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coolibri CAMPUS No 05

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I N T E R V I E W D e r

I N T E R V I E W D e r S o u l s c h r e i b e r Frederik Schreiber aka Schlakks ist Rapper und kommt aus Dortmund. Früher studierte er an der Technischen Universität Angewandte Kultur- und Literaturwissenschaften. Jetzt unterrichtet er als Gastdozent in seinem alten Studiengang die Seminare „Kultur selber machen“ und „Schreiben. Performen“. Beides kann man tatsächlich lernen, meint Schlakks. Aber vor allem gilt das Credo: Einfach mal machen. Dieses Heft hat das Motto „Lass dich inspirieren!“ Wozu inspirieren deine Kurse? Vor allem dazu, selbst Sachen anzupacken! Kultur kann auch aus sich selbst heraus entstehen und braucht nicht immer einen institutionellen Überbau. Es klingt vielleicht pathetisch, aber: Wenn man für eine Sache brennt, soll man sich auch trauen; sie weiterverfolgen und einfach mal machen – statt mit der Angst durch die Welt zu rennen, später keinen Job zu kriegen oder als Taxifahrer zu enden. Ist es neu für dich, Dozent zu sein? Nein, eigentlich gar nicht. Dadurch, dass ich häufig auf der Bühne stehe – auch bei Moderationen zum Beispiel – ist das schon normal geworden, vorne zu stehen und zu reden. Bei Konzerten erkläre ich natürlich nicht, sondern mache einfach. Aber ich gebe zum Beispiel auch HipHop-Workshops für Jugendliche. Dabei und bei Seminaren an der Uni achte ich natürlich auch auf Didaktik. „Schreibe so, als ob es nie jemand lesen würde.“ Wie läuft denn ein Seminar bei dir ab? Wichtig ist mir vor allem Flexibilität. Wenn die Studierenden eigene Ideen haben, ist es kein Problem, ganz wegzugehen von dem, was wir davor theoretisch besprochen haben. Wenn jemand Bock auf ein bestimmtes Thema hat, sollte man das am besten offen gestalten und aus starren Strukturen rausgehen. So arbeite ich am liebsten: Ich gebe Inputs, begleite und lasse laufen. Aber ein paar Hinweise gibst du schon? Ich erzähle natürlich von eigenen Erfahrungen. Und dann schaue ich mit den Studierenden gemeinsam, welche Tricks und Möglichkeiten es beim Schreiben gibt. Zum Beispiel verlassen wir auch mal den Seminarraum, um an anderen Orten zu schreiben. Zum Schluss wird es voraussichtlich auch eine Veranstaltung geben, wo die eigenen Texte performt werden. Wie hast du selbst Schreiben gelernt? Ich bin ganz Autodidakt. Aber für mich gab es ein paar wichtige Leitsätze, die ich auch weitergebe. Zum Beispiel: „Schreibe so, als ob es nie jemand lesen würde.“ Dadurch schreibe ich persönlicher und so entstehen die besten Sachen. So läuft es auch im Seminar und nicht nach starrer Anleitung. Dafür bin ich zu sehr Soulschreiber. Es geht darum, das, was in dir brennt, ungefiltert rauszubringen. Natürlich braucht man Verpackungsmöglichkeiten; auch das muss man lernen. Aber eben ohne Schemata. Frederik Schreiber ist Rapper und Dozent Foto: Inga Pöting Der Studiengang „Angewandte Kultur- und Literaturwissenschaft“ impliziert ja schon Praxisanteile. Sind die groß genug? Ich kann das als Gast gar nicht so gut beurteilen. Allgemein könnte es an der Uni aber ruhig noch mehr sein. Die Uni ist ein super Ort, an dem man sich austauschen kann, auch intellektuell, aber es gibt immer die Gefahr des Elfenbeinturms. Schließlich geht es darum, das Ganze ins richtige Leben mitzunehmen. Um das Umfeld zu beeinflussen, in gewisser Weise auch zu verändern. Forschungsprojekte sind genauso wichtig, aber wenn daraus nichts entsteht, was der Gesellschaft neue Impulse gibt, ist das einfach schade. Diese Gefahr besteht weniger, wenn Dozenten von außerhalb der Uni kommen. 6 Sommersemester 2017

Foto: Stefan Wilms Gibt es Verbindungen zwischen der theoretischen Kulturwissenschaft und Rap als Praxis? Auf jeden Fall! In meinen Seminaren geht es auch darum, eben nicht nur mit klassischen, starren, hochkulturellen Konstruktionen zu arbeiten – Hochkultur ist ja selbst eine Konstruktion – sondern zeitgenössisch zu denken. Was geht in der Populärkultur gerade ab? Wo kann man da Verbindungen ziehen? Es gibt da eigentlich keine Grenzen. In deiner Seminarbeschreibung steht dazu: „Kultur ist nicht nur Opernhaus“! Wenn man anfängt, Kulturwissenschaften zu studieren, lernt man, dass viele Begriffe eine Historie haben. Aber sie haben dabei auch eine Machthistorie. Da muss man sich manchmal trauen, umzudenken. Rap zum Beispiel – plötzlich fangen die Feuilletons an, drüber zu schreiben, auf einmal ist Haftbefehl die neue Lyrik, darauf haben sie sich jetzt eingeschossen. Vor kurzem hieß es noch: Rap, ist das eigentlich Kunst? Genauso war es früher mit dem Jazz. Der ist jetzt längst legitim. Dafür ist was anderes neu und noch nicht etabliert. Das ist mir wichtig – dass einem das bewusst ist und man den Begriff Kultur offen denkt. Sommersemester 2017 „Es ist einfach cool, wenn Sachen wachsen und es weitergeht.“ Du bist ein Beispiel dafür, dass man auch mit alternativer Kultur Geld verdienen kann. Ich find‘s geil! Es kommt oft die Frage: „Kannst du denn davon leben?“ Und nein, man wird damit nicht reich. Aber es geht. Es ist möglich. Das steht der ängstlichen Annahme entgegen, dass man direkt sozial abfällt und obdachlos wird, wenn man nur einmal was ausprobiert. Inga Pöting Die Ergebnisse deiner Seminare sind eigene kleine Kulturveranstaltungen. Wenn du die über die Bühne gehen siehst – bist du dann stolz? Ich bin nicht so Fan von dem Stolz-Begriff. Deshalb würde ich eher sagen: Wenn ich das sehe, freue ich mich. Ich finde das super. Es ist einfach cool, wenn Sachen wachsen und es weitergeht. Schlakks ist Rapper, Kulturveranstalter sowie Seminar- und Workshopleiter. Sein neues Mixtape „Einfach mal wieder“ erschien im Mai. schlakks.de 7

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