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Januar 2016 - coolibri Düsseldorf /Wuppertal

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C O M E D Y Was die

C O M E D Y Was die Polen mit Deutschland verbinden? Autos, Bier und Steffen Möller. Aufgewachsen in Wuppertal, ist er nach dem Studium in Berlin nach Warschau gekommen und hat Land, Leute und Grammatik lieben gelernt. Heute ist der 46-Jährige ein Wandler zwischen zwei Welten. Kurz vor seinem Auftritt in der Podolski-Stadt Gliwice sprach coolibri-Autorin Sabine Bode mit dem bekanntesten Kartoffelbauern Polens. Pole Position Du hast als Student einen Polnischkurs in Krakau besucht und bist dann in Polen geblieben. Kannst du kurz deinen Werdegang beschreiben? Ich war zuerst sieben Jahre lang Deutschlehrer, danach habe ich mit Kabarett auf Polnisch angefangen und geriet in eine beliebte polnische Telenovela, wo ich vier Jahre lang den deutschen Kartoffelbauern Stefan Müller gespielt habe, der Pech in der Liebe hat. Seit fünf Jahren bin ich jetzt wieder hauptsächlich Kabarettist, toure durch Deutschland und Polen. Wir Deutschen lassen uns ja gerne von anderen unsere Eigenarten erklären –etwa von dem Franzosen Alfons oder dem Niederländer Philip Simon. Sind die Polen da ähnlich drauf oder waren sie zunächst skeptisch, als du dich erstmals auf die polnischen Kabarettbühnen gewagt hast? Nein, sie waren nicht skeptisch, sondern haben sehr gestaunt, als ich den ersten grammatisch richtigen Satz über die Lippen gebracht habe. In Deutschland sind wir spätestens seit Rudi Carrell daran gewöhnt, dass viele Ausländer perfekt Deutsch können. In Polen gab es aber in dieser Hinsicht noch eine echte Marktlücke. Mir hat sogar mal ein polnischer Schauspieler gesagt, dass er erst an meinem deutschen Akzent gemerkt habe, dass alle polnischen Schauspieler der letzten vierzig Jahre diesen Akzent völlig falsch gespielt haben. Eigentlich müssten alle polnischen Kriegsfilme noch mal nachsynchronisiert werden. Du pendelst zwischen Berlin und Warschau. Woran musst du dich beim jeweiligen Ortswechsel immer wieder aufs Neue gewöhnen? Es ist verrückt, wie man sich unbewusst immer den jeweiligen Mentalitäten anpasst. In Berlin habe ich eine kleine Wohnung – gemietet. In Warschau habe ich eine Wohnung gekauft, denn in Polen wird generell am liebsten gekauft. Wir Deutschen hingegen mieten manchmal jahrzehntelang und könnten noch nicht mal aus dem Stegreif den Quadratmeterpreis unserer Wohnung sagen. Das könnte jeder Pole sofort. Und noch eine Sache: In Warschau bin ich jahrelang kein Fahrrad gefahren, weil man es einfach nicht gemacht hat. Die Gesellschaft war einfach noch nicht so weit. Fahrräder hatten kein Prestige. Das hat sich heute ein bisschen geändert. Inzwischen gibt es über 400 Kilometer Fahrradwege. Und der größte Mentalitätsunterschied überhaupt: Wenn du als Fußgänger aus Versehen auf so einen Fahrradweg läufst, reagieren die Radler total ruhig. Kein Anschreien, kein Vogel-Zeigen, keine Kinnhaken. Als Pole ist man es einfach gewöhnt, dass einem immer einer in die Quere läuft. Ohne zu viel vom Programm vorwegzunehmen: Was sind die schlimmsten No-Gos für deutsche Urlauber? Erstens sollte man eventuelle Russischkenntnisse zu Hause lassen. Lieber Niederrheinisch als Russisch sprechen. Zweitens: Keine Witze über 72 Steffen Möller DEN Papst, also Johannes Paul II. Ja, und dann sollte man niemals behaupten, Frédéric Chopin sei Franzose gewesen – also dann schon lieber Russisch reden… Derzeit wird in Comedy-Kreisen viel diskutiert, über welche Dinge man generell Witze machen darf und ob man in Zeiten der Krise überhaupt lustig sein darf. Wie ist deine Meinung dazu? Hm, ein bisschen kenne ich das. Ich mache seit Jahren Witze über den Zweiten Weltkrieg. Eigentlich auch kein einfaches Thema, besonders in Polen, besonders bei Seniorenpublikum. Aber bisher ist es immer gut gegangen. Meine größte Sorge war immer nur, dass ich die Pointe auf Polnisch grammatikalisch sauber rüberbringe. Und dann freuen sich die Leute schon, nach dem Motto „Er ist zwar ein Idiot – aber er hat es korrekt gesagt.“ Grammatik ist bei mir nicht die halbe, sondern die ganze Miete. Ob es in Düsseldorf auch reicht, werden wir sehen. Ich hoffe auf viele Polen im Publikum. Steffen Möller: Viva Warszawa – Polen für Fortgeschrittene: 12.1. zakk, Düsseldorf; steffen.pl Foto:Peter v. Felbert

K U L T U R N E W S „Der Otter ist ein listig und boßhafftig Thier“ „Ausstrahlung. Stichprobe Steinzeit, Bild und Ton“ Foto: Museum Ratingen Foto:© lifeonwhite.com „40 Jahre – 40 Meisterwerke“ Internationale Tanzwochen in der Neusser Stadthalle Foto: Galerie Foto: John McDermott Photography 200 Ausstellungen haben sie in den vergangenen 40 Jahren organisiert, nahezu ebenso viele Kataloge publiziert. Seit September feiert die Düsseldorfer Galerie Ludorff ihr Jubiläum. Mit einer Ausstellung, wie sonst? „40 Jahre – 40 Meisterwerke“ heißt die Schau, die noch bis zum 23.1. läuft und 40 Arbeiten von ausgewählten Protagonisten der Kunstgeschichte vereint. U. a. in der Schau vertreten sind Otto Piene, Gerhard Richter sowie Christian Awe. Sie haben das dichteste Haarkleid überhaupt im Tierreich. Es gibt Arten, die bis zu 100 Meter tief tauchen können. Und solche, die zwei Meter groß werden. Die Rede ist von Fischottern. 13 verschiedene Otter-Arten leben am und im Wasser. Auf allen Kontinenten – außer Australien und der Antarktis. Durch Renaturierungen und Schutzmaßnahmen haben sogar in NRW wieder einige Fischotter Fuß gefasst. Im Hildener Wilhelm-Fabry-Museum läuft noch bis zum 6.3. eine Ausstellung, die den Tieren nachspürt: „Der Otter ist ein listig und boßhafftig Thier“. Eröffnet wurde sie Ende Oktober u. a. vom wohl bekanntesten Otter des Landes: Nemo, dem Kurzkrallenotter aus dem Düsseldorfer Aquazoo. Wo heute Häuser stehen und Autos fahren, lebten schon vor 150.000 Jahren Menschen. In Ratingen belegen steinzeitliche Funde die Existenz einer solch frühen Besiedelung. Eine Ausstellung im Museum Ratingen möchte nun über Bilder und Töne eine Beziehung zwischen einst und heute herstellen. Birgit Jensen hat den Blauen See mit der Kamera eingefangen – zu unterschiedlichen Tages- und Jahreszeiten. Der Audio- und Performancekünstler Jörn Steinmann hat Soundarbeiten kreiert, deren Basis der Klang von aufeinanderschlagendem Stein bildet. Die Werke sind noch bis Ende Januar zu sehen. Titel : „Ausstrahlung. Stichprobe Steinzeit, Bild und Ton“. Die New Zealand Dance Company aus Auckland gastiert am 21.1. erstmals in der Geschichte der Internationalen Tanzwochen in der Neusser Stadthalle. Ihr Programm „Lumina“ besteht aus insgesamt drei neuen Choreografien. Zu den neuseeländischen Choreografinnen Malia Johnston und Louise Potiki Bryant gesellt sich der holländische Tanzmacher Stephen Shropshire. Er kreiert im Auftrag des Holland Dans Festivals für die Neuseeländer ein Stück mit dem Titel „The geography of an archipelago“. Zwerge und Riesen tummeln sich weltweit in Mythen, Sagen und Märchen. Während die literarischen Figuren mit stereotypen Charaktereigenschaften belegt sind, haben die kleinen und großen Menschen jenseits der Norm nichts mit diesen Kunstfiguren gemein. „Zwerge und Riesen – Eine Frage der Perspektive“ ist eine Ausstellung im Mettmanner Neanderthal Museum überschrieben, die für die ganze Familie konzipiert wurde. Bis zum 1. Mai kann man sich vor der Promi-Fotowand mit Dirk Nowitzki und Lionel Messi vergleichen, im Ames-Raum optischen Täuschungen erliegen oder Märchen an den Hörstationen lauschen. Der finnische Regisseur Aki Kaurismäki behauptet hartnäckig, der Tango sei nicht in Argentinien erfunden worden, sondern in seiner Heimat Finnland. Ein Beleg dafür könnten Uusikuu, die am 10.1. um 16:30 Uhr im Langenfelder Flügelsaal auftreten, sein. Das finnische Quartett um die Sängerin Laura Ryhänen spielt den Tango nicht wie in Südamerika üblich in Dur, sondern in Moll. Humppas, Walzer und jazziger Swing komplettieren das Repertoire der vier Musiker aus dem Land der tausend Seen noch lange nicht. Alexandra Wehrmann 73

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