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Februar 2016 - coolibri Ruhrgebiet

U M F R A G E M u s l i

U M F R A G E M u s l i m a s Einfarbig, bunt, mit Strass-Steinen, mit Fransen: Das muslimische Kopftuch oder „Hijab“ gehört im kulturell gemixten Ruhrgebiet zum Straßenbild. Nele Posthausen hat Kopftuchträgerinnen nach ihren Beweggründen gefragt und stieß zum Teil auf Unbehagen: mit Foto? Das wollten viele lieber nicht. Zumal die Presse zu oft schlecht über Muslime berichte. Im coolibri erzählen sie selbst. u n d i h r H i j a b Sümeyye (21) Mit 17 habe ich mich gefragt: „Glaubst du eigentlich wirklich an den Islam?“ Da habe ich angefangen, Bücher zu lesen über den Islam, das Christentum, den Buddhismus und über das Tragen des Hijab. Ich habe mir im Netz Videos angeschaut, die Einstellung anderer erfragt. Immer wieder bin ich zu dem Schluss gekommen: Nur der Islam hat für mich wirklich alle Antworten. Seitdem spüre ich Allah sehr viel stärker und trage Kopftuch, weil er sagt, wir sollen uns verhüllen. Es ist für ihn. Mona (26), Gina (20) und Duaa (22) Wir sind erst vor Kurzem aus Syrien hergekommen. Da ist es ganz normal, das Kopftuch anzulegen, sobald man sich als Mädchen bereit dafür fühlt. Als wir 20, beziehungsweise 14 waren, haben wir damit angefangen und dann wurden wir richtig beglückwünscht. Wir fühlen uns einfach entspannter, wenn wir damit draußen unterwegs sind. Für uns ist es aber auch ganz normal, wenn in Deutschland die Christinnen, aber auch einige Musliminnen, kein Kopftuch tragen. Das ist jedem selbst überlassen. Jessrin (18) Super, dass das mal jemand fragt! Ich trage mein Kopftuch aus Überzeugung und bin stolz, Muslimin zu sein. Mit 12 habe ich es angelegt und damals richtig viel Kritik geerntet. Im Sauerland gibt es wenige Musliminnen und meine Lehrer haben es deswegen nicht verstanden. Sie haben es mir sogar vom Kopf gezogen! Als ich meinen Schulleiter um Hilfe bat, sagte er nur: „Zieh es aus!“ Viele denken, dass ich es aus Zwang trage, aber in Wirklichkeit habe ich sogar eine große Schwester ohne Kopftuch. Siham (26) Das Kopftuch trage ich, weil es für mich Freiheit bedeutet. Zum einen die Freiheit, nur demjenigen meine Schönheit zu zeigen, bei dem ich es möchte und das ist mein Mann. Zum anderen ist es die Freiheit, dass ich viel bequemer aus dem Haus gehen kann, ohne viel über mein Aussehen nachzudenken. Klar, das Kopftuch passe ich an mein Outfit an. Ich habe sehr viele und möchte, dass es modern aussieht. Angefangen habe ich damit, als ich in der siebten Klasse war, damals lebte ich noch in Syrien. 10 Hanife (19) In der fünften Klasse habe ich angefangen, Kopftuch zu tragen. Meine Lehrer habe ich als rassistisch empfunden, sie sagten: „Muss das sein?“ Prompt wurden meine Noten schlechter. Ich verstehe, dass Leute diese Ängste haben. Früher wurden Frauen dazu gezwungen, aber heute nicht mehr. Schon gar nicht in Deutschland! Ich habe mich gefügt und das Kopftuch erst jetzt, nach dem Abi, wieder angelegt. Ich fühle mich sauberer, es ist mein Glauben und genau das Richtige für mich.

U M F R A G E Sabrina (23) Seit zwölf Jahren trage ich jetzt Hijab. Meine Mutter trägt es auch und so wollte ich das schon als Kind immer. Am Anfang war es nicht so leicht. Die anderen in der Schule haben mich schon öfter blöd angemacht deswegen und heute kriege ich auch oft noch spitze Bemerkungen von älteren Damen dafür. Aber ich mag es, ich suche sogar richtig nach neuen Kopftuch-Trends. Mein Lieblings-Blog im Netz heißt „Hijab Is My Diamont“. Da schaue ich dann, was es Neues gibt und gehe gezielt shoppen. Mein teuerstes Tuch kostet 50 Euro. Mariam (18) Natürlich gehört es zu unserer Religion, dem Islam, ein Kopftuch zu tragen. Ich wollte das eigentlich schon sehr lange machen, aber ich habe erst vor zwei Jahren damit angefangen. Damals ist die Schwester einer Freundin von mir gestorben, sie war grade mal 20 Jahre alt und hatte noch nie ein Kopftuch getragen, weil sie sich dafür nicht bereit gefühlt hat. Für mich war das ein Zeichen, dass ich es für mich selbst tun muss, bevor es zu spät ist. Es war für mich tatsächlich wie ein richtiges Ziel, das ich unbedingt erreichen wollte. Faiza (18) Aus religiösen Gründen trage ich das Kopftuch, die Frau soll sich im Islam eben bedecken. Ich habe vergangenes Jahr damit angefangen und fühle mich mit der Entscheidung wohl. Seitdem habe ich auch meinen Kleidungsstil etwas mehr angepasst. Meine Kleidung ist mittlerweile etwas weniger offen. Ich habe auch nicht das Gefühl, dass mich irgendjemand deswegen böse anschaut. Stattdessen fühle ich mich viel mehr beschützt vor den Blicken anderer. Meine Freunde in der Schule finden meine Entscheidung auch gut. Seda (20) Vor drei Monaten habe ich mich entschieden, das Kopftuch zu tragen. Früher sah ich ganz anders aus, ich hatte immer sehr lange, geglättete Haare. Ich habe richtig viel Zeit investiert, um sie zu pflegen und zu stylen. Die Entscheidung habe ich getroffen, weil ich schon immer gläubig war und einfach auch mal ausprobieren wollte, wie es so ist. Meine Mama hat diese Veränderung sehr kritisch betrachtet, sie fand es nicht normal, dass ich mich so radikal geändert habe und wollte nicht, dass ich Kopftuch trage. Das fand ich traurig, aber unser Verhältnis wird so langsam wieder besser. Merve (18) Na, ich trage das Kopftuch, weil das meine Religion befiehlt! Vor zwei Jahren habe ich es angelegt, aber mir war schon immer klar, dass ich einmal Kopftuch tragen werde. Wenn andere Musliminnen kein Kopftuch tragen… Naja. Meine Cousinen zum Beispiel tragen es nicht, aber darüber sprechen wir dann in der Familie einfach nicht. Mein Vorbild war meine Schwester, die Lehrerin ist und das Kopftuch sogar in der Schule trägt. Das fand ich sehr offen von der Schule, dass sie das darf und da habe ich mich entschieden, es auch zu tun. 11

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