Events, Trends und Reportagen für die Rhein-Ruhr-Region
Aufrufe
vor 2 Jahren

coolibri CAMPUS No 05

  • Text
  • Sommersemester
  • Menschen
  • Dortmund
  • Bochum
  • Dortmunder
  • Lukas
  • Vering
  • Organspende
  • Wichtig
  • Thema

O R G A N S P E N D E

O R G A N S P E N D E Kekse in Organform Der Medizinstudent Emre Kocakavuk (22) leitet gemeinsam mit seiner Kommilitonin Dilan Bozal die Essener Lokalgruppe der Initiative Aufklärung Organspende. Warum ihm das Thema am Herzen liegt, verriet er Lina Niermann im Interview. Fotos: Aufklärung Organspende Essen Emre Kocakavuk klärt über den Organspendeausweis auf. Wie kamst du darauf, dich im Bereich Organspende zu engagieren? Das erste Mal war ich mit dem Thema Organspende bei meinem Auswahlgespräch fürs Medizinstudium konfrontiert. Da habe ich gemerkt: Oh, du hast leider gar keine Ahnung davon. Das war der Auslöser, mich weiter in die Thematik einzulesen. Mir wurde schnell bewusst, dass gerade im Bereich Aufklärung etwas getan werden muss. Mittlerweile habe ich eine Hilfskraftstelle an der Uniklinik und erhalte dort direkte Einblicke in die Arbeit eines Transplantationszentrums. Vier Dienste im Monat bin ich dabei und habe bereits bei mehreren Eingriffen im Operationssaal assistiert. Durch diese Tätigkeit erfuhr ich von der bundesweiten Initiative Aufklärung Organspende. Und dann bist du nach Heidelberg gereist? Genau, ich hatte zufällig mitbekommen, dass dort im Mai 2016 ein Bundestreffen stattfindet und meine Kommilitonin Dilan Bozal davon überzeugt, mich zu begleiten. Im Anschluss an das Treffen stand für uns fest, das machen wir jetzt auch. Wir gründen eine eigene Lokalgruppe in Essen. Wer macht bei euch mit? Insgesamt haben wir 50 aktive Mitglieder, die regelmäßig an den Treffen teilnehmen und sich engagieren. Bei größeren Veranstaltungen helfen noch weitere Freiwillige aus, die wir über unseren E-Mail-Verteiler kontaktieren. Bisher sind alle Mitglieder Medizinstudenten. Grundsätzlich sind jedoch Studenten jeglicher Fachrichtung herzlich willkommen. Uns liegt sehr daran, das Thema Organspende aus unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten. WAY BACK WHEN IV 29. SEPTEMBER – 01. OKTOBER 2017 · DORTMUND PORTUGAL. THE MAN · THE DISTRICTS · DRANGSAL · THE VEILS · WARHAUS · VOODOO JÜRGENS VISIONS STAGE VISIONS STAGE THE AMAZONS · GURR · ADNA · WAXAHATCHEE · VAN HOLZEN · VAL SINESTRA TICKETS UNTER: WWW.WAYBACKWHEN.DE 16 Sommersemester 2017

O R G A N S P E N D E Was ist der Kern eurer Arbeit? Im Zentrum steht die komplett neutrale Aufklärung. Wir beziehen, anders als andere Organisationen, bewusst keine Stellung pro oder kontra Organspende. Unser Ziel ist es, mit Leuten ins Gespräch zu kommen, ohne ihnen dabei eine bestimmte Sichtweise vorzugeben. Es geht erstmal darum, ein Bewusstsein zu schaffen. Jeder soll in die Lage versetzt werden, eine informationsbasierte Entscheidung zu treffen. Ob jemand auf dem Organspendeausweis Ja oder Nein ankreuzt, ist für uns unerheblich. Wir finden es nur wichtig, dass Menschen überhaupt eine Entscheidung treffen und diese auf dem Ausweis dokumentieren. Durch welche Aktionen versucht ihr auf euch aufmerksam zu machen? Besonders erfolgreich war eine Campusaktion in der Weihnachtszeit. Da haben wir einen Nachmittag lang Kekse in Organform gebacken, diese hübsch verpackt und anschließend auf dem Campus verteilt. An den Tüten hatten wir Organspendeausweise befestigt. So konnten wir an einem Tag etwa 500 Ausweise ausgeben. Auch unsere Valentinstagaktion kam gut an, bei der wir mit einem Herzkostüm am Limbecker Platz unterwegs waren. So ein Herz ist ein guter Eyecatcher, um Aufmerksamkeit zu erregen und außerdem haben wir festgestellt, dass die Hemmschwelle der Passanten sank und sie eher bereit waren mit uns über das heikle Thema Organspende zu reden. Emre (Mitte) mit seinem Team bei der Arbeit. Welche Bedenken äußern die Menschen im Gespräch? Was ich sehr häufig zu hören bekomme, ist die Angst der Menschen, dass ihnen nach einem Unfall seitens der Ärzte nicht adäquat geholfen wird, wenn sie einen Organspendeausweis bei sich tragen. Es ist aber die höchste Priorität eines Arztes, seinen Patienten am Leben zu erhalten. Im Moment der Erstversorgung wird gar nicht nach einem Spendeausweis gesucht. Erst nach der Feststellung des Hirntods wird diese Frage relevant. Die Hirntoddiagnostik wird auch niemals unterwegs durchgeführt, sondern immer erst auf der Intensivstation im Krankenhaus. In den letzten Jahren gab es mehrfach Organspendeskandale. Erschwert das die Arbeit? Durch diese Fälle wird die Organspende in eine dubiose Ecke geschoben. Es ist mir wichtig darauf hinzuweisen, dass der Begriff „Organspendeskandal“ irreführend ist. Auf Seiten der Spende von Organen gab es in Deutschland bisher noch nie einen Skandal. Getrickst wurde stattdessen bei der Organvergabe, indem Ärzte zum Beispiel die Werte von Patienten gefälscht haben, damit diese auf der Warteliste von Eurotransplant weiter nach oben rücken konnten. Solche Vorkommnisse sorgen natürlich für eine große Unsicherheit. Uns geht es darum, auch diese Geschehnisse nicht zu verstecken, sondern offen anzusprechen und über die Einzelheiten zu informieren. Wie versucht ihr, Jugendlichen das Thema Organspende näherzubringen? Wir sind gerade noch dabei, unserem Vortrag den letzten Schliff zu verpassen. Ab Juni möchten wir dann in die Schulen gehen und dort Aufklärungsarbeit leisten. Jugendliche dürfen sich ab dem 16. Lebensjahr für oder gegen eine Organspende aussprechen. Daher setzen wir in der Oberstufe an. Ziel ist es, maximales Wissen zu vermitteln und dabei die Schüler minimal zu langweilen. Insbesondere eine freie Diskussion im Anschluss an den Vortrag finden wir elementar. Von der Schularbeit erhoffen wir uns einen Multiplikatoreffekt. Im Idealfall tragen die Jugendlichen ihr neues Wissen nach Hause und tauschen sich auch mit Eltern und Verwandten über die Thematik aus. Was habt ihr für die Zukunft geplant? Bisher beschränkte sich unsere Arbeit noch sehr auf die Selbstinformation. Wir haben gruppeninterne Vortragsreihen mit Experten organisiert, um erst einmal innerhalb der Initiative eine gesunde Basis zu schaffen. Für dieses Semester ist eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit geplant, Veranstaltungen zu denen Bürger und Fachleute eingeladen werden sollen. Außerdem hoffen wir, unsere Arbeit an den Schulen ausweiten und unsere Facebookgruppe bekannter machen zu können. Die Lokalgruppe Essen findet ihr unter: facebook.com/aufklaerungorganspendeessen Weitere Informationen zum Thema Organspende gibt’s in der Juni-Ausgabe des coolibri-Magazins. Sommersemester 2017 17

coolibri Magazine 2019

coolibri Magazine 2018

coolibri Magazine 2017

edition coolibri

Ruhrgebeef No. 8 - Leseprobe
Ruhrgebeef No7 - Leseprobe
Ruhrgebeef No6 - Leseprobe
Backmagazin
Ruhrgebeef No5 - Leseprobe
Ruhrgebeef No4 - Leseprobe
Leseprobe: Ruhrgebeef - Vol 2
Landtagswahl NRW 2017
coolibri Campus NO 02