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Februar 2016 - coolibri Ruhrgebiet

Halunke mit (Sc)Herz

Halunke mit (Sc)Herz Deadpool | Start: 11.2. Foto: © 2015 Twentieth Century Fox Auf der Dortmunder Comic Con konnte man kein Kostüm so häufig erspähen wie den rot-schwarzen, hautengen Ganzkörperanzug mit Maske von Comic-Antiheld Deadpool, dessen filmischer Soloflug im Februar in die Kinos flattert. Im Internet brennt längst der Hype, Twitter explodiert, Fans verlieren den Verstand. Wir sollten allesamt vor Euphorie erzittern. Willkommen zurück im X-Men-Universum! Heutiger Gastgeber: Deadpool. Einst Spezialagent, dann Krebspatient, jetzt dank zwielichtigem Experiment unzerstörbar und mächtig angepisst. Mit Deadpool kommt einer der absonderlichsten Charaktere der Comicwelt auf die Leinwand und pustet gleich zu Beginn des neuen Jahres frischen Wind durch das Genre, dem vehement Ermüdung attestiert werden will. Doch ausgelutschte Ideen sucht man bei Deadpool vergeblich. Die Vorlage ist für pechschwarzen Humor, exzessive Gewalt und das geschickte Spiel mit der Metaebene bekannt. Deadpool kokettiert immer gerne mit dem Brechen der vierten Wand und jongliert mit Konventionsbrüchen wie ein wahnsinniger Teufel. Dass der Film dem im nichts nachstehen will, erfahren Ungeduldige bereits im Trailermaterial, in den humortriefenden Werbekampagnen und der Einstufung als nicht ganz jugendfrei – dank kompromisslos brutaler Action, unzensierter Kraftausdrücke 38 und viel sexy Zeug. Als erster Superheldenfilm dieser Art wird Deadpool zeigen, dass dieses Genre noch einige Facetten auf Lager hat. Ansteckend in Sachen Euphorie ist auch Ryan Reynolds. Jener zeigt vollen Einsatz vor der Kamera und hinter den Kulissen und tauscht seine hübsche Magazincover-Visage gegen ein verstümmeltes Narbengesicht, von ihm selber neckisch als „Skrotum mit Zähnen“ beschrieben. Reynolds zeigt sich immer wieder als begeisterter Fan der Comicvorlage, so sehr sogar, dass er nach der ersten desaströs unwürdigen Deadpool-Version im unterdurchschnittlichen „X-Men Origins: Wolverine“die Rolle erneut übernimmt, um ihr endlich gerecht zu werden. Ebenfalls interessant kommen die Nebencharaktere daher. Da wäre die Mutantin namens Negasonic Teenage Warhead, die lieber twittert, als Bösewichte zu verkloppen, eine schrullige, schwarze Oma als Mitbewohnerin, Deadpools bester Kumpel Weasel mit enorm zensierbedürftigen Sprüchen oder Kolossos, der hier endlich mal nicht nur ein großer Typ aus Stahl ist, sondern tatsächlich Charakter zu haben scheint. Aufgefahren wird ein ganzes Rondell an verqueren und unerwarteten Figuren. Nervös macht eigentlich nur das manchmal arg ungeschickte Händchen des Studios hinter dem Projekt. Fox hat sich zuletzt mit dem blamablen Reboot der Fantastic Four ein ganz schön faules Ei ins eigene Nest gelegt, zeigte aber immerhin in den letzten Installationen des X-Men-Franchises etwas mehr Raffinesse. USA 2016, R: Tim Miller D: Ryan Reynolds, Brianna Hildebrand, Morena Baccarin, Ed Skrein Lukas Vering

K I N O Concussion – Erschütternde Wahrheit | Start: 18.2. Foto: 2015 Sony Pictures Releasing GmbH Sportskandale Will Smith kann eigentlich alles: Der rappende Prinz aus Bel-Air sein, gewichtlose Comedy machen, in grottigen Sci-Fi-Abenteuern rumlümmeln oder ernstes Drama spielen. Letzteres kann er erstaunlich gut, und so bleibt es keine Überraschung, dass er auch in der Rolle des Sportarztes Dr. Bennet Omalu eine ergreifende Performance hinlegt. Auf wahren Tatsachen beruhend, erzählt der Film die Geschichte Omalus, der als erster Arzt bei Profis im American Football eine durch den Sport verursachte Krankheit mit erheblichen Folgen feststellte. Mit Rückenwind betroffener Sportler und trotz mächtiger Feinde aus der Industrie will der Arzt an die Öffentlichkeit. Dabei berührt der Film viele wichtige Themen, investiert viel Zeit in seine Charaktere und bleibt höchstens stellenweise etwas trocken. USA 2015, R: Peter Landesman D: Will Smith, Alec Baldwin, Gugu Mbatha-Raw, Luke Wilson Midnight Special | Start: 18.2. Foto: Ben Rothstein, 2014 Warner Bros. Entertainment Inc. Fantastische Flucht Die Zeichen für „Midnight Special“ stehen gut: Regisseur Jeff Nichols ist ein Kritikerliebling und gern geladener Gast aller Filmfestivals. Jetzt schon raus ist etwa die Einladung zur diesjährigen Berlinale. Dazu kommen Oscar-Anwärter Michael Shannon, Star-Wars-Badass Adam Driver (ja, das ist der Kylo Ren) und eine Kirsten Dunst, der besorgte Stirnfalten ziemlich gut stehen. Im Film geht es um den jungen, mit besonderen Fähigkeiten ausgestatteten Alton und dessen Vater Roy, die vor religiösen Extremisten, der Regierung, der Welt und irgendwie auch vor sich selbst flüchten. Ob der Junge Untergang oder Erlösung bringen wird, ob Superkräfte Fluch oder Segen sind und wie wir Menschen mit unseren Schicksalen umgehen, wird sich erst am Ende dieser Sci-Fi-Verfolgungsjagd herausstellen. USA 2015, R: Jeff Nichols D: Michael Shannon, Adam Driver, Kirsten Dunst, Joel Edgerton

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