arbeitstagenauszusteigen,das meiste ihresBesitzeszuverkaufen undfortanüberihr konsumärmeres,abererfüllteresLeben zu schreibenund zu podcasten. Nach einergescheiterten Eheund demTod seiner Mutter stellt Joshua FieldsMillburnseinLeben radikalum. Reichtum durch Verzicht Weniger Habenund mehr Sein lautetdie Devisevon Minimalisten. Für mehr freie Zeit,einen kleinerenökologischen Fußabdruck und einLeben abseits gesellschaftlicherZwänge üben dieseMenschenfreiwilligenKonsumverzicht. DieNetflix-Doku„Minimalism: ADocumentaryAboutthe Important Things“folgt zwei Minimalistenauf ihrerLesereise quer durchdie USAund erklärtnebenbeidas Konzeptdurch allerlei Kurzporträts. Waswirklich zählt: DerFilmemacherMattD’Avellabegleitet in seiner Doku diebestenFreunde Ryan Nicodemus undJoshuaFieldsMillburn, besser bekanntals „The Minimalists“. BeidehatteneinesteileKarrierehingelegt, Foto: Joshua Fields Millburn DieDokusetzt am Beginn einerLesereise ein: Fürihr neuesBuch „Everything that remains“ fahrendie zwei einJahr lang in einemklapprigenWagenquerdurch dieStaaten,umihre Idee unterdie Leutezubringen. Erst mitmäßigem,dann mitimmer größeremErfolg. Durch Rückblicke erfährt manals Zuschauerpersönliche Details aus derKindheitder Freunde.Beide sind in DaytonOhioinzerrüttetenVerhältnissenaufgewachsen.Armut, Alkohol undDrogenbestimmten ihrenFamilienalltag. Vermutlich erschien ihnen gerade deshalb der„American Dream“, dersoziale Aufstieg durch harteArbeit, als besonderserstrebenswert. Josh istder erste, dermerkt, dass ihn derberufliche Erfolg nichtglücklich macht.Nachdem Ausseiner Eheund demTod seiner Mutter im Jahr 2009 beschließter, sein Lebenradikalumzukrempelnund stecktdamitseinenFreundRyanan. Dieser sehr persönliche „Roadmovie“-Erzählstrang wirdaufgelockert durchKurzporträtsvon minimalistischenVollzeit-Reisenden, Tiny-House- Bewohnernund anderenLebenskünstlern,die Matt D’Avella für seinen Film ebenfalls besucht hat. Außerdem kommen jede Menge Expertenzu Wort,die dieMechanismenhinterunserem maßlosen Konsumverhalten beleuchten. Tiefgründig,umfangreich unddabei unterhaltsam erzählt. LinaNiermann Minimalism: ADocumentaryAboutthe ImportantThings: Netflix, 78 Minuten, Englisch mitdeutschen Untertiteln KOMMT VORBEI! 23

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