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Dortmund - coolibri Dezember 2017

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MUSIK VON HIER

MUSIK VON HIER Heaven‘s Sapphire Nicht von dieser Welt Bochum ist um eine Band reicher: Heaven‘s Sapphire ist das neue Projekt von Gitarrist Oliver Bartkowski und Pianist Sven Bergmann. Das erste Werk „Welcome to Wonderworld“ ist ein Konzeptalbum, eine Reise in die fernen Sphären des Weltalls, auf den Planeten Wonderworld. Was es damit auf sich hat, hat Bartkowski im Interview erläutert. Wart ihr schon immer Sci-Fi-Fans? Was Filme angeht bin ich sehr breit aufgestellt, aber ja, Sci-Fi Fan bin ich, seitdem ich als Kind „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ im Kino gesehen habe. Es folgten dann die Klassiker: Alien, Blade Runner oder 2001 – Odysee im Weltraum und viele weitere Filme , die mich zu dieser Geschichte inspiriert haben, nicht zuletzt das Star Trek Universum. Wie kam es zu der Geschichte? Warum im All? Der Weltraum bietet wahnsinnig viel Raum, in dem wir uns austoben können, ohne immer realistisch und nachvollziehbar schreiben zu müssen. Im All geht fast alles und es gibt schier unglaubliche Möglichkeiten. Antagonist und Protagonist passen gut zueinander und die Geschichte schildert in einer abgeänderten und fantastischen Form doch im Endeffekt nur das, was sich auch auf der Erde abspielt: Ständige Bedrohungen, Krieg, Armut, Hunger, Ungerechtigkeit und das Gleichgewicht, das nicht mehr stimmt. So ist es auch in der Wonderworld. Dort mündet jedoch alles in einem Happy End . Und wie kam es dann zu diesem Projekt? Mein Wunsch war es schon immer, eine Rock- oder Space-Opera zu schreiben. Sven und ich wollten zeigen, dass so etwas auch im Kohlenpott, mit Musikern aus der Region entstehen kann. Wir haben auch viele Filmmusikparts in den Songs und wir wollten viel Abwechslung bieten, und nicht einfach nur ein schnödes Rock- oder Popalbum abliefern. Wer sind die einzelnen Bandmitglieder, und warum diese Zusammenstellung? Die Zusammenstellung hat sich durch Zufall ergeben, teilweise kennen wir die Leute auch schon ein paar Jahre. Die Bochumer Musikszene ist gut vernetzt und daher spricht sich ein neues Projekt sehr schnell herum. Dass am gleichen Projekt Musical-Sänger und Punker beteiligt sind, zeigt, dass wir alle auch über den musikalischen Tellerrand hinaus blicken. Tossia Corman „Welcome to Wonderworld“ Releaseshow: 2.12., Riff, Bochum; sapphire-music.de 48 Foto: Petra Middelstedt Foto: Florian Herzog Foto: Maerten Brandenburg Foto: Stunde Zehn Foto: Udo Fischer A L B U M D E S M O N A T S Joachim Fucking Foerster Band „Nahsexerfahrnug“ Draufgängerisch, flirty, reflektiert: Das sind nur drei Attribute, mit denen sich die Musik und vor allem die Texte der erst 2016 gegründeten Band um Sänger und Schauspieler Joachim Foerster beschreiben lässt. Auf dem Debütalbum „Nahsexerfahrung“ scheint es, als hätten die Fünf ihre gesamte Energie gebündelt, um sie dann in elf Songs explosiv freizulassen. Titel wie „Halbsteif“ oder „Cunnilingus“ machen dem Namen der Platte alle Ehre. Trotzdem ist es nie platt oder driftet ins Lächerliche ab - auch eine Kunst für sich. Dass Vorbilder wie die Toten Hosen oder Bilderbuch im Spiel sind, ist unüberhörbar. Ein vielschichtiges Werk, das seinen wahren Zauber aber erst nach mehrmaligem Hören offenbart. VÖ: 20.10 - Offshore „Preen“ Der Jazz öffnet sich - sehr klar und eindrucksvoll zu hören auf dem dritten Album der Kölner Formation Offshore: „Preen“. Das Quintett ist eine Art Supergroup aus Kölner Musikern, seit 2009 spielen sie zusammen. Und sie bringen alle unterschiedliche Einflüsse mit, die auch zu hören sind. Ein bisschen Rock, eine Prise Folk, hier und da ein straighter Beat - das macht die Musik sehrzugänglich, und doch bleibt sie immer besonders. Trio mit Saxophon und Vibraphon ist eine durchaus klassische Besetzung in diesem Genre, die Fünf Herren schaffen es allerdings scheinbar mühelos, sie immer wieder neu erscheinen zu lassen. Lieblingslied: Skeyes. VÖ: 1.9. - KLAENG records Stunde Zehn EP Stunde Zehn sind in der Düsseldorfer Singer/Songwriter-Szene keine Unbekannten. Bis 2016 war das Duo, unter anderem Namen, mit englischen Texten unterwegs. Jetzt haben sie umgesattelt auf ihre Muttersprache Deutsch. In den Songs auf der ersten EP geht es um Themen, die bestimmt immer mal jeden, garantiert aber eine bestimmte Altersgruppe dauernd beschäftigen: Wer bin ich? Was mache ich hier? Und werde ich die große Liebe finden? Verpackt in sehr schöne, gitarrenlastige Musik macht es Spaß, sich beim Zuhören zurückzuerinnern. Auch wenn man Sänger Philipp laufend in den Arm nehmen und versichern will, dass alles gut wird. VÖ: 21.10. Benjamin Peters & The Electric Irons „Bonnheimer“ Ein wenig aus der Zeit gefallen klingt, was Benjamin Peters mit seinem neuen Projekt da auf Platte gepresst hat. Und das ist im besten Sinne zu verstehen. Man spürt förmlich den Wind eines wilden Motaradrittes in den Haaren, riecht die süßlichen Rauchschwaden unbestimmbarer Herkunft und bewegt sich fast wie von alleine zu den Klängen, die aus den Boxen schallen. Sehr Hippieesk, mit einem guten Schuss ehrlichem Rock. Bestes Mittel gegen den Weihnachts-Blues! VÖ: 13.10.

ALBEN C H A R L O T T E G A I N S B O U R G N O E L G A L L A G H E R M I D N I G H T Rest Charlotte Gainsbourgs Kompostionen sind geprägt von den vergangenen 50 Jahren französischer Popkultur. Nach dem Tod ihrer Schwester, der Fotografin Kate Berry, entschied sie sich, ein Album über Verlust, das öffentliche Leben im Schatten ihres Vaters Serge und diversen Lebensängsten zu dichten. Mitgeschrieben und produziert wurde dieses Album von Guy-Manuel de Homem-Christo, bekanntlich eine Hälfte von Daft Punk. Auch ein paar Gäste, wie Paul Mc- Cartney oder Owen Pallet (Arcade Fire), haben an den Songs mitgearbeitet. Zwischen elektronischen Klängen der Marke Air, Easy Listening und der lieblichen Chansonwelt pendeln diese wunderschönen Kleinode. Zum Weinen schön! Warner Who Built The Moon? Drei Jahre nach „Chasing Yesterday“ steht mit „Who Build The Moon“ nun das dritte Album von Noel Gallagher und den High Flying Birds in den Startlöchern. Sowohl Modfather Paul Weller als auch Johnny Marr von The Smiths sind für Gastbeiträge an Bord gelotst worden. Neben Manchester-Pop und Psychedelic-Rock verarbeitet der Oasis-Gründer Electro-, Soul- und Disco-Einflüsse. So gelingt ihm mal eine feiste Stadionrock-Hymne und mal das zarte Kleinod. Unterstützung erhielt die Band vom irischen DJ und Trip-Hop-Komponisten David Holmes, mit dem Noel fast zwei Jahre an diesen Song arbeitete. Insgesamt haben die Jungs hiermit eine ganz schön bunte Revue vorgelegt. Sour Mash/Indigo Sweet Death And Ecstasy Sie sind die Venom der Neuzeit und imitieren den eisernen Kapputnik-Metal-Sound auf sehr charmante Art und Weise. Mit Mülltonnen-Gesang und Kartoffeldrums jagt diese Band einen ungeschliffenen Diamanten nach dem nächsten in den Orbit. Hauptsache schnell, hart, böse und laut. Richtig: Die Produktion ist völlig nebensächlich, wenn das Songwriting, das Image und die Atmosphäre stimmen. Und live sind diese Drei fast unschlagbar. Vor Jahren kippte ihr Drummer mal vor einer Show in Oberhausen um, weil er zu betrunken war. So spielte dann jemand aus dem Publikum weiter. Keine Frage: Diese Jungs sind so ehrlich wie Mundgeruch. Hells Head/Nonstop Music D A N I E L W I R T Z B I L L Y B R A G G V I B R A V O I D Die fünfte Dimension Daniel Wirtz kümmert sich mit Details darum, das seine Vision vom Rock nicht so langweilig daherkommt, als wäre sie im Copy & Paste-Verfahren zusammengestellt worden. Noch Mitte der 90er Jahre sah man ihn häufig im Dortmunder Club Cosmotopia. Etwas später gründete er mit Metalmusikern von der Herner Band Rage sein Projekt Sub7even. Nach dem Ende dieser Rockband zog er 2008 nach Frankfurt um und hat sich als Solokünstler noch einmal neu erfunden. Er tourte viel mit Udo Lindenberg und suchte die Nähe der Böhsen Onkelz. Dieses Album ist die Symbiose aus Revolverheld-Mainstream und Hightech-Rüpelrock mit viel Selbstreflektion. Wirtz Musik/Tonpool Bridges Not Walls „Kinder sollen nicht wie Fässer gefüllt werden, sondern wie Fackeln erleuchtet werden.“ So sagte mal der Renaissance-Schriftsteller François Rabelais. Einen ähnlichen Spirit verfolgt der britische Arbeiter-Klasse-Held Billy Bragg. Schon seit mehr als 30 Jahren singt Mr. Bragg über die einfachen Leute, die als handfeste Malocher arbeiten. Von Gewerkschaften, denen immer mehr Rechte entzogen werden. Dazu vom Rückzug des Sozialstaats und vom Brexit in Großbritannien. Billy wirft nicht mit unendlicher Quantität um sich, sondern probiert wagemutig sein Liedgut zu zünden, als wären seine Folkballaden aufblitzende Wunderkerzen. Cooking Vinyl/Sony Mushroom Mantras Der Münchener Autorenfilmer sagte mal sinngemäß über Deutschland, dass es hier die schönsten Mädchen gibt, die tollsten Autos gebaut und die langweiligsten Filme gedreht werden. Auf Vibravoid gemünzt heißt das: Dese Düsseldorfer Neo-Beatniks können wunderschöne und tolle Musik am laufenden Band herstellen – nur langweilig zu sein, gelingt ihnen nicht. Ihre Soundvision ist geprägt von schwerblütigem und etwas melancholisch gestimmtem Psychorock, sowie dick aufgepumpten Sixties-Melodien. Zum Ende des Albums kommen noch drei sphärische Stücke, die zwischen Endzeitstimmung, Postapokalypse und Krautrock pendeln. Stoned Karma/Cargo Records 49

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