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Januar 2018 - coolibri Düsseldorf

THEMA R A D I O R O O M

THEMA R A D I O R O O M Ein Herz für Röhrengeräte: Klaus Gordziel Foto: Radio Room Rundfunk-Beitrag „Zwergengefängnis“ oder „Nähkästchen“: Das sind nur zwei der liebevollen Spitznamen, die Klaus Gordziel seinen Radios gibt. Ganze 500 Stück hat er seit den 1960er Jahren gesammelt, gekauft und restauriert. Im November eröffnete er einen Ausstellungsraum in der Neusser Straße. Nadine Beneke war vor Ort. Es ist kein Museum, macht Gordziel klar, sondern ein Zugänglichmachen der privaten Ausstellungsstücke. Auszugsweise, versteht sich. Denn seine 500 Radios würden gar nicht alle in den 120 uadratmeter großen Radio Room im Hinterhof der Neusser Straße passen. Rund 120 14 Rundfunkgeräte zieren den hellen Raum, in dem direkt beim Eintreten ein riesiges, rotes Herz an der Wand hervorsticht. Und dass der berlinernde Mann Radios liebt, ist offensichtlich. Das fing an, als er im Kindesalter ein Gerät zerlegt und nie wieder zusammenbekommen hat, erzählt er schmunzelnd. Die Leidenschaft blieb, auch neben seines Jobs bei der Versicherung. In verschiedene Lagerräume nahm er seine Schätze mit. Von Berlin ging es für Gordziel nach Stuttgart über den Bodensee nach Düsseldorf. Vor drei Jahren zog er nach Ratingen. Seit September des vergangenen Jahres wohnt er am Medienhafen. Immer wieder stellte Gordziel die Geräte aus. In einem Hinterhof-Loft in der Lorettostraße, etwa, oder im Schloss Eller. Nun, dank Investorin Claudia Rüdinger erffnete der 68- Jährige den Culture Room, in dem er nicht nur Rundfunkgeräte ausstellt und verkauft, sondern auch Platz schafft für Ausstellungen, Konzerte und einen wechselnden Pop-up-Store im vorderen Bereich. Momentan ist ein Organic Clothing-Label dort zu finden. Voll funktionstüchtig Im Radio Room im Hinterhof deutet Gordziel auf ein Regal auf der linken Seite: Hier sind die Vierziger und Fünfziger. Tefi Zwerg, der Drei-Rhren-Geradeausempfänger war einmal der Kleinste, erklärt der Experte. Der Spitzname Zwergengefängnis ist somit erklärt. Gordziel dreht sich zum großen Regal an der hintersten Wand im Raum um: Hier wird es ganz alt.

THEMA „Wenn es das Radio nicht gegeben hätte, gäbe es auch kein iPhone.“ Funktionstüchtig sind alle Teile, ob aus den Dreißigern, Zwanzigern oder noch älter. Das hat sich rumgesprochen. Immer wieder verleiht Gordziel seine Radios an Filmproduktionen. Für eine Ausstellung im Stadtmuseum im vergangenen Jahr stellte er einen seiner Volksempfänger zur Verfügung: Da plärrte der Adolf raus, erzählt er. Aber auch nach dem zweiten Weltkrieg habe das Radio politische Bedeutung gehabt, betont der 68-Jährige. Beim Kolibri-Gerät aus den 1950er Jahren beispielsweise habe es nur zwei Sender gegeben. Sprich: keine große Auswahl an Informationen. Das älteste Gerät der Sammlung, den Edison Phonograph von 1896, wirft der Radioliebhaber prompt an. Bei unserem Besuch kurz vor Weihnachten passt das leierartige, aber gut erkennbar vorgetragene Stille Nacht sehr gut. Gordziel deutet wieder auf das Regal mit den besonders altertümlichen Geräten. Handgroße Spulen dienten als Hilfe, um die Sender einzustellen, erklärt er. Angefangen habe alles mit batteriebetriebenen Radios ohne Lautsprecher. Hren konnte man entweder über externe Boxen – oder Kopfhrer. Für die Ponti Zauberdose, ein Vasenradio, gab es beispielsweise auch einen ebenso geformten Lautsprecher. Keramik funktioniert aber als Tonträger nicht so gut. Die Firma hat es probiert- und ist pleite gegangen, gibt Gordziel trocken zu Protokoll. Gleich darauf deutet er auf das grüne Auge, auch magisches Auge genannt, das den Empfang beim Tekade-Gerät anzeigt, indem es mehr oder weniger grün flackert. Ursprung des digitalen Fortschritts Auf die Frage, ob er auch Spotify oder ähnliche digitale Abspielmglichkeiten nutze, antwortet Gordziel: Spoti- was Mit Facebook klappe es gut, erzählt er. Für alles andere fehle ihm aber die Begeisterung. Wenn Rhren drin wären, wäre es etwas anderes, sagt der 68-Jährige. Dass die Rhren der Ursprung allen digitalen Fortschritts waren, mchte er auch Kindern und Jugendlichen weitergeben. Wenn es das Radio nicht gegeben hätte, gäbe es auch kein iPhone, sagt der Sammler. Schulklassen und Interessierten führt er deshalb seine Schätzchen aus 94 Jahren Radiogeschichte vor. Skurrilitäten wie ein Gerät aus einer Frischkäseverpackung oder Rasierklingen mit Radiowerbung inklusive. Ein richtiges Radio-Museum für Düsseldorf wäre ein Traum für Gordziel. Mit der Stadt ist er im Gespräch. Bis es soweit ist, sind Tefi Zwerg, Ponti Zauberdose, Kolibri und sogar Fortuna Mon Ami bei Klaus Gordziel gut aufgehoben. Radio Room:_ jeden Di, Do +Fr 11-18 Uhr und nach Vereinbarung; Neusser Straße 41, Düsseldorf © Jenko Ataman Backen Sie nicht länger kleine Plätzchen! Foto: Nadine Beneke Bei uns bekommen Sie den Schlüssel für Ihre Träume. www.ladenlokale-in-krefeld.de 15

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