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Februar 2020 - coolibri Hamm, Unna, Hagen

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INTERVIEW „Über den

INTERVIEW „Über den Live-Auftritt geht nichts!“ „Esist nie zu spät,unpünktlichzusein“ heißtseinneues Geschichtenbuch, doch zumTermin desTelefoninterviews mitTom Thelen istder Humor-Tausendsassa TorstenSträter (53) pünktlichamApparat. Er ist gerade in Leipzig, hatseinverlegtes Portemonnaie soeben wiedergefunden undsichergestellt („Herzrasen“)und einenDuftgekauft(„der mitSicherheit nichtzumir passt“). Typisches Tour-Leben halt. Jetztbestellt er eine TasseKaffeeund istgut gelaunt zumPlaudernaufgelegt. Siebespielen alle möglichen Medienund Kanäle: Fernsehen, Radio, Podcast, Live-Auftritteund Bücher. FunktionierenIhreGeschichten überall gleich und wasmachenSie am liebsten? Über denLive-Auftritt geht nichts drüber.Die Königsdisziplin.Auftritt, Auftritt, geil,geil. Und mankann noch einenLive-Mitschnitt füreineCDoder so machen. Radiogehtauch immer.Dasieht manmichjanicht.Für mich istFernsehen schwieriger. Da hatman meistnur fünf MinutenZeitund es gibt Redakteure,die einemreinreden. Das istdann doppelt mühsam. Außerdem gibtesfür Fernsehenvielweniger Geld als mangemeinhin glaubt. Miteinem Auftritt vorvielenLeutenverdientman gutesGeld. AproposLive-Auftritt:Mit PoetrySlamgingesjakarrieremäßiglos,heute machenSie dasweniger,war das einproduktives Missverständnis? Haha,produktives Missverständnisist auch geil.Nein, ichhabedas sehr genossen,mir hatdas immer viel Spaß gemacht.Das istschon einkomischesFormat,soTexte gegeneinander, wiebeimTischtennis.Den Anderen plattmachen. Dabeihabeich eigentlich alles gelernt. Vorfremden Leuten redenund wieman Textesobaut, dass siefunktionieren. Wieist IhrSelbstverständnis? WiehaltenSie es mitBegriffen wieHumorist,Comedian, Komiker,Kabarettist? Ichwill komischsein, deshalbbin ichKomiker.Ich brauchedas englische Wort nicht, es gibt ja dasdeutsche. Obwohl ichsonst garnix gegenenglische Wortehabe. Ab undzubin ichauch Satiriker,wennich maleineSatire schreibe. MeineGeschichten haben zwar Haltungund Meinung, dazu eher eine soziologischeSeite,aberdahabeich nichtden Anspruch,richtig undimAlleinbesitzder Wahrheitzusein. Deshalb binich eher keinKabarettist,das können andere besser.Auch amerikanischeStand-ups sind ja viel radikalerals ich. Ichkrieg eben eher keinenguten Holocaust-Witz auf dieKette. Anders alsviele Kollegen nutzen Siekeine Bühnenfiguren. Ja,das istschon weitgehend authentisch, wasich mache.Ich habediese Mützebeispielsweisejetzt auch beim Gesprächauf.Davon habeich aber inzwischen ziemlich viele. Bewundernswert finde ichaberHapeKerkelings HorstSchlämmer,das istdie beste Kunstfigur,finde ichsuperlustig.Ich bin dagegenauch aufder Bühnekeinen Millimeter intelligenter als im Leben. KürzlichimKölnerTreff sollte ichmal 4 Ärgerrauslassen, schimpfen undnicht so nett sein.Dahab ichüberimmer längerwerdendeHotelflure gejammert, dreistellige Zimmernummernund dasmühselige langeLaufenmit demGepäckdurch dieGänge.Nachmir warReinholdMessner dran,der sich am NangaParbat einige Zehenabgefroren hat. Da saßich dann eine Stunde mitroter Birne. Sieschreiben an einemBuchüber Schreibenund Auftreten,wie weit ist das? Das istschon ziemlich weit. Knacki Deuser hatvor gut 10-15Jahreneinen Ratgeber geschrieben,„Howtobelustig“, denwill ichjetzt um praktische Erfahrungenerweitern.Warum keineColavor demAuftritt? –Weildie Geschichte über denTod deiner Mutter durch wiederholt auftretendesRülpsennicht besser wird. Warumman etwasGeld fürs Finanzamt zur Seite legensollteals Selbstständiger. DerSinnvon korrekten Soundchecks. Oder:Wer einmal beiNightwash aufgetreten ist, brauchtzum nächsten Auftritt nichtunbedingt einenStapelAutogrammkartenmitzubringen. All sowas. Werden Sieals Waltroper alsRuhrgebiets-Komikerwahrgenommen?Beziehungsweise,sindSie einer? DieBayernfindendas schon etwasschrullig.IrgendwieAsi,aberimmer nett.Überhaupt istMünchen fürmichschwierig.Das mussman sich schwer erarbeiten. ErstLach-undSchießgesellschaft, 150Besucher, dann,schon etwasgrößer, dasLustspielhaus,jetzt Circus Krone. Das hat aber Jahre gedauert.HierinLeipzig istdas einfacher, diekennenmichaus demFernsehen,das istlustig. Ichbilde mir ja auch ein, dass ichglockenklaresHochdeutsch spreche.Aberdas stimmt womöglichnicht. Wiesteht es miteinem Sträter-Film? Ichglaubenicht,dassdas eine guteIdee ist. Weil ichnicht schaupielern kann.Ich würde ja auch nichtdie Bratsche beiden SaarländerSymphonikern spielen, wenn diefragenwürden. Das istweitweg vonmeinerKernkompetenz. Gern wäre ichmal ein Es geht aufden 288Seitenunter anderemum dieMacht derEntspannung, Urlaub in Namibia undBotswana, Erziehung, Sex, Bratwurst, wegfliegendeFlummis,die heilende Kraftder Musikund denVater desGedanken. Das Hardcover„Es istnie zu spät,unpünktlich zu sein“ istEnde Oktober2019bei Ullstein Paperback(tatsächlich)erschienenund kostet 16 Euro. Stormtrooperoderwürde mich in der viertenReihe alsStatist in einemTarantino totprügelnlassen. Ichhabemal in einemTrailer einenHundgesprochenin einerHollywood-Weihnachtsschnulze, aber im fertigenFilmwurde dann Ben Becker dieStimmedes Hundes. Da wunderteman sich,dassich nurim Trailer zu hörenwar.Ich binebenam besten als Erzähler.

INTERVIEW „Irgendwie Asi, aberimmer nett.“ Foto: Guido Schröder

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