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Februar 2016 - coolibri Ruhrgebiet

M U S I K V O N H I E R

M U S I K V O N H I E R Laut aber fair Rund 80 Konzerte haben die die Dead Koys aus Hagen schon auf dem Buckel, darunter so einige Support-Gigs mit Seelenverwandten aus der überregionalen Punkszene. Das hört man: Die Songs der neuen EP klingen selbstbewusst, ausgefeilt und – als Hommage an alte Emo-Zeiten – hier und da augenzwinkernd dramatisch. Die Jungs aus dem Rhein/Ruhrgebiet haben ihre dritte EP übrigens nach dem Hagener Stadtteil benannt, in dem sich ihr Proberaum befindet: „Wehringhausen“. facebook.com/deadkoys Kevin Kerndl von rocko e.V. hilft auch bei der Organisation des Olgas Rock Festivals Foto: Dominik Asbach Wer früher Less Than Jake und Green Day abgefeiert hat, sollte in Wotka Trawoltas Debütalbum „first“ reinhören. Sorgsam arrangierte, fetzige Ska-Melodien treffen eine dicke Portion gute Laune und viel Selbstironie in den Lyrics. Da träumt man von Kalifornien, hat aber dann doch zu viele Bedenken bezüglich der USA als Ganzes. Die grundsätzliche Empfehlung: „Never Stop Your Smiling“ – dazu trägt auch Google bei, das den Songtitel grandious falsch übersetzt. facebook.com/WotkaTrawolta Wer gehört werden will, geht auf die Bühne. Als unbekannte Band Publikum zu ziehen, ist jedoch oft schwierig. Deshalb laden der Oberhausener Verein rocko e.V. und das Zentrum Altenberg seit 2006 zum Bandcontest „Best of Unsigned“ ein. Seit der ersten Ausgabe ist jedes Mal die Hütte voll. Zum Zehnjährigen sprach Inga Pöting mit Organisator Kevin Kerndl. Welche Musikstile sind typisch für das Ruhrgebiet? Wenn man sich die Bewerbungen anschaut, sieht man schon, dass die Musikszene im Ruhrgebiet sehr breit gefächert ist. Es gibt nichts, was es hier nicht auch gibt! Vielleicht kann Contest-Vorrunden: 6.2., 20.2., 5.3. Zentrum Altenberg, Oberhausen man sagen, dass Metal mit all seinen genreübergreifenden Stilen immer noch ziemlich trendy im Ruhrgebiet ist. Es ist aber auch zu beobachten, das deutschsprachiger Rock/Pop, Singer/Songwriter stark vertreten sind. Gibt es Bands, die nach dem Contest voll durchgestartet sind? Die bekannteste Band, die mal beim Best of Unsigned dabei war, sind die Killians. Außerdem sind Captain Disko im Moment ganz gut unterwegs, haben beim Oberhausener Label „Pottpeople“ unterzeichnet und ihre Debüt- CD dort veröffentlicht. Ziemlich durchgestartet sind To The Rats and Wolves kurz nach dem Best of Unsigned 2014 . Unendliche Touren, sogar in Japan, und ein Plattenvertrag bei einem Subunternehmen von Nuclear Blast im November 2015 bringen die Essener Band weit nach vorne. Auch Paperstreet Empire und Breathe Atlantis haben nach dem Best of Unsigned weitere Erfolge, Touren, Veröffentlichungen verzeichnen können. Was ist euch als Contest-Veranstalter wichtig? Er soll allen Bands gegenüber fair sein! Wir zahlen zwar keine Gagen aus, aber draufzahlen soll auch keiner. Die Bands können selber Karten verkaufen, ein kleiner Obulus bleibt bei den Bands und es gibt gutes Catering. Die Reihenfolge wird ausgelost. Keine Band weiß, wann sie dran ist. Erst nach 15 Minuten Spielzeit wird über Beamer und Leinwand angekündigt, welche Band die nächste ist. Das ist auch ein Versuch, möglichst viele Zuschauer im Raum zu halten, die nicht nur zu ihrer Band kommen. best-of-unsigned.de 5Times Zero aus Gelsenkirchen verbinden treibende Beats, eingängige Pop-Melodien und viel elektronischen Rausch zu druckvollen, dynamischen Synthie-Pop-Songs. Die EP „Zero Gravity“ bringt deutsche und englische Lyrics zusammen, die je nach Tagesform zum Tanzen, Träumen oder zur Entwicklung von Verfolgungswahn geeignet sind. Nach Aussage der Band beschäftigt sich der Tonträger mit der „Schwere der Leichtigkeit“ und macht erst einmal Tabula rasa: alles, was man hört, entsteht Schritt für Schritt. 5timeszero.de Thomas Steffen aus Dortmund hat mit seiner jazzperience schon von sich hören lassen, mit seinem neuen Projekt ctraltu wird es jetzt eine Spur „weiterentwickelter“ – um es wie der Künstler zu sagen. Aber keine Angst: Die Musik bleibt bei allen Experimenten eingängig-jazzig und im Bereich der U-Musik. Die zwölf Songs des Albums „re“ beschäftigen sich allesamt mit Reflexion und Neudefinition – was ja auch immer den Bezug auf etwas Bekanntes voraussetzt. ctraltu.bandcamp.com Manchmal hört man länger nichts von Honigdieb, kurz vor Jahresende lassen die Punkrocker aber zuverlässig von sich hören. So auch im letzten Jahr: Das neue Live-Album‘ „Ballo del ‘Asino“ (zu deutsch: Tanz den Esel) bewegt sich irgendwo zwischen Melodie und Chaos, spielt mit Pop-Klischees und zeugt von viel Spielfreude. Im Dezember präsentierten die Dortmunder die Platte im FZW – so erfolgreich, dass sie dort am 5.3. noch einmal auftreten. ip

A L B E N T O R T O I S E B O S S E A X E L R U D I P E L L The Catastrophist Seit den späten 1980er Jahren sind Tortoise eine der ersten Adressen der besonderen Musik, weil sie wilde Sounds zu einem großen Ganzen zusammensetzen. Die Muliti-Instrumentalisten aus Chicago liefern eine bewegende Reise in eine düstere Gegenwart und sind dabei auf der Suche nach Wahrheit. Zwischen Indierock und verschiedenen Jazz-Stilen haben sie unendlich viele Einflüsse in ihre Musik eingeflochten. Der oft collagenartige Umgang mit nebeneinander laufenden Elementen funktioniert dabei wie musikalisches Catchen. Es poltert gewaltig – und ist dabei sehr faszinierend. Thrill Jockey/Rough Trade Engtanz Der Braunschweiger Sänger ist ein Frauenversteher. Er hat die Themenfelder Verrat, Vertrauensmissbrauch, den Verlust von Unschuld und verletzte Liebe zu einer lässigen Radio-Pop-Revue aufgereiht. Kitsch und Pathos spielen dabei angenehme Nebenrollen. Das ist hier kein Friedhof der Nuscheltiere, sondern wohlfeil akzentuiertes Songwriting. „Mordor“ ist ein Schlüsselsong des Albums, der vom Erwachsenwerden mit Hindernissen erzählt. „Es ist vorbei“ oder „Steine“ sind Alltagsweisheiten im griffigen Song-Format, die angenehm leicht arrangiert worden sind. Universal Game of Sins Seit 1989 veröffentlicht der blonde Gitarrenhexer in stetiger Kontinuität Tonträger zwischen Hard-, Heavy- und Classic-Rock. Keine Frage, der Blackmore-Fan aus der Bochumer Speckschweiz gehört zu den beliebtesten Musikern seiner Kaste. Denn Pell ist fleißig wie eine Honigbiene und sein Songwriting ist dabei so sportiv und solide wie die Bauweise von einem BMW Gran Turismo. Auch mit dem 16. Studioalbum ändert sich das nicht. „Game of Sins“ ist hier und da so vorhersehbar wie der Ausgang einer Derrick-Folge. Aber mit feiner Dramaturgie und vielen Akzenten ist hier mächtig viel Dampf unter dem Kessel. Steamhammer/SPV B L O C P A R T Y H E X V E S S E L M O N E Y Hymns Irgendwann wird das Gehirn des Weltnachwuchses manipuliert werden und am Ende werden alle Erdenbürger menschliche Konsumroboter sein, die in BWL-Manie das Leben takten. Diese neuen Menschen vertrauen auf ihr ästhetisches Empfinden. Bloc Party könnten für so ein Szenario der perfekte Soundtrack sein. Sie sind schöner als das Innenleben eines Roboters und eine Nuance begabter als der Durchschnittsmensch. Zwischen Indietronics, Pop, New Wave und Electronica haben sie ein stromlinienförmiges Allerwelts-Album geschaffen, das klingt wie lebendiges Plastik. Infectious/Rough Trade When we are death Im Staate Heavy Metal gibt es zu viele, die sich nicht rechtzeitig in Würde verabschiedet haben. Megadeth nerven, Ozzy sabbert und Judas Priest sind meilenweit von ihrer einstigen Form entfernt. Die Szene braucht eine Frischzellenkur. Da kommen Hexvessel gerade recht. Mit Neo-Hippie-Image und einer musikalischen Vision, die viel näher an Fleetwood Mac oder Nick Cave ist, als an Iced Earth oder Anthrax, wagen sie viel. Hier wird viel Mut mit Mystik verbrüdert und sehr individuell garniert. Verdächtige Psychotrips treffen auf ganz tolle Songs. Century Media/Sony Suicide Songs Was bleibt, ist die Erinnerung – doch oft genug ist sie falsch. Money richten den Rückspiegel: Hinter ihrer Karosserie sehen sie Songs, die ins Leere laufen. Details geraten zu oft unbemerkt durcheinander. Der Zuhörer glaubt, er habe sich manche Ereignisse nur eingebildet. Dazu gibt es Songwriting mit Indie-Kante und Hymen für depressive Schlafwandler. Die Musiker stellen mit Songs wie „Hopeless World“ die richtigen Fragen. Wird unser Leben besser, wenn wir Mutter Erde wieder wie eine Göttin und nicht mehr wie eine Crackhure behandeln? Diese Platte gibt die richtigen Antworten. Bella Union/Pias 33

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