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Dezember 2020/ Januar 2021

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MUSIK V ON HIER Foto:

MUSIK V ON HIER Foto: André Kaminski „Kreativitätist alles“ Lyrico D O R T M U N D Hip-Hop hatsichüberdie letztenJahrzehnte voneinem kleinen Trampelpfad zu einer stark befahrenen Autobahn entwickelt. Zoomtman auf derLandkarte aber mal etwasnäherran,erkennt man viele kleine Seitenstraßen.Zum Beispiel: WrittenAcapella Battles. In diesem kleinen Subgenrehat Joshy Meyer (32) alias Lyrico bereits großeSpurenhinterlassen –und nun sein Album „Reservoir Dogs“ auf dieStreckegebracht. Dafür hater22weitere Battlerapper mitan Bord geholt. Waskannman erwarten? Und wievielEnergie undKreativität stecken in so einem Mammut-Projekt? André Kaminski hatsichkurz vorReleasemit ihmgetroffen. HalloJoshy!NachdeinemSohnerblickte nunauch dein künstlerisches Baby das Lichtder Welt.Wie glücklichund wiegestresst bist du? Ja,stimmt.Das istdas zweitwichtigsteRelease dieses Jahr aufjedenFall (lacht). DieletzteZeitwar aber wirklich ganz schön stressig,weilwir uns selbst auch eine Deadline auferlegthaben.Weilich einfachschon seit rund zwei Jahrenandem Dingarbeite undich wollte dasjetzt unbedingt in Steinmeißeln undzum Ende bringen. Deshalb haben wir unseinen festenRelease-Termin gesetzt. Aber wiedie Dinge halt so laufen:Eskommt immer wasdazwischen,das alles erschwert. DasMastern hatlange gedauert,ich musstelange aufGrafikenwarten. In denletzten dreiWochen haben wir dann alles finalisiert.Und daswar wirklichstressig. Aber:Ich binauch verdammt glücklichund stolz. Ichbin froh,wenndas Albumendlich rauskommt, da fällteineMengeStressvon mir ab. Wiedefinierst du fürdichdenneigentlich Hip-Hop? Für mich war eingroßesThema immerdie Zugehörigkeit. Unddas RebellundAnti-Sein.Nicht immer dasgeilfinden, wasdie großeMasse geil findet. Dashat sich über dieJahre jetzt natürlichverändert.Hip-Hop erreicht ja viel mehr Leuteals früher,ist diegrößteJugendkulturder Welt undeinfach viel mainstreamigergeworden.Was ja aber auch nichtschlimm ist. Fürmichhat es aber immer wasanderes bedeutet. ZumBeispiel:Wände beschmieren undeinfachdas sagen, wasnicht jedersagt. Das war zumindest früher voll mein Ding unddas habeich mirauch immer beibehalten. Ichglaube,das stecktimmer noch in mir drin.Ansonsten istHip-Hop für mich Zusammengehörigkeitund Kumpelhaftigkeit. Wirsaßen immer zusammen früher undhaben Musikgemacht.Hip-Hop hatdaschon unser Lebenbestimmt undwir haben alles andere drumherum gestrickt. Du hast Grafikdesign studiert undarbeitest in demBereich. Du hast Graffitisgesprühtund bist Rapper.Wie wichtigist dirKreativität? Kreativität istalles.Nur wenn ichmerke,dassich irgendwasgeschafft habe,kann ichauch gut schlafen abends. Das war auch schon ganz früh so. Beim Zeichnen,beimRappen.Ich binkeiner, derZeitverschwendenmöchte. IchmöchteDinge machen, dienachher etwashinterlassen. Ichversuche, jedenTag etwaszumachen, sodass sich derTag gelohnt hat. Werhat dichüberhauptdazubewegt, mitHip-Hop anzufangen? Ichhab wirklich schon früh angefangen.Das war so eine typische Geschichte. MeinBruderhat schon früh Rap-Musik gehörtund ichwolltehaltauch immer cool sein undhabe dann immer mitden Älterenrumgehangen –die haben mir dann auch sehr früh Hip-Hop eingebläut.Da war ich13oderso. MusikalischeVorbilder warenbesonders amerikanischeRapper–auch wenn ichnicht unbedingt so viel verstanden habe. Da ging es mehr um dieAttitudeund dieMusik. Naszum Beispiel.WennesumdeutscheKünstlergeht, war die Berliner RapszenemeinersterZugang, meineerstenVorbilder.KoolSavas zum Beispiel.Meinerstesgekauftes Albumwar dann,glaubeich,aberdas „DeluxeSoundsystem“von Dynamite Deluxe. „Nur wenn ichmerke, dass ichirgendwas geschafft habe, kann ichauch gut schlafen abends.“ EinenNamen hast du dirbishervor allemimAcapella-Battlerapund auf derPlattform„Don’tLet TheLabel LabelYou“gemacht. Wirklich Geld lässt sich damitnicht verdienen. Wasreizt dich an Battlerap? Alsodie Gagensindzwar schon gestiegeninden letztenJahren. Fürdie Arbeit,die manaberineinBattle steckt,ist es am Ende desTages immer noch lachhaft wenigeigentlich.Auf eingroßesBattlebereitetman sich zumTeilrundsechsWochenvor.Was mich daranreizt?Vor allem die Competitionmit demGegner. Und dass Battlerapdichzwingt, kreativzu sein,weilman es nichtverkacken möchte. Das istzwarmanchmalstressigund schwierig–im Endeffektist manaberfroh, es durchgezogen zu haben.Und ichmag es auch einfach, im Rampenlichtzustehen(lacht). 32 Worauf legstduindeinerMusik,deinenTexten, denn am meistenWert? Flow warmir immer wichtig. Dashabeich aber auch immer so geschehen lassen, beim Schreiben passiert dasehernebensächlich,dadenke ichgar nichtsovieldrübernach. Worauf ichbewusst achteund wasmir noch wichtigerist:Reimqualität, Technik, aber auch dieQuintessenz desSongs zu treffen. Dass es einfachimmer gut gereimt undstrukturiert ist, dennoch nichts vondem einbüßt, wasesaussagensoll. Und dazu noch einen guten Refrain zu finden, derden Song erst rund undgeilmacht.

MUSIK V ON HIER NunzudeinemAlbum:Der Titel„ReservoirDogs“ erinnert direkt an QuentinTarantino.GibteseineVerbindung? Parallelen zum Film sind eigentlich kaum da.Ganzfrüh in derProduktionsphasehabeich einenFeature-Songgemacht unddamal gesagt „Ich komm mitmeinenReservoir Dogs“. Daswar dann erst malein Arbeitstitel für dasAlbum,das hatsichaberimmer weiter durchgezogen,bis wir irgendwann meinten„Komm,jetzt istesauch ‚Reservoir Dogs‘, jetztziehen wirdas durch.“ Im Endeffektbedeutetesabernur,dassich dieHunde aus meinem Umkreis zusammengetrommelthabe. DieJungs aus einemGebiet, in diesem Fall aus demBattlerap.Das istdas KonzeptmeinesAlbums.Essindauch ausschließlich Battlerapper drauf. Insgesamt23. Wiepersönlich kann einAlbum dann noch sein,wennes zur Hälfteaus Feature-Partsbesteht? Es sind schon einige sehr persönlicheSongs entstanden.Man musssich natürlich immer einbisschendaraufeinlassen, wasder Gegenpartmacht. Unddas mussman dann halt zu einemguten Song machen. Aber wenn dieJungs sich erst maldrauf eingelassenhaben,haben wir auch sehr Persönlichesvom Stapel gelassen.Jeder Song istdabei organisch entstanden. Ichhabemir vorher niegedacht:„Das Themapasst jetztsuper zu dembestimmten Rapper.“ Im Endeffekt hatalles miteinem Beat gestartet, denich einemRapper geschickthabe. Dann hatentwederervorgelegt –oderich.Mit vielen habeich auch direkt im Studio geschriebenund dann istalles –auch dasThema –HandinHandentstanden. Das war ganz unterschiedlich. DasBesondere an demAlbum istauch,dassesinvielen verschiedenen Studios entstanden ist. Undworaufkönnensichdie HörerdeinesAlbumsthematisch einstellen? Es istschon einsehrspeziellesAlbum,was dieletzten fünf Jahrezusammenfasst.Zum Teil sind mitden Battlerappernauch sehr ernste Songs entstanden.EsgehtumKritik, umsÄlterwerden,esgehtumGeld,um Menschen,die über einenreden.Esgehtummiese Phasen im Leben, es geht um gutePhasenimLeben. BesondersimRap stehtmeist nurder RapperimFokus. Werhat an deinemAlbum noch so mitgewirkt? Das Albumist natürlichsehrauf dieBattlerapper ausgelegt.Ich habeaber auch noch vieleanderemeiner„ReservoirDogs“ mitdrauf.Zum Beispiel einenHaufenDJs,die zu einemgroßenTeilzu„Krupplyn“ gehören(Künstlerkollektiv aus demgesamten Ruhrgebiet, Anm. d. Redaktion).Die haben alleeinen Bomben-Job gemacht.Dann sind einpaarultra talentierteBeatmakerauf demAlbum zu hören. Zudemhaben befreundeteGrafikerzujedemeinzelnen Trackein Artwork erstellt. Im Introsagst du:„DieZeitenändertendie großen Ziele“... Mein Lebenhat sich einfachverändert.Vor einigenJahrenstand ichnoch aufder Bühneund habealles dafür getan, mein Gegenüber wegzubattlen. Das hab ichlange durchgezogen unddorteinige Zieleerreicht –beispielsweisedas Erreicheneines Titelmatches.Das warenmeine Ziele. Jetztgibt es andere.Ich will einguter Vatersein. Das isterstmal dasWichtigste. Vielen Dankfür dasInterview!Die letztenWorte gehörendir.. Dankeauch!Esist halt so,dasswir wirklichvielArbeit, Zeit undSchweiß in dasAlbum gesteckt haben.FastzweiJahre. Deshalb würde ichmichumsomehrfreuen, wenn dieLeute malreinhören, sich mitder Musikbeschäftigen undmir ihre Meinung dazu sagen. Und:Supportet denBattlerap –die Szenehat noch sehr viel mehr Liebeverdient! ReservoirDogs: 30.10.20 257ers–Zuhause Bereitsvor über 15 Jahren gegründet, sind die257ersheute aus der deutschenHip-Hop-Landschaftnicht mehr wegzudenken.Nr.1-Platzierungeninden Charts,Millionen Streams undKronenvon 1Live sind dabeinur einpaarder Meilensteineinihrem musikalischen Lebenslauf. Aufihrer aktuellen Single„Zuhause“ behandeln sienun aufihreArt undWeise einThema,das vielevon unskennen: dieVerbundenheitzur Heimat oder in ihremFall: dieVerbundenheitzur StadtEssen.Ehrlich,direkt, gleichzeitigaberweder überschwänglich noch übertriebenstellen sieden Hörern ihre Heimat vor–undnehmensie im Video mitauf eine virtuelleStadtführung durch Essen. „Zechentürme ragenwie Bäumeaus demTeer, keine Bergeund kein Meer,nur Herz“,heißt es in demwiedereinmal melodisch einprägsamenRefrain ihrerruhrpottromantischenHeimat-Hymne. ak VÖ:16.10. Riot In TheAttic –Dawn „Schubladenlos undlaut, aber dennoch dynamisch,rau unddochmelodiös.EineeigeneWeltzwischenStonerRock, Hard Rock undGrunge“,so beschreibtdas Kölner Trio selbst ihrenSound.Und mitihrem zehn Track starken Debüt-Album liefernsie auch gleich denBeweis:Psychedelische Stoner-Klänge,kreischende Solos, knackige Gitarren-Riffs, dazu aber auch jede Menge ruhige undatmosphärischePassagen–dasAlbum überzeugtdurch Vielfaltund verbindetverschiedene, wenn auch nichtweit entfernteGenres. Und trotzdem istdas Gesamtbildstimmigund harmonisch,sodassesauch nach mehrmaligemHörennicht langweiligwird. Allerdings:Ein Album mitsovielenverschiedenen Einflüssen undsounterschiedlichen Songsführt zwangsläufigwohlauch dazu,dassnicht jeder Trackden Geschmackdes Hörers trifft. ak VÖ:13.11. Danny–Fast &Slow Lebensbejahende Songs, einMix aus Straßenmusik, Singer-Songwriter-Pop undStorytelling: Dannyist einVollblutmusiker aus Köln undstand schon beihunderten Konzertenauf derBühne, beispielsweise in New York, TelAviv oder aufdem Jazz Rally Festival in Düsseldorf. Nunhat er mit deraktuellen Krisezukämpfen. Doch Dannybleibterfinderisch:ErspieltBalkon-Konzertefür seineNachbarschaftinKöln unddurfte–ohne Publikum –ein Livestream-Konzert spielen.„DieLanxess Arenahat mir dieeinzigartigeMöglichkeit geboten, dortein Livestream-Konzert zu veranstalten“, so derMusiker.„Mitdieser Aktionmöchteich als betroffenerKünstlerinBildern zeigen,wie dieaktuelle Situationfür unsaussieht: Bedeutungslose Bühnen, leerePlätze, kein Raum fürKunst undKultur.“Zudem wirdbei demKonzert dasVideo zu seinerneuenSingle„Fast &Slow“ aufgenommen. ak VÖ:11.12. 33

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