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Düsseldorf und Wuppertal - coolibri Dezember 2017

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THEMA H O C H S C H U L

THEMA H O C H S C H U L E / M A X H A U S / Z A K K Haltungsfrage Entspannt: Sandra in ihrer Housing-First-Wohnung Fotos: Katharina Mayer 120 bis 150 Menschen schlafen laut städtischen Schätzungen pro Nacht auf der Straße. Von November bis März 2018 sind die Düsseldorfer Winternotunterkünfte deshalb geöffnet – temperaturunabhängig. Warum die meisten Anlaufstellen dennoch mit vielen Hürden verbunden sind und welche Chance das Projekt „Housing First“ bietet, zeigt aktuell eine Ausstellung von fiftyfifty, der Altstadt Armenküche, dem zakk und der Hochschule Düsseldorf. 14 „In Düsseldorf muss niemand auf der Straße schlafen“, heißt es in einer Pressemitteilung, die die Stadt Ende Oktober 2017 veröffentlichte. Für Julia von Lindern, Sozialarbeiterin bei der gemeinnützigen Organisation fiftyfifty, eine „Unverschämtheit“. Richtig sei, dass die Winternotunterkünfte für alle geöffnet seien. Das gelte jedoch nicht für die übrigen Monate. „Es gibt eine Menge Leute, denen der strukturelle Zugang zu den Notunterkünften verweigert wird“, so von Lindern. Paare dürften dort ebenso wenig zusammen übernachten wie ein alleinerziehender Vater mit Kind. Ganz zu schweigen von Hilfesuchenden mit ausländischem Pass oder Menschen, die nicht in Düsseldorf gemeldet sind. Wer nicht vor 18 oder 20 Uhr wieder vor Ort ist, vergibt seinen Schlafplatz. Spinde seien nicht abschließbar, Querelen, die tagsüber auf der Straße anfingen, würden abends in den Unterkünften weitergeführt, so von Lindern. Hinzu kommen hygienische und bauliche Mängel: „Die Notschlafstellen und auch städtischen Obdächer sind wie Kasernen. Man kommt rein, muss seinen Pass abgeben und kommt in schmutzige und heruntergekommene Gänge und Flure. Die Wände vergilbt, die Gemeinschaftsküchen, Bäder und Toiletten kaum zu ertragen.“ So beschreibt Künstlerin und fiftyfifty-Vorsitzende Katharina Mayer die Situation in vielen Anlaufstellen für Wohnungs- und Obdachlose. Die Auslastung im vergangenen Sommer betrug dennoch zwischen 90 und 95 Prozent. Im Juni 2016 lautete die Zahl der Wohnungslosen in Düsseldorf laut Wohnungsnotfallberichterstattung des Landes NRW 2.389. Miriam Koch, Amtsleiterin für Migration und Integration erklärt: „Jedes Angebot ist mit Regeln wie zum Beispiel Zugangs- und Ruhezeiten verbunden, was nicht alle Betroffenen akzeptieren können oder wollen. Deshalb wird Wohnungslosigkeit trotz wie in Düsseldorf gut ausgebauter Angebote nicht generell zu verhindern sein.“ „Keine Problemhäuser schaffen“ Dass es durchaus Ansätze gibt, die Wohnungslosigkeit zu verringern, möchte die aktuelle Ausstellung und Veranstaltungsreihe zeigen, die fiftyfifty zusammen mit der Armenküche, dem zakk und der Hochschule Düsseldorf initiiert hat. Denn wer die offiziellen Schlafstellen und Notunterkünfte durchläuft, alle Vorgaben erfüllt und sich an die Regeln hält, um langfristig eine Wohnung zu bekommen, wird nicht automatisch als vollwertiges Mitglied der Gesellschaft akzeptiert. „Die Möglichkeit des Scheiterns ist hoch“, weiß von Lindern. Menschen, die aus einer Obdachlosigkeit kommen, finden nur schwerlich wieder zurück ins System. Oder eine Bleibe. Oftmals sollen Menschen vor allen Dingen „wohnfähig“ gemacht werden. Direkte Hilfe bietet dagegen das Projekt Housing First, das fiftyfifty seit knapp zwei Jahren verfolgt. Im Vordergrund steht das Wohnen. Der Verein hat – durch Spenden finanziert – 49 Wohneinheiten gekauft und 52 Personen in Apartments untergebracht. Mit unbefristetem Mietvertrag. Die Einzelapartments sind über das ganze Stadtgebiet verteilt. Von Lindern sagt: „Wir wollen keine Problemhäuser schaffen.“ Die Unterbringung von Menschen, die von der Straße kommen, sei Haltungssache, meint sie: „Wir sind davon überzeugt, dass Menschen wohnfähig sind.“

THEMA Wohnen dort und hier Um zu zeigen, dass das Housing-First-Konzept aufgeht, hat Fotokünstlerin Katharina Mayer zusammen mit Gudrun Teich und Denise Tombers ein halbes Jahr lang fünf Mieter in ihren Housing First-Wohnungen und städtischen Obdächern begleitet. Für Sandra, Kalle, Veronika, André und Michael klappt der Ansatz gut, der ursprünglich aus den USA kommt und beispielsweise in Wien funktioniert. Sie haben ihre Erfahrungen in Tagebüchern festgehalten. Videoinstallationen und Fotos zeigen sie in ihren vier Wänden. Die Mieter sitzen auf Betten, vor Fortuna- oder Film-Postern mit Sprüchen wie „Finde deinen inneren Irren“. Die Besucher der Werkschau sollen einen Einblick in das Leben der ehemaligen Wohnungslosen bekommen. Katharina Mayer erzählt: „André Kurkoviak zum Beispiel hatte das Glück, im letzten Monat von einem städtischen Obdach in eine Housing-First- Wohnung zu ziehen. Mit eigenem Bad, Küche und unbefristetem Mietvertrag. Sein Tagebuch vergleicht das Wohnen dort und hier.“ Die Ausstellung, gerade noch im zakk zu sehen, zieht Anfang Dezember in die Hochschule Düsseldorf um, im Februar werden Teile der Werkschau beim Duesseldorf Photo Weekend zu sehen sein. Außerdem referiert am 5. Dezember Volker Busch-Geertsema an der Hochschule über die neuen Anforderungen an die Wohnungslosenhilfe. Am 25. Januar findet außerdem eine Diskussion statt, unter anderem mit Stadtvertreterin Miriam Koch. Auf die Frage, ob eine städtische Unterstützung des Projektes geplant ist, antwortet Koch: „Die Kommune verfügt nicht über die Mittel, den Ankauf oder Bau von Wohnungen für Obdachlose in größerem Umfang selbst zu finanzieren.“ Julia von Lindern ist sich indes sicher, bereits bestehende städtische Wohnungen wären ebenfalls ein guter Ansatz: „Die Städtische Wohnungsgesellschaft Düsseldorf verfügt über 9000 Wohnungen. 10 oder 20 wären ein Anfang“, so die Sozialarbeiterin. Nadine Beneke Ausstellung „.Ohne mich...“: Anfang Dezember, Hochschule Düsseldorf; Neue Anforderungen an die Wohnungshilfe: 5.12. 16.30 Uhr Hochschule; Wohnungslosigkeit in der reichen Stadt: 25.1. 19 Uhr Maxhaus, Düsseldorf fiftyfifty-galerie.de DEINE ZEIT IST JETZT! Ruf uns heute noch an und sichere Dir unser Neujahrsangebot. 0211 / 2486 2049 fitbox Düsseldorf Zoo Achenbachstr. 154, 40237 Düsseldorf Airport on Ice Das Airlebnis. Jetzt anmelden und im Januar gratis trainieren. Schlittschuhlaufen auf echtem Eis Eislaufen mitten im Terminal. An vier Wochenenden im Dezember sowie am ersten Januarwochenende. Zusätzliches Programm am 03.12.17. Eintritt frei! Jeder 1. Sonntag im Monat ein Airlebnis. „Socke“ in der städtischen Obdacheinrichtung in Gerresheim Änderungen vorbehalten! enjoydus.com 15

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