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Dezember 2020/ Januar 2021

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STREET ART Häuser als Leinwände D O R T M U N D Weröfter im Pott unterwegsist, hatmit rechtgroßerSicherheit schoneinesseiner riesigen Kunstwerkegesehen.Oft sind es farbenfrohe, kontrastreiche und surreale Unterwasserwelten, dieDenis Klatt(42) an großeFassaden sprüht.Wie es beiihm angefangen hat, wenermit seinerKunsterreichen möchteund wasseine bisher coolste Reisewar?AndréKaminskihat ihn gefragt. Wiehat es beidir eigentlich damals mitdem Sprayenangefangen? Ganz klassisch: Graffitisgesehen,abgemalt, angefangen.Spätereinen „echten“ Sprayerals Sitznachbarinder weiterführenden Schule gehabt. Das war 1994.Vorherhabeich schon sehr gerneund viel gezeichnet,am liebsten mitBleistift. allen meinen Zeichnungenvielmit demLicht undder Lichtgebungauseinandergesetzt. So eine Wasserunterflächeist alsoeinerecht großeHerausforderungfür einenMaler.Ich magdie Ruhe,die es vermittelt. Außerdem verbinde ichdas Meer mitFamilien-UrlaubsreisenmeinerKindheitindie Türkei. Unddie türkische VersionmeinesNamensbedeutetjaauch Meer. Foto: Kevin Kindel Wohernimmstdudie Inspiration fürdeine Kunstwerke? MeineArbeitenkönnen autobiografisch,gesellschaftlich oder vonder Naturinspiriertsein. Ichbeschäftigemichzudem gernemit demLichtfall undder Anatomie aller Objekte–ob technischeroderbiologischer Natur. Viele Arbeiten entstehenauch einfachdurch einstarkes Gefühl, dasich in einBildverwandel. Symbolik istein starkes künstlerisches Mittel,das ich nutze. Wen möchtest du damiterreichen? Heutehaben meineArbeitennur noch einenBezug zu Graffiti, selbst sind siejanur noch eine Wandillustration. Hier istder Adressat derPassant,der Anwohner.Eskommt alsoauf dieLagedes Kunstwerkes an.Natürlich hat manauch zwangsläufig eine Reichweite über dieneuen Medien.Dawirdesdann natürlich fürjemandenimAusland schwer,den lokalenKontext derArbeitzuverstehen. Diesehen dann etwa nurnochden süßenVogel.Kinder sind die, dieich am liebsten erreichenmöchte, denn ich wurde selbst alsKindvon Fassadenmalereiengecatched.Ich erinnere mich noch an alte Fassadenwerbung,die in Bergkamen, wo ichaufwuchs, dieWände prägten. VieledeinerBilderzeigenMeerestiereund die Unterwasserwelt. Wasreizt dichandiesenMotiven? An denUnterwasserwelten reiztmichvor allem dasLicht.Ich habemichin 18 In Bochum hast du einenriesigenPottwal gesprüht. Unteranderem sind darauf auch sinkende Fördertürme zu sehen... Zu demZeitpunkt,als ichden Walmalte,der sinnbildlichfür den„Pott“stehensoll, standdie letzteBraunkohlezeche im Ruhrgebiet vorder Schließung.Stellvertretendfür bereitsanderegeschlossenen Zechen,Kokereien undStahlwerke habeich versunkeneZechendargestellt.Die ZecheProsper-Haniel aufdem Rücken desWals stehtalsokurzvor Schließung. Der Walselberbegibtsichindie neue Zeit,dargestellt durch dieFarbänderung. Strukturwandelwäre derOberbegrifffür dasMotiv. Und unweit vomDortmunderUhastdugeradeeinen Vogelgesprüht... Genau,das Bild am Dortmunder UzeigteineBlaumeise,die ichals Anwohnerdes Wohnblocks vomBalkon aus in derBaumkroneeinerriesigenBirkeoft beobachte. Siesteht für Freiheit,für „Kinder sind die, dieich am liebsten dieOrtsgebundenheitund Freude.Dargestellt aufder Wand findenwir dieDürre,die für dasaktuell brachliegende Kulturleben unddie Wirtschaftsteht.Der berühmte erreichen möchte“ Rhinomit Flügelnist nurnochein gewöhnlicher Rhinoauf derSuchenach Wasser.Ein trockenerBaumtreibtKirschblüten,diessteht für dieHoffnung.Das Dortmunder Uwirft weit seineSchattenins Leere. Hinter dem Berg,der auch fürdie Vergangenheitsteht,zeigtsichdie alte Silhouette derKokerei Kaiserstuhl. Es zeigtdas Vergängliche. DerumgefalleneBierkrug stehtganzklarfür diebrache Gastro undVergnügungswirtschaft. DemVogel istdas Ganzevölligegal.

STREET ART DerPottwal in Bochumander Franz-Vogt-Straße Fotos (3) Kaminski DieseWandfindetman auch in Bochum–an derMalteserstraße. Du bemalst riesigeWände,stehstaber gleichzeitig direkt davor, während du malst. Wiefunktioniert das? Das hatder eine oder andere schon in derGrundschule gelernt. Das nennt manRastervergrößerung.Man überträgt maßstabsgerecht einfachein Raster.Ich habedamals schon für meineMitschülerRastervergrößerungengegenBezahlung gemalt.Einsdavon,ein Stillleben,hängt vielleicht immer noch in Arnsberg im Schulministerium –unter einemanderenNamen. Aber es gibt viel Wege.Man kann frei arbeiten oder Programmenutzen, um Motive transparent digitalauf dieabfotografierte Fassadezulegen. Wenn es wirtschaftlich sein soll unddie Möglichkeit besteht, kann manauch einenBeamerbenutzen. Du hast mittlerweile schonindiversenLändern gesprüht. Waswar deine bisher spannendste Reise? Ichwürde Kirgistanund dieUSA nennen.Kirgistan bereiste ichauf Einladung derDeutschen Botschaft. Es hatteein bisschen etwasvon einerZeitreiseindie alte Türkei,die ichals Kind durch Urlaubekannte.Aberauch einfacheinewahnsinnig spannende kulturelleMischung. In denUSA war ichinAustin/Texas als Künstlerfür dieFormel1.Einesuper lebendigeund liberaleStadt,die unteranderemberühmt fürihr Nacht- undKonzertleben ist. Da trifft allesaufeinander. DasStadtmotto ist„Keep Austin Weird“. Die 6thStreet, eine Partymeile,ist einfacheinmalig. Hast du abschließendvielleichtnochein paar Tippsfür jungeNachwuchskünstler,die InteresseanStreetArt haben? Streetartkannjasovielessein. In meinem Fall wäre Höhenangst für Nachwuchskünstlereherhinderlich.Gutehandwerkliche Basics sind zum Vorteil. Respekt, Disziplin,Sicherheit, Arbeitseifer undganzwichtig:die Liebezur Kunst. Es sollte eine Passionsein. Nichtein Weg, um Geld zu verdienen. DieneueWandinDortmund–EckeRheinischeStraße/Augustastraße 19

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