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Februar 2019 - coolibri Hamm, Unna, Hagen

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KUNST U N N A

KUNST U N N A Verstörend - betörende Bernardi Roig:ReflectionExercises,2003 Bernardí Roig istBildhauer undMultimediakünstler undeiner derwichtigsten Vertreter der spanischen Gegenwartskunst. Fürseine Ausstellung„Excess“(„Überschuss“) hateralleFacetten seines Werks zusammengeführt.Zwischenden nackten Betonwändenhat er schneeweiße Skulpturenangeordnet,die lebensgroßeNachbildungen menschlicher Körper mitausdrucksstarken Gesichtern sind.Die FigurenbefindensichinGrenzsituationen, daswird schnellklar. Ihre Betrachtungmag aufden erstenBlick verstören, doch aufder tieferen Ebene wirftsie existenzielleFragenauf,Fragenanunsere Gegenwart. In dererstenInstallation„RefectionExercises“ zumBeispiel hängt einKörperineinem weißen Anzugander Deckeals habeersichgeradeerhängt.Dochesist nurseinAnzug-Jackett,das an zwei Hakenund Seilen festgemacht ist. Der Körperhängt schlaffinihm,der Kopf in einem durchsichtigenKasten, derBlick aufeinen Monitorgerichtet,der unterseinenFüßenBildervon gehenden Fußsohlenzeigt. Hier fragtRoignach unsererFähigkeitzur (Selbst-)Wahrnehmung, dieimmer stärkermedialvermitteltwird. Man denkeanSchrittzähler-oderAbnehm-Apps. Die anderenArbeitensindnochkrasser in ihrerWirkung,inihremSpielmit grellemLicht,das man 40 Kellerkunst kaum direktbetrachten kann.Die Skulptur„Der Italiener (the cow)“ erinnertanein großes, geschlachtetes Tier, aus dessen Körper Leuchtstoffröhrenquellen wieGedärme. Obwohl dieeinzige Farbeauch hier eingrelles weiß ist, malt unservorgeformterErkenntnisapparat automatischeineblutige Szenerie. Foto: Frank Vinken Verwirrend-intensivesSpiel Schwer zu tragen hatder mürrisch wirkende „HerrMauroner“,eineSkulpturaus demJahr 2008,aneinem Päckchenaus Leuchtstoffröhren, dieauf derrechtenSchulterdes nackten Oberkörpers liegt. Undineiner Nische desgroßenKellergewölbestrifft derBesucher aufdie einsameFigur derInstallation„Practicestobe S.R.“von 2017,die demgrellen Vorhangaus Lichtröhrenschutzlosausgeliefertist.Sie kneift nichtnur dieAugen zu,sondern hältauch schützenddie gekrümmten Händenüberdie Ohren. Das Lichtkann hier als Bild fürden Überschuss –vielleichtanWaren, Informationen, Möglichkeiten–gelesenwerden, mitdenen der moderneMenschklarkommenmussund die seinen direkten undunbefangenenZugangzur Umwelt undsichselbstverstellen. Einunbedingter Tipp ist, dasZentrum für internationaleLichtkunst(dasübrigensweltweit einzigeMuseum, dassichausschließlich diesemGenre widmet)aneinem 1. Sonntagdes DasZentrum fürinternationale Lichtkunst in Unna istdefinitiv das merkwürdigsteMuseumweit undbreit. Nachdemdie Besucherihr Ticket gekaufthaben, warten sieerstmalimtristen Zweckbau-Charme desFlurs zwischen Volkshochschule und Stadtbücherei. DieeinzigartigenAusstellungsräume im Keller der ehemaligen Lindenbrauerei darf man in der Regelnur mit einer Museumsführungbetreten. Die gibtdannvor,wie viel Zeit für dieaktuelle Wechselausstellung mit spannenden Arbeiten BernardíRoigs ist. Monatszubesuchen.Dann sind nämlich offene Begehungen desKellermuseums möglichund jederBesucher kann seineVerweildauervor oder in denArbeitenselbstbestimmen.Dann kann mansichwiederund wieder denstehendenWassertropfen in Olafur Eliassons„reflektierendemKorridor“hingeben, dieermit einem Stroboskop-Lichteffektaus einemeigentlich rauschendenWasserfall herausstellt. Vielextra Zeit sollte manaußerdemJames Turrells „SkySpace“einräumen,der begehbarer Teil einergroßenLochkameraist.Durch ein Loch in einemzylindrischen,weißenRaum blickt derBetrachter aufeinen Ausschnitt des Himmels, dessen Farbezusammenmit der Farbtemperatur im Raum wechselt–obwohl der Himmel doch eigentlich immer derselbe bleibt. Einverwirrend-intensivesSpiel mitunserer visuellenWahrnehmung! MaxFlorian Kühlem Bernardí Roig „Excess“: bis14.4. InternationalesZentrum fürLichtkunst, Unna Bernardi Roig:AnIlluminated head forBlinkyP.(thegun), 2010 Foto: Frank Vinken

KUNST O B E R H A U S E N D Ü S S E L D O R F PeterBlake undJannHaworth:Plattencover TheBeatles zu Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band,1967 Foto: Foto: ©Apple Corps. Ltd. SebastianRiemer:Coastscape, 2013 Foto: Courtesy Setareh Gallery, ©2019 VGBild-Kunst, Bonn Young, sexy, glossy DieLudwiggalerie Oberhausenzeigt biszum 12.Mai „British PopArt“aus derSammlung HeinzBeck.Ein besonderes Augenmerkwirddabei aufdas Zusammenspiel vonKunst undMusik gelegt. Es soll zwischen demWinter1954/55 und1957gewesensein, erinnerte sich KünstlerLawrenceAlloway in denSechzigerjahren, als derBegriff „Pop Art“ erstmals beiden Mitgliedernder britischen Independent Group insGesprächkam,jener Zusammenschlussvon Künstlern,der 1952 am InstituteofContemporary Arts in London gegründetwurde.Die Independent Groupwirdsowohl mitder Genese desBegriffsals auch mitden erstenPop-Art-Werken in Verbindung gebracht.Dochbevor diePop Artmit künstlerischen Arbeiten gleichgesetztwurde,stand derAusdruck fürdie arbeitsteiligund massenhafthergestellten,flüchtig-modischen Produkte dermodernenMedienund Werbung. Und dieseObjekte warenjung, sexy, glänzend,imagestarkund technischvirtuos,womit bisheute gültige Bestimmungendes Pop-Begriffs erstellt werden.Diese Eigenschaftenfandensichinden Wohlstandsdingender Nachkriegsgesellschaftwie Autos, Fernsehen, Stars, Mode undMusik wieder,die zu Themen für Künstlerwie RichardHamilton oder David A.J. Miller wurden. SiewerdeninOberhausen zusammen mitweiterenPop-Art-Pionieren wieEduardo Paolozzi,wichtigenVertreternder mittlerenund jüngerenGenerationwie DerekBoshier sowie denSonderpositionenvon David Hockneyoderden fotorealistischenSchrottwagenvon JohnSaltgezeigt. Berühmte Plattencover im Sound-Walk zu sehen Eine besondereRolle wirdinder Ausstellungder Musikzugeschrieben. Zahlreiche berühmtePlattencover können in einemSound-Walk betrachtetwerden. Eine Entscheidung, diedem historischen Kontextgerecht wird.Denneswar keinZufall,dassdie ersten Überlegungenzur PopArt mitdem immensenErfolgdes Rock’n’Rollzusammenfielen,der dieRolle derPopmusik in derGesellschaftmaßgeblichverändert hatte. Im Fokus stehtjedochder Beat:mit demPlattencover zu demBeatles-Album „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“von PeterBlake undJann Haworth. JenesCover,das dieBeatles in Fantasie-Uniformenumringt von70Persönlichkeiten zeigt. Zu sehensindbeispielsweiseMarlon Brando undMae West,Oscar Wildeund DylanThomas,AlbertEinsteinoderTimothy Leary. Es isteines derwichtigsten Plattencover derMusikgeschichte undsteht zudemfür eine derwichtigsten Kriteriendes Pop: dieAuflösungder Grenze zwischen Hoch-und Populärkultur. Stefanie Roenneke BritishPop Art: bis12.5.,Ludwiggalerie,Oberhausen; ludiwggalerie.de In Zeiten der Bilderflut WelcheErkenntnisse hält dieFotografieheute noch bereit, wenn jeden Tag260 Millionen Bilder entstehenund verbreitet werden? DasMuseum Morsbroich in Leverkusen stellt sich dieseFrage und widmet sich ab dem 27.Januareiner jüngeren Generation vonFotografen ausdem Rheinland. Ob an derLeipziger Hochschulefür Grafik undBuchkunst, an derFolkwang Universität derKünsteinEssen oder an zahlreichenFachhochschulenund Ausbildungsstättenwie demLette-VereininBerlin: es gibtviele Orte,umFotografiezuerlernenund zu studieren. Doch keineandereHochschule wirdmit derneuerendeutschen Fotografie so stark in Verbindung gebracht wiedie KunstakademieDüsseldorf. Dort wurde BerndBecher 1976 als erster in Deutschlandauf einenLehrstuhl für Fotografie berufen, womitder Grundstein für dieberühmte„Becherschule“gelegtwar,die ihrenRuf auch demErfolgihrer Absolventenverdankt.Zuden viel zitierten NamengehörenAndreas Gursky,Candida Höfer, Thomas Ruff undThomas Struth,wovoneinige auch als Lehrende eine neue Generation prägen. Ausgewählte Positionen vonehemaligenStudierendender Düsseldorfer Kunstakademieund desStudienschwerpunkts „KünstlerischeFotografie“ derKunsthochschule fürMedienKöln sind in derSchau „NextGenerations –AktuelleFotografieimRheinland“ vereint. Im GegensatzzuihrenVorreitern arbeitendie 18 Künstler–in den1970er- und1980erJahrengeboren –jedoch in einemUmfeld,indem dasMedium Fotografie im Zeitalterder Digitalitäteinen radikalen Wandel erfahrenhat.Die täglicheHervorbringungvon millionenfachen neuenBildern stellt dabeimit denbedeutendstenUmstand dar. DieKunstschaffendenreagieren darauf miterstarkten Konzeptenund einemerweiterten Verständnisvon Fotografie,das formal wieinhaltlichaus anderenkünstlerischenBereichen undMaterialien schöpft.Die WahrnehmungbeimBetrachten fordertSebastian Riemer heraus: Istdie rissige Oberfläche von„Coastscape“samt ihrerLeerstellen Teil einesalten,ausgeblichenenFotos,das dokumentiert wurde,oderist es Teil derästhetischenPrägungdurch denFotografen? Mitdiesenund weiterenPositionen–darunter Arbeiten vonMatthiasWollgast, dermit verschiedenen Darstellungsformaten experimentiertoderWerke vonAnne Pöhlmann,die mitStoffen arbeitet–soll deraktuelleStandort künstlerischerFotografieausgelotetwerden. Stefanie Roenneke Next Generations–AktuelleFotografieimRheinland: bis5.5., Museum Morsbroich,Leverkusen; museum-morsbroich.de 41

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