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Juli 2017 - coolibri Oberhausen, Duisburg, Mülheim

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OBERHAUSEN, DUISBURG,

OBERHAUSEN, DUISBURG, MÜLHEIM D I N S L A K E N Hermann Dolarmit FellponyHenry,das eine ähnliche Statur hat wiedie Grubenpferde damals. Fast drei Jahre lang warHermann DolarPferdejunge aufZeche Lohbergin Dinslaken. Er warfürdas Wohlergehen der Vierbeiner verantwortlich und kannte alle ihreEigenheiten. Erinnerungen an einfast vergessenes Stück Bergbaugeschichte. Foto: Dominique Schroller Zechenpferde Hufschmied wollte er werden.Dochkaumhatte der 14-Jährige dieLehre begonnen, war sein Meister bankrottund er selbst standvor demNichts. „Ohne Gesellenbrief konnte ichnicht weitermachen“,erinnert sich Hermann Dolar. Derheutige Vorsitzende desKnappenvereins Lohbergsuchtedaraufhin sein Glückunter Tage.„Irgendwasmussteich ja machen. Alsobin ichauf Zeche, wieallemeine Vorfahren.“ DemBergbau hielter40Jahre lang dieTreue –von 1948 bis1988. Nach seiner ersten Schichtim Schachthätte er Hackeund Schüppe allerdingsam liebsten hingeworfen.„Da wollte ichnicht mehr hin. Doch dashätte mein Vaternie zugelassen. Es blieb mir dahergar nichts anderesübrig,als durchzuhal- 18

DUISBURG, MÜLHEIM, OBERHAUSEN ten“,berichtet derheute 84-Jährige undinseinenAugen hinterder schwarzenBrilleist noch etwasvon dieser Entschlossenheit zu lesen. Kaum hatteersichmit seinem Lehrrevierauf Lohbergvertrautgemacht, bekamereinebesondere Aufgabe: Als Pferdejungesollteersichumdie vierbeinigenKumpelOdinund Werrakümmern. „Als ichanfing, hatten wir sieben Tieredortunten,alles kräftigeBelgier. MitReitpferdenhättenwir nichts anfangenkönnen.Dennsie solltenkeinenSattelschleppen,sondern dieWagen ziehen.“ Aufder zweitenund drittenSohle warensie in denneuenFlözen im Einsatz.Sie brachten denHauerndie leeren Lorenund zogenauf demRückwegdie vollen zu denFörderbändern.„DiePferde wusstenganzgenau, waszutun ist. Siekanntenihre Schichten. Dieerste gingvon 6bis 13 Uhr. Danachsindsie keinenSchritt mehr gegangen, sondernnur noch schnurstracksinden Stall.“ Derwar ebenfalls unterTage. „Eigentlich war dasnur einBretterverschlag in einerEcke“,erinnertsichHermann Dolar. Als er seineAusbildungbegann,fuhrendie Pferde am Ende desTages noch mit einemKorbnachoben. „Wennsie dasLicht sahensindsie herumgetobt wieFohlen“,berichtet derehemalige Bergmann undein Lächelnhuscht über sein Gesicht. Doch dieseAusflügehattenihre Schattenseiten.„Wir bekamensie irgendwann nichtmehrindie Körberein. Alsoblieben sieuntenbis sienicht mehr konnten.“ Hafer und Honigbrot Altwurdendie Tierebei derhartenArbeitnicht.Meist verließen sienach zehn biszwölf Jahrendie Kräfte. „Obwohlwir siegut verpflegthaben.Sie bekamenHafer undHonigbrot.Von demhaben wir manchmal auch gegessen, weil wir oftselbstnichtshatten“,berichtet Hermann Dolar. Leckerchen hatteertrotzdemimmer in derTasche. Wiewirkungsvoll sich Würfelzucker einsetzen ließ,gehörte zurerstenLektion,die seineKollegenihm erteilten. „Sie hatten sich verstecktund amüsierten sich darüber,dassich denGaulzunächst nichtaus demStall bekam. Erstmit einemStückZucker setzte er sich in Bewegung. Das wusste ichdamals aber noch nicht.“ Schnellstellte sich derPferdejungeauf dieEigenheiten derTiere ein. „Der Odinwollteimmer Schnupftabak. Das war aufDauer ziemlich teuer, denn er schnupftegroßeMengen.Die warenschon verwöhnt,die Pferde.“ Im Laufeder Zeit entwickeltensichFreundschaftenzwischen denungleichen Kumpeln. Fürbeidewar es tief unterder Erde immer dergleiche Trott. „Wir wussten, wassie leistetenund sieverstandenuns.Wenneiner vonuns am Stall vorbeiging, wiehertensie,weilsie unswiedererkannten.“ ZumEndeseinerLehrzeitdurfteHermann Dolardie Tiereunter Tage sogar beschlagen. „Der alte Schmied konnte nichtmehrund derFahrsteiger hatte mitbekommen,dassich daskonnte. Alsohabeich für eine kleine Prämiedie Eisenaufgebrannt.“Der Dinslakener fuhr1957auch mitdem letztenGrubenpferdauf Lohbergnachoben. SeineZeitals Pferdejungelag da schonlange hinterihm.„Das war nurwährend meiner Lehrzeit.Danach mussteich Geld verdienen. Doch es war schonkomisch,als keine Pferde mehr da waren–obwohl dieBahnen später vieles vereinfacht haben“, erzähltder 84-Jährige versonnen. Juli 2017 auch als ePaper STADTMAGAZIN für Bochum Mit Sicherheit Mit Gas und Glut Mit großen Augen Neue Konzepte Gri l-Special Freiluftkinos haben Saison für Festivals Veranstaltungstermine im Ausgabe August 2017 bis zum 17.07. • 12.00 Uhr terminator@coolibri.de Fax 02 34 /93737-97 TheaTeR aN deR RuhR TheaTeRbüRo | kulTuRbeTRieb mülheim aN deR RuhR Eine schöne Zeit seiesgewesen, wenn auch manchmal hart.Stimmtedie Leistung nicht, gabesPrügel.„DieHauer hatten vieleKinderund brauchtendas Geld.Wenndas Leergut nichtkam,konnten sienichtsverdienen“, berichtetHermann Dolar. Er organisiert als immer noch engagierter Vereinsvorsitzender bereitsdie Veranstaltungenzur letztenSchicht im Schacht. Mitder letztenLoreKohle im Revier geht nichtnur für ihnim kommendenJahr eine Ära zu Ende.„Wirhaben viel erlebt undmanches vergessen. Es ist aber auch lange her und die Zeit läuft eben weiter.“ Dominique Schroller eiNe koopeRaTioN voN: geföRdeRT voN: 6. bis 9. Juli 2017 im RaffelbeRgpaRk | eiNTRiTT fRei 19

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