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Juli 2017 - coolibri Düsseldorf und Wuppertal

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THEMA Fotos (2): Ricardo

THEMA Fotos (2): Ricardo Nunes, www.ricardonunes.de Feiern inZeiten gefühlter Unsicherheit Die Kosten fürdie Sicherheitsanforderungen bei Festivals steigen seit Jahren. Fürdas KanalfestivalDatteln warensie am Ende zu hoch. Paul Tschierskesprachmit mehreren Veranstalternaus der Region über die Problematik. 6

THEMA Für Dattelner Festival-Freunde gibt es zumindest einenkleinen Hoffnungsschimmer:eine abgespeckte Variante desFestivalswirdauf demumzäuntenGelände desTVDatteln 09 stattfinden. DieUmzäunungist dabeider entscheidende Punkt,wie AndreasBorkvom Kanalfest erklärt:„In denletzten Jahrenhat es immer neue Auflagen gegeben, diedie Kosten anstiegenließen.DiesesJahr solltenzusätzlich die Zuwege mitLKW abgesperrt werden.“ Eine Sicherheitsmaßnahme, diewohlauf denLKW-Anschlag in Nizzaletztes Jahr zurückgeht.„Das Problemwarennicht dieLKW,sondern diezweiFahrer, dierundum dieUhr dort positioniert werden müssten,falls mandie LKWbei einemFeuerwehreinsatz weggefahrenmüsste.“Diessei für dasBudgetnicht mehr haltbargewesen, denn dieTicketpreisewollteman nichtweiter erhöhen. „Dem Bürgerkann mannicht klar machen,dassernur noch für Sicherheiten bezahlt. Gerade,weilerviele Maßnahmen,wie NotbeleuchtungoderAbsturzsicherungenzum Kanal hin,nicht malsieht.“ DieEreignisse derletzten Wochen scheinen dieThematik verstärkt zu haben, schließlich will sich nachher niemandetwasvorwerfen lassen. „Die Forderungenkommenvon denAufsichtsbehörden, derAnschlag beim BVB-Spielhat dasnochmal verstärkt.“ Insgesamt waren dieKostenmit demalten Gelände für dasnicht-kommerzielleFestival nicht mehr zu stemmen. Aufdem neuenGelände wird es wieinden letztenJahrenein generelles Rucksackverbot geben. Bei Kommando Kultur in Solingen sei die Situation speziell,erklärtAndreas Dietrich.„Wirsind einkostenloses Festival, veranstaltet voneinemgemeinnützigenVerein. In denletzten Jahrensindwir gewachsen, unddamitdie Sicherheitsanforderungen, aber unsere Sponsorenhabendas mitgetragen.“Letztlich seiman in der komfortablen Situation,nur kostendeckendplanenzumüssen. „Das macht dieDurchführung desFestivalsleichterals beiKollegen, dieberechtigterweisedavon leben.“Veränderungen gabesüberdie Jahre,geradebei derTaschenkontrolle. „Früher wurde stichprobenartigkontrolliert, heutedurchsuchen wir alleTaschen.Die Anforderung habenwir auch an unsselbst.“ImIdealfall würdendie Besucher ganz ohne Taschen kommen,„aber Festivalbesucherbrauchen natürlich eine Deckefür denganzenTag. Das wollen wir nichtverbieten.UnsereGäste tolerieren dafür dieKontrollen, da gibtes keine Schwierigkeiten.“ „DemBürgerkann mannicht klar machen, dass er nur noch fürSicherheiten bezahlt.“ Schon im letzten Jahr wurden bei Juicy Beats die Sicherheitskräfte deutlich aufgestockt.„Zwei Wochen vorunserem Festivalwar derschlimmeAnschlaginNizza,dann noch München. Dementsprechendmussten wir auf dieSicherheitslage reagieren“,erklärtCarsten Helmich.Eineweitere Aufstockungist für diesesJahr erst einmal nichtgeplant,wobei man „imFall derFällenatürlich sofort reagierenwürde.“ Diegestiegenen Kosten seienordentlich undder Grunddafür,dassman dieses Jahr die Eintrittspreiseanheben musste. Wielange das gut geht,entscheiden dieBesucher. „Eshängt vomPublikum ab.Wennesbereitist diezusätzlichen Sicherheitsanforderungen zu bezahlen,wennder Gast die Zeiten versteht,indenen wir leben, dann kann manSicherheitsleistungen anziehen ohne das Festivalfinanziellzugefährden.“ FürdiesesJahr giltfür dieGäste: Turnbeutel mitdem nötigsten Gepäck ja,Rucksäckenein. Sollte daskurzfristig nachRücksprachemit derPolizei noch aufBrustbeutel geändert werden,würdenwir dasüberdie sozialenMedienbekanntgeben. Jürgen Haigh ist einer der Mitbegründer von Eier mit Speck und konnte so die Entwicklung über dieJahre beobachten.„Beim ersten Mal, 2006, haben wir alles geplantund eine Veranstaltungsgenehmigung eingereicht, diewurde dann durchgewunken.Früher gingdas „Wir lassen uns von solchenIdioten das Leben nicht kaputt machen.“ noch übersOrdnungsamt,eskam auch maldie Feuerwehrvorbeigefahrenund hatsichalles grob angeschaut.“ Komplizierterwurde es zuerst nichtwegenTerrorgefahr, sondernwegenden Vorfällen bei derLoveparade2010.„Ab da war alles anders, dieVeranstaltungsgenehmigung nichtmehr ausreichend.Esmussteein Sicherheitskonzept vorgelegtwerden, beidem alles abgefragtwurde undsichalleBehördenmit unsaneinen Tischgesetzt haben.Der Prozesswurde relativ aufwendig.“Für dasKonzept konntendie Veranstalterauf professionelle Unterstützungbauen. „Wir wareninder wunderbarenSituationmit Sabine Funk befreundet zu sein,die CrowdManagement studiert undals echteExpertinmit unsein Konzepterarbeitethat.“ Teurersei es zwar geworden,abernicht existenzgefährdend. „Esist eingrößerer Posten in derFestivalkalkulationgeworden.Abermit dieser Begründung haben ja auch vieleganzgut an derPreisschraubegedreht.Bei unspasst es jedenfalls noch.“ EinHinweis an dieBesucher: „Lasst die Rucksäckebitte draußen undnehmt nurkleine Täschchenmit rein.“ Nachdenklich ergänzt er: „Ein gewissesRestrisikoist immer da.Die einzige Alternativewäre,man blästesabund führt dieVeranstaltung nichtdurch.“ Ähnlich sieht es Marcus Gloria von Bochum Total. „Es gibt einfach Grenzen dessen, was möglich ist, es kann keine hundertprozentigeSicherheit geben. Trotzdem bemühen sich alleBeteiligten darumund bisher gabesnochnie einenwirklich ernstenVorfall.Und dassollund wirdauch so bleiben.“Geradebei Bochum Total istdie Situation besonders. „Als Veranstalter bei einemStraßenfestivalhaben wir garnicht das Hausrecht. Wirdürfen nichtindie Taschenvon jemandem schauen, derdurch dieStadt läuft. DieGlaskontrollewirddeswegenvom Ordnungsamt durchgeführt,nicht vonuns.Als Veranstalterkönnen wir nurdas Gelände beobachten.“ StichwortMonitoring. Dassdie Diskussionenüber Sicherheit häufigvon einergewissenHysteriegeprägt scheinen, ärgert ihn.„In denMedien werden nurdie Symptomebehandelt, aber nichtdie Ursachen unddas nervt unsVeranstalter. Letztlich musssichdie Gesellschaft dazu positionieren, im Sinnevon ‚wir lassenuns vonsolchenIdioten dasLeben nichtkaputt machen‘.“ DerKostenanstieg seihingegen nichtdramatisch.„Diesinddaund nichtunerheblich, aber mankann siestemmen.Außerdemist derAnstieg im Sicherheitsbereich nicht-signifikant, selbst nachNizza nicht, es istmeist für einpaarhundert Euro zu regeln;und diesindimmer gut investiert, weil sich dann alle-auch wir Veranstalterbesser fühlen.“ GegenHysteriekönnte derBlick mittels kühlerVernunft aufemotionsloseStatistiken helfen: Toddurch eine Grippeerkrankung istweitaus wahrscheinlicher,als durchTerror. AlsokeinGrund,nicht am kulturellen Lebenteilzunehmen. Das wäre sogargefährlich,dennein tödlicher Unfall im Haushalt istungleichwahrscheinlicher,als Opfer einesAnschlages zu werden. 7

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