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Juli 2017 - coolibri Düsseldorf und Wuppertal

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INTERVIEW

INTERVIEW DieExpeditionen mitdem Theaterkollektiv per.Vers. gehörenzum festen Repertoiredes Festivals. Für „Babylon Im- undExport“ gibtessechsTer- Stadtranderholung Im Hochsommer,wenn die großen Bühnen Spielpausehaben, schlägt dieStundedes DüsseldorferAsphalt Festivals. Als interdisziplinäresVolksfest kommtesmit einer geballten Ladung an Theater, Tanz,Musik und Literaturumdie Ecke.Gespielt wird an besonderen Orten, es gibt Nachtkonzerte unterfreiemHimmel und Pop-up-KunstimöffentlichenRaum. BeritKriegs traf dieInitiatoren ChristofSeeger-Zurmühlenund BojanVuletic. Mitüber 40 VeranstaltungenanzehnTagenist das AsphaltFestivalbreiteraufgestellt alsinden Vorjahren. Wasmacht das Format so attraktiv und wie unterscheidet es sich von anderen Kulturfestivals? B: DieMenschenfindenden Wegzuuns,weilwir ihnen entgegenkommen. WirtragenKunst in dieStadtteileanstelleder üblichen Orte,die oftnur ein bestimmtes Publikum ansprechen.Hauptspielorte sind dasWeltkunstzimmerund dieHalle29auf demGelände derAlten Farbwerkeschräg gegenüber.Und wir besetzen denHochsommer, wenn dieStadt am schönstenund kulturell ansonstenwenig losist. C: Ichscheuemichein bisschen vordem BegriffUnterscheidung. Wiealle Kulturschaffendenund Künstlerhaben wir denAuftrag, Barrieren abzubauenfür Kunstund Kultur unddie Menschen ganz selbstverständlichdaranteilhaben zu lassen. Insofernkann es nichtgenug solcherFestivals geben. Das diesjährige Thema lautet „StadtGestalten“. Was ist damit gemeint? B: Da geht es um grundsätzlicheFragen: Wiewollenwir lebeninunserer urbanen Gesellschaft? WievielVerantwortungkann undwill derEinzelne übernehmen,umein Miteinanderzugestalten? C: Asphaltist einFestival für dieStadt undinder Stadt. Einzentraler Aspekt istdie Verdrängungdes öffentlichen Raums. Wiruntersuchen die StadtinihrenFacettenund konfrontierensie mitKunst.Dadurch entsteht etwasNeues, auch in Räumen,die schonimmer einerbestimmten Funktion zugeordnet waren Wie schlägt sich das Motto im Programm nieder? C: Symbolisch dafür sind unsere theatralen Stadtbegehungen zu unbeachteten Orten. Wirwollenwissen: Wemgehörteigentlich deröffentliche Raum? B: EinweiteresBeispielist „Clean City“, gespielt vonfünf Putzfrauen aus Athen, alleMigrantinnen.Als diegriechischen Rechtsextremen 2012 das Land vonden Einwanderern säubernwollten,stelltendie Regisseure die Gegenfrage: Wermacht hier eigentlich sauber undden Dreck weg? In ersterLiniedie Migranten. Oder nehmen wir „Heroes“, dasStückdes Eröffnungsabendsvon derPariser CompagniedeSoi.DagehtesumStreetdance,womit sich Menschen einenRaumerobern,komprimiertauf einenMikrokosmos vondreimal drei Metern.In„La Cosa“arbeitensichvierMänner an vier KubikmeternHolzab, als Sinnbild derBeziehung vonMenschund Natur. WievielNaturist noch in derStadt? Ihr verzichtet bewusst auf Auftritte an den klassischen Bühnen. Warum? C: Spielstätten, diespeziellals solche konzipiert wurden, sind für unswenigerinteressant.Wir suchen Räume, dievom Charakter heretwas Brüchiges haben. B: Das war keine politische oder ideologischeEntscheidung. EinOrt muss zumThema passen.Unser zentralerGedankeist dieUmdeutung vonRäumen. Wenn maneinem öffentlichen Raum einenkünstlerischen Impuls gibt, deutet manihn um undentdecktihn neu. Welche Kriterien muss ein solcher Raum erfüllen? C: Wichtigerals Kriterien sind dieAssoziationen,die einRaumauslöst. Inspirierter, gibtesdazu eine Idee,spürenwir,dassder Raum unsanspringt? Manmussauch ausprobieren –und stellt manchmal fest,dass Konzeptund Raum nichtzueinanderpassen. 8 Empfehlung:„CleanCity“ Foto:Christina Georgiadou Was ist zuerst da? Der Raum oder die Kunst? B: JedesStücksucht sich seinen Raum undjeder Raum suchtsichsein Stück. Wenn einRaumstimuliert, passiert auch etwasauf derkünstlerischenEbene.Umgekehrt gibtesStücke,die nacheinem speziellen Ort schreien, denwir dann findenmüssen. DieWirkungeines Raumes ist enorm, sowohl aufden Künstlerals auch aufdas Publikum.Das kann tatsächlich derSchlüsselsein, sich einembestimmten Themazuöffnen.

INTERVIEW Asphalt-FestivalleiterChristofSeeger-Zurmühlen undBojanVuletic Foto: Sven-André Dreyer mine. Was erwartet die Teilnehmer? C: Wirerkundendie Gegend um denHauptbahnhof,dagehtesumHandel, Konsum undGeschäfte, um dasThema Stadtder Zukunft. B: Das Format isteinzigartig,ein performativer Akt,bei demdie Beteiligten niesicherwissen, werist Darsteller,wer nicht? Das Wichtigste aber ist: Das Publikum bewegt sich.Sobaldman sich bewegt,bekommt maneine andere Perspektiveauf dieStadt. Eure persönlichen Programm-Highlights? B: WirwertenalleProduktionengleich, aber natürlich gibtesein paar Besonderheiten.„CleanCity“ etwa,das Theatersolo „Werther!“,mit demder Schauspieler PhilippHochmairseit20Jahrenumdie Welt tourt, oder „Curse &TakeoverEnsemble“ –Rap meetsKlassik, einfachgroßartig. ErstmalsgibtesindiesemJahrKombiticketssowie jedenAbend einKonzert. C: In derHalle29kann manjeden Abendum19Uhr eine Vorstellungbesuchen,dann gibteseinePause, in derman insWeltkunstzimmerwechselt, wo um 20.30Uhr eine zweite Aufführung stattfindet. Fürdiese zwei Veranstaltungen bieten wir einvergünstigtesKombiticket an.Neu sind die Nachtkonzerte: In unseremPop-up-BiergartenAsphalt-Paradiesgibtesan jedemAbend um 22 Uhrein Konzertunter freiem Himmel undbei freiem Eintritt. Ein schöner Ausklang. C: Es istintim,abertrotzdemdie großeWelt, diedaimkleinen Rahmen reinkommt.Wir bedienen dieSehnsucht nachNäheund möchten Anonymität aufallen Ebenen aufbrechen: Hier gibtesKontakt,hierkann man sich treffen,hiersollman auch redenund sich anfassen. B: Wenn einKünstlereinen Impuls setzt, istesessenziell, dass dieZuschauerdie Gelegenheithaben,zustreitenund zu diskutieren. Dieser Austausch istfür unsein ganz zentralerPunkt.Zujedem Raum gehört immer auch einUmraum. Was bezwecken eigentlich die Kunststörer? B: DieKunststörersindAktionenund künstlerischeArbeitenimöffentlichen Raum.Manche sind während derganzenzehnTagezusehen,andere sind nurtemporär oder forderndazu auf, selbst künstlerisch tätig zu werden.IneinigenU-Bahnhöfen werden Klaviere aufgestellt, diejeder bespielenkann;ein Komponistklingelt an Haustürenund gibtein zweiminütigesKonzert,für daserein musikalisches Geschenk zurückerbittet. C: Dahintersteht derGedankedes Unerwartetenund Experimentellen.Da prallen Dinge aufeinander undlösen etwasaus.Mit denKunststörern sind wir der Stachel in der Stadt. Asphalt Festival: 14.–23.7., Düsseldorf asphalt-festival.de; coolibri verlostje2x2 Karten fürCurse am 15.7.im Weltkunstzimmer;für „Die Leiden derjungenWörter am 17.7.imWeltkunstzimmer undfür „PlasticHeroes“ am 19.7. in den Alten Farbwerken 9

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