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Februar 2018 - coolibri Essen

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MUSIK VON HIER Kent Coda

MUSIK VON HIER Kent Coda Karneval auf Türkisch Wohnzimmerkonzerte, drei Touren mit den österreichischen Rockstars Wanda – Kent Coda kommen gut rum. Die Drei kreieren eine Mischung aus Indie-Pop, orientalischen Rhythmen und westlichen Melodien. Sogar einen türkischen Karnevalssong haben sie im Repertoire – Sänger Ögünc Kardelen hat uns verraten, was es damit auf sich hat. Wie habt ihr euch gefunden? Uns gibt es seit 2014 – Christoph und ich haben uns in einer Punk-Coverband kennengelernt. Dann stieß Sercan zu uns, mit seiner Darbuka, einer traditionellen türkischen Trommel. Wir haben viel herumexperimentiert und uns dann entschieden, auf Türkisch zu singen und orientalische und westliche Musik zu mischen. Ihr seid viel unterwegs, spielt fast das ganze Jahr Konzerte – wie würdet ihr euren Weg bis hierhin beschreiben? Ziemlich aufregend. Es ist nicht leicht, in Deutschland türkische Musik zu machen. Für viele Türken, die in Deutschland leben, sind wir zu alternativ, die Deutschen halten auch erstmal Abstand. Am Ende sind alle glücklich, tanzen und singen zusammen. Was uns drei verbindet ist, dass wir es lieben es, zu spielen, egal wo oder wie. Es macht den Weg leichter. Worum geht es in euren Liedern? Was inspiriert euch? Die Lieder sind Geschichten aus meinem Leben. Es geht auch um Politik, wir äußern Kritik. Die größte Inspiration ist die Freude, ein Lied zu schaffen. Und meine Sehnsucht nach dem Meer, an dem ich aufgewachsen bin. Und jetzt ein Karnevalssong – wie ist es dazu gekommen? Die Türken leben hier seit 50 Jahren, trotzdem sieht man nicht viele im Karneval. Und es gab noch kein türkisches Karnevalslied. Das musste sich ändern! Gibt es sowas wie Karneval auch in der Türkei? Es gibt das Kirschenfest, das ist so ähnlich. Statt Bier zu trinken isst man Kirschen. Aber das kann man mit rheinischem Karneval nicht vergleichen. Könnt ihr Platt? Wie empfindet ihr den ganzen neuen „Hype“ um das Brauchtum? Oh nein, das leider nicht. Ehrlich gesagt habe ich gar nicht bemerkt, dass es einen Hype gibt. Aber ich hoffe, dass es Hype wird, in anderen Sprachen außer Englisch und Deutsch zu singen. toc „Bir balık olsam“-Releaseshow: 3.3., Artheater, Köln; kentcoda.com 38 Foto: Grey / Sigrist / Stimberg. A L B U M D E S M O N A T S Love Machine „Times To Come“ An Love Machine kommt man derzeit nicht vorbei: Die Maschine rollt durch die Republik, auf ihrer Mission, Love, Peace & Rock‘n‘Roll zu verbreiten. Ein bisschen psychedelisch, viel Krautrock und die unverwechselbare Stimme von Sänger Marcel Rösche holen die 60er in die Jetzt-Zeit. Auf „Times to Come“ knurrt, schnurrt und powert sich Rösche durch sieben Songs, seine phänomenale Band immer sicher im Rücken. Dass die Fünf sicher auch abseits der Bühne eine solide Zusammengehörigkeit verbindet, hört man am wirklich fast perfekt aufeinander eingestimmten Sound, der auch in unzähligen Sessions im Proberaum nur bedingt antrainiert werden kann. Lieblingslied: Blue Eyes. VÖ: 2.3. - Unique Records Foto: Unique Records Hervidero „Camino“ Düsseldorf liegt bekanntlich an einem großen Fluß, der bisweilen sogar über sich selbst hinauswächst. Eine Wüste ist weit und breit nicht in Sicht. Wandelt man allerdings durch die Stadt, auf den Kophörern das Erstlingswerk der hiesigen Latin-Rock-Combo, fühlt man sich durchaus, als könne einem demnächst zumindest ein Riesenkaktus begegnen. Rough, treibend, in wunderschönem Maße abgedreht: Die Vier schaffen es, mit „kleinem Besteck“ (Percussion, Bass, Gitarre und Gesang) eine Stimmung zu kreieren, die man in einem Western vermuten würde. Perfekt, um schon mal für die nächsten, sengend heißen Sommertage vorzufühlen. VÖ: 9.12.2017 Foto: Dina Fiehr The Promise „Save this Letter“ Wohlfühlmusik– das beschreibt den Sound der Pop-Combo am besten. Auf ihrer neuen CD „Save this Letter“ sind sechs Songs zu hören, die alle problemlos auf dem Soundtrack einer 00er-Jahre-Teenie-Serie hätten erscheinen können. „All I Care For“, „Back On Safer Ground“ und „Save This Letter“– beim Hören macht sich latent das Gefühl breit, sowohl musikalisch als auch textlich wird sich auf der sicheren Seite aufgehalten. Angeeckt wird nicht. Was schade ist, da sowohl die markante Stimme von Sänger und Gitarrist Sebastian Dunker als auch die Besetzung mit Kontrabass und Geige mehr Potenzial bergen. Einen vorfrühlingshaften Waldspaziergang macht die Platte aber sicher ein bisschen filmreifer. VÖ: 23.9.2017 Foto: The Promise Massendefekt „Pazifik“ Ihr mittlerweile siebtes Studioalbum hauen Massendefekt mit „Pazifik“ raus. Gewohnt gradlinig powern sich die Vier durch ihr Werk. Und schon im Titelsong wird das Thema klar: Allgemeine und spezifische Anprangerung empfundener persönlicher und universeller Missstände. Die punkrocktypischen Themen kommen hier in einem Gewand daher, das vor allem eins ist: echt. Massendefekt haben geschafft, woran andere Bands schon gescheitert sind. Sie entwickeln sich weiter, indem sie sie selbst bleiben. „Das ist der Anfang vom Ende der Moral“ heißt es in „Maschinenmenschen“ – ihrer eigenen Moral sind sie treu geblieben. Zum Glück. VÖ: 16.2., MD Records Foto: MD Records

ALBEN O L L I S C H U L Z D I T A V O N T E E S E G H O S T Scheiß Leben, gut erzählt In seinem Kinderzimmer lief Pantera, dazu hat er die Beckerfaust geballt, Yps-Hefte gesammelt und Alf im Fernsehen geschaut. Olli bleibt auf seinem neuen Album ein authentischer Lümmel, der den Spagat zwischen Melancholie und Klamauk meistert wie kein Zweiter, weil es ihm stets gelingt, Mike Krüger und Nick Cave in einer Person zu sein. Seine Musiker-Kumpels kriegen die Songs nicht so gut hin wie Olli: Marcus Wiebusch mimt zu oft den spitzfindigen Oberlehrer und Thees Uhlmann nervt mit kitschigen Metaphern. Mittendrin huschen auf der Platte hungrige Ratten direkt unter das Sofa der Schulz-Komfortzone und knabbern die letzten Kekse. Die Songs dazu sind mal bombastisch mal zarte Pflänzchen. Toll! Trocadero/Indigo Dita von Teese Seit Dita nicht mehr nur das burleske Anhängsel von Marilyn Manson ist, gelingt ihr Vieles. Dieses Album ist wirklich ganz große Klasse. Als Produzent wurde der französische Songwriter- Gott Sébastien Tellier an Bord gelotst. Der bärtige Freak schafft es, die Lieder mit großer frankophiler Leichtigkeit auszustatten, die irgendwo zwischen Vanessa Paradis, Serge Gainsbourg und Sylvie Vartan angesiedelt sind. Über Songs wie z.B. „La vie est un jeu“ wurde ein Milchglas- Filter gesetzt, der eine Atmosphäre schafft wie in einem weichgezeichneten David Hamilton- Film. Das ist ganz großes Popcorn-Kino mit schwülstiger „Blaue Lagune“-Atmosphäre - dazu sitzt der Zuhörer auf dick gepolsterten Plüschsitzen in rosa. Record Makers/Cargo Ceremony & Devotion Als Ghost um 2010 die Musik erschufen, begannen sie als Black Metal-Clowns, die Classic Rock mit Edgar Wallace-Spookyness spielten. Natürlich gibt es auf diesem Live-Album ein orchestrales Heavy Metal-Disneyland mit Augenzwinkern. Chef dieser Bande ist Papa Emeritus III. – und dieser singende Bischof führt eine Band, die aus gesichtslosen Messdienern besteht. Musikalisch haben Ghost das Beste aus dem Oldschool-Rock von The Doors bis hin zu Blue Öyster Cult zu einer großen Monster-Trash-Orgie verwoben. Sie fügen viel Phantasie-Latein und obskure Coverversionen hinzu. Diese Revue ist auf dem Bühnenbrett missionarischer Yacht- Rock mit sakralem Unterton. Hosianna! Spinefarm/Universal T O C O T R O N I C M A C H I N E H E A D S O N L U X Die Unendlichkeit Hey Popkultur, was ist los? Während in die Jahre gekommene Typen wie Josh Homme oder Morrissey immer mehr an Realitätsverlust leiden, drehen Tocotronic den Spieß um und mörteln mit einfachen Worten ein nachdenkliches Power-Epos zusammen. Sie liefern eine Erzählung über Zusammenhalt, Zweifel und Selbstermächtigung. Es wird unheimlich, denn die Abgründe der Seele von Sänger Dirk von Lotzow lauern zwischen den Zeilen: Er singt über Liebe, Flucht, Tod und Hoffnung. Es rumpelt wild, die Songs wirken offen und ehrlich unfertig. Oder wie sie selbst singen: „Dieser Stil ist noch immer ungewohnt für den Kleinstadthorizont.“ Universal Catharsis Zwischen derbem Thrash Metal und vielen Ambient- und Dark Wave-Einflüssen erfinden sich die Metalheads um Frontmann Rob Flynn nochmal neu. Ihre Songs sind schlagende Verbindungen. Ein Song wie „Triple Beat“ funktioniert dabei wie eine Judgement Night-Hommage, der Hip Hop Groove mit Metalgitarren versöhnt. An anderer Stelle fliegt mit „Behind A Mask“ eine traurige Perle in Moll aus der Platte– und das straight geprügelte „Bastards“ serviert faustschwingenden Flogging Molly-Hardcore. Katharsis bedeutet Läuterung, denn die Wut, die Donald Trump jeden Tag aufs Neue erzeugt, ist hier der fassbare Stoff, an dem sich die Gegenkultur abarbeiten muss. Nuclear Blast/Warner Brighter Wounds Indie-Pop-Ouvertüren sind diese Kompositionen, die der New Yorker Soundtüftler Ryan Lott aus dem Ärmel geschüttelt hat. Mit heiserer Kopfstimme findet er einen Weg aus einem schwer zu entziffernden Sounddickicht. Das große Set dahinter besteht aus unendlich vielen Puzzleteilen: Sphärische Soundkulissen sind hier angereichert mit geisterhaften Klaviertönen, akzentuierten Gitarren, Streicher-Arrangements, Dubstep-Klimbim sowie jazzig pointierten Chor-Einschüben. Das klingt wie ein großes Durcheinander; doch mit intuitivem Gespür werden immer wieder Wege aus diesem Soundgefängnis gefunden, die die Schönheit dieser Musik zum Klingen bringen. Einzigartig! City Slang 39

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