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Juli 2017 - coolibri Oberhausen, Duisburg, Mülheim

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THEMA Ein Dorf in der

THEMA Ein Dorf in der Stadt Werkenntheutzutage eigentlich nochseine Nachbarn?Wenn man mitten in derGroßstadt wohnt, sicherlich eine berechtigteFrage.Klar, den direkten Nachbarn läuftman im Treppenhaus ab und zu überden Wegund grüßt artig. Aberdarüberhinaus? Während dieAnonymitätzwischen Plattenbautenweiter zunimmt,wirdNachbarschaftshilfeimmermehr zur Seltenheit.Die Onlineplattformnebenan.deschickt sich an,das zu ändern. Nachbarschaftshilfe istnicht selbstverständlich. Foto: Fotoliahighwaystarz Da sozialeKontaktemittlerweilehauptsächlich im Internet stattfinden, istesnur derlogische Schritt,dasssichauch Nachbarn onlinekennenlernen. Genau dieseIdeehattendie Berliner Christian Vollmann,Till Behnke,Matthes Scheinhardt, InaBrunk, MichaelVollmann undSven Tantau undgründetendeshalb im Januar2016 dasNachbarschaftsnetzwerk. Dieses bietet den Nutzerndie Möglichkeit, mitanderen Nutzernin ihrer Umgebung in Kontakt zu treten,Hilfezu suchen oder anzubieten,aberauch Gruppenzu bilden,umsichhinterher zu gemeinsamenTreffen zu verabreden.„In vielen Nachbarschaften gibtesregelmäßigeNachbarschaftstreffen“, erzähltMitgründerin InaBrunk. „Zudem finden sich Nachbarn mitgleichenInteressenoderFähigkeitenzuKreativstunden, Spieleabenden, gemeinsamenSpaziergängenmit denHunden oder Joggingrundenzusammen.“ Vertrauen istdas Wichtigste DieAnmeldungauf derPlattform geht dabei sehr einfach. Als erstes gibtman seinePostleitzahl an undwirdanschließenddirekt zur entsprechendenNachbarschaft weitergeleitet.Dabeisieht mansofort, wieviele Personen aus der 10 Umgebung bereitsangemeldet sind.Dadas Miteinander im Netzwerk vorallem aufVertrauen beruht,mussman sich mitseinemechtenNamensowie mitder richtigenAdresse registrieren. Beides mussverifiziertwerden, bevorman mitanderen NutzerninKontakt treten darf.Ist dasgeschafft,kann manganzunkompliziert nachHilfebeimBabysitten, beim Blumengießen oder nacheiner Bohrmaschinefragen. Undviele Leutemachenbereits mit. „Deutschlandweit sind aktuell rund 3000 Nachbarschaftenin mehr als120 Städtenund ländlichenRegionen aktiv“,soBrunk. Küchenzubehörzuverschenken In EssenFrohnhausen undUmgebungbeispielsweisesindderzeit über 600Nachbarnangemeldet.Einer davonist Wilfried Traebert.Der ehemalige Restaurantbesitzer istseiteinigen Monaten beider Plattform registriertund konnte schonhelfen.„Ichhab‘jemandeminseiner neuenWohnung fünf Lampen aufgehängt.Er war sehr zufriedenund hatmichauch direkt lobend aufder Seiteerwähnt. EinnetterKerlwar das.“Demnächstbekommt Willyeineneue Kücheund will deshalb nunalteKüchenutensilien, dieernicht mehr braucht, verschenken.Dafür hatereinen Aufruf aufnebenan.degestartet, aufden vieleNachbarnerfreut reagiert haben. „Ich binallerdingsetwas enttäuscht,wie wenige letztendlich gekommen sind.Man möchtedoch meinen,dassmehrLeute vorbeischauen, wenn es wasumsonst gibt“,meint er. DasNetzwerk muss sich noch etablieren Es istalsoimmer noch einUnterschied,obaus einemKontakt im Internet auch wirklich eine Bekanntschaftim„echten“Leben wird. Dabeiist lautBrunk genau dasdas Ziel desNetzwerks, denn „dieBohrmaschinemussman sich abholen, derSpieleabend findetauch nichtvirtuell stattund dasBlumengießenauch nicht“. In den Chatsauf derPlattform herrschtjedenfalls jetzt schonein regesTreiben.Fasttäglich sagen frisch angemeldeteNachbarnHallo, es wirdHilfe gesuchtund angebotenund eine großeBereitschaft an Nachbarschaftstreffen signalisiert. Wenn dasNetzwerksichmit derZeitetablierthat undgrößerwird, werden dieOnline-Beziehungengarantiertauch offline wachsen. MarcoWilms nebenan.de

UMFRAGE Sind Großstädtedem verbreitetenBild nach eher anonym oder gibt es hier genausoeine gute Form derNachbarschaft,wie sie mitdem Lebenindörflichen Regionen assoziiert ist? Paul Tschierske fragte nach beieinpaar Großstadtvögeln. Max, 23 Ichhabekeine schlechten Erfahrungendamitgemacht,dasseseheranonymist.Esist schon schön, wenn manmal zusammen sitzen könnte, aber es istmehrsoein nice-to-have-thing, es mussnicht sein.Eskommt auch darauf an,ob du in einerWGoderalleine wohnst. Jan, 25 Es isteheranonym, aber manhat ja seineFreunde.InMaßen wiegtdas Nachbarn auf. DieEntwicklunggehtinRichtungmehrAnonymität,ich habeesnie anders kennengelernt,deshalb finde ichesnicht negativ. Hätteich es anders erlebt,würde ichvielleichtandersdarüberdenken. Raffael, 23 Ichfinde es positiv, dass es anonym ist, wobei dasauf unserenkleinen Blocknicht malganzzutrifft.Bei unsgibtesschon Nachbarschaftund ichdenke auch generell in einerGroßstadt.Esist so einMitteldingzwischen Nachbarschaftund Anonymität. Julia, 25 Ichfinde dieAnonymität eher schlecht. Über mir wohnen zwei Mädels,man sagt sich „Hallo“,aber daswar es dann.EsgibtkeinInteresse für mehr. Manchmal istesschön,dassman dieTür zu macht undgut ist, manchmal wäre es auch schön, mitden beiden einenKaffeezutrinken. Larissa, 30 Das kommt einbisschendrauf an,wie man selbst aufgestelltist.Hierist beides möglich,du kannst anonym sein,aberauch mitLeutenfür eine guteNachbarschaft zusammenkommen. NurweileseineGroßstadt ist, mussesnicht anonym sein. 11

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