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Februar 2016 - coolibri Ruhrgebiet

T H E A T E R B O C H U

T H E A T E R B O C H U M Tatort Huisum Dietmar Bär als Dorfrichter Foto: Hans Jürgen Landes „Der zerbrochene Krug“ ist nicht das eigentliche Verbrechen. Verhandelt wird vor dem Dorfgericht Huisum in den Bochumer Kammerspielen ein kapitaler Fall von schmierig-gieriger Onkelhaftigkeit: Erpressung und Beleidigung des Amts. Das schwant der Gesellschaft aber erst allmählich, und käme nicht zufällig ein aufrechter Mann des Weges, hätte das Unrecht womöglich noch gesiegt. Kleists Komödie ist die Ursuppe aller Gerichtsdramen und wird gern dort gespielt, wo ein glatzköpfiger Schrank von einem Schauspieler zur Hand ist. Das war Dietmar Bär bereits zwei Sommer lang in Bad Gandersheim, und auch in Bochum hält er sich die Stirn frei für die Rolle des Dorfrichters. Onkelhaftigkeit und Brutalität ruft er nach Belieben ab, Bärs Wandlungsfähigkeit sollte uns nach seinen letzten Auftritten in Bochum nicht mehr überraschen – tut es aber immer noch. Ihm Paroli auf der Bühne bietet zuvorderst Sarah Grunert, als Eve voller Liebe für ihren Verlobten, voller Angst vor Adam, voller Verzweiflung. Das übrige Ensemble agiert im vermeintlichen Reclam-Modus, spielt also durchaus glaubhaft und humorig, was im Text nicht gestrichen wurde. Was soll man einen Bauern etwa, der Tümpel heißt, auch anders machen lassen, mag sich Regisseur Anselm Weber gedacht haben. Bewusst konventionell Doch auch für den Gerichtsrat Walter (Marco Massafra) lässt er sich kaum Spannenderes einfallen als den Auftritt durchs Publikum – immer ein sicheres Zeichen dafür, dass sich eine konventionelle Inszenierung ihrer selbst bewusst ist. (Das Modernste hier ist schon die einmal in die Luft gereckte Faust der Magd.) Webers Einrichtung füllt die riesig wirkende Bühne der Kammerspiele nicht immer gänzlich, dem kommt ein Bühnenbild entgegen, das an den Rändern offensichtlich zu knapp bemessen ist. Dass sich der Besuch der Aufführung dennoch lohnt, widerspricht dieser Betrachtung indes nicht. Ein ganzer Theaterabend ist eben doch viel mehr als die Summe seiner Auffälligkeiten! Andreas Lammers 21./28.2., Kammerspiele, Bochum BOCHUM 12.2. Der Impresario von Smyrna von Carlo Goldoni (R: Marco Massafra), Theater Unten 13.2. Vater von Florian Zeller (R: Alexander Riemenschneider), Kammerspiele 25.2. Helges Leben von Sybille Berg (R: Sandra Anklam), Theater Unten 42 Premieren im Februar DORTMUND 6.2. Geächtet von Ayad Akhtar (R: Kay Voges), Megastore 7.2. Rambo plusminus Zement von Klaus Gehre (R: derselbe), Studio 13.2. Faust I von Xin Peng Wang (Ch: Xin Peng Wang), Opernhaus 16.2. Herr Orpheus geht zur Schule von Wiebke Hetmanek (R: Jens-Daniel Herzog), Junge Oper 26.2. Wilhelm Tell von Friedrich Schiller (R: Johanna Weißert), Kinder- und Jugendtheater DUISBURG 25.2. Ariadne auf Naxos von Richard Strauss (R: Dietrich W. Hilsdorf), Theater Duisburg

T H E A T E R E S S E N HAYDI! SO 28.02.2016 FAMILIE FLÖZ LEAS HOCHZEIT SA 27.02.2016 SCHAUSPIELHAUS BOCHUM AMERIKA FR 04.03.2016 PHILIPP HOCHMAIR TRANSIT MO 29.02.2016 DI 01.03.2016 DEUTSCHES THEATER BERLIN Silvia Weiskopf als Caspar Hauser Fragment mit wenig Biss Foto: Thilo Beu BIN NEBENAN SA 05.03.2016 (PREMIERE) DO 10.03.2016 THEATER DUISBURG IM WESTEN NICHTS NEUES MIXED FEELINGS DI 08.03.2016 NISREEN FAOUR UND BRIAN MICHAELS DIE BLECHTROMMEL FR 11.03.2016 SO 06.03.2016 MO 07.03.2016 SCHAUSPIEL HANNOVER UM DIE WELT IN ACHTZIG TAGEN MI 09.03.2016 DO 10.03.2016 THEATER R.A.B. FREIBURG Wie ist die ureigene Menschennatur? Ist sie gut oder böse? Und wie unterscheidet sich der Mensch vom Tier? Regelmäßig tauchen solche Fragen in den Medien auf, manchmal geht es um sogenannte „Wolfskinder“ oder Fälle von Kindesverwahrlosung. Der vor gut 200 Jahren geborene Caspar Hauser ist wohl das sagenumwobenste Findelkind. ESSEN 3.2 Die Kopien von Caryl Churchill (R: Sarah Mehlfeld), Box 26.2. Top Dogs von Urs Widmer (R: Christoph Roos), Grillo-Theater MOERS 3.2. Richard III von W. Shakespeare (R: Ulrich Greb), Schlosstheater Dichter wie Rilke, Trakl und Handke nutzten Caspar Hausers Geschichte zur poetischen Reflexion, musikalische Annäherungen gab es von Dschingis Khan, Reinhard Mey und Suzanne Vega. Regisseurin Jana Milena Polasek lässt sich von allen diesen Einflüssen nicht beirren und zeigt auf der Casa-Bühne ein Kammerspiel in der Fassung von „polasek&grau“, das sich eng an die Vorlage von Jakob Wassermann hält. Schade, denn der Stoff bietet mehr als eine bloße Nacherzählung. Und so bleibt den vier Darstellern die Aufgabe, die Stationen von Caspars Wiedereingliederung in die Gesellschaft in wechselnden Rollen zu bebildern. Dafür haben sie einen kargen Baum, einen Stuhl, ein Holzpferd und ein Wasserbecken zur Verfügung. Doch die wenigen Bühnenrequisiten werden nur sporadisch genutzt und in der fragmentarischen Dramaturgie bleibt die Spannung auf der Strecke. Ines Krug, Jens Winterstein und Stefan Diekmann im unauffälligen Einheitskostüm treten als Erzähler, Professor Daumer, Bürgermeister Binder, Staatsrat von Feuerbach, Lehrer Quandt auf. Allein Silvia Weiskopf ist die Verkörperung der Titelfigur vorbehalten, die in ihrem weißen Hemdchen und langen blonden Haaren visuell hervorsticht. „Ich möchte ein solcher Reiter werden wie mein Vater“ sind die ersten gestammelten Wortfetzen aus Caspars emotionslosem Gesicht. Weiskopf spielt sich langsam in die Rolle hinein, sie zeigt, wie das verstörte Wesen an Vertrauen gewinnt, sich an die Bezugspersonen klammert. Ihr gelingen durchaus anrührende Szenen in dieser insgesamt wenig inspirierenden Aufführung. Ariane Schön 4.+18.2., Casa, Schauspiel Essen OBERHAUSEN 17.2. Heute Abend Zirkus des Jahrhunderts – mit Bär! von Linard Bardill (R: Peter Waros), Mobile Produktion, Theater Oberhausen 19.2. Hedda Gabler von Henrik Ibsen (R: Lena Kitsopoulou), Theater Oberhausen SCHAUSPIEL FRANKFURT STURM SA 12.03.2016 BURGTHEATER WIEN 27. FEBRUAR – 13. MÄRZ 2016 IM RAHMEN DER 37. DUISBURGER AKZENTE NAH UND FERN - 300 JAHRE DUISBURGER HAFEN www.theater-duisburg.de

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