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KULTUR AM RHEIN D Ü S S

KULTUR AM RHEIN D Ü S S E L D O R F Nach sechs MonatenZwangspause kann mannicht einfach zur Tagesordnung übergehen. DasDüsseldorfer Schauspielhaus eröffnetedie neue Spielzeit dahermit einem Stück,das dieNeue Normalität reflektiert,die uns gestern nochunvorstellbar schien. „Hyperreal“beleuchtetunterhaltsam dieAuswüchseder Corona- Depression. Foto: dhaus Schöne neue Welt? Zusammen istman wenigerallein–daswar einmal.Jetzt herrschteinePandemieund physische Kontaktesindverboten. Undsosieht manzwar eine Gruppe vonMenschenvor der nachtblauen, sich stetig wandelndenKulisse, doch jede undjeder istfür sich.Selbstüberihre eigenen Körperscheinensie dieKontrolle verlorenzuhaben; dieBewegungen sind ungelenk, dieGliedmaßenmüssenerstwiederinPosition gebracht werden.Was hatder Lockdown mit unsgemacht? Eine „dystopische Science-Fiction-Komödie“ nenntdie Choreografin ConstanzaMacrasihr Stück„Hyperreal“,ihre ersteArbeitamDüsseldorfer Schauspielhaus.Macraswurde in Argentinien geborenund lebt heute in Berlin,wosie die KompanieDorky Park leitet,deren Tänzer neben 32 Mitgliederndes Theaterensemblesdie Bühne bespielen.Den Titelihrer Produktionhat Macras beim französischenPhilosophenJeanBaudrillard entliehen: Hyperrealitätbeschreibtden Zeitpunkt,andem dieFiktion dieWirklichkeit ersetztund niemandmehrweiß, wo derUnterschied ist: Corona hatalles,was unsebennoch selbstverständlich erschien,auf denKopfgestellt,plötzlichist dasUndenkbare dasNeue Normal.„Ichhabedas Gefühl, dass unsere Gesellschaftden Zugriffauf dieRealitätverliert“, sagteConstanza Macras gegenüber demWDR. „Wir warensovielonline in dieser Zeit,das heißt, wir bewegenuns in denDiagrammen von Algorithmen.“ Rückblickauf denLockdown, denjeder derAkteure,eingesperrt in dieeigenen vier Wände, anders erlebt hat. VonPutzwahnist dieRede, verrückten Fitnessprogrammen,absurdenDiäten, Beziehungsstress im Homeoffice,einsamenTrinkgelagenund denverzweifelten Versuchen,onlinedas Offline-Lebenzusimulieren. GesteigerterKonsumscheint dasprobate Mittel, dieinnereLeere zu bekämpfen –Paketboten aus„Amazonien“ liefernunablässigneuen Krempel insHaus. Bezugnehmend aufAldous Huxleys„Schöne neue Welt“entwickeltsich „Hyperreal“ zu einerschmissigenRevue,die schwarzhumorig dieSinnfrage in unserer durchkapitalisierten Wohlstandsgesellschaft stellt. Berit Kriegs Hyperreal:9., 22. +23.10., Schauspielhaus Düsseldorf; dhaus.de

KULTUR AM RHEIN D Ü S S E L D O R F Ist das süß! Kleine Kinder sind niedlich, Tierbabys sowieso. Aber auch Sonnenuntergänge, Geburtstagstorten, Fingernägel,Tattoos, Turnschuhe, Flamingos– alles mögliche wirdinden sozialenMedien mit#cute getaggt. Eine Ausstellung im NRW-Forumerforscht das Phänomen der Niedlichkeit,das auch Schattenseiten hat. Jonathan Monaghan.Disco Beast, 2016.Courtesyofbitforms gallery, NewYork. Foto:NRW-Forum Süß, putzig,niedlich, hübsch –imEnglischen heißtescute, im Japanischen kawaii.Kawaii bezeichnet zugleich einästhetischesKonzept, dassichinJapan in den1970erJahrenentwickelte undfestinder dortigenKulturverankert ist: dieBetonungdes Kindlichenund Unschuldigen. Etwa seit derJahrtausendwende istdieses Phänomenauch im Westen bekanntund mittlerweile allgegenwärtiginKunst,Design, Robotik, Popkulturund den(sozialen)Medien. #cute isteiner derpopulärstenHashtagsmit rund 600Millionen Postsalleinauf Instagram. Im Düsseldorfer NRW-Forumwidmetsicheine internationale Gruppenausstellungdem Thema Niedlichkeit als Schlüsselästhetik derGegenwart.„#cute. Inseln derGlückseligkeit?“(9.10.- 10.1.21) stellt dieFrage: Wasist niedlich?Mehr als 50 Künstlerinnen undKünstler, darunter Ruth vanBeek, Melissa SixmaLingo,Pierre et Gilles,KatyTornund JuergenTeller, beleuchten dievielfältigenFacettendieserStrömungmit Fotografien, Filmen,Skulpturen, Objekten und Installationen. EinSchwerpunkt derSchau liegtauf demKippmoment desNiedlichen, wenn Cuteness umschlägtins Doppeldeutige oder Bedrohliche. „MyFirstRifle“ heißteineSerie vonAn-Sofie Kesteleyn, dieamerikanischeKindermit ihren ersten Waffen porträtierte. FALK aka@betrayal_junkiepräsentiertCollagen, dienur vordergründigNiedlicheszeigen; AyaKakedas liebreizendeKeramikarbeiten„Schöne Verwesung“ konfrontierenden Betrachter mitdem Tod. Den omnipräsentenCat ContentimInternetbehandelt BrendaLienmit ihremvielbeachtetenAnimationsfilm „Call of Cuteness“(2017), derkritischund mitteils drastischenBildern dasVerhältnis desMenschenzuTierenhinterfragt. Ergänztwirddie Ausstellungdurch Exponate aus derSammlungdes Jugendkulturarchivs FrankfurtamMain.Accessoires, Mode,Spielzeugeund andere Gegenstände gebenEinblick in diesichrasantwandelndenProduktwelten vonJugendkulturenund ihre ästhetischen Symbole. BeritKriegs #cute. Inseln derGlückseligkeit? 9.10.–10.1.21, NRW-Forum, Düsseldorf; nrw-forum.de /Zur Nutzungvon Audio-Inhalten werdendie Besuchergebeten,ihreeigenen Kopfhörermitzubringen. 33

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