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Januar 2016 - coolibri Ruhrgebiet

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T H E A T E R D O R T M

T H E A T E R D O R T M U N D Teufel, noch mal! Sarah Sandeh Foto: Foto: Birgit Hupfeld Weiß noch jemand, was VHS war (nicht gemeint: Volkshochschule und Video Home System)? VHS stand für lange Nächte in den Achtzigern, für Video-Abende mit Zeugs ab 18 und Regale voller Filmkopien in schlechtmöglichster Auflösung. Jörg Buttgereit lässt unter Mitarbeit von Anne-Kathrin Schulz mit „Besessen“ solch einen Abend von den Toten auferstehen – und nicht nur den. Marian hätte lieber einen „Busenfilm“ geguckt, Gerd hat aber den „Exorzisten“ im Haus, den Klassiker aus dem Jahr 1973. Auf Video. Kassette rein, Auto-Start, Bundesprüfstellengeplapper – plötzlich liegt eine Frau auf dem Bett. Für die beiden Spacken eine neue Erfahrung, aber nur der Beginn einer Horrornacht. Die Frau entpuppt sich als Linda Blair, Darstellerin der Besessenen aus dem Film, und benimmt sich entsprechend. Später gebiert sie noch „Rosemary’s Baby“ („Das ist doch jetzt ein ganz anderer Film“) und kriegt über Mia Farrow den Bogen zu Woody Allens Eheleben. Im Türrahmen pellt Louis Cyphre, der Luzifer aus „Angel Heart“, ein Ei. Dazu Oldfield’s „Tubular Bells“ vom Soundtrack. Das ist alles heftig, zu recht ab 18 und dabei ein großer Spaß: „Was, wenn der Dämon merkt, dass wir ihn verarschen?“ Jörg Buttgereit gelingt es erneut, ein Genre zu bedienen, es gleichzeitig zu kommentieren und historisch einzuordnen. Auch, wenn man vorab jeden Farbbeutel, aus dem Blut spritzt, kommen sieht, und die Effektmaschine des Grauens deutlich durchsichtiger ist als Lindas Kleid, kann man sich dem Horror kaum entziehen. Sarah Sandeh (Linda) spielt wahrhaftig wie vom Teufel geritten, hoch aufgelöst und in 3D. Uwe Rohbeck ist als Das Böse etwas blass (geschminkt), Ekkehard Freye (in Adiletten) und Björn Gabriel starten als Studenten-Versionen von Beavis und Butt-Head („Wir müssen bei Gelegenheit mal einen Frauengefängnis-Filmabend machen“), drücken aber schlussendlich doch noch den richtigen Knopf. Großes Kino! Ein Wellness-Zitat noch: „Wir werden alle sterben.“ Andreas Lammers 9./23./31.1., Schauspiel Dortmund (Studio) Premieren im Januar BOCHUM 30.1. Familiengeschäfte von Alan Ayckbourn (R: Marius von Mayenburg), Schauspielhaus 56 CASTROP-RAUXEL 30.1. Der Maulkorb von Heinrich Spoerl (R: Lothar Maninger), Stadthalle DORTMUND 9.1. Rinaldo von Georg Friedrich Händel (R: Jens-Daniel Herzog), Opernhaus 16.1. Die Reise nach Petuschki von Wenedikt Jerofejew (R: Katrin Lindner), Studio DUISBURG 16.1. Ballett am Rhein (Ch: August Bournonville, Antony Tudor, Terence Kohler), Theater Duisburg ESSEN 30.1. Faust von Charles Gounod (R: Philipp Stölzl), Aalto-Theater

T H E A T E R M Ü L H E I M Programm Januar „Das kalte Herz“ in Mülheim Schwarzwälder Teufelspakt Ein Familienstück wollte Regisseur Jo Fabian aus dem düsteren Märchen „Das kalte Herz“ machen – das ist ihm gelungen. Sein Kohlenmunkpeter plappert fröhlich in Schwarzwälder Mundart und die witzigen schwarzweiß-roten Kostüme erinnern an landestypische Trachten. Statt originalem Bollenhut trägt die von Peter umworbene Lisbeth Weihnachtsschmuck-Geschmeide auf dem Kopf – Katharina Lautschs Bühnenkreationen bekommen in dem karg stilisierten Bühnenbild die verdiente Aufmerksamkeit. Leichtfüßig, manchmal kitschig, aber immer mit einem deutlichen Augenzwinkern präsentiert Fabian seine Fassung des Originals von Wilhelm Hauff. Ein atmosphärischer Soundtrack begleitet die Wandlung seiner Hauptfigur. Ungestüm jungenhaft spielt Wolf Gerlach den lustigen Burschen, bis er im teuflischen Pakt mit dem Holländer-Michel sein Herz gegen einen Stein eintauscht. Ab da schleicht er buckelig und fies mit schweren Geldsäcken über die Bühne. Die anderen Figuren, allen voran der reiche Ezechiel und der Tanzbodenkönig als eine Abwandlung von Dick und Doof (Matthias Horn, Boris Schwiebert), sind herrlich selbstironisch gezeichnet. Putzig auch die Idee, das Glasmännlein teilweise als Eichhörnchen-Handpuppe im Zauberwald auftauchen zu lassen. Trotz vieler Inszenierungseinfälle geht die Geschichte nicht verloren. Elend und Ansehen, Arm und Reich – Hauffs Erzählung verkündet die simple und oft wahre Botschaft, dass Geld und Besitz allein nicht glücklich machen. Aus den Boxen dröhnt dazu Rammstein: „Bin nie zufrieden, es gibt kein Ziel, gibt kein genug, gibt nie zu viel, all die andern, haben so wenig, ich brauche mehr…“ Glücklicherweise sprenkelt die Regie nur gelegentlich ein paar kapitalismuskritische Vokabeln ein und verzichtet auf weitere Aktualisierungen. Am Schluss herzeln sich alle Figuren – und für so viel Harmonie gibt es dann auch begeisterten Applaus. Ariane Schön 10.+11.1., Theater an der Ruhr, Mülheim Foto:Joachim Schmitz 03.01. Golden Voices of Gospel 05.01. Poetry Slam 13.01. Annamateur 14.01. Wladimir Kaminer – neues Programm 21.01. Frieda Braun 24.01. Funny van Dannen 27.01. Ingo Appelt 28.01. Mirja Boes & Die Honkey Donkeys 29.01. Schlachtplatte – Das Kabarett-Quintett www.ebertbad.de nach frank wedekind von the tiger lillies GELSENKIRCHEN 31.1. Vertanzt von David Dawson, Bridget Breiner, Benvindo Fonseca (Ch: David Dawson, Bridget Breiner), Musiktheater im Revier HAGEN 16.1. Jonny spielt auf von Ernst Krenek (R: Roman Hovenbitzer), Theater Hagen OBERHAUSEN 15.1. Lulu. Eine Mörderballade von The Tiger Lillies nach Frank Wedekind (R: Stef Lernous), Theater Oberhausen ab 15. Januar 2016 Tickets unter www.theater-oberhausen.de und 0208/8578-184 57

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